Die Radsportszene in den USA erhält einen innovativen Zuwachs: In Tucson, Arizona, wurde die erste Aluminium-Radrennbahn des Landes fertiggestellt. Das Tucson Velodrome ist eine 250 Meter lange Bahn mit 42 Grad Kurvenneigung und wurde vom renommierten Radrennbahn-Architekten Peter Junek von Junek Velodromes entworfen. Die Besonderheit liegt im gewählten Baustoff: Aluminium wurde speziell für das Klima in Tucson ausgewählt, um den hohen Sommertemperaturen standzuhalten und einen ganzjährigen Betrieb zu ermöglichen. Die Finanzierung des Projekts erfolgte ausschließlich durch eine großzügige private Stiftung, wodurch Tucson nun über eine Radrennbahn von Weltklasse verfügt. Alle Nutzungsgebühren, die von den Besuchern des Velodroms erhoben werden, fließen in die Betriebskosten und die Instandhaltung der Anlage.
Das Tucson Velodrome verfügt über zahlreiche Einrichtungen, die es zu einer modernen Sportstätte machen. Neben der 250 Meter langen Aluminiumbahn mit 42 Grad Kurvenneigung umfasst die Anlage einen Zugangstunnel, eine professionelle Musco-Beleuchtung für Abendveranstaltungen, sanitäre Anlagen sowie mehrere Nebengebäude. Die Wahl von Aluminium als Bahnoberfläche stellt eine Innovation dar, die speziell auf die klimatischen Bedingungen in Tucson abgestimmt ist. Die Aluminiumkonstruktion widersteht nicht nur den hohen Temperaturen im Sommer, sondern ermöglicht auch eine ganzjährige Nutzung der Bahn - ein entscheidender Vorteil gegenüber herkömmlichen Materialien.
Seit den 1970er Jahren haben verschiedene Gruppen und Organisationen ohne Erfolg versucht, ein Velodrom in Südarizona zu bauen. Im Jahr 2019 schlossen sich sechs interessierte Unterstützer zusammen mit dem Ziel, eine AIC-zertifizierte 250-Meter-Bahn zu errichten. Seitdem ist das Tucson Velodrome Citizens Committee (TVCC) auf mehr als zwei Dutzend Mitglieder angewachsen. Die Gründung als gemeinnützige Organisation wurde inzwischen abgeschlossen, wodurch die Pläne für ein erfolgreiches Velodrom in Tucson nun vorangetrieben werden konnten.
Der Durchbruch für das Projekt kam, als der Aufsichtsrat des Pima County das Vorhaben genehmigte. Der geänderte Pachtvertrag ermächtigte den Southern Arizona Kart Club, Inc., mit der Planung und Entwicklung des Tucson Velodrome fortzufahren. Pima County und Tucson gehören zu den beliebtesten Zielen für Radfahrer in den Vereinigten Staaten. Die Grafschaft und die umliegenden Städte haben erhebliche Investitionen in die Fahrradinfrastruktur und -förderung getätigt, um einen gesünderen Lebensstil für die Bewohner zu fördern und den fahrradbezogenen Tourismus zu steigern.
Das Tucson Velodrome befindet sich am Musselman Honda Circuit, einem Gelände in unmittelbarer Nähe zum Messegelände von Pima County. Diese strategische Lage bietet gute Verkehrsanbindung und Synergien mit bestehenden Veranstaltungsorten. Tucson hat sich einen wohlverdienten Ruf als "Winter-Trainingszentrum" der USA für den Radsport und viele andere Ausdauersportarten erworben. Die Stadt verfügt über eine reiche Vielfalt an lokalem Wettkampfradsport und kann auf eine beeindruckende Geschichte zurückblicken, in der sie fast 40 Jahre lang die größte Umrundungsradveranstaltung des Landes ausgerichtet hat.
Das Tucson Velodrome richtet sich an verschiedene Zielgruppen. Zum einen sollen bestehende Radsportgemeinschaften angesprochen werden. Tucson verfügt über eine starke radsportorientierte Kultur und ist Heimat vieler kleinerer Veranstaltungen in ganz Pima County, Arizona, sowie etwa 25 Wettkampfradsportteams. Zum anderen möchte das Velodrom neue Enthusiasten und insbesondere Jugendliche für den Bahnradsport begeistern. Das TVCC sieht das Velodrom als erstklassige Mehrzweckanlage, die sowohl der lokalen Gemeinschaft als auch dem Südwesten der USA zahlreiche positive Vorteile bieten wird.
Die Anlage soll der Gemeinschaft die Möglichkeit bieten, spannende Rennen in einer zuschauerfreundlichen Umgebung zu erleben, aber auch einen Ort für Training und Firmenveranstaltungen darstellen. Die Bahn könnte auch von anderen Sportarten wie Handradsport und Inline-Skating genutzt werden. Das Velodrom wird einen idealen Standort für Jugendrad- und Sicherheitstraining bieten.
Der Kanadier Peter Junek baut seit 50 Jahren Radrennbahnen auf der ganzen Welt. In Tucson hat er jetzt die erste Radrennbahn aus Aluminium errichtet. TOUR erklärt er die Vorteile des Materials.
TOUR: Wer hatte die Idee, das erste Aluminium-Velodrom zu bauen und warum?
Peter Junek: Ich kam auf diese Idee, weil es einen Bedarf an wetterfesten, langlebigen und kostengünstigen nicht überdachten Radrennbahnen gibt. Viele Länder brauchen keine teuren Arenen und noch weniger braucht man das in Ländern mit warmem Klima. Holzbahnen halten im Freien nicht lange und Betonbahnen sind teuer. 250-Meter-Radrennbahnen aus Beton mit steilerem Gefälle lassen sich nur schwer glatt und ohne Unebenheiten herstellen. Außerdem ist es teuer, sie abzureißen. Aluminium ist wiederverwertbar, so dass ein Teil der Investitionskosten zurückgewonnen werden kann. Oder die gesamte Strecke kann verkauft und an einem anderen Ort wieder aufgebaut werden.
TOUR: Zum ersten Mal eine Radrennbahn aus Aluminium zu bauen, klingt anspruchsvoll - wie nervös waren Sie bei der ersten Testfahrt von Radfahrern auf dem Tucson Velodrome?
Peter Junek: Das Velodrom in Tucson ist ein Prototyp, aber eine 25 mal 2,5 Meter große Probefläche neben meinem Haus diente als Testgelände. Ich wusste, wie heiß es wird, wie es sich ausdehnt usw. Der Sommer in der Wüste von Arizona ist das ultimative Testgelände. Wenn es dort funktioniert, wird es überall funktionieren.
TOUR: Man stellt sich eine Aluminiumoberfläche sehr rutschig vor – ist das kein Problem?
Peter Junek: Stranggepresste Profile haben feine Linien auf der Oberseite und die Fahrfläche ist zusätzlich sandgestrahlt. Die Oberfläche ist griffig, besser als Holz, und sie ist nicht abrasiv.
TOUR: Gibt es keine Probleme mit der Reflexion der Sonne?
Peter Junek: Nein, das ist auch kein Problem. Die sandgestrahlte matte Oberfläche hat keine Reflexion.
TOUR: Sie haben weltweit Radrennbahnen gebaut - was war das Besondere an diesem Projekt, außer dem Material?
Peter Junek: Besonders war dieses Projekt, weil es keine größeren Probleme mit dem Design gab – es lief besser als erwartet. Besonders war es auch deshalb, weil engagierte Arbeiter an manchen Tagen bei 45 Grad gearbeitet haben.
TOUR: Haben Sie spannende neue Projekte?
Peter Junek: Jede neue Radrennbahn ist aufregend. Das nächste Projekt wird eine Radrennbahn in einer Hallen Velodrom in Rafaela, Argentinien, für die Südamerikanischen Spiele 2026 sein. Wir hoffen, dass unser Aluminium-Velodrom weitere spannende Projekte mit diesem Material in neue Märkte bringen wird, die vielleicht aufgrund der Kosten ein Velodrom bisher nicht in Betracht gezogen haben.