Merida stellt die fünfte Generation des Reacto vor, das Aero-Rennrad will zu den schnellsten der Welt gehören: Im Windkanaltest nach TOUR-Standard soll eine spezielle Aufbauvariante nur 196 Watt bei 45 km/h benötigen. Gleich drei Topmodelle decken unterschiedliche Ansprüche ab: Das Reacto One fokussiert auf Aerodynamik, das 10K die Allround-Performance und das Team geringes Gewicht.
Schon bei der Tour De France im Sommer 2025 war es vereinzelt im Rennbetrieb zu sehen, nun ist es endlich offiziell: Merida fordert mit einem neuen Reacto die Konkurrenz heraus. Nach den Präsentationen des Cannondale SuperSix und des Giant Propel ist es gleich die dritte hochkarätige Neuvorstellung bei den etablierten Racebikes innerhalb von wenigen Tagen. Zwar gehört Merida in diesem Jahr nicht mehr zu den Ausrüstern der WorldTour-Teams. Dennoch will das Reacto Schlagzeilen machen, denn es soll zu den schnellsten Bikes auf dem Markt gehören.
Der Rahmen des neuen Merida wird in zwei Versionen angeboten: Die Top-Varianten One, Team und 10K sowie das Reacto 9000 verwenden einen hochwertigen Rahmen mit der Bezeichnung CF5. Alle anderen sind auf einem etwas schwereren CF3 aufgebaut. Der CF5-Rahmen soll in Größe M 950 Gramm, die Gabel 475 Gramm wiegen. Gegenüber dem Reacto IV spart Merida nur 11 Gramm am Rahmen, dafür immerhin 64 Gramm an der Sattelstütze ein- Insgesamt liegt das Gewicht von Rahmen, Gabel und Komponenten bei 1.616 Gramm gegenüber 1.724 Gramm beim Vorgänger - eine Einsparung von gut 100 Gramm. Der günstigere CF3-Rahmen wiegt 1.185 Gramm, die zugehörige Gabel 519 Gramm. Beide Rahmenvarianten nutzen die gleiche Geometrie und bieten identische aerodynamische Eigenschaften.
Mehr Wert als auf das Rahmengewicht legte die Entwickler-Crew auf die Aerodynamik des neuen Flaggschiffs. Das Reacto One, eine mit Einfach-Kettenblatt und Aero-Reifen speziell auf maximalen Speed getunte Version, erreichte im Test nach dem Testprotokoll von TOUR 196 Watt bei 45 km/h. Damit würde es sich an die Spitze der schnellsten Racebikes der Welt setzen und das Storck Aernario und das Simplon Pride verdrängen, die mit 198 bzw. 199 Watt lange unangefochten diesen Platz innehatten. Das Reacto 10K benötigt 202 Watt, das Reacto Team 203 Watt, auch das sind Fabelwerte, die nur wenige Konkurrenten bieten können. Zum Vergleich: Das Reacto IV Team lag bei 211 Watt. Das neue Einstiegsmodell Reacto 4000 kommt mit Standardlaufrädern und zweiteiligem Cockpit auf 217 Watt. Mit aerodynamisch optimierten Laufrädern soll dieser Wert auf 210 Watt zu drücken sein.
Merida holte sich dazu “Entwicklungshilfe” von Aerodynamik-Experten des Laufrad-Anbieters Reynolds, der auch viele Varianten des neuen Reacto ausstattet. Das Entwicklerteam führte dafür hunderte Simulationen durch. 3D-gedruckte Prototypen dienten zur Verifikation der CFD-Ergebnisse im Windkanal. Das Team testete Gabel, Steuerrohr, Unterrohr, Sitzrohr und Cockpit einzeln und in Kombination. Ein Schlüssel zu den Werten ist das neue Cockpit: Es soll zu 50 % der aerodynamischen Verbesserung beitragen. Die Gabel besitzt zudem tiefere und dünnere Gabelscheiden, der Abstand zum Vorderreifen wurde vergrößert. Eine eigene Aero-Trinkflasche mit passendem Halter soll in Kürze auf den Markt kommen.
Der TOUR-Windkanaltest simuliert reale Bedingungen mit einer pedalierenden Puppe und variierenden Anströmwinkeln. Die Methode erfasst die Interaktion zwischen Fahrer und Rad sowie das Verhalten bei Seitenwind.
Schon die vierte Generation des Reacto bot angemessenen Komfort mit einer besonders konstruierten Sattelstütze. Eine neue S-Flex-Sattelstütze ist auch Feature des Reacto V für Komfort auf unebenen Oberflächen. Die Reifenfreiheit steigt von 30 auf 32 Millimeter, womit sich das Rad noch etwas komfortabler abstimmen lässt. Serienmäßig montiert nun Merida 30-Millimeter-Reifen. Die Steifigkeiten des Rahmensets sollen minimal verbessert worden sein.
Die aerodynamisch schnellste Variante ist das Reacto One, es wiegt wiegt 7,4 kg in Größe M und nutzt einen 1x-Antrieb mit Classified-Nabenschaltung in der Hinterradnabe. Das verspricht aerodynamische Vorteile bei gleichzeitig voller Übersetzungsbandbreite. DT Swiss ARC-Laufräder kombinieren mit Continental Aero-Reifen schöpfen aerodynamisch das volle Potenzial aus. Ein Rotor Powermeter ist ebenfalls mit an Bord.
Das Reacto 10K wiegt 7,2 kg und bietet ausgewogene aerodynamische Performance bei konkurrenzfähigem Gewicht. Es kommt mit SRAM Red AXS und Carbon-Laufrädern von Vision, ein SRAM-Powermeter erfasst die Leistung. Das Reacto Team ist mit Reynolds-Laufrädern noch etwas leichter, es wiegt 7,1 kg und hat einen Shimano-Powermeter.
Eine Besonderheit für den deutschen Markt ist die Ausstattungsvariante Limited, die für 4.299 Euro eine elektronische Shimano 105-Schaltung, schnelle Carbonfelgen und einen Leistungsmesser bietet.

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