EinzeltestBH Ultralight

Unbekannt

 · 25.05.2012

Einzeltest: BH UltralightFoto: Daniel Kraus

Renner von BH haben sich im Profisport einen Namen gemacht, auf dem deutschen Markt sind sie noch wenig verbreitet. Jetzt rollen die Basken das High-End-Modell Ultralight an den Start und demonstrieren damit Mut zu innovativer Technik.

745 Gramm Rahmengewicht bei Größe M verspricht BH vollmundig und nennt sein neues Top-Modell – nomen est omen: Ultralight. Obwohl in Deutschland wenig bekannt, ist BH eine sehr traditionsreiche Marke. Gegründet 1909 von den spanischen Gebrüdern Beistegui (Beistegui Hermanos), hat das Unternehmen seinen Stammsitz heute in Vitoria-Gasteiz, südlich von Bilbao und San Sebastián. Radsport-Fans kennen die Marke unter anderem als Materialsponsor des früheren Team Liberty Seguros mit Manolo Saiz als Sportlichen Leiter.

Fließender Übergang

Die technische Innovation, mit der die Basken auftrumpfen, ist die neue Tretlager-Dimension – Standard kann man das angesichts der Flut neuer Abmessungen gar nicht mehr nennen – BB386 Evo. Diese Technik hat BH zusammen mit FSA entwickelt. Das neue Maß vereint die 30 Millimeter dicke Tretlagerwelle (BB 30) mit dem breiten Lagerabstand von BB 86. Diese Technik soll Carbonrahmenherstellern die Möglichkeit einer verbesserten Faserbelegung bieten, da sich Unterrohr und Kettenstreben großflächig und faltenfrei ans Tretlager fügen lassen. Gleichzeitig können die heute üblichen, sehr dicken Kettenstreben weit außen am Tretlagergehäuse platziert werden, wodurch sie viel Platz für den Hinterreifen lassen. Diese Art der Tretlagerkonstruktion soll mehr Steifigkeit bringen. Marken wie Wilier oder Merida haben angekündigt, demnächst ebenfalls BB386-Evo-Tretlager anzubieten.

  BB386 Evo mit 30-Millimeter-Welle und 86 Millimeter breitem Tretlager.Foto: Daniel Kraus
BB386 Evo mit 30-Millimeter-Welle und 86 Millimeter breitem Tretlager.

Ein Schnäppchen ist der Baskenrenner nicht – das Ultralight wird in acht Ausstattungsvarianten zu Preisen zwischen 8.000 und 11.000 Euro angeboten. Unser Testrad ist mit Corima Carbon-Laufrädern, Komponenten von FSA und Shimanos Dura-Ace allerdings erlesen ausgestattet, wobei die Kurbel ebenfalls von FSA stammt, Kurbeln von Campagnolo, SRAM oder Shimano bislang nicht passen.

Die Silhouette des Ultralight betont die komfortable Geometrie mit relativ langem Steuerrohr. Das kommt Piloten zugute, die eine entspannte Sitzposition bevorzugen, bei welcher der Sattel nicht zu weit über dem Lenker thront und der Unterlenker auch auf längeren Ausritten in komfortabler Reichweite bleibt.

Top-Liga

Im Sattel überzeugt das Rad mit der komfortablen Sitzposition. Passend gewählt ist der K-Force-Lenker von FSA mit engem Lenkerbogen und seiner geringen Höhendifferenz zwischen Ober- und Unterlenkerposition. Das Rad fährt sich, auch dank der leichten Laufräder, sehr agil und folgt jedem Lenkimpuls unverzüglich. Die dicke Tretlagerbox weicht auch bei harten Antritten kaum aus, erreicht mit 57 Newton pro Millimeter jedoch keine Rekordwerte. Größter Kritikpunkt am BH ist die schwache Bremsleistung. Selbst auf trockenen Straßen verzögern die Titan-Evo-Bremsen mit den Belägen von Corima auf der Carbonfelge kaum – die Wahl des Bremspunktes vor Kurven verlangt vorausschauendes Fahren.

  Die Titan-Evo-Bremsen mit den Corima-Belägen verzögern kaum.Foto: Daniel Kraus
Die Titan-Evo-Bremsen mit den Corima-Belägen verzögern kaum.

Der Testrahmen in Größe L bringt 855 Gramm auf die Waage; ein federleichter Rahmen, zweifellos; wenn der Rahmen in Größe M aber tatsächlich die versprochenen 747 Gramm wiegt, wären das 108 Gramm mehr, die aufs Konto des größeren Rahmens gingen; üblich wäre ein Gewichtssprung von etwa 50 Gramm. Trotzdem trägt das BH den Namen Ultralight mit einigem Recht: Zusammen mit der leichten Gabel erreicht das getestete Rahmen-Set ein Gewicht von 1.259 Gramm – damit würde das BH in der aktuellen Gewichts-Rangliste von TOUR (siehe TOUR 3/2012 ->) Platz sieben einnehmen.

Preis Komplettrad 8.999 Euro
Preis Rahmen-Set 3.499 Euro
Gewicht 5,85 Kilo
Bezug/Info www.bhbikes.com

Rahmengrößen** XS, S, M, L, XL
Sitz-/Lenkwinkel 73°/74°
Sitz-/Ober-/Steuerrohr 503/575/185 mm plus 10 mm Steuersatzkappe
Radstand/Nachlauf 985/51 mm
Stack/Reach/STR*** 585/395 mm/1,49

AUSSTATTUNG
Lenklager FSA oben 1-1/8, unten 1-1/2 Zoll
Bremsen Titan Evo
Schaltung Shimano Dura-Ace
Tretlager FSA K-Force (50/34 Z., BB386 E vo)
Laufräder/Reifen Corima MCC/Michelin Schlauchreifen
Lenker/Vorbau FSA K-Force/FSA K-Force
Sattel/-stütze Selle San Marco Concor/ (27,2 mm)

MESSWERTE & EINZELNOTEN
Gewicht Komplettrad (ohne Pedale) 5,85 kg
Gewicht Rahmen/Gabel/Steuerlager 855/327/64 g
Normiertes Gewicht Rahmen-Set**** 1.259 g: 1 , 0
Lenkkopfsteifigkeit 88 Nm/°: 2 , 0
Seitensteifigkeit Gabel 39 N/mm: 3 , 3
Tretlagersteifigkeit 57 N/mm: 1 , 7
Komfort Rahmen 179 N/mm: 1 , 3
Komfort Gabel 98 N/mm: 5 , 0

Foto: Tour Redaktion
Foto: Daniel Kraus

* In die Gesamtnote gehen das Rahmen-Set mit 40 Prozent, die Ausstattung mit 60 Prozent ein. In diese beiden Bewertungen fließen Einzelnoten ein, die wir aus Platzgründen nur zum Teil abdrucken. Die Noten werden bis zur Endnote mit allen Nachkommastellen gerechnet; zur besseren Übersichtlichkeit geben wir aber alle Noten mit gerundeter Nachkommastelle an.
** Getestete Rahmengröße gefettet.
*** Stack/Reach: projiziertes senkrechtes/ waagerechtes Maß von Mitte Tretlager bis Oberkante Steuerkappe; STR (Stack to Reach): Werte zwischen 1,45 und 1 ,55 bedeuten eine sportliche Sitzposition, Werte darunter rennmäßig, darüber komfortabel.
**** Bereinigtes Gewicht für Rahmengröße 57 cm und Gabelschaftlänge 225 mm.