EinzeltestKuota KOM

Unbekannt

 · 30.06.2008

Einzeltest: Kuota KOM

Mit dem Modell ”KOM” – die Abkürzung steht für ”King of the Mountains” – will die italienische Marke nun auch bei der Tour de France zeigen, dass sie Räder für Sieger bauen kann.

In Deutschland ist die 2001 gegründete Marke Kuota bislang vor allem als Ausrüster des Triathleten Normann Stadler bekannt. Mit dem Modell “KOM” – die Abkürzung steht für “King of the Mountains” – will die italienische Marke nun auch bei der Tour de France zeigen, dass sie Räder für Sieger bauen kann. Erstmals stattet Kuota 2008 ein internationales Top-Team aus: Die Agritubel-Equipe um die ewige französische Tour-Hoffnung Christophe Moreau.

Formal präsentiert sich das “KOM” eigenständig. Der in fünf Größen lieferbare Carbonrahmen – eine Monocoque- Konstruktion mit angesetztem Monostay-Hinterbau – wirkt mit seinem extrem großvolumigen Unterrohr schon im Stand steif und fahrstabil. Die Gabel dreht sich unten in einem 1-1/4-Zoll-Lager, nach oben verjüngt sich der Schaft auf 1-1/8 Zoll. Auch hier ist das Ziel der Konstruktion klar: hohe Steifigkeit bei möglichst geringem Gewicht.

Die Erwartungen vor den Messungen im TOUR-Labor waren entsprechend hoch, und das KOM enttäuschte nicht. Mit hohen Steifigkeitswerten, die das Rad auch für schwere Fahrer interessant machen, und relativ geringem Set-Gewicht (Rahmen und Gabel inklusive Lenklager) von 1.600 Gramm hätte das KOM auch im Rahmentest in TOUR 3/2008 eine gute Figur abgegeben. Erfreulich auch der spürbare Federkomfort am Sattel, zu dem die zum Rahmen-Set zählende Carbonstütze maßgeblich beiträgt. Am vorderen Ende dagegen präsentiert sich das KOM – nicht untypisch für einen Profirenner – unnachgiebig. Die Gabel federt kaum, bietet dank hoher Seitensteifigkeit aber immerhin gute Führungsqualitäten.

Im Praxistest gibt der 6,5-Kilo-Renner eine vorzügliche Figur ab. Willig befolgt das wendige Rad Steuerbefehle, schnelle Ausweichmanöver bei hohem Tempo bringen das Fahrwerk kaum aus der Ruhe. Verstärkt wird der positive Eindruck durch die exklusive Ausstattung. Schalt- und Bremstechnik stammen aus der superleichten Red-Gruppe von SRAM und überzeugen mit tadelloser Funktion. Interessant auch das Tretlager, das mit innovativer Technik nur so vollgestopft ist. Kuota-eigene Carbonkurbeln sind mit einer Titan-Welle verbunden; die Kurbellänge lässt sich durch werkzeuglos austauschbare Pedalgewinde in den drei Längen 170, 172,5 und 175 Millimeter variieren – ideal für Fahrer, die mit unterschiedlichen Kurbellängen experimentieren möchten. Interessant auch die Kettenblätter, die wie die Kurbeln vom französischen Spezialisten Stronglight gefertigt werden. Eine Keramik-Beschichtung soll sie besonders widerstandsfähig und zugleich schaltfreudig machen. Bei einem Labortest vor zwei Jahren schnitten die gleichen Blätter an einem anderen Kurbelsatz sehr gut ab. Der Kurbelsatz ist laut Kuota übrigens die einzige Abweichung des Testrades gegenüber den Team- Rädern von Agritubel. Dort dreht sich eine Red-Kurbel von SRAM.

Zwei Kritik-Punkte, die weniger den Rahmen als die Ausstattung des Testrades betreffen: Der steife Newton-Lenker von Deda – ein bewährter Alu-Klassiker, den schon Lance Armstrong bei seinen Tour- Siegen pilotierte – verstärkt in Kombination mit dem dünnen Lenkerband und der Hochprofilfelge von Reynolds den harten Fahreindruck am Lenker. Die für Schlauchreifen ausgelegten Carbon-Laufräder von Reynolds erreichten uns schlecht zentriert. Wegen eines Seitenschlags touchierte die Hinterradfelge im Wiegetritt die Bremsbeläge. Fraglich auch, warum die aerodynamisch guten Felgen mit Rundspeichen eingespeicht wurden, die den Vorteil der hohen Felgen im Kampf gegen den Wind zum Teil wieder aufzehren. Solche Details lassen sich allerdings durch eine andere Ausstattung individuell verändern. Das Rahmen-Set kostet inklusive Sattelstütze 2.569 Euro, im Agritubel-Dekor 2.774 Euro. In der gezeigten Ausstattung verlässt das KOM für stolze 5.970 Euro den Laden. Eine teure, aber reizvolle Versuchung.

PLUS: leichtes Rahmen-Set, sehr fahrstabil, spürbarer Federkomfort am Sattel

MINUS: teuer, null Komfort am Lenker

*Testrad-Rahmengröße gefettet; **projiziertes Maß von Mitte Tretlager bis Oberkante SteuerrohrSattel-Steuerrohrüberhöhung bei 75 cm Sitzhöhe (Mitte Sattelgestell–Oberkante Steuerrohr); ***bereinigtes Gewicht für Rahmengröße 57 und Gabelschaftlänge 225 mm; ****in die Note fließen weitere Einzelnoten ein, die wir aus Platzgründen nicht abdrucken.

Fotos: Daniel Simon

  Solide Optik: Der Rahmen des KOM sieht nicht nur steif aus, er ist es auch
Solide Optik: Der Rahmen des KOM sieht nicht nur steif aus, er ist es auch
  Verstellbar: Durch austauschbare Pedalaugen lässt sich die Kurbellänge variieren
Verstellbar: Durch austauschbare Pedalaugen lässt sich die Kurbellänge variieren