Der österreichische Radsport trauert um eine seiner größten Persönlichkeiten. Wolfgang Steinmayr verstarb am Dienstagvormittag nach langer Krankheit. Der gebürtige Haller war gelernter Koch und entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten Amateur-Radsportler Österreichs in den 1970er Jahren.
Harald J. Mayer, Präsident von Cycling Austria, würdigte den Verstorbenen: Der österreichische Sport habe einen Menschen verloren, der mit viel Herz und Einsatz absolute Spitzenleistungen im Sport erbracht habe und auch beruflich voll im Leben gestanden sei. Als Botschafter für den Radsport hinterlasse er eine große Lücke. Die 75. Ausgabe der Tour of Austria beginnt in eineinhalb Monaten in Graz. Steinmayr hatte sich in die Vorbereitung eingebracht und eine von Organisator Thomas Pupp und Cycling Austria ins Leben gerufene Sonderwertung unterstützt. Diese umfasst einen zusätzlichen Zwischensprint auf allen fünf Etappen. Die Wertung trägt nun den Namen Cycling Austria – Tour 75 – Sonderwertung Wolfgang Steinmayr.
Steinmayr lieferte sich legendäre Auseinandersetzungen mit Rudolf Mitteregger bei der Österreich-Rundfahrt. Die beiden Fahrer prägten eine ganze Ära des heimischen Straßenradsports. Der Tiroler sicherte sich zwischen 1972 und 1976 insgesamt vier Gesamtsiege bei der Landesrundfahrt. Bis heute hält er diesen Rekord. Seine Stärken lagen vor allem in den Bergen, wo er 1972 und 1975 als Erster den Großglockner überquerte. Die Bergwertung der Österreich-Rundfahrt gewann er dreimal.
Bei der Tour de l'Avenir erreichte Steinmayr 1973 und 1974 jeweils den zweiten Gesamtrang. 1974 wurde er auch Zweiter bei der Jugoslawien-Rundfahrt. An den Olympischen Spielen nahm er zweimal teil: 1972 in München belegte er den 55. Platz, 1976 in Montreal den 27. Rang. Bereits 1971 gewann er eine Etappe bei der Österreich-Rundfahrt und eine bei der Tour de l'Avenir. 1973 sicherte er sich drei Etappensiege bei der Österreich-Rundfahrt. 1974 gewann er die Gesamtwertung und eine Etappe bei Wien-Rabenstein-Gresten-Wien. 1976 holte er neben dem Gesamtsieg bei der Österreich-Rundfahrt auch den Gesamtsieg bei Wien-Gresten-Wien.
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Parallel zur Radsportkarriere gründete Steinmayr 1970 ein Versicherungsbüro. Das Unternehmen versicherte renommierte Sportveranstaltungen wie das Hahnenkamm-Rennen in Kitzbühel und das Bergisel-Springen in Innsbruck. 2010 übergab er das Familienunternehmen an seinen Sohn Christian. 1977 veröffentlichte er das Buch Tips, Technik, Training im Eigenverlag.

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