EinzeltestDas neue Argon 18 Sum

Julian Schultz

 · 15.09.2022

Einzeltest: Das neue Argon 18 SumFoto: Kerstin Leicht

Aerodynamisch, leicht und komfortabel: Das neue Sum von Argon 18 soll in jeder Fahrsituation abliefern. Wie gut das dem Wettkampf-Allrounder gelingt und wie er im Vergleich zur Konkurrenz abschneidet, zeigt unser Einzeltest.

Um die kanadische Marke Argon 18 war es zuletzt ruhig geworden. Nach dem Ende des Sponsorings der Teams Bora-Hansgrohe (2015/16) und Astana (2017–2019) waren die Räder nicht mehr in der World-Tour zu sehen und damit auch nicht bei der Tour de France. Kleinere Rennteams, diverse Bahnrad-Nationalmannschaften und Triathleten setzen aber weiterhin auf die Marke, welche die Bezeichnung eines Edelgases im Namen führt, das auch und vor allem beim Schweißen und der Produktion von Metallen verwendet wird.

Das neue Wettkampfmodell Sum, das Argon 18 im Frühjahr herangeführt hat, basiert freilich auf einem zeitgemäßen Carbonrahmen. In Analogie zur ­Namensgebung soll der Renner die Summe aus Aerodynamik, Leichtbau und Komfort darstellen. Ob er damit das Zeug hat, auch Profis der World-Tour künftig wieder als ­Arbeitsgerät zu dienen?

Sitzposition eines Racers

Die Sitzhaltung auf dem Rad lässt an seiner Bestimmung jedenfalls keine Zweifel, mehr Renncharakter geht kaum. Auch wegen eines relativ langen Vorbaus am Testrad nimmt man extrem gestreckt Platz. Der ­Nacken- und Rückenmuskulatur wird damit einiges abverlangt, speziell wenn’s Richtung Zielstrich mal wieder länger dauert.

Vorteil: Durch die geduckte Haltung, wie sie auch auf reinrassigen Wettkampfmaschinen eher unüblich ist, bietet man dem Gegenwind als wesentlichem Fahrwiderstand weniger Angriffsfläche - was das aerodynamische Set-up insgesamt spürbar verbessert. Unsere Messungen im GST-Windkanal in Immenstaad ergaben einen Leistungsbedarf von 223 Watt für die Test­geschwindigkeit von 45 km/h.

Mittelfeldplatz für Argon 18 Sum

Unter den Race-­Allroundern (siehe Test in TOUR 12/21) nimmt das Sum damit einen Mittelfeldplatz ein; die besten Räder dieser Kategorie benötigen bis zu 15 Watt weniger für dieses Tempo. Laut Computersimulationen der Kanadier soll das Sum aerodynamisch genauso gut sein wie ihr spezieller Aero-Renner Nitrogen Disc. ­Dafür wurden die Rohrformen optimiert, was man besonders am aufwendig geformten Steuerrohr sehen kann. Auf eine integrierte Lenker-Vorbau-Einheit haben die Konstrukteure verzichtet.

Häufig verbindet sie ­aerodynamische Vorteile mit Nachteilen bei der Montage und Einstellbarkeit. Unsere Steifigkeitsmessungen im Labor offenbaren etwas unterdurchschnittliche Werte im Lenkkopf wie im Tretlager. Von leichtgewichtigen Rennradlern lässt sich das Sum in tempo­reichen Kurven und Abfahrten zwar gut kontrollieren, schwere Piloten und athletische Sprinter dürften sich aber eine etwas fahrstabilere Basis wünschen. Dafür federt das Rad exzellent. Das Gewicht des Rahmens bleibt knapp ­unter der Ein-Kilo-Grenze. Die Gabel ist mit fast 500 Gramm vergleichsweise schwer und verhindert eine bessere Note.

Insgesamt stellt das Argon 18 Sum ein rundes Paket dar, setzt sich aber in keiner Disziplin besonders in Szene. Der Renner wird in zwei unterschied­lichen Carbon-Layups ab 6050 Euro angeboten und kann mittels Online-Konfigurator individualisiert werden. Mit den höherwertigen Lauf­rädern von DT Swiss (ARC 1400) wie im Test kommt das Sum auf 7653 Euro. Das Sum Pro mit leichterem Rahmen gibt’s mit ansonsten weitgehend identischer ­Basisausstattung ab 7600 Euro. Bei ­Redaktionsschluss Mitte Juli waren viele Optionen im Online-Konfigurator allerdings nicht wählbar. Argon 18 weist auch darauf hin, dass das Rad aufgrund von Lieferengpässen möglicherweise erst Ende des Jahres ausgeliefert ­werden kann.

Fakten zum Argon 18 Sum

Das Argon 18 SumFoto: Matthias Borchers
Das Argon 18 Sum

Gewicht Rahmen/Gabel/Steuerlager* 996/488/88 Gramm

Rahmengrößen** XXS, XS, S, M, L, XL

Sitz-/Ober-/Steuerrohr 505/560/128 mm

Stack/Reach/STR*** 552/395 mm /1,40

Radstand/Nachlauf 990/55 mm

Ausstattung des Argon 18 Sum

Antrieb/Schaltung Shimano Ultegra Di2 (2x12, 52/36, 11-30 Z.)

Bremsen Shimano Ultegra (160/140 mm)

Laufräder/Reifen (Gewichte)**** DT Swiss ARC 1400 Dicut/Vittoria Corsa Control 25 mm (v./h. 1255/1.658 g)

Foto: Kerstin Leicht

*Gewogene ­Gewichte. **Herstellerangabe Testgröße fett. ***Stack/Reach projiziertes senkrechtes/waagerechtes Maß von Mitte Tretlager bis Oberkante Steuerrohr; STR (Stack to Reach) 1,36 bedeutet eine sehr gestreckte, 1,60 eine aufrechte Sitzposition. ****Laufradgewichte inklusive Bereifung, Kassette, Schnellspanner/Steckachsen und ggf. Bremsscheiben.