Test: Rennrad-Winterjacken für Männer und FrauenFoto: Jan Greune

Test: Rennrad-Winterjacken für Männer und Frauen

Matthias Borchers

 11/19/2021, Lesezeit: 8 Minuten

Nie war die Vielfalt bei Rennrad-Winterjacken größer. Hersteller wie Café du Cycliste oder Q36,5 präsentieren für Wintersaison Jacken im neuen Look, die auch funktional überzeugen wollen. Im TOUR-Test: jeweils elf aktuelle Winterjacken für Männer und Frauen.

Auf den ersten Blick sehen die Jacken von Q36,5 oder Café du Cycliste nicht aus wie das gewohnte Winterkleid für Rennradler. Beim Modell Albertine der Franzosen gleicht die gesteppte Frontpartie einer Daunenjacke und der Rücken einem Fleece-Pulli; das Grün der glatten und etwas raschelnden Außenhaut der italienischen Schneiderei Q36,5 hingegen erinnert mehr an eine Bomberjacke als an typische Rennradkluft. Dass beide Jackenmodelle dennoch für Radsportler und Radsportlerinnen gemacht sind, erkennt man auf den zweiten Blick an Details wie Rückentaschen, am verlängerten Rückenteil und dem körpernahen Schnitt.

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Test Rennrad-WinterjackenFoto: Jan Greune
Test Rennrad-Winterjacken
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Castelli: Alpha RoS 2 W JacketFoto: Matthias Borchers
Castelli: Alpha RoS 2 W Jacket
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Test Rennrad-WinterjackenFoto: Jan Greune
Test Rennrad-Winterjacken
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Castelli: Alpha RoS 2 W Jacket
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Zur Softshell-Fraktion zählen die Produkte von Castelli, Endura, Gore Wear, Isadore, Santini und Sportful. Alle eint die bewährte Bauweise mit einer winddichten Membran, verpackt zwischen einer imprägnierten, wasserabweisenden Außenhaut und einem mehr oder weniger dicken Futter, das sich bei Gore Wear und Sportful besonders flauschig anfühlt. Castelli und Endura bieten clevere Ideen für die flexible Wärmeregulierung: Bei den Castelli-Modellen befindet sich innen eine Art Halbweste mit separatem Reißverschluss. So lässt sich je nach Außentemperatur und Trainingsintensität mit dem Außen- und Innenreißverschluss regulieren, wie stark die Jacke wärmen soll. Bei den Endura-Jacken lässt sich das Innenklima mit einem separat geknöpften Westen-Futter an die äußeren Bedingungen anpassen.

Die meisten Hersteller im Test bieten das gleiche Modell mit jeweils angepasstem Schnitt für Männer und Frauen an; alle sind für die typische Rennradhaltung geschneidert, mit kürzerer Vorderseite, damit der Stoff sich an Brust und Bauch nicht wellt, sowie verlängertem Rückenteil als Schutz vor Nässe und Zugluft. Die Jacken für Frauen sind stärker tailliert, Ärmel und Krägen in der Regel enger. In Details weichen die Jacken für Männer und Frauen desselben Herstellers auch einmal voneinander ab: zum Beispiel bei den unterschiedlich platzierten Reißverschlusstaschen bei Rapha oder der fehlende Brusttasche an Löfflers Frauenjacke. Die geraden Schnitte der Unisex-Modelle – etwa von Endura oder POC – passen Männern erfahrungsgemäß besser als Frauen.

Test-Fazit zu den 11 Winterjacken für Rennradfahrer

Die Rennrad-Winterjacken von Café du Cycliste sind modisch mutig und vor allem an trockenen Wintertagen kuschelig. Bei intensiverem Training kann sich der Merino-Fleece am Rücken jedoch schnell feucht anfühlen, weil sich dort der Schweiß staut. Das Modell von Q36,5 bietet guten Wetterschutz und lässt etwas mehr Dampf durch, sitzt dafür jedoch nicht so perfekt; das Rascheln des Außenmaterials kann man als störend empfinden. Weniger überzeugen können die Modelle von Löffler und POC. Das Primaloft-Vlies der Löffler-Jacken lässt kaum Schweiß passieren – nach kurzer Zeit klebt die glatte Innenhaut nass an Trikot oder Unterhemd. Die Überzieher von POC versagen bei Wetterschutz und Isolation, eignet sich aufgrund des geringen Gewichts und kleinen Packmaßes aber als Notfall-Schutz für die Trikottasche. Am besten gefallen haben uns die Softshell-Jacken von Castelli, die funktional überzeugen und den besten Schnitt bieten – und zwar für Männer und für Frauen.

Diese Rennrad-Winterjacken finden Sie im Test:

Cafe du cycliste:

Männermodell: Albertine

420 Gramm / Bulgarien / 240 Euro

Ausstattung: Brusttasche, Daunenfutter, RV-Tasche, Isolation: hoch

Fazit: Etwas enge Ärmel; das Rückenteil ist mittellang; wegen des saugfähigen Fleece aus Merino eher für trockene Wintertage

Frauenmodell: Albertine

355 Gramm / Bulgarien / 240 Euro

Ausstattung: Brusttasche, Daunenfutter, RV-Tasche, Isolation: hoch

Fazit: Hinten etwas kurz, stärker tailliert als das Männermodell; ansonsten technisch identisch


Castelli:

MännermodellAlpha RoS 2 Jacket

540 Gramm / Moldawien / 300 Euro >> z.B. bei Rose*

Ausstattung: Innenweste mit RV, Ärmelgamaschen, Klimaöffnungen an der Schulter, Netzfutter am Rücken, RV-Tasche Isolation: hoch

Fazit: Der Schnitt der Softshell-Jacke ist der Rennradhaltung optimal angepasst. Viele sinnvolle Details; sehr guter Wetterschutz; wenig Reflexmaterial

Frauenmodell: Alpha RoS 2 W Jacket

480 Gramm / Moldavien / 290 Euro >> z.B. bei Amazon* oder Wiggle*

Ausstattung: Innenweste mit RV, Ärmelgamaschen, Klimaöffnungen an der Schulter, Netzfutter am Rücken, RV-Tasche, Isolation: hoch

Fazit: Leicht tailliert, sitzt perfekt; technisch identisch mit der Softshell-Jacke für Männer


Endura:

Männermodell: Pro SL 3 Season Softshell Jacke

605 Gramm / China / 200 Euro >> z.B. bei Rose*

Ausstattung: separates Westenfutter, Klimaöffnungen mit RV, RV-Tasche, Isolation: hoch

Fazit: Softshell-Jacke, die größer ausfällt; an verschiedene Temperaturen anpassbar (Reißverschlüsse, extra Weste), Wasser perlt nicht optimal ab

Frauenmodell: Pro SL 3 Season Softshell Jacke

570 Gramm / China / 200 Euro

Ausstattung: separates Westenfutter, Klimaöffnungen mit RV, RV-Tasche, Isolation: hoch

Fazit: Legerer, eher gerader Unisex-Schnitt; Kragen und Ärmel der Softshell-Jacke eher weit


Gore Wear:

Männermodell: C5 Gore-Tex Infinium Thermo Jacke

430 Gramm / China / 200 Euro >> z.B. bei Engelhorn*

Ausstattung: RV-Tasche, Friseurkragen, Isolation: mittel bis hoch

Fazit: Normal bis eng geschnittene Softshell-Jacke, sehr guter Rennradschnitt; Regentropfen perlen nicht komplett ab; viel Reflexmaterial

Frauenmodell: Tempest Jacke Damen

405 Gramm / Vietnam / 150 Euro >> z.B. bei Rose*

Ausstattung: RV-Tasche, Isolation: mittel bis hoch

Fazit: Guter Rennradschnitt; Wetterschutz wie beim Männermodell, aber weniger Details


Isadore:

MännermodellMerino Membrane Jacket x Osram

465 Gramm / Slowakei / 330 Euro

Ausstattung: integriertes LED-Rücklicht, ausklappbarer Spritzschutz, Klimaöffnungen mit RV, Isolation: mittel bis hoch

Fazit: Fällt normal aus, sehr guter Rennradschnitt; innovativ: zwei seitlich platzierte Rücklicht-Streifen; die Softshell-Jacke ist die teuerste im Test.

FrauenmodellMerino Membrane Jacket x Osram

425 Gramm / Slowakei / 330 Euro

Ausstattung: integriertes LED-Rücklicht, ausklappbarer Spritzschutz, Klimaöffnungen mit RV, Isolation: mittel bis hoch

Fazit: Fällt normal aus, leicht tailliert; praktisch: Reißverschlüsse zur Klimaregulierung und Spritzschutz; die Softshell-Jacke ist die teuerste im Test


Löffler:

Männermodell: M Bike Jacket Pace Primaloft 60

355 Gramm / Österreich / 210 Euro >> z.B. bei Rose*

Ausstattung: Brusttasche, große RV-Tasche, hoher Kragen, Isolation: hoch

Fazit: Legerer Schnitt, eventuell Nummer kleiner kaufen; Primaloft-Futter wärmt gut; insgesamt ist die Jacke jedoch nicht sehr dampfdurchlässig

Frauenmodell: W Bike Jacket Pace Primaloft 60

305 Gramm / Österreich / 210 Euro >> z.B. bei Rose*

Ausstattung: große RV-Tasche, hoher Kragen, Isolation: hoch

Fazit: Fällt relativ groß aus, kein guter Schnitt für Frauen; lange Rückenpartie und hoher Kragen


POC: Pro Thermal Jacket, unisex

205 Gramm / Damenmodell: 195 Gramm  / Vietnam / 200 Euro >> z.B. bei Maciag Offroad*

Ausstattung: seitlich platzierte RV-Taschen, Transportbeutel, Isolation: gering

Fazit Männermodell: Legerer Schnitt; das leichte Material neigt zum Hochrutschen; Taschenzugang fummelig; nicht winddicht

Fazit Frauenmodell: Fällt leger aus, eventuell Nummer kleiner kaufen; nicht winddicht; eher leichte Allround- als vollwertige Winterjacke


Q36,5:

MännermodellAdventure Winter Jacket

335 Gramm / Italien / 295 Euro >> z.B. bei Rose*

Ausstattung: keine, Isolation: mittel bis hoch

Fazit: Oben eng, unten weiter; Außenhaut mit gutem Abperlverhalten; leichtes und dampfdurchlässiges Futter

Frauenmodell: Women’s Adventure Winter Jacket

315 Gramm / Italien / 295 Euro >> z.B. bei Rose*

Ausstattung: keine, Isolation: mittel bis hoch

Fazit: Fällt normal aus, unten weit; leicht taillierter Schnitt, jedoch wie das Männermodell hinten etwas kurz


Rapha:

MännermodellMen’s Classice Winter Cycling Jacket

360 Gramm / Vietnam / 320 Euro >> z.B. bei Rapha*

Ausstattung: zwei Brusttaschen mit RV, Ärmelgamaschen, Kordelzug, Isolation: gering

Fazit: Guter Rennradschnitt; Material ist wasserdicht, wärmt aber kaum

Frauenmodell: W’s Classic Winter Cycling Jacket

320 Gramm / Vietnam / 320 Euro >> z.B. bei Rapha*

Ausstattung: eine Hüfttasche mit RV, Kordelbund, RV kann von unten geöffnet werden, Isolation: gering

Fazit: Fällt leger aus, kaum tailliert; eventuell eine Nummer kleiner kaufen, Reißverschluss lässt sich unten öffnen


Santini:

MännermodellVega Absolute Jacket

395 Gramm / Italien / 239 Euro >> z.B. bei Bobshop*

Ausstattung: RV-Brusttasche, Isolation: mittel bis hoch

Fazit: Softshell-Jacke mit gutem Rennradschnitt; Außenhaut saugt etwas Wasser; unter den Achseln dampfdurchlässig

Frauenmodell: Vega Extreme Winter Jacket

360 Gramm / Italien / 229 Euro >> z.B. bei BikeInn*

Ausstattung: RV-Tasche, verlängerter Spritzschutz, Isolation: mittel bis hoch

Fazit: Fällt normal aus, toller Rennradschnitt; Kragen und Ärmelbündchen schützen sehr gut vor Zugluft


Sportful:

MännermodellTotal Comfort Jacket

360 Gramm / Kroatien / 260 Euro >> z.B. bei Rose* oder Bobshop*

Ausstattung: RV-Tasche, Isolation: mittel bis hoch

Fazit: Fällt normal bis eng aus; Softshell mit tollem Rennradschnitt (hinten lang); Kragen und Ärmelbündchen eng, aber elastisch; kein Reflexmaterial

Frauenmodell: Intensity W Jacket

345 Gramm / Kroatien / 260 Euro >> z.B. bei Bobshop* oder Chainreactioncycles*

Ausstattung: RV-Tasche, Isolation: mittel bis hoch

Fazit: Fällt normal bis klein aus; Softshell mit tollem Rennradschnitt, hinten schön lang; kein Reflexmaterial; keine Reißverschluss-Garage


So testet TOUR Rennrad-Winterjacken:

Die Gesamtnote setzt sich zusammen aus vier Kriterien, die wir je nach Relevanz gewichten. Die Isolation haben wir nicht benotet, da diese vom subjektiven Kältempfinden abhängt. Vor dem Test wurden alle Jacken nach Anleitung mehrmals gewaschen.

Wetterschutz (40 %)

Für den Wetterschutz entscheiden die beiden Kriterien Abperverhalten und Winddichtigkeit. Saugt sich der Oberstoff voll, verschlechtert das die Isolation der Jacke – der Körper kühlt aus. Ein ähnlicher Effekt stellt sich ein, wenn Zugluft durchs Material selbst oder am Kragen, den Ärmelbündchen oder am Rücken eindringen kann. Winterjacken müssen nicht wasserdicht sein, wobei die Jacken mit wasserdichter Membran und versiegelten Nähten Pluspunkte sammeln.

Handling (30 %)

Hier kommt es darauf an, dass die Jacke in Rennradhaltung gut sitzt, sich Reißverschlüsse einhändig bedienen lassen und die Trikottaschen schnellen Zugriff erlauben.

Ausstattung (20 %)

In die Bewertung fließen Details ein wie Zusatztaschen mit Reißverschluss, Zippergaragen und Abdeckungen für Reißverschlüsse, deren Leichtgängigkeit und vieles mehr.

Reflexmaterial (10 %)

Gute Sichtbarkeit im Straßenverkehr bedeutet für Rennradler ein Sicherheitsplus.

Den ganzen Test, alle Einzelnoten und Bewertungen finden Sie im TOUR-Heft 11

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