Kristian Bauer
· 22.01.2026
Die IG Metall Koblenz hat auf die Pläne des Fahrradherstellers Canyon, bis zu 320 Stellen abzubauen, mit einer kritischen Stellungnahme reagiert. In einer Pressemitteilung vom 21. Januar 2026 nimmt die Gewerkschaft zu der Ankündigung des Koblenzer Unternehmens Stellung. "Die IG Metall Koblenz nimmt die Stellenabbaupläne von Canyon zur Kenntnis. Uns ist bewusst, dass die Branche Überkapazitäten hat und ein gewisser Anpassungsdruck vorhanden ist. Wir sind noch nicht davon überzeugt, dass der genannte geplante Abbau in dieser Höhe notwendig ist", wird Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz, in der Mitteilung zitiert. Die Gewerkschaft zeigt sich grundsätzlich bereit, Unternehmen in der Region dabei zu unterstützen, wettbewerbsfähig zu bleiben und flexibel am Markt zu agieren. Allerdings müsse zunächst geklärt werden, welche konkreten Ziele mit der Maßnahme verfolgt werden – ob es um Renditeziele gehe oder darum, Canyon auf aktuelle und erwartbare Marktbedingungen einzustellen.
Die IG Metall kündigt an, in einem nächsten Schritt die Pläne gemeinsam mit dem Betriebsrat zu besprechen. "Wir müssen wissen, wie die Zahl der 320 Stellen zustande kommt und welche Bereiche betroffen sein sollen. Unser Ziel wird es sein, Alternativen zum Personalabbau und Perspektiven für die betroffenen Beschäftigten zu entwickeln", erklärt Markus Friedel, Erschließungssekretär und IG Metall Betreuer bei Canyon. Für die kommende Woche ist auf Einladung des Betriebsrates eine Betriebsversammlung für den gesamten Standort Koblenz geplant. Im Anschluss daran wollen sich der Betriebsrat und die IG Metall gemeinsam öffentlich äußern und zu einem Pressegespräch einladen. Die Gewerkschaft betont, dass trotz des Bekenntnisses von Roman Arnold, Gründer und aktueller Executive Chairman von Canyon, zum Standort Koblenz, gerade in der Region jeder vierte Arbeitsplatz bei Canyon wegfallen solle.
Der Fahrradhersteller hatte zuvor angekündigt, bis zu 320 der insgesamt rund 1600 Stellen abbauen zu wollen. Der Großteil der Stellen soll am Standort in Koblenz gestrichen werden, ein Teil am Standort Amsterdam, wo derzeit 60 Mitarbeiter beschäftigt sind. Als Grund für den drastischen Schritt wird die anhaltende Krise in der Fahrradbranche angegeben. "Die Fahrradbranche befindet sich in einer Phase der Konsolidierung, während globale Faktoren wie US-Zölle, geopolitische Spannungen und gedämpfte wirtschaftliche Prognosen zusätzliche Herausforderungen schaffen", hatte das Unternehmen als Begründung angeführt. Der Betriebsrat wurde bereits informiert und die Gespräche haben begonnen.
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Für die betroffenen Mitarbeiter könnte sich jetzt auszahlen, dass 2024 ein Betriebsrat bei dem Koblenzer Fahrradunternehmen gegründet wurde. Die IG Metall und der Koblenzer Fahrradhersteller hatten im selben Jahr den ersten Tarifvertrag in der Fahrradbranche abgeschlossen. Die Geschäftsführung muss nun mit dem Betriebsrat über die geplanten Kündigungen verhandeln und begründen, warum der Schritt notwendig ist. Der Betriebsrat kann den Arbeitgeber zwingen, einen Sozialplan aufzustellen und Vorschläge zur Einigung zu machen. Canyon beschäftigt aktuell laut Mitteilung der IG Metall etwa 1200 Mitarbeiter in der Region Koblenz.
Die wirtschaftliche Lage von Canyon hatte sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Die Mehrheit des Unternehmens liegt seit 2020 bei der belgischen Investmentholding Groupe Bruxelles Lambert (GBL). Durch die Veröffentlichungen von GBL wurden die schlechten Zahlen von Canyon bereits bekannt. Der Wert der Canyon-Beteiligung sank von 460 Millionen auf 261 Millionen Euro, was den Investor GBL zu einer Abschreibung von fast 200 Millionen Euro auf seine Beteiligung veranlasste. 2024 meldete Canyon einen Umsatz von 792 Millionen Euro und einen zweistelligen Verlust. In den ersten drei Quartalen 2025 ging der Umsatz erneut zurück und es wurden weitere Verluste verbucht.