Einzeltest: Zerlegbarer Titan-Carbon-RennerFoto: Daniel Simon

AktuellesEinzeltest: Zerlegbarer Titan-Carbon-Renner

Unbekannt

 1/25/2006, Lesezeit: 3 Minuten

Viele Rennradler würden ihr Sportgerät liebend gerne öfter auf Reisen und in Urlaub mitnehmen – wenn es nur nicht so sperrig wäre. Tom Ritchey offeriert für diesen Zweck seinen zerlegbaren Renner “Break Away”. TOUR hat sich den Luxus-Falter angesehen. (TOUR 11/2005)

Ein zerlegbares Rennrad mit dem Packmaß eines normalen Reisekoffers – für Geschäftsreise und Kurzurlaub eine reizvolle Idee. Neu ist sie freilich nicht: Tom Ritchey hat sie mit dem rund 1.000 Euro teuren lackierten Stahlrahmen „Break Away“ schon vor einigen Jahren verwirklicht (siehe TOUR 6/2003). Jetzt ist das Rad für die kleine Flucht nach Feierabend allerdings in einer edlen und ausnehmend schönen Titan-Version zu haben und einen zweiten Blick wert.

Zusammengebaut sieht man dem edlen Titanrenner sein Packmaß nicht an

Erst genaues Hinsehen offenbart den eigentlichen Clou des eleganten Renners. Die Idee ist smart, die Ausführung handwerklich erstklassig. Eine filigrane Schelle am Unterrohr in Tretlagernähe und eine zweite Sattelstützenklemmung knapp unterhalb des Oberrohrs verraten die Besonderheit. Geteilt wird der Rahmen in ein Vorderteil mit Oberrohr, Unterrohr und Sattelstützenklemmung sowie den Hinterbau mit Unterrohrstummel und der zweiten Stützenklemmung am oberen Ende des Sitzrohrs. Das geteilte Unterrohr verbindet eine clever gemachte Stahlschelle sicher per Formschluss. Steckt man die Sattelstütze durch die beiden Stützenklemmungen, wird sie zum verbindenden Element, die den Rahmen zur stabilen Einheit komplettiert.

Vorteil des „Break Away“ vor anderen falt- oder zerlegbaren Rädern: Von den Laufrädern bis zur Rahmengeometrie ist es ein vollwertiges Rennrad. Allerdings erzielt der Rohrverbund aus schlanken Titanrohren mit 62 Newtonmetern pro Grad im Lenkkopf einen eher bescheidenen Steifigkeitswert. Zusammen mit dem relativ weichen Carbongabelschaft und den mäßig seitensteifen Laufrädern reagiert das Rad in dieser Ausstattung auf hartes Bremsen und schnelle Abfahrten sehr sensibel. Die montierte Carbonsattelstütze, die nicht zum Rahmen-Set gehört, knarzte beim Fahren vernehmlich – das Geräusch verschwand nach dem Austausch durch eine Alu-Stütze.

Ritchey bewirbt das Rahmenkonzept als „ultimatives Rennrad für Reisen“. Der sehr kompakte, zum Lieferumfang gehörende Transportkoffer wiegt leer 4,75 Kilo und passt neben dem üblichen Reisegepäck problemlos auch in einen Kleinwagen. Eine halbkugelförmige Ausformung für den Zahnkranz in der Seitenwand und das Ritchey-Logo – mehr unterscheidet den Behälter nicht von einem normalen Reisekoffer auf Rollen. Zum Zerlegen des Rades benötigt man drei verschiedene Innensechskantschlüssel – und stellt schnell fest, dass spontane Reisen mit dem Renner doch nicht so einfach sind. Diverse Klemmungen, Zugtrenner und die Kompressionsschelle müssen geöffnet, Lenker, Vorbau, Vorderradbremse, Sattelstütze und Pedale demontiert werden. Abhängig von Geschick und Übung vergeht eine knappe Viertelstunde, bis das edle Gefährt sicher und unbeschädigt im Koffer verstaut ist. Der Zusammenbau geht schneller, jedoch muss jedesmal der Steuersatz neu eingestellt werden. Die Schrauben der Stützenklemmung sollte man bei häufigem Zerlegen mit Kupferpaste davor schützen, dass sie sich am Reibpartner Titan übermäßig abnutzen.

Fazit: Das Konzept des zerlegbaren Rennradrahmens mit dazu passendem Transportkoffer ist mit viel Liebe zum Detail ausgeführt. 2.700 Euro für Rahmen, Gabel, Lenklager und Koffer mögen als Basis für ein Zerlege-Rad ein stolzer Preis sein. Betrachtet man Tom Ritcheys vollwertigen „Break Away“-Renner hingegen als edlen Titanrahmen, der zur handwerklichen Perfektion und noblen Erscheinung noch die Option des transportfreundlichen Zerlegens bietet, stellt sich das wieder etwas anders dar. Denn eigentlich ist die schimmernde Schönheit zum schnöden Einpacken viel zu schade.

* getestete Rahmenhöhe, ** BA = Bedienungsanleitung, GA = Garantie