Einzeltest: Simplon Serum

AktuellesEinzeltest: Simplon Serum

Unbekannt

 2/20/2010, Lesezeit: 4 Minuten

Simplons neuer Top-Renner ”Serum” soll in der Liga der Carbon-Champions ganz vorne mitmischen. Exklusiv im TOUR-Test die Spielerqualitäten des neuen Stars aus Österreich.

Etablierte wie neue Techniken der Carbonverarbeitung haben Simplons Konstrukteure ihrem neuen Top-Modell eingepflanzt: Das Zwei-Kammer-System, “Double Chamber” genannt, bei dem das Unterrohr teilweise und das Sitzrohr im Bereich des Umwerfersockels durch einen integrierten Mittelsteg versteift sind, kennt man bereits von den Modellen “Pavo” und “Pride”. Ersterer vereinte auch schon die drei Fertigungsweisen von Monocoque, Tube-to-Tube und Muffen, um den Rahmen gleichermaßen leicht und steif zu gestalten – mit Erfolg. Beim “Serum” feiern nun filigrane Sitzstreben sowie eine integrierte, leicht nach hinten gebogene Sattelstütze aus Carbon Premiere. Deren Faserbelegungsplan und der Durchmesser von schlanken 27,6 Millimetern sind explizit darauf ausgelegt, am Sattel größtmöglichen Komfort zu erzielen. Die Liste der aufwendigen technischen Details ist damit noch nicht erschöpft: Die Carbon-Ausfallenden, die Carbongabel mit konischem Schaft sowie das Tretlager mit Press-fit-Standard, in das die Kurbellager direkt eingepresst werden, summieren sich zu einem hochtechnischen, individuellen und innovativen Ansatz, mit dem die Österreicher ihren Anspruch als Carbon-Spezialisten unterstreichen wollen.

Die Silhouette des Rahmens ist geprägt vom Hauptrahmen in klassischer Oversized-Bauweise, wobei Ober- und Unterrohr ihr Volumen durch den mandelförmigen Rohrquerschnitt kaschieren. Das konische Steuerrohr birgt im Inneren unten ein 1-1/4 Zoll und oben 1-1/8 Zoll großes Lager, in denen sich der konische Gabelschaft dreht. Eingestellt wird das Lagerspiel mit einer Acros-Klemmung, bei der eine Madenschraube zwei Ringe mit schrägen Flächen gegeneinander verdreht – eine simple wie elegante Technik.

Simplons Ausstattungsbaukasten hält für das “Serum” acht Varianten bereit, Gruppen von Campagnolo, Shimano und SRAM können mit diversen Laufrädern kombiniert werden, sodass die Preisspanne von 3.599 Euro mit Shimanos “Ultegra” bis zu 6.399 Euro mit Campas neuer “Super Record” reicht. Unser sechs Kilo schweres Testrad mit SRAMs Top-Gruppe “Red” kostet 5.649 Euro. Nach Bestellung beim Händler verspricht Simplon eine Lieferzeit von lediglich einer Woche.

Vor allem aus technischer Sicht verdient Simplons neues Top-Modell das Prädikat “Oberklasse”. 1.346 Gramm inklusive integrierter Sattelstütze sind ein sensationell guter Wert. Lediglich Canyons “Ultimate CF SLX Ete 201” und das Storck “Fenomalist Di2”, beide übrigens ohne integrierte Sattelstütze, waren in den jüngsten Tests 2 beziehungsweise 28 Gramm leichter (TOUR 1/2010->). Die Steifigkeitswerte von Rahmen und Gabel sind tadellos, das Simplon lässt sich in jeder Situation und auch bei Top-Speed absolut präzise steuern.

Sichtbar biegsam federt die integrierte, schlanke Sattelstütze beim Überfahren von Kopfsteinpflaster oder Schachtdeckeln die gröbsten Schläge ab – besser war nur das in TOUR 12/09 getestete BMC “Team Machine SLR 01”. Deutlich weniger flexibel zeigt sich die Gabel, sie federt kaum und passt nicht zur “Fahrwerks”-Abstimmung. Lästig und auch durch mehrmaliges Justieren nicht zu beheben war das Quietschen von SRAMs Bremsbelägen auf Mavics “R-Sys”-Laufrädern. Vorbildlich die Garantiebedingungen: Simplon testet alle Rahmen auf dem eigenen Prüfstand auf Dauerfestigkeit und gewährt sechs Jahre Garantie sowie ein abhängig vom Kaufdatum gestaffeltes Unfall-Ersatzprogramm.

Fazit: Das neue “Serum” ist das bes te Simplon aller Zeiten – es mischt die Konkurrenz in der Carbon-Champions- League ordentlich auf. Aus technischer Sicht ist nur die zu steife Gabel zu kritisieren, in optischer Hinsicht könnte man die etwas grobe Sattelklemmung noch tunen sowie einen filigraneren Vorbau als den “F129” von Syntace auswählen. Beide Teile durchbrechen mit ihrer klobigen Bauweise die ansonsten harmonischen Linien von Simplons neuem Top-Spieler.

*Testrad-Rahmengröße gefettet; **projiziertes Maß von Mitte Tretlager bis Oberkante Steuerrohr/Sattel- Steuer rohrüber höhung bei 75 cm Sitzhöhe (Mitte Sattelgestell–Oberkante Steuersatzdeckel); ***bereinigtes Gewicht für Rahmengröße 57 und Gabelschaftlänge 225 mm; ****in die Note fließen weitere Einzelnoten ein, die wir aus Platzgründen nicht abdrucken können. Die Ausstattung geht bei Kompletträdern mit 60 Prozent in die Endnote ein.

Fotos: Matthias Borchers

  Steuerzentrum: Der konische Gabelschaft dreht sich in 1-1/8- und 1-1/4-Zoll-Lagern
Steuerzentrum: Der konische Gabelschaft dreht sich in 1-1/8- und 1-1/4-Zoll-Lagern