Birdy Falt-RennradFoto: Daniel Simon

AktuellesBirdy Falt-Rennrad

Unbekannt

 8/24/2005, Lesezeit: 3 Minuten

Zum zehnjährigen Jubiläum bietet Hersteller Riese und Müller ein Renn-Birdy in limitierter Auflage. Wie es sich anfühlt, mit kleinen Reifen schnell zu fahren, hat TOUR ausprobiert. (TOUR 5/2005)

Zugegeben, auf den ersten Blick sieht das zusammengefaltete Rad aus, als hätte es einen kapitalen Crash hinter sich: Reifen, Sattel, Lenker – nichts ist an dem Platz, wo es eigentlich hingehört. Doch in dem Knäuel steckt System. Erfahrene Falter entwirren das Gebilde dank ausgeklügelter Scharniere und Schnellspann- Technik in weniger als einer Minute zum flugfähigen Vögelchen – und dann sind am Jubiläumsflitzer tatsächlich Ähnlich keiten zum Rennrad zu erkennen. Für Rennradliebhaber haben die Darmstädter ihr Erfolgsmodell mit gebogenem Lenker und Shimanos 105-Gruppe getunt, der gebürstete und klar lackierte Alu-Rahmen unterstreicht den edlen Auftritt des laut Riese und Müller „sportlichsten und schnellsten Birdy aller Zeiten“.

Ob das patente Rädchen für Stadtradler und Reisende auf untypisch schneller Fahrt über Land tatsächlich überzeugen kann? Das Bauprinzip spricht eigentlich dagegen. Die kleinen Räder, die Faltscharniere, der kleine Rahmen mit den langen Hebeln von Sitzrohr und Steuerrohr, die Federung: All das vereitelt grundsätzlich, was Rennradler von ihrem Rad erwarten – dass es leicht ist, seitensteif und an die individuellen Körpermaße angepasst.

Der Hersteller empfiehlt das Birdy Menschen mit einer Größe bis 1,80 Meter. Ein verstellbarer VRO-Vorbau von Syntace hilft, die Lenkerposition zu finden. Für größere Fahrer gibt es einen Spezialvorbau, dessen Schaft nach vorne gekröpft ist, was den Abstand zwischen Lenker und Sattel vergrößert. Die ellenlange Sattelstütze bietet Reserven für Große; weil der Rahmen aber wegen des Faltmechanismus einen sehr flachen Sitzwinkel aufweist, wandert der Sattel um so weiter nach hinten, je höher man die Sattelstütze herauszieht. Resultat ist eine zumindest ungewohnte Sitzposition für große Radler.

Die Fahrt mit dem Renn-Birdy verlief zwiespältig: Die Vollfederung macht den Ritt auf den kleinen Laufrädern angenehm komfortabel, die Federhärten sind mit unterschiedlichen Elastomeren einstellbar. Die kleinen Räder machen das Fahrrad zusammen mit der Übersetzung sehr kletterfreudig, bergab erzeugen der wenig steife Rahmen, die wendige Geometrie und die geringen Kreiselkräfte der Räder ein etwas mulmiges Fahrgefühl. Allzu schnell sollte das Birdy aber ohnehin nicht zu Tal fliegen, denn die V-Bremsen von Tektro sind dem Rennradtempo überhaupt nicht gewachsen: Ein großer Teil der Bremskraft verpufft in den sehr langen und verwinkelten Zügen; Bremsbeläge und Felgen harmonieren als Reibpartner auch nicht besonders.

TOUR-Fazit:
Schuster, bleib bei deinen Leisten. Als kompakter und komfortabler Cityflitzer mit geradem Lenker und MTB-Komponenten ist das Birdy ein geniales Faltrad-Konzept. Das Jubiläums-Rennrad-Modell sollten sich eingefleischte Birdy-Fans aber lieber als Schmuckstück in die Vitrine stellen.

BIRDY-RENNRAD

Preis Jubiläumsmodell: 1.999 Euro (1.899 Euro mit MTB-Lenker)
Bezug: Riese und Müller, Telefon 06151/36686-0; www.r-m.de
Ausstattung: Shimano 105
Gewicht: 10,3 Kilo (ohne Pedale)
Faltmaß: (L x B x H) 80 x 62 x 37 Zentimeter
Rahmen: Alu-Rahmen mit Sattelstützen-Segmentklemmung, aktive Eingelenkschwinge, drei verschiedene Elastomerhärten
Gabel: geschobene Alu-Schwinge
Vorbau und Lenker: Syntace VRO, Sonderanfertigung
Übersetzung: vorne 39/53, hinten 9-26; größte Enfaltung 8,55 Meter bei 20-Zoll-Laufrädern