Thomas Goldmann
· 01.03.2024
* Julian Alaphilippe, Lennert van Eetvelt, Christophe Laporte, Valentin Madouas, Romain Gregoire
** Ben Healy, Daniel Felipe Martinez, Sepp Kuss, Lenny Martinez
*** Tim Wellens, Attila Valter, Matej Mohoric
**** Thomas Pidcock
***** Tadej Pogacar
* Je mehr Sterne ein Fahrer erhält, desto stärker ist er einzuschätzen
Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) steigt bei Strade Bianche in die Saison ein. Der zweimalige Tour-de-France-Sieger hat gute Erinnerungen an das Rennen. Schließlich triumphierte er 2022 mit einem 50-Kilometer-Solo. Dementsprechend ist er auch 2024 der Mann, den es zu schlagen gilt. “Meine Vorbereitung war wirklich gut und wir werden um den Sieg fahren. Man weiß nie genau, wie man in den ersten Rennen sein wird, und es wird große Rivalen geben. Aber ich denke, mit unserem Team werden wir auf alles vorbereitet sein”, heißt es von Pogacar auf der Website seines Rennstalls.
Der hat neben dem Slowenen noch weitere heiße Eisen im Feuer, die auch eine Rolle im Kampf um den Sieg spielen könnten - sollte der Trumpf Pogacar nicht stechen. Da ist an allererster Stelle Tim Wellens zu nennen, der mit Platz zwei bei Kuurne-Brüssel-Kuurne am letzten Wochenende zeigte, dass er gut in Form ist. Aber auch ein Fahrer wie Marc Hirschi (zuletzt Sieger der Faun Ardeche Classic) könnte für UAE Team Emirates die Kohlen aus dem Feuer holen.
Neben Pogacar ist bei den Favoriten vor allem Thomas Pidcock (Ineos Grenadiers) zu nennen. Der britische Alleskönner sicherte sich 2023 den Sieg in Siena und fuhr beim Omloop het Nieuwsblad am “Opening Weekend” bereits lange an der Spitze - obschon noch ein paar Prozentpunkte zur absoluten Top-Form fehlen. Pidcocks große Stärke sind seine Fahrkünste, mit denen er im vergangenen Jahr so die Abfahrten hinunter bretterte, dass manchem Zuschauer der Atem stockte. Der Weltklasse-Crosser und Mountainbike-Weltmeister kann an einem guten Tag auch Pogacar schlagen.
Matej Mohoric (Bahrian-Victorious) ist ähnlich stark wie Pidcock in Sachen Radbeherrschung. Der amtierende Gravel-Weltmeister geht somit ebenfalls als einer der Favoriten bei Strade Bianche 2024 an den Start. Im Gegensatz zum Briten hat der Slowene das Rennen auf den Schotterpisten der Toskana aber noch nicht gewonnen - seine beste Platzierung war Rang sechs 2023.
Damals gehörte Mohoric zu einer fünfköpfigen Verfolgergruppe von Pidcock - genau wie Attila Valter (Visma | Lease a Bike). Der Ungarische Straßenmeister und sein Teamkollege Tiesj Benoot verzettelten sich aber in taktischen Geplänkeln und schafften es nicht, den sich bereits in Reichweite befindlichen Pidcock einzuholen. Valter ist auch 2024 einer der Kandidaten für den Sieg. Zuletzt wurde der 25-Jährige Fünfter bei der UAE Tour. Sein Team Visma | Lease a Bike hat mit dem Straßen-Europameister Christophe Laporte, Ben Tulett und Sepp Kuss weitere Pfeile im Köcher. Vor allem Vuelta-Sieger Kuss könnte eine gute Rolle spielen. Der US-Amerikaner bewies zuletzt bei der Classica Jaen, dass er auch graveln kann.
Die deutsche Mannschaft Bora-Hansgrohe schickt unter anderem Lennard Kämna an den Start. Der Deutsche dürfte aber mit dem Ausgang des Rennens wenig zu tun haben. Bessere Chancen dürfte dagegen Daniel Felipe Martinez haben. Der Kolumbianer wurde von Ineos Grenadiers geholt und überraschte bei der Algarve-Rundfahrt bereits positiv. Dort bezwang er Remco Evenepoel in zwei Bergaufsprints deutlich und ist sehr gut in Form. Auch Ben Healy (EF Education EasyPost) bewies mit Rang vier an der Algarve eine starke Frühform und zählt ebenfalls zum Favoritenkreis.
Womöglich gibt es aber auch den ersten französischen Sieg seit 2019 bei Strade Bianche. Damals gewann Julian Alaphilippe (Soudal - Quick Step). Der zweifache Straßenweltmeister steht auch dieses Jahr am Start, hat aber mit einigen Themen zu kämpfen. Einerseits kritisierte ihn sein Chef Patrick Lefevere zuletzt scharf in einem Interview, andererseits ging er bei Omloop het Nieuwsblad mehrmals zu Boden und musste aufgeben. Bei Kuurne-Brüssel-Kuurne am Folgetag erreichte er das Ziel abgeschlagen als 111. Zumindest schien die Formkurve des 31-Jährigen zuletzt wieder nach oben zu zeigen. Es bleibt abzuwarten, wie weit ihn die neuerlichen Rückschläge beeinträchtigt haben.
Im Gegensatz zu Alaphilippe hat dessen junger Landsmann Lenny Martinez (Groupama-FDJ) mit Classic Var und der Trofeo Laigueglia bereits zwei Rennen in diesem Jahr gewonnen. Der Youngster ist erst 20 Jahre alt, aber in bestechender Verfassung und rutschte damit noch ins Aufgebot für Strade Bianche. Es wird spannend zu sehen sein, ob er die Weltelite am Samstag ärgern kann.
Groupama-FDJ hat zudem mit Valentin Madouas (2023 Zweiter) und Romain Gregoire weitere Fahrer am Start, die für ein Top-Resultat sorgen können. Neben Martinez ist auch Lennert van Eetvelt (Lotto-Dstny) eines der jungen aufstrebenden Talente, die den Profi-Radsport aufmischen. Der 22-jährige Belgier überraschte zuletzt mit dem Gesamtsieg bei der UAE Tour, den er sich mit einem Erfolg bei der Bergankunft auf der letzten Etappe sicherte. Bei Strade Bianche gibt er sein Debüt und könnte für eine Überraschung sorgen.