AktuellesEinzeltest: Koga Beach Racer

Unbekannt

 · 14.10.2013

Einzeltest: Koga Beach RacerFoto: Daniel Simon

Koga baut mit dem Beach Racer eine spannende Kreuzung aus Crossrad und 29-Zoll-Mountainbike. Gedacht ist die Maschine für Strandrennen. Wir haben probiert, ob das Rad noch mehr kann.

Rennen fahren kann man überall – auch am Strand. Im radsportverrückten Holland werden Strandrennen sogar regelmäßig ausgetragen. Das längste führt 130 Kilometer entlang der holländischen Nordseeküste von Hoek van Holland nach Den Helder. Die meisten der rund 800 Teilnehmer schieben für die Hatz am Meer Mountainbikes mit Starrgabeln an den Start. Da das Tempo auf festem Sand hoch (Bestzeit 3:28 Stunden) und die offene Strecke sehr windanfällig ist, spielt Aerodynamik aber auch eine Rolle. Koga hat deshalb ein spezielles Crossrad entworfen: Der lange und flache Alu-Rahmen ermöglicht eine aggressive, windschlüpfrige Sitzposition und schafft zudem Platz für 29 Zoll große MTB-Schlappen. Hinten misst die Reifenbreite 56, vorne 51 Millimeter. Der üppige Radstand von 109 Zentimetern und der große Nachlauf von 70 Millimetern versprechen hohe Laufruhe. Sehr auffällig ist der Rennlenker mit schräg stehenden Bögen und kleinem Drop, an dem rechts Shimanos 105er-Schaltbremsgriff montiert ist, der hinten ein Ultegra-Schaltwerk über das Ritzel klettern lässt. Links am Lenker genügt ein Bremsgriff, weil sich vorne an der Kurbel nur ein Kettenblatt dreht; eine darüber platzierte Führung verhindert das Abspringen der Kette. Die Scheibenbremsen werden per Bowdenzug angesteuert.

Einen Strand zum Testen fanden wir vor unserer Münchner Haustür nicht – aber typisches Cross-Terrain: Forst- und Waldwege sowie Singletrails. Das Rad lädt vom ersten Meter an dazu ein, den Unterlenker zu packen und mit Schmackes durchs Gelände zu brettern. Der Griff tief unten ist die logische Position, denn nur dort greift man die volle Lenkerbreite und hat die beste Kontrolle. Zudem unterstreicht das nur im Bogen gewickelte Lenkerband, dass aufrecht sitzen und langsam fahren nicht geplant sind. Dazu passt auch die gestreckte Sitzhaltung. Die Position am Bremsgriff ist durch die schräg gestellten Griffe deutlich enger als normal. Die Griffe bilden wunderbare Widerlager, und wegen der engen Armhaltung verkleinert sich die Stirnfläche des Fahrers – so kommt man einer Aero-Position sehr nahe. Eigentlich wünscht man sich genau diese Haltung auch für Ausreißversuche bei einem Straßenrennen. Im Wiegetritt fühlt sie sich hingegen weniger gut an, der enge Griffabstand verschlechtert die Kontrolle. Zum Aufstehen greift man daher besser gleich nach unten.

HATZ ÜBER FORSTWEGE

Die voluminösen Schwalbe-Reifen rollen mit hohem Druck sehr gut auf der Straße. Im Gelände muss man je nach Untergrund Luft ablassen, sonst springt man selbst mit den dicken Reifen von Stein zu Stein. Bei der Reifenwahl ist der Beach Racer sehr flexibel – vom Slick bis zum Stollenreifen lässt sich alles montieren. Die schnelle Hatz über Forstwege macht mit dem Renner richtig Laune, und kurze Sandstücke im Testparcours lassen erahnen, wie schnell sich das Rad am Strand fährt. Das Tempo ist spürbar höher als mit einem Mountainbike, das Rad spurt sehr ruhig über losen Grund. Durch enge Kurven muss man es aber ein bisschen zwingen, die Trägheit der großen Räder muss erst überwunden werden. Auf technischem Terrain ist aber vor allem der Lenker ungewohnt. Wer auf dem Wurzelteppich instinktiv zum Bremsgriff wechselt, verliert Kontrolle, statt sie zu gewinnen. Im ruppigen Gelände vermisst man zudem schmerzlich eine richtige Federung – dicke Reifen hin oder her. Die Übersetzung von 38 x 12–32 passt aber für die meisten Situationen im Gelände. Für lange, steile Anstiege lassen sich Umwerfer und ein zweites Blatt nachrüsten. Und wenn man doch mal schultern muss? Tragen lässt sich die Maschine relativ gut, mit den dicken Reifen ist sie aber schwerer als ein üblicher Crosser. Die TRP-Bremsen verzögern zuverlässig, fühlen sich aber teigig an und haben keinen definierten Druckpunkt; besonders auf Schotter ist eine exakte Dosierung schwierig. Die Stopper bremsen wesentlich besser als Felgenbremsen eines klassischen Crossrades, aber deutlich schlechter als hydraulische Bremsen, wie sie beim Mountainbike Standard sind.

Fazit: Kogas Strandformel geht auf. Der Beach Racer ist ein Zeitfahrrad im Geländetrimm, optisch schön abgestimmt und sehr gut für Rennen auf Sand geeignet. Mit entsprechenden Reifen fährt der Renner aber auch gut auf anderen Untergründen. Der schräg gestellte Lenker schränkt die Nutzung etwas ein: Für verspielte Strecken montiert man besser einen normalen Cross-/Rennradlenker. Gratulation an Koga für die originelle Idee, die dem Rad auch einen Eurobike-Award eingebracht hat. Der etwas andere Crosser rollt für günstige 1.599 Euro aus dem Laden.

Preis Komplettrad 1.599 Euro
Gewicht 10,0 Kilo
Erhältlich im Fachhandel

Bezug/Info www.koga.com
Rahmengrößen*** S, M, L, XL
Sitz-/Lenkwinkel 75°/71°
Sitz-/Ober-/Steuerrohr 532/565/121‡mm plus 9‡mm Steuersatzkappe
Radstand/Nachlauf 1.090/70‡mm
Stack/Reach/STR**** 571/410‡mm/1,39

AUSSTATTUNG
Lenklager FSA, 1-1/8 Zoll
Bremsen TRP Spyre
Schaltung Shimano Ultegra/105
Tretlager TruvativPower Spline (40Z., Press-Fit)
Laufräder/Reifen Koga Disc/Schwalbe Thunder Burt (vorn)/Schwalbe Super Moto (hinten)
Lenker/Vorbau Koga/Koga Sattel/-stütze Koga/Koga (27,2‡mm)

MESSWERTE & EINZELNOTEN
Gewicht Komplettrad 10,0 kg (o. Pedale)
Gewicht Rahmen/Gabel/Steuerlager**** 1.816/534/62 g
Normiertes Gewicht Rahmen-Set***** 1.176 g: 5,0
Lenkkopfsteifigkeit 102 Nm/°: 1,0
Seitensteifigkeit Gabel 43 N/mm: 2,7
Tretlagersteifigkeit 65 N/mm: 1,0
Komfort Rahmen 221 N/mm: 2,7
Komfort Gabel 57 N/mm: 1,0

Foto: TOUR Magazin
Foto: TOUR Magazin

* In die Gesamtnote gehen das Rahmen-Set mit 40 Prozent, die Ausstattung mit 60 Prozent ein. In diese Bewertung fließen Einzelnoten ein, die wir aus Platzgründen nur zum Teil abdrucken. Die Noten werden bis zur Endnote mit allen Nachkommastellen gerechnet; zur besseren Übersichtlichkeit geben wir aber alle Noten mit gerundeter Nachkommastelle an.
** Herstellerangaben; Testgröße fett.
*** Stack/Reach: projiziertes senkrechtes/waagerechtes Maß von Mitte Tretlager bis Oberkante Steuerrohr; STR (Stack to Reach): 1,36 bedeutet eine sehr gestreckte, 1,60 eine aufrechte Sitzposition.
**** Gewogene Gewichte.
***** Bereinigtes Gewicht für Rahmengröße 57 cm und Gabelschaftlänge 225 mm.