Flatpedale am Gravelbike? Geht gar nicht, sagen die einen, weil hässlich, weil Stilbruch, weil ineffektiv. Die anderen sagen: Why not? Ich zum Beispiel. Der Kommentar.
Ich habe ein kleines, dreckiges Geheimnis:
Ich fahre Gravelbike. Mit Flatpedals.
Ich komme vom Mountainbike, eher Spaßfraktion als Laktat-Jünger, mehr Bunnyhop als FTP-Test. Auf dem MTB bin ich früh auf Flatpedals umgestiegen. Warum? Weil man damit Dinge tut, die mit Klickpedalen klingen wie Zahnarztbesteck: Wheelies, Logrides, technische Spielereien, spontane Linienwechsel. Wenn es brenzlig wird, will ich den Fuß sofort am Boden haben. Oder abspringen, bevor es scheppert. Ohne Ausklicken. Ohne Drama.
Und ja: Man fährt bequemer. Während Rennradler in ihren karbonharten Schnabelschuhen beim Cappuccino-Stopp klick-klack über den Asphalt stöckeln wie eine schlecht gelaunte Ballettgruppe, sitze ich entspannt im Straßencafé. Sneaker statt Carbonsohle. Leben statt Dresscode.
Nun besitze ich ein edles Cervélo Áspero. Ein Gravelbike, das aussieht, als würde es wattgenaue Trainingspläne frühstücken. Und darunter: Flatpedals.
Die Reaktionen reichen von irritiert bis empört.
Wie kannst du nur?
Das macht man nicht.
Das ist ja wie Ketchup im Sternerestaurant.
Flatpedals am Gravelbike gelten offenbar als Stilbruch. Als hätte ich eine Anhängerkupplung an einen Elfer geschweißt. Oder wäre mit Hoodie zum Opernball erschienen. Graveln, so scheint es, verlangt Klickpedale, hohe Socken und einen gewissen Ernst im Gesicht.
Ich aber will fahren. Nicht dazugehören.
Natürlich kenne ich das Argument der besseren Kraftübertragung. „Man zieht ja auch nach oben.“ Das klang lange wie ein Naturgesetz. Inzwischen weiß man: Der Effekt ist kleiner als gedacht. Und selbst wenn – ich werde weder die Tadej Pogačar-Werte knacken noch die Tour gewinnen.
Mir reicht „schnell genug“.
Ich brauche keine letzte Optimierung, wenn ich dafür Lebensqualität eintausche. Kein Klick-Klack beim Bäcker. Kein Humpeln über Kopfsteinpflaster. Kein Szenekodex, der vorschreibt, wie sich Ernsthaftigkeit anzufühlen hat.
Vielleicht bin ich damit der Pendler unter den Gravelern. Der verkappte Mountainbiker. Der Ästhetikverweigerer.
Aber ich fand schon immer: Szenen, die sich über Accessoires definieren, wirken ein bisschen unsicher. Enge Trikots, rasierte Beine, Cap unterm Helm – wer das liebt, bitte. Ernsthaft.
Ich liebe Schotter, Freiheit und die Möglichkeit, jederzeit den Fuß rauszustellen.
Flatpedals forever.

Redakteur