Canyon StellenabbauWelche Rolle spielt GBL?

Kristian Bauer

 · 29.01.2026

Canyon Stellenabbau: Welche Rolle spielt GBL?Foto: Canyon
Canyon Zentrale in Koblenz
​Der angekündigte Stellenabbau bei Canyon sorgt weiter für Unruhe. Jetzt gab es eine Betriebsversammlung mit Rekordbeteiligung in Koblenz. Auf einer Pressekonferenz haben Betriebsrat und IG Metall Einblick in den Verhandlungsstand und die Stimmung in der Belegschaft gegeben. Das Vertrauen in Roman Arnold scheint ungebrochen - unklar ist die Rolle des Mehrheitseigentümers. Der Stellenabbau sollte etwa 20 Prozent der Gesamtbelegschaft betreffen, hauptsächlich am Standort Koblenz.

Auf einer Pressekonferenz gaben Vertreter der IG Metall und der Betriebsratsvorsitzende von Canyon Einblick in die Situation des Unternehmens. Sie unterstrichen, dass die Streichung von 320 Stellen in der Höhe noch nicht entschieden sei und berichteten von der Canyon Betriebsversammlung. Die IG Metall hatte bereits angekündigt “Alternativen zum Personalabbau und Perspektiven für die betroffenen Beschäftigten zu entwickeln”. In der Rhein-Mosel-Halle in Koblenz fand am 28. Januar die Betriebsversammlung der Belegschaft statt. Bei dem Termin informierte der Betriebsrat zum weiteren Vorgehen und Roman Arnold als Executive Chairman nahm Stellung zu den Plänen. Er versprach gemeinsam mit dem Betriebsrat ernsthaft nach Lösungen zu suchen. Vereinbart wurden ergebnisoffene Gespräche im Februar. Robert Brückner, Betriebsratsvorsitzender bei Canyon, bezeichnete die Stimmung auf der Betriebsversammlung auf einer Pressekonferenz am folgenden Tag als normal: “Wir packen das, war die Message.” Markus Friedel, IG Metall Betriebsbetreuer bei Canyon verriet aber, dass die Mitarbeiter nicht ganz unvorbereitet von den schlechten Nachrichten getroffen wurden: “Gerüchte gab es schon länger”. Bereits der Geschäftsbericht des Mehrheitseigentümers Groupe Bruxelles Lambert (GBL) im vergangenen Jahr hatte aufhorchen lassen. Darin waren Pläne zur Effizienzsteigerung angekündigt worden.

Was fordert der Canyon-Investor?

Genau hier stellen sich aus Sicht der Gewerkschaft auch die größten Fragen: „Wir müssen die Rolle von GBL verstehen – ob es einen Forderungskatalog von GBL gibt“, erklärte Ali Yener, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Koblenz. Im Gegensatz zu Arnold sei GBL auf Tauchstation gegangen. Vertrauen zu Roman Arnold, dem der Schritt schwer gefallen sein soll, besteht weiterhin: “Ich glaube ihm das als Mensch - ihm fällt das unheimlich schwer”, so Friedel. Umso mehr stehe jetzt im Vordergrund herauszufinden, welchen Handlungsspielraum Arnold habe. Friedel bekräftigte, dass Gewerkschaft und Betriebsrat gemeinsam mit der Geschäftsführung Lösungen finden wollen, „im Sinne des Standorts und der Wettbewerbsfähigkeit.“ Konkret bedeutet das: Canyon hat dem Betriebsrat Unterlagen übergeben, die den Schritt begründen sollen. Damit wurde ein Prozess angestoßen in dem gemeinsam entschieden werden soll, wie es weitergeht. Explizit sollen auch Mitarbeiter in diesen Prozess einbezogen werden. “Das Ziel ist, dass Canyon zu alter Stärke zurückfindet”, war die Botschaft von Yener.

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Wo werden Stellen abgebaut?

In welchen Bereichen die Geschäftsführung einen Stellenabbau genau vornehmen möchte, ist noch unklar. Alleine im Raum Koblenz gibt es sechs unterschiedliche Canyon-Standorte - darunter auch das Headquarter. Betriebsrat und Gewerkschaft sind sich bewusst, dass ein zu langer Prozess auch die Marke beschädigen könnte und die Mitarbeiter auf heißen Kohlen sitzen. Im nächsten Schritt soll daher ein Zeitplan mit dem Management aufgestellt werden. ​Betriebsbedingte Kündigungen sollen laut Arnold möglichst vermieden werden. Nachdem die Mitarbeiterstruktur bei Canyon sehr jung ist, sind Abfindungsangebote eine naheliegende Alternative.

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Canyon hatte Abbau angekündigt

​Am 20. Januar hatte der Fahrradhersteller Canyon seinen Mitarbeitern einen massiven Stellenabbau angekündigt. Bis zu 320 Arbeitsplätze und damit etwa 20 Prozent der Gesamtbelegschaft sollen abgebaut werden. Der Großteil der Stellen soll am Hauptstandort in Koblenz gestrichen werden. Ein kleinerer Teil der Kürzungen betrifft den Standort Amsterdam, wo derzeit 60 Personen arbeiten. Als Grund für den drastischen Schritt gibt Canyon die anhaltende Krise in der Fahrradbranche an. "Die Fahrradbranche befindet sich in einer Phase der Konsolidierung, während globale Faktoren wie US-Zölle, geopolitische Spannungen und gedämpfte wirtschaftliche Prognosen zusätzliche Herausforderungen schaffen", hatte das Unternehmen als Begründung angeführt. Die Gewerkschaft betont, dass trotz des Bekenntnisses von Roman Arnold, Gründer und aktueller Executive Chairman von Canyon, zum Standort Koblenz, gerade in der Region jeder vierte Arbeitsplatz wegfallen solle.



Wirtschaftliche Situation von Canyon

Die wirtschaftliche Lage von Canyon hatte sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Die Mehrheit des Unternehmens liegt seit 2020 bei der belgischen Investmentholding Groupe Bruxelles Lambert (GBL). Durch die Veröffentlichungen von GBL wurden die schlechten Zahlen von Canyon bereits bekannt. Der Wert der Canyon-Beteiligung sank von 460 Millionen auf 261 Millionen Euro, was den Investor GBL zu einer Abschreibung von fast 200 Millionen Euro auf seine Beteiligung veranlasste.

Im Jahr 2024 meldete Canyon einen Umsatz von 792 Millionen Euro und einen zweistelligen Verlust. In den ersten drei Quartalen 2025 ging der Umsatz erneut zurück und es wurden weitere Verluste verbucht. Im Geschäftsbericht der GBL zum Geschäftsjahr 2024 werden neben dem schwierigen Marktumfeld explizit auch Qualitätsprobleme im E-Bike-Bereich genannt. Wegen eines Rückrufs musste der Verkauf bestimmter Modelle kurzzeitig ausgesetzt werden.

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