Was stimmt wirklich?​Rennradhelm-Mythen im Check

Sandra Schuberth

 · 01.04.2026

Was stimmt wirklich?: ​Rennradhelm-Mythen im CheckFoto: Wolfgang Papp
Teuer ist sicherer. Leicht ist besser. Und wer keinen Helm trägt, dem passiert schon nichts. Rund ums Thema Helm kursieren hartnäckige Annahmen - wir räumen auf.

Für die meisten Rennradfahrerinnen und Rennradfahrer gehört der Helm zur Pflichtausrüstung. Richtig so, sagen wir. Aber es gibt ein paar Mythen. Schützen teure Fahrradhelme besser? Sind leichte Helme besser?

Fünf Mythen rund um den Fahrradhelm

​Mythos 1: Mips ist Marketingsprech

Nein. Ein in den Helm integrierter Rotationsschutz wie Mips mindert das Risiko von Hirnverletzungen. Das belegen Messwerte. Im TOUR-Test lag das durchschnittliche Risiko einer mittleren Gehirnerschütterung bei Mips-Helmen bei rund 13 Prozent. Das Risiko, mit einem Helm ohne Mips eine Gehirnerschütterung zu erleiden, liegt laut dem Test bei durchschnittlich 27,5 Prozent. Das ist mehr als doppelt so hoch. Mips ist kein Gimmick.

Urteil: Mythos

Mythos 2: Die Norm garantiert ausreichenden Schutz

Jeder Helm, der verkauft werden darf, hat die DIN EN 1078 bestanden. Klingt beruhigend, ist es aber nur bedingt. Die Prüfmethode ist in die Jahre gekommen, da sie die Wirksamkeit von Sicherheitssystemen wie Mips nicht prüfen kann. Sie definiert Mindeststandards, die mit dem, was moderne Helme tatsächlich leisten, wenig zu tun haben. Wer sich also darauf verlässt, dass "zugelassen" gleichbedeutend mit "gut geschützt" ist, denkt zu kurz.

Urteil: Mythos

​Mythos 3: Teure Helme schützen besser

Einer der verbreitetsten Glaubenssätze im Radsport - und laut unserem letztjährigen Crashtest schlicht falsch. Sieben Hersteller schickten jeweils ein günstiges und ein teures Modell ins Rennen. Das Ergebnis: Ein höherer Preis bedeutet nicht automatisch mehr Sicherheit. Entscheidend ist nicht der Preis, sondern ob der Helm mit einem Rotationsschutzsystem wie Mips ausgestattet ist - dazu gleich mehr.

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Mythos 4: Leichtere Helme sind besser

Früher stimmte das: die leichtesten Helme waren meist die Top-Modelle. Die Zeiten, in denen die Top-Helme immer auch die leichtesten im Sortiment waren, sind passé. Das Mehrgewicht moderner Helme kommt durch das Mips-System und aerodynamischere Schalen. Der mit 223 Gramm leichteste Helm im Test ist ein klassisch anmutendes Modell ohne Rotationsschutz und mit vielen Luftschlitzen. Leichter heißt also nicht sicherer - im Gegenteil.

Urteil: Mythos

Mythos 5: Aerohelme heizen den Kopf auf

Intuitiv nachvollziehbar - weniger Schlitze, weniger Luftstrom. Aber auch das stimmt nicht pauschal. Selbst bei den als „Aerohelm" deklarierten Modellen entstand beim Praxistest unter der Schale kein Hitzestau. Die Kühltechnik hat sich weiterentwickelt, und ein Aerohelm muss heute kein Kompromiss beim Komfort mehr sein.

Urteil: Mythos

Empfehlung aus der Redaktion

Kauf einen Helm mit Mips oder einem vergleichbaren System, egal ob für 100 oder 300 Euro. Achte auf Passform, Tragekomfort und Verarbeitung. Beim Schutz macht die Ausstattung den Unterschied, nicht der Preis.

Sandra Schuberth

Sandra Schuberth

Redakteurin

Sandra Schuberth, mal Feierabendrunde, mal Trainingsride, mal unsupported Bikepacking-Challenge. Hauptsache sie und ihr Gravelbike – abseits vom Verkehr. Seven Serpents, Badlands oder Bright Midnight: Sie hat anspruchsvolle Bikepacking-Rennen gefinisht. Gravel und Bikepacking sind ihre Herzensthemen, ihr Anspruch an Equipment ist hoch. Was sie fährt, nutzt und empfiehlt, muss draußen bestehen: nicht im Marketing, sondern im echten Leben.

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