Sandra Schuberth
· 29.01.2026
Berichten zufolge ist Jonas Vingegaard im Training gestürzt, mutmaßlich war ein Fan involviert. Das Team appellierte: „Zum Wohle Ihrer eigenen Gesundheit und der Gesundheit anderer bitten wir Sie, denen, die trainieren, so viel Platz und Ruhe wie möglich zu lassen.“ Recht haben sie.
Mir fallen gleich eigene Erfahrungen ein, Berichte auf Social Media und Berichte von Freundinnen. Es ist immer das gleiche Muster. Du fährst, einfach so, oder folgst deinem Trainingsplan. Plötzlich hörst du ein leises Surren dicht hinter dir. Oder du siehst im Augenwinkel etwas Verdächtiges. Ein Blick über die Schulter bestätigt das Bauchgefühl: Da klebt einer. Kein Gruß, keine Frage, keine Absprache. Der Arsch des Vordermanns - oder der Vorderfrau - ist immer genau da, wo die Augen entspannt hinkommen. Und genau so fühlt es sich an: übergriffig. Schluss damit!
Windschatten lutschen ist kein Grundrecht, ein Hinterrad keine Einladung; genauso wie ein kurzer Rock keine ist. Zustimmung ist keine Nebensache, sie ist Voraussetzung. Punkt. Bevor du in den Windschatten einer anderen Person fährst, solltest du fragen, ob das okay ist.
Ohne Absprache fehlt das gemeinsame Sicherheitsnetz. Wer vorne fährt und nichts von dir weiß, kann Gefahren nicht anzeigen. Ein kurzer Bremser, ein Schlenker ums Schlagloch und schon kracht ihr beide auf den Asphalt. Willst du das? Wohl kaum. Also: Mund auf, fragen, ob’s okay ist, wenn du dich ans Hinterrad klemmst.
Nicht jede oder jeder will Gesellschaft. Manche trainieren Intervalle, manche sammeln Höhenmeter, manche möchten einfach ihre Ruhe. Ungefragtes Dranhängen kann Unbehagen, Unsicherheit oder gar Panik auslösen. Respekt ist kein Nice-to-have, sondern die Grundlage des Miteinanders.
Was für Amateursportlerinnen und Sportler gilt, gilt auch für Profis. Auch sie sind nicht unverwundbar - und auch sie haben ein Recht auf Privatsphäre. Wer auf der Ausfahrt einem Radprofi oder einem Team begegnet, schuldet ihnen Respekt. Hinterherhecheln, um das eigene Ego zu polieren, weil man ein paar Sekunden dranbleiben konnte, ist nicht cool. Das ist gefährlich.
Spätestens wenn dabei das Smartphone gezückt wird, kippt es komplett. Profis sagen seit Jahren, wie sehr sie das nervt. Ich sage: zu Recht. Filmen ohne zu fragen verletzt das Recht am eigenen Bild. Wer während der Fahrt Clips für Strava, Insta oder TikTok produziert, fährt rücksichtslos und erhöht die Gefahr für sich und alle anderen auf der Straße. Training ist kein Content-Set, Profis keine Statisten.
Unser Sport lebt von Nähe und Gemeinschaft. Aber Nähe ohne Zustimmung ist respektlos und risikoreich. Und Gemeinschaft ohne Respekt ist nur Ego auf zwei Rädern.
| Don't | Do |
| Ungefragt ans Hinterrad hängen | Erst Abstand halten und fragen, dann in den Windschatten fahren |
| Ein Nein diskutieren | Ein Nein akzeptieren |
| Wechsel verweigern | Wechsel der Führungsarbeit anbieten |