Kämna, Denz, Gee & Co.Die Gewinner des Giro d’Italia

Sebastian Lindner

 · 30.05.2023

Die Gewinner des Giro d'Italia: Derek Gee
Foto: Getty Velo
Primoz Roglic hat den 106. Giro d’Italia nach 21. Etappen im Rosa Trikot beendet. Für den 33-Jährigen war es nach drei Siegen bei der Vuelta a Espana (2019, 2020, 2021) der vierte Erfolg bei einer Grand Tour. Doch der Slowene ist nicht der Einzige, der als Gewinner aus der diesjährigen Italien-Rundfahrt hervorgegangen ist.

Nico Denz

Nico Denz siegte sowohl auf der 12. als auch auf der 14. Etappe des Giro d’Italia.Foto: Getty VeloNico Denz siegte sowohl auf der 12. als auch auf der 14. Etappe des Giro d’Italia.

Nico Denz (Bora-Hansgrohe) hat den Giro genutzt, um sein Image als treuer und aufopferungsvoller Helfer zu erweitern. Der 29-Jährige ist nun zudem bekannt als Spezialist für Ausreißersiege. Auch dann, wenn ein paar Berge im Weg stehen. Zwei Etappen hat Denz in diesem Jahr für sich entschieden - lediglich Remco Evenepoel schaffte das bei dieser Rundfahrt auch.

Seinem Team nahm Denz damit den Erfolgsdruck, wodurch auch Lennard Kämna etwas befreiter um die Gesamtwertung kämpfen konnte, da er nicht obendrein noch für Etappensiege sorgen musste.

Mark Cavendish

Mark Cavendish feierte am letzten Tag des Giro d’Italia 2023 seinen insgesamt 17. Tagessieg bei der Italien-Rundfahrt und wurde damit gleichzeitig zum ältesten Etappengewinner. Teamkollege Luis Leon Sanchez gratuliert.Foto: Getty VeloMark Cavendish feierte am letzten Tag des Giro d’Italia 2023 seinen insgesamt 17. Tagessieg bei der Italien-Rundfahrt und wurde damit gleichzeitig zum ältesten Etappengewinner. Teamkollege Luis Leon Sanchez gratuliert.

Dieie ersten beiden Wochen des Giro liefen nicht wirklich rund für Mark Cavendish (Astana Qazaqstan Team). Auf dem fünften Teilstück stürzte er im wahrsten Sinne des Wortes als Vierter ins Ziel, beim Sieg von Pascal Ackermann an Tag elf reichte es immerhin für Platz drei. Dann verkündete Cavendish am zweiten Ruhetag sein Karriereende. Plötzlich fuhr der Brite, der tags zuvor 38 Jahre alt wurde, befreit auf.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Er lächelte in die Kameras, genoss das Bergzeitfahren am vorletzten Tag hinauf zum Monte Lussari und klatschte auf dem Rad mit Fans am Straßenrand ab. Und dann gewann er die 21. Etappe. Damit hat er sowohl sich als auch seinen Kritikern bewiesen, dass er noch immer etwas im Tank hat - vielleicht sogar genug, um noch einen Sieg bei der Tour de France zu feiern.

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

Derek Gee

Derek Gee wurde auf dem Podium in Rom als kämpferischster Fahrer der Rundfahrt ausgezeichnet.Foto: Getty VeloDerek Gee wurde auf dem Podium in Rom als kämpferischster Fahrer der Rundfahrt ausgezeichnet.

Zwei Etappen beendete Derek Gee (Israel-Premier Tech) als Vierter, viermal wurde er Zweiter. Auch die Punkte- wie die Bergwertung beendete er der Kanadier in Rom als Zweiter. Das alles bei seiner ersten Grand Tour. Und obendrein noch als Neoprofi mit 25 Jahren. Gee, der sein Rad zwischenzeitlich für zwei Jahre in die Ecke stellte, um zu studieren, die Liebe zum Sport aber wiederentdeckte, ist die große Überraschung des Giro - und gleichzeitig eine Art tragischer Held.

Vor der Rundfahrt trat er im internationalen Peloton überhaupt nicht in Erscheinung. Nun fehlten gleich an mehreren Tagen nur Nuancen. Als kämpferischster Fahrer mit sieben Fahrten in der Gruppe des Tages (Etappe 8, 10, 13, 14, 16, 18, 19) durfte er in Rom, wo er es auch nochmal versucht hatte, aber trotzdem noch aufs Podium klettern. Noch als Unvollendeter unterwegs, dürfte sich der Kanadier nach seinem Auftritt in Italien bald seiner Möglichkeiten bewusst werden und für weitere Schlagzeilen sorgen.

Lennard Kämna

Lennard Kämna stellte beim Giro unter Beweis, auch im Kampf um die Gesamtwertung bei dreiwöchigen Rundfahrten vorne mitmischen zu können.Foto: Getty VeloLennard Kämna stellte beim Giro unter Beweis, auch im Kampf um die Gesamtwertung bei dreiwöchigen Rundfahrten vorne mitmischen zu können.

Am Ende war es Platz neun in der Gesamtwertung. Sicher etwas ärgerlich, da Lennard Kämna (Bora-Hansgrohe) lange Zeit etwas weiter vorne rangierte. Zumindest für das Team, das seinen Co-Kapitän und den alleinigen Boss nach dem Ausfall von Aleksandr Vlasov im Idealfall um die Plätze direkt hinter dem Podium kämpfen sah. Kämna selbst hingegen gab sich von vorne herein mit einem Top-10-Ergebnis zufrieden.

Und der 26-Jährige sagte bereits, sich weitere große Rundfahrten mit dem Fokus auf der Gesamtwertung vorstellen zu können. Auch Bora will das unterstützen. Deswegen lässt sich das Experiment als gelungen bewerten - und Kämna damit als Gewinner.



Jonathan Milan

Jonathan Milan hat das Maglia cicalmino mit fast 100 Punkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten Derek Gee gewonnen.Foto: Getty VeloJonathan Milan hat das Maglia cicalmino mit fast 100 Punkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten Derek Gee gewonnen.

Mit seinem Etappensieg auf dem zweiten Teilstück übernahm Jonathan Milan (Bahrain-Victorious) das Trikot des Punktbesten - und zog es bis Rom nicht mehr aus. Gleich von seiner ersten Grand Tour brachte der 22-Jährige ein Wertungstrikot mit nach Hause. Das gelingt nicht vielen. Der Vorsprung, den der junge Italiener dabei hatte, betrug fast 100 Punkte, wobei nicht verschwiegen werden darf, dass einige seiner Konkurrenten Rom nicht erreichten.

Trotzdem war Milan der beständigste Sprinter des Giros. Zu seinem Sieg gesellen sich vier zweite Plätze. Und die hätten mit etwas mehr Erfahrung und einer besseren Positionierung im Finale auch gut und gerne erste Plätze werden können. Denn regelmäßig war Milan derjenige, der mit Abstand die höchste Endgeschwindigkeit aufwies, allerdings seinen Sprint auch überwiegend an Positionen angesetzt hatte, an denen andere Fahrer gar nicht mehr eingegriffen hätten.

Eddie Dunbar

Eddie Dunbar konnte an einigen Tagen mit den Besten mithalten.Foto: Getty VeloEddie Dunbar konnte an einigen Tagen mit den Besten mithalten.

Auf den letzten Metern gingen ihm zwar die Kräfte aus, doch auch Platz sieben in der Endabrechnung des Giro d’Italia ist für Eddie Dunbar und das Team Jayco-AlUla ein großer Erfolg, mit dem nicht zu rechnen war. Der Ire konnte zwar schon die Ungarn-Rundfahrt und die Settimana Internazionale Coppi e Bartali im letzten Jahr für sich entscheiden, doch sind der Giro und die Konkurrenz bei der Italien-Rundfahrt eine ganz andere Hausnummer.

Erst das abschließende Zeitfahren kostete dem 26-Jährigen, der die größte Überraschung in den Top 10 der Gesamtwertung war, ein noch besseres Ergebnis. Davor war das blau-weiße Jayco-Trikot fast immer länger an der Seite von Roglic, Joao Almeida und Geraint Thomas als irgendeiner der anderen Fahrer. Und trotzdem war Dunbar dabei unauffällig, was in diesem Fall clever war.

Geraint Thomas

Geraint Thomas lieferte beim Giro d’Italia eine Leistung ab, die ihm nur noch die Wenigsten zugetraut hätten. Er konnte es sogar mit dem zuvor in der Saison unantastbaren Primoz Roglic aufnehmen und unterlag letztlich nur um 14 Sekunden.Foto: Getty VeloGeraint Thomas lieferte beim Giro d’Italia eine Leistung ab, die ihm nur noch die Wenigsten zugetraut hätten. Er konnte es sogar mit dem zuvor in der Saison unantastbaren Primoz Roglic aufnehmen und unterlag letztlich nur um 14 Sekunden.

Vor dem Giro lief nicht allzu viel zusammen bei Geraint Thomas (Ineos Grenadiers), sodass kaum etwas darauf hindeutete, dass der Waliser nach 21 Etappen nur um Haaresbreite am Rosa Trikot und dem Titel des ältesten Giro-Siegers in der Geschichte vorbeifahren würde. Ohne den Ausfall seines Landsmanns Tao Geoghegan Hart, der in den Vorbereitungsrennen deutlich besser unterwegs war, wäre Thomas den Giro wahrscheinlich maximal als Edelhelfer zu Ende gefahren.

Doch auf der 11. Etappe ging die alleinige Leaderrolle bei Ineos auf den mittlerweile 37-Jährigen über, dem trotz Platz drei bei der Tour de France im Jahr zuvor wohl kaum noch jemand eine derartige Leistung zugetraut hätte. Zumal die Konkurrenz mit dem in der Vorbereitung unantastbaren Roglic (und Remco Evenepoel) übermächtig schien. Doch Thomas war in Topform, attackierte sogar und nahm Roglic am Berg Zeit ab. Zum Verhängnis wurden ihm am Ende nur die extremen Steigungsprozente am Monte Lussari, für die er im Vergleich zur Konkurrenz mit 71 Kilogramm auf 1,83 Meter einfach zu schwer war.

Meistgelesen in der Rubrik Profi - Radsport