Test 2016Fuji SL 1.1 - Top-Modell: Fuji SL 1.1 im Test

Unbekannt

 · 28.10.2015

Test 2016: Fuji SL 1.1 - Top-Modell: Fuji SL 1.1 im TestFoto: Markus Greber

Fujis neues Top-Modell aus der SL-Reihe wartet mit einigen Superlativen auf – und die US-amerikanische Marke drängt in die erste Liga des Rennradbaus.

Die Marke Fuji hat sich in den vergangenen Jahren nicht un­bedingt als High-End-Anbieter hervorgetan. Ein sehr breites Portfolio solide ausgestatteter Räder mit einem fairen Preis-­Leistungs-Verhältnis galt eher als Markenzeichen des amerikanischen Anbieters. Doch das im vergangenen Jahr vorgestellte Aero-Modell Transonic war schon ein erster Hinweis darauf, dass künftig mehr Know-how in die technische Entwicklung von Rennrädern investiert und die Marke selbstbewusster präsentiert werden soll. Das Profi-­Engagement beim damaligen Team Net-App untermauerte diesen Anspruch. Für die Saison 2016 legt Fuji mit dem SL einen superleichten Renner nach, der es mit den Top-Rädern führender Marken aufnehmen soll. Die Ankündigung von weniger als 1.000 Gramm für das Rahmen-Set (bei Rahmengröße 56) und weniger als fünf Kilogramm für das komplette Rad sind Zahlen, die Leichtbau-Fans aufhorchen lassen.

Nicht zu viel versprochen

Tatsächlich beeindruckt unser Testrad mit einem Fliegengewicht von nur knapp mehr als fünf Kilogramm. Doch mindestens ebenso beeindruckend ist der Verkaufspreis: Knapp 12.000 Euro ruft Fuji für den edel ausgestatteten Top-Renner auf. Das Rahmen-Set soll aber schon für faire 1.799 Euro zu haben sein. Im Labortest erreicht es die ­angepeilten Leichtbau-Ziele jedoch nicht ganz; ­gewogene 779 Gramm für den Rahmen und 315 Gramm für die Gabel ergeben im Set-Gewicht etwa 100 Gramm mehr als ­angekündigt – wobei sich diese Ankündigung auf ein – im Gegensatz zum Testrad – ­unlackiertes Modell bezieht. Damit spielt das Rahmen-Set dennoch weit oben in der Leichtbau-Liga und beweist auf den TOUR-Prüfständen, dass das geringe Gewicht nicht seine einzige Qualität ist. Alle Steifigkeitswerte liegen in beruhigenden Sphären, auch der Komfort am Sattel entspricht dem Stand der Technik. Die beeindruckende Rahmen-Set-Note von 1,4 ist somit redlich verdient – das SL liegt auf Augenhöhe mit anderen Top-Rennern. Möglich macht das eine neue Fertigungstechnologie: Anders als beim Vor­gängermodell Altamira setzt Fuji den neuen Rahmen nur noch aus drei statt fünf Einzelteilen zusammen – das vordere Rahmen­dreieck inklusive der Strebenanbindungen wird in einem Stück laminiert. Außerdem wird die Rahmenwand an bestimmten Stellen mit extrem festem Fasergewebe belegt, das sich nur an ebenen Flächen einsetzen lässt. Daraus resultiert die auffällige äußere Form mit vielen Flächen und Kanten. Der leichte Rahmen ist aber nur die Basis – für einen Fünf-Kilo-Renner müssen auch bei der Ausstattung alle Register gezogen werden.

  Am Limit: Leichtere Laufradsätze als die Reynolds RZR gibt es kaum.Foto: Matthias Borchers
Am Limit: Leichtere Laufradsätze als die Reynolds RZR gibt es kaum.

Mit SRAM Red sowie Carbon-Komponenten von Ritchey und der Fuji-Eigenmarke Oval verfügt das SL über leichte und dabei ebenso funktionale wie alltagstaugliche Anbauteile. Auch die teuren eeBrake-Leichtbau-­Bremsen überzeugen bei den Testfahrten. Abstriche in der Alltagstauglichkeit muss man allerdings bei den Laufrädern machen, die einen nicht unerheblichen Teil zum ­Erreichen des Fünf-Kilo-Ziels beitragen. Die Reynolds RZR 46 lassen das Rad spielerisch beschleunigen und machen trotzdem auch bei flotter Fahrt einen stabilen Eindruck. Die Konstruktion mit Felge, Nabe und Speichen aus Carbon zählt aber zu den empfindlicheren Vertretern der Gattung Carbon-Laufrad. Dazu kommen die schnellen, aber hauch­zarten, 22 Millimeter schmalen Vittoria-Chrono-Schlauchreifen – reines Wettkampfmaterial, das an einem Zeitfahrrad besser aufgehoben wäre als an einem Allround-Renner, zumal die Reifen den sonst guten Komfort des Rades etwas mindern. Auch an anderen Ausstattungsmerkmalen merkt man, dass das SL auf Rennbetrieb gemünzt ist: Die stramme Übersetzung und die betont sportliche Sitzposition sprechen vor allem Rennfahrer an. Wer an dem Rahmen-Set Gefallen findet, aber ein alltagstauglicheres Rad sucht oder nicht so viel Geld ausgeben will: Das SL gibt es in sechs Ausstattungs­varianten, beginnend mit 105-Ausstattung für 1.999 Euro; mit mechanischer Dura-Ace ­kostet das Rad 4.999 Euro.

  Tuning extrem: Die leichten, aber teuren eeBrakes am Fuji SL 1.1 sind sogar alltagstauglich, die schmalen Zeitfahr-Pneus eher nicht.Foto: Matthias Borchers
Tuning extrem: Die leichten, aber teuren eeBrakes am Fuji SL 1.1 sind sogar alltagstauglich, die schmalen Zeitfahr-Pneus eher nicht.

Komplettrad 11.999 Euro | Gewicht 5,0 Kilo
Rahmen-Set 1.799 Euro
Info www.fujibikes.com

Gewicht Rahmen/Gabel/Steuerlager** 779/315/47 Gramm
Rahmengrößen*** XXS, XS, S, M, L, XL, XXL
Sitz-/Lenkwinkel 73°/73°
Sitz-/Ober-Steuerrohr 525/560/157 mm plus 10 mm Steuersatzkappe
Radstand/Nachlauf 985/57 mm
Stack/Reach/STR**** 561/39 mm/1,44

AUSSTATTUNG

Lenklager FSA, oben 1-1/8 Zoll, unten 1-1/2 Zoll
Bremsen eeCycleworks eeBrakes
Schaltung SRAM Red 22 (53/39 Z.)
Laufräder/Reifen Reynolds RZR 46/Vittoria Chrono CS 22 mm
Lenker/Vorbau Oval 910 SL/Oval
Sattel/-stütze Ritchey Super Logic

Foto: Matthias Borchers
  Test 2016: Fuji SL 1.1Foto: TOUR Testabteilung
Test 2016: Fuji SL 1.1
  Test 2016: Fuji SL 1.1Foto: TOUR Testabteilung
Test 2016: Fuji SL 1.1
  Test 2016: Fuji SL 1.1Foto: TOUR Testabteilung
Test 2016: Fuji SL 1.1

*Das Rahmen-Set geht mit 40 Prozent, die Ausstattung mit 60 Prozent in die ­Gesamtnote ein. Die Noten werden bis zur Endnote mit allen Nachkommastellen gerechnet; zur besseren Übersicht geben wir jedoch alle Noten mit gerundeter ­Nachkommastelle an.
**Gewogene ­Gewichte.
***Herstellerangabe, Testgröße fett.
****Stack/Reach projiziertes senkrechtes/waagerechtes Maß von Mitte Tretlager bis Oberkante Steuerrohr; STR (Stack to Reach) 1,36 bedeutet eine sehr gestreckte, 1,60 eine aufrechte Sitzposition.

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