Größter Erfolg der KarriereSteimle gewinnt “kleine Schwester von Paris-Roubaix”

Sebastian Lindner

 · 14.03.2024

Größter Erfolg der Karriere: Steimle gewinnt “kleine Schwester von Paris-Roubaix”Foto: Getty Images/Luc Claessen
Jannik Steimle feiert den größten Erfolg seiner Karriere und gewinnt den GP de Denain.
Jannik Steimle hat den GP de Denain gewonnen, die “kleine Schwester von Paris-Roubaix”. Im knapp 200 Kilometer langen Rennen über das Kopfsteinpflaster von Nordfrankreich war der 27-Jährige fast von Beginn an in der Ausreißergruppe. Es ist der größte Sieg seiner Karriere.

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Schon jetzt hat sich der Teamwechsel ausgezahlt. Im Winter hatte sich Jannik Steimle nach viereinhalb Jahren bei Quick Step in Richtung Q36.5 Pro Cycling verabschiedet, dabei bewusst den Schritt aus der World Tour eine Liga tiefer in Kauf genommen. Sein Ziel: Endlich auf eigene Rechnung fahren. Das hat sich nun bereits ausgezahlt. Der 27-Jährige aus Weilheim an der Teck hat den GP de Denain gewonnen (1.Pro) - die “kleine Schwester von Paris-Roubaix”.



Steimle gewann den Sprint aus einer Zweiergruppe heraus gegen Ceriel Desal (Bingoal WB). Der Belgier konnte nur hinterherschauen, als Steimle von dessen Hinterrad den finalen Sprint anzog und sofort eine Lücke riss. Elf Sekunden dahinter kamen die ersten Verfolger ins Feld. Vor Arnaud De Lie (Lotto-Dstny) wurde Dries Van Gestel (TotalEnergies) Dritter.

GP de Denain 2024: Stefan Küng initiiert Verfoglergruppe

Bei der 65. Austragung des Rennens durch Nordfrankreich gehörte Steimle zur Gruppe des Tages, die sich nach 20 der insgesamt 196 Kilometer bildete. “Ich hatte eigentlich nicht erwartet, in die Gruppe zu gehen”, sagte Steimle im Siegerinterview. “Aber plötzlich war ich dann doch da und habe mich dann auch ganz gut gefühlt. Deswegen habe ich gedacht, dass ich es durchziehen muss.”

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Steimle war der letzte der fünf Fahrer, die zur Gruppe stießen. Keiner gehörte einer World-Tour-Mannschaft an, was sicherlich dazu beitrug, dass dem Quintett maximal beinahe sieben Minuten Vorsprung gewährt wurde. Zwar schrumpfte der Vorsprung sukzessive, doch so richtig aufgewacht war das Hauptfeld erst rund 60 Kilometer vor dem Ende. Da war die Hälfte der zwölf Kopfsteinplaster-Sektoren, von denen einige auch zum Programm von Paris-Roubaix gehören, bereits absolviert.

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Stefan Küng (Groupama-FDJ) hatte im Hauptfeld eine Attacke lanciert, der unter anderem De Lie und Juan Sebastian Molano (UAE Team Emirates) folgten. Es bildete sich eine achtköpfige Verfolgergruppe, während sich die Spitzengruppe langsam ausdünnte und schließlich nur Steimle und Desal übrig blieben.

Jannik Steimle: “Nur drei Monate bis zu meinem ersten Sieg”

“Am Ende war es vor allem wichtig, auf dem nassen Pflaster auf dem Rad zu bleiben”, so Steimle. Vermutlich spielte er damit auf den Sturz der Verfolger an. Denn Küng, der die Verfolger in den letzten Pflaster-Sektor führte, gelang das nicht. Er räumte die komplette Gruppe ab - und damit auch deren Chance, um den Sieg mitzufahren.

Für Steimle war der Erfolg der siebente in seiner Karriere als Profi. Zuletzt hatte er 2021 eine Etappe Slowakei-Rundfahrt gewonnen, im Jahr davor das gesamte Rennen. “Ich war vier Jahre lang bei Quick Step, in erster Linie als Helfer. Ich habe das Team gewechselt, um eigene Chancen zu bekommen. Es hat nur drei Monate bis zu meinem ersten Sieg gedauert. Das gibt mir viel Motivation.”

Dabei sagte Steimle auch, im bisherigen Saisonverlauf nicht mit seiner Form zufrieden gewesen zu sein. Seine Ergebnisse belegen das durchaus. Beim Omloop het Nieuwsblad (1.UWT) wurde er 107., bei Kuurne-Brüssel-Kuurne (1.Pro) einen Rang schlechter. “Meine Freundin und meine Familie standen aber immer hinter mir. Das hat mir geholfen.”

Max Walscheid und Marcel Wüst bisherige deutsche Sieger

Nächstes Rennen in Steimles Plan ist der E3 Preis am 22. März, dann die Flandern-Rundfahrt fünf Tage später. Gut möglich, dass nach seinem Ritt in Nordfrankreich noch ein paar mehr Klassiker dazukommen. Sein Team hat zumindest Wildcards für die wichtigsten Rennen, auch für Paris-Roubaix.

Beim GP de Denain ist Jannik Steimle erst der dritte deutsche Sieger. Vor zwei Jahren hatte Max Walscheid in der französischen Kleinstadt triumphiert, 1993 Marcel Wüst. Zudem ist Steimles Erfolg in dieser Saison erst der zweite Deutsche auf UCI-Niveau. Bis dato hatte nur Phil Bauhaus auf der 3. Etappe von Tirreno-Adriatico jubeln können.

GP de Denain 2024 - Ergebnisse: Die Top 10

  1. Jannik Steimle (Q36.5 ProCycling Team) 4:40:31
  2. Ceriel Desal (Bingoal WB) +0:00
  3. Dries Van Gestel (TotalEnergies) +0:11
  4. Arnaud De Lie (Lotto-Dstny) +0:11
  5. Hugo Page (Intermarche-Wanty) +0:11
  6. Maxime Jarnet (Van Rysel - Roubaix) +0:13
  7. Brent Van Moer (Lotto-Dstny) +0:15
  8. Aime De Gendt (Cofidis) +1:06
  9. Simon Dehairs (Alpecin-Deceuninck) +1:09
  10. Amaury Capiot (Arkea-B&B Hotels) +1:09

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