Klein Rève XX (Einzeltest)Foto: Daniel Simon

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Unbekannt

 9/21/2005, Lesezeit: 3 Minuten

Die US-Marke Klein stand einst für leichte und kompromisslose Renngeräte. Jetzt markiert das Modell “Rève xx” sowohl Neubeginn als auch neue inhaltliche Ausrichtung. (TOUR 7/2005)

Ziemlich genau zehn Jahre ist es her, da stellte der amerikanische Rahmenbauer Gary Klein seinen Rennradrahmen „Quantum Pro“ vor. Mit dem leichten und steifen Alu-Rahmen setzte er sich an die Spitze der technischen Entwicklung und trug mehr als jeder andere Hersteller dazu bei, dass Rennräder heute so aussehen wie sie aussehen. Doch um die Marke Klein ist es still geworden. Sie verstaubte weitgehend unbeachtet im Schatzkästlein des US-Konzerns Trek – und die Spitze der technischen Entwicklung übernahmen andere. Jetzt versucht Klein wieder Akzente zu setzen: mit dem „Rève xx“, dem nach eigener Aussage „leichtesten gedämpften Rennradrahmen der Welt“.

Den Komfort bietet ein in drei Härten erhältlicher Elastomer-Dämpfer mit 10 Millimetern Federweg im Monostay-Hinterbau des Alurahmens, der ohne Gelenke auskommt: stattdessen verformen sich die Kettenstreben elastisch. Diese Technik ist nicht neu, hat aber Vorteile: Sie spart Gewicht – und Gelenke, die es nicht gibt, können nicht verschleißen. Die Angst, dass dauerhafte Schwingungen den Rahmenhinterbau schwächen, ist weitgehend unbegründet: Gewissenhaft geschweißt und wärmebehandelt, machen die Kettenstreben die Biegebelastung ein Rahmenleben lang mit. Treten starke Fahrer im Sprint hart zu, weichen die Kettenstreben fast jedes Rennrades zur Seite ähnlich weit aus.

Der Effekt der simplen Technik ist deutlich spürbar. Das Gerumpel über Teerflicken und kleine Schlaglöcher glättet die Dämpfung merklich, sie spricht fein an und arbeitet unauffällig. Lediglich beim Tempobolzen in der Ebene macht sich ein leichtes, gewöhnungsbedürftiges Wippen bemerkbar, wenn der Dämpfer während des Tretzyklus regelmäßig entlastet wird. Extreme Rüttelpisten und Kopfsteinpflaster freilich zeigen dem System seine Grenzen auf. Auf das Fahrverhalten hat die Dämpfung keinen weiteren Einfluss, der Rahmen wirkt steif und auch in schwierigen Fahrsituationen sicher beherrschbar.

Im Labortest hinterließ das „Rève“ (französisch für „Traum“) ein Bild mit leichten Trübungen – ungewohnt für Räder aus dem Hause Klein. Der Rahmen wiegt inklusive Dämpfungseinheit knapp 200 Gramm mehr als ein Quantum Pro, nämlich 1,6 Kilo. Ein akzeptabler Wert, zu dem das Gewicht der Carbongabel mit Aluschaft von 536 Gramm allerdings nicht passen will; zu Zeiten des vor zehn Jahren hochgelobten Quantum Pro wog dessen Gabel 380 Gramm. Schon damals kostete das Rad mit Shimanos Dura-Ace stolze 5.500 Mark, heute wird das „Rève“ mit einem Ausstattungs-Mix aus Shimano Dura-Ace und Bontrager-Teilen für 4.000 Euro notiert – darauf muss sich jeder selbst seinen Reim machen. Ärgerlich, dass der untere Lenklagerkonus nicht richtig saß – der Aluminium-Gabelschaft wies Übermaß auf. Kein Vergleich auch die Lackqualität, einst einer der Glanzpunkte der US-Marke. Die orangefarbene Hülle blätterte schon unter leichten Schlägen ab. Die im Labor ermittelte Federkennlinie des Elastomers bestätigt die gute Abstimmung des Systems. Es spricht sanft an und arbeitet wirkungsvoll über die gesamte Länge des Federweges: Die Dämpfung des Gesamtsystems Fahrrad erhöht sich dadurch um rund 40 Prozent.

Die Geometrie des Rahmens deutet an, dass Kleins neuer Beitrag zum Thema Rennrad eine andere Zielgruppe anpeilt: Die Sitzposition ist deutlich aufrechter, Gewindeösen an Rahmen und Gabel sowie Bremsen mit verlängerten Bremsschenkeln erlauben die Montage von Schutzblechen und Gepäckträgern – so wird das Rennrad zum Sporttourer. Dazu passt die Kompaktkurbel mit der Kettenblattkombination 50/36 sowie der Zahnkranz mit Ritzeln von 12 bis 27 Zähnen.

Fazit: Das „Rève“ ist nicht der große Wurf, auf den Fans der Marke vielleicht gewartet haben. Die Idee der Federung ist nicht neu, aber gut umgesetzt. Das Konzept des vielseitigen, komfortablen Sporttourers ist stimmig, wenngleich die Klein-untypischen Schwächen bei Verarbeitung und Finish den Gesamteindruck trüben.