So testet TOUR: Carbon-LaufräderFoto: Robert Kühnen

So testet TOURSo testet TOUR: Carbon-Laufräder

Kristian Bauer

 3/28/2019, Lesezeit: 3 Minuten

Rennrad-Laufräder sind komplexe Gebilde, die vielfältigen Anforderungen ausgesetzt sind. Um alle Aspekte zu untersuchen, ist ein enormer Testaufwand notwendig. Die wichtigsten Aspekte des TOUR-Tests im Überblick.

In TOUR 04/2019 haben wir 16 Rennrad-Laufradsätze mit Felgen zwischen 40 und 58 Millimeter Höhe getestet (getestete Modelle am Ende). Fazit: die Empfindlichkeit gegen Hitze bleibt die Achillesferse von Carbon-Laufrädern für Felgenbremsen. Auf steilen Abfahrten kommt es bei vielen Laufrädern zu einer Beschädigung. Wie testet TOUR eigentlich Carbon-Laufräder für Felgenbremsen? Das sind unsere Testabläufe:

Aerodynamik
Getestet im Windkanal. Die Laufräder werden bei Winkeln zwischen -20 und +20 Grad angeströmt, wir messen dabei den Luftwiderstand, den das ganze System erfährt. Anteil an der Gesamtnote: 20 Prozent.

  Windkanal: Wir messen die Laufräder im Komplettrad mit pedalierenden Beinen.Foto: Robert Kühnen
Windkanal: Wir messen die Laufräder im Komplettrad mit pedalierenden Beinen.

Seitenwindstabilität
Getestet im Windkanal. Mit einer Lenkmomentwaage ermitteln wir, wie sehr sich Seitenwind in der Lenkung spüren lässt. In diesem Punkt unterscheiden sich die Laufräder stärker als im Luftwiderstand. Anteil an der Gesamtnote: 15 Prozent.

Bremstest
Prüfstandslauf im TOUR-Labor, basierend auf Realdaten aus der Praxis. Der Bremsentest auf dem Prüfstand geht zurück auf Fahrversuche mit 100 kg Systemgewicht auf einer kurzen, steilen Abfahrt (13% Schnitt, kurvig) mit einer abschließenden Vollbremsung. Die Realität ist tendenziell härter als der Prüfstandslauf - es ist also keinesfalls ein Kaputt-Testen. Dass einzige Besondere am TOUR-Test ist, dass die Straße etwas steiler ist als bei großen Pässen üblich. Defekte entstehen bei dieser Abfahrt beim normalen, zügigen Fahren - keine Angstbremserei! Aber nicht nur mit schwachen CFK-Felgen, sondern auch mit zu kleinen Discs. Alu-Felgen meistern die Abfahrt problemlos. Auch die guten Carbonfelgen schaffen diesen Praxis-Test.

  Der TOUR-Bremsenprüfstand offenbart Stärken und Schwächen beim Bremsverhalten.Foto: Robert Kühnen
Der TOUR-Bremsenprüfstand offenbart Stärken und Schwächen beim Bremsverhalten.

Wir untersuchen auf dem Prüfstand die Reibwerte bei Trockenheit und Nässe, überprüfen, ob die Bremswirkung bei Dauerbremsungen nachlässt und wie die Felgen Dauerbremsungen, wie sie in der Praxis auftreten, überstehen. Zusätzlich erfassen wir Modulierbarkeit und Belagsverschleiß. Bewertet werden fünf Disziplinen, angegeben sind die Bremsleistungen bei Trockenheit und Nässe. Anteil an der Gesamtnote: 20 Prozent – bei Beschädigungen zusätzliche Abwertung.

Steifigkeit
Im TOUR-Labor ermittelt. Hohe Steifigkeitswerte repräsentieren ein direktes, präzises Fahrgefühl. Anteil an der Gesamtnote: 15 Prozent.

  Rollenprüfstand des Reifenherstellers Schwalbe: Auf diesem Prüfstand absolvieren die Hinterräder 5000 Kilometer unter Last.Foto: Daniel Simon
Rollenprüfstand des Reifenherstellers Schwalbe: Auf diesem Prüfstand absolvieren die Hinterräder 5000 Kilometer unter Last.

Dauerlauf
Auf Trommelprüfständen der Firma Schwalbe sind die Laufräder jeweils knapp 5.000 Kilometer gerollt, bereift mit 25er-Reifen. Für die Speichen bedeutete das rund neun Millionen Stöße zusätzlich zu den Lastwechseln im Radaufstandspunkt. Bei Beschädigungen Abwertung der Gesamtnote

Gewicht und Beschleunigung
Im TOUR-Labor ermitteln wir Gewichte, bestimmten die Trägheit des Laufrades, die beim Beschleunigen zählt und untersuchen den Rundlauf nach starker Belastung der Speichen. Anteil an der Gesamtnote: 15 Prozent.

  Mit dem Schlagtest im Tour-Testlabor wird überprüft, wie robust die Felge ist.Foto: Robert Kühnen
Mit dem Schlagtest im Tour-Testlabor wird überprüft, wie robust die Felge ist.

Schlagresistenz
Carbon ist fest, aber auch spröde. Ist das Laufrad hin, wenn man ein Schlagloch voll trifft? Dies testen wir mit einem Schlagtest im TOUR-Labor. Ein Kunststoffhammer saust aufs Felgenhorn. Wir haben mit drei Schlagenergien gearbeitet:

Fallhöhe 1 = 3,2 Joule
Fallhöhe 2 = 6,3 Joule
Fallhöhe 3 = 9,5 Joule

Immerhin acht Felgen waren davon unbeeindruckt, eine Verbesserung gegenüber dem letzten Test. Die schwächste nahm schon bei Stufe Eins Schaden. Zum Vergleich: eine optimal konstruierte CFK-Felge nimmt auch bei Höhe 7 (22 J) noch keinen Schaden und ist damit viel stärker als jede Alu-Felge! Das wissen wir aus MTB-Tests. Es liegen also, wie beim Bremsen, Welten zwischen den stabilsten und schwächsten Felgen.

Anteil an der Gesamtnote: 15 Prozent

Praxistest
Die Laufräder werden auf der Straße gefahren und verschiedene Belastungen simuliert

Die Carbon-Laufräder finden Sie im TOUR-Test:

Bike Components Flechtwerk
Zipp 302 Carbon Clincher
Giant SLR 1 Aero
Mavic Cosmic Pro Carbon UST
Swiss Side Hadron Classic 485
Vision SC 55
Bikebeat Überflieger
Veltec Speed Pro 5.0 TR
Rose RC-Fifty
Equator 50 TLR
Aerycs C55 SL
Leeze CC 58 Road WASO
Bontrager Aeolus Pro 5 TLR

Folgende Modelle wurden wegen Versagens im Test nicht gewertet:

Venn VAR 45 TCC
Hunt 50 Carbon Wide Aero
Acros Road SP

  Zusätzlich zu den Labortests werden die Laufräder auf der Straße gefahren, um verschiedene Belastungen zu simulieren.Foto: Andreas Jacob
Zusätzlich zu den Labortests werden die Laufräder auf der Straße gefahren, um verschiedene Belastungen zu simulieren.