​Kopfsteinpflaster überlebenDas können Hobbyradsportler von den Profis lernen

Sandra Schuberth

 · 08.04.2026

​Kopfsteinpflaster überleben: Das können Hobbyradsportler von den Profis lernenFoto: Getty Images / Julien de Rosa/AFP
Paris-Roubaix Femmes 2025
Am 12. April rollt das Peloton wieder über die berüchtigten Pavé-Sektoren der Hölle des Nordens. Was die Profis für Paris-Roubaix tun, um die Kopfsteinpflaster-Abschnitte zu überstehen, lässt sich auch auf die eigene Ausfahrt übertragen.

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Wer schon mal über norddeutsches Kopfsteinpflaster, Feldwege oder alte Stadtstraßen gefahren ist, weiß: Vibrationen kosten Kraft, schlagen auf Hände und Rücken und können im schlimmsten Fall zu Stürzen führen. Die Profis bereiten sich bei Paris-Roubaix akribisch vor – und ein paar ihrer Tricks funktionieren auch gut für den Rest von uns.

Bevor ich bei der Hölle des Ostens, ein Jedermann-Kopfsteinpflaster-Event, was damals in Halle an der Saale startete und endete, erstmals mitgefahren bin, versprach mir ein Freund “Im Ziel kannst du keine Bierflasche mehr öffnen”. Ich war sehr stolz, als ich das Finisher-Getränk doch öffnen konnte. Grund war wohl zweierlei: Erstens, ich war mit breiten Reifen unterwegs und zweitens, man konnte in dem Jahr auch viel auf dem Erdstreifen neben dem holprigen Kopfsteinpflaster fahren.

Die Hölle des Ostens wurde wiederbelebt vom Upcycling-Team in Leipzig und findet am 12. April 2026, am Tag von Paris-Roubaix statt. Es gibt zwei Streckenlängen mit Start entweder in oder bei Halle und Ziel an der Leipziger Radrennbahn, wo Public Viewing des Profi-Rennens geboten wird.

Aber wie zur Hölle überlebt man so viel Kopfsteinpflaster auf dem Rennrad?

Reifen: Breiter ist besser

Das ist die wichtigste Stellschraube überhaupt. Die Profis fahren bei Paris-Roubaix keine schmalen 25er, sondern in der Regel 30 bis 32 Millimeter breite Reifen – bei deutlich reduziertem Luftdruck. Breitere Reifen federn mehr ab und bieten mehr Grip auf unebenem Untergrund. Wer eine Ausfahrt plant, die Kopfsteinpflaster oder Schotter enthält - oder am Jedermann-Rennen von Paris-Roubaix teilnimmt: Reifen so breit wählen, wie das Rad es zulässt, und den Druck spürbar reduzieren.

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Tubeless oder Schlauch?

Die meisten Profis fahren bei Paris-Roubaix inzwischen tubeless – also ohne Schlauch, mit Dichtmilch im Reifen. Der entscheidende Vorteil: noch niedrigerer Luftdruck ohne Pannengefahr durch Durchschlag, kleine Schnitte dichten sich von selbst. Wer tubeless fährt, kann auf Kopfsteinpflaster noch entspannter mit dem Druck runtergehen. Wer beim Schlauch bleibt: ausreichend Ersatzschläuche einpacken.

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Lenkerband: Dicker, aber nicht unbedingt doppelt

Außerhalb der Klassiker-Saison fahren Profis meistens dünnes Lenkerband – es bietet mehr Fahrgefühl und Kontrolle, und hochwertige Carbon-Komponenten übernehmen einen Teil der Dämpfung. Für Paris-Roubaix sieht es anders aus: Doppeltes Lenkerband gehört seit Jahren zu den klassischen Profi-Tricks für Paris-Roubaix. Allerdings gewann Mathieu van der Poel laut bikeradar.com die Ausgabe 2024 mit einfach gewickeltem Band – und ohne Handschuhe. 2025 wurde an seinem Rad aber doppelt gewickeltes Lenkerband gesichtet, wie Rouleur berichtete. Als Alternative zu doppeltem Band gibt es heute auch Gel-Einlagen, die unter das Lenkerband geklebt werden, sowie spezielle Gravel-Lenkerband, das von Haus aus komfortabler und griffiger ist. Für Hobbyradsportlerinnen gilt: dickeres Band oder Gel-Einlagen lohnen sich auf Kopfsteinpflaster, bevor man in teureres Equipment investiert.

Das richtige Rad

Ein Endurance-Rennrad mit mehr Reifenfreiheit ist auf Kopfsteinpflaster klar im Vorteil gegenüber einem steifen Aero-Renner. Mit Platz für breite.

Kettenfänger: Unterschätzt

Auf vibrierendem Untergrund kann die Kette abspringen – im ungünstigsten Moment. Profi-Teams sichern die Kette bei Paris-Roubaix gezielt ab, manche fahren Einfachkurbel mit Kettenführung. Für Hobbyradsportlerinnen, die regelmäßig auf schlechten Wegen unterwegs sind, ist ein einfacher Kettenfänger eine günstige und sinnvolle Investition.

Handschuhe: Kommt drauf an

Gepolsterte Handschuhe dämpfen Vibrationen und essentiell: Handschuhe schützen bei einem Sturz. Mit Handschuhen fahren ist also auch ein Sicherheitsthema. Wer allerdings zu Blasen neigt: Handschuhe können Blasenbildung noch begünstigen. Manche tapen sich die Berührungspunkte zwischen den Fingern, um Reibung zu verhindern. Einige Profis fahren lieber ohne Handschuhe. Für Hobbyfahrerinnen empfehlen wir unbedingt: Handschuhe an, Sturz-Schutz inklusive. Wer, wie ich, lieber ohne Polster in den Handschuhen unterwegs ist: auch das ist eine Option.

Und bei Kurzfingerhandschuhen muss nicht einmal auf einwandfreie Touchfunktion verzichtet werden. Mit Augenzwinkern haben wir das Thema am 1. April genaustens beleuchtet.

Sandra Schuberth

Sandra Schuberth

Redakteurin

Sandra Schuberth, mal Feierabendrunde, mal Trainingsride, mal unsupported Bikepacking-Challenge. Hauptsache sie und ihr Gravelbike – abseits vom Verkehr. Seven Serpents, Badlands oder Bright Midnight: Sie hat anspruchsvolle Bikepacking-Rennen gefinisht. Gravel und Bikepacking sind ihre Herzensthemen, ihr Anspruch an Equipment ist hoch. Was sie fährt, nutzt und empfiehlt, muss draußen bestehen: nicht im Marketing, sondern im echten Leben.

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