Nach Vingegaard-SturzMeinung: Hinterrad ist kein Freifahrtschein – frag, bevor du lutschst

Sandra Schuberth

 · 29.01.2026

Nach Vingegaard-Sturz: Meinung: Hinterrad ist kein Freifahrtschein – frag, bevor du lutschstFoto: Nick Rotter
Ein freies Hinterrad ist kein Freifahrtschein, sich in den Windschatten zu hängen. Ungefragtes Hinterradlutschen ist grenzüberschreitend und kann verheerende Folgen haben.
Es passiert ständig: Jemand hängt sich ungefragt ans Hinterrad. Berichten zufolge stürzte Jonas Vingegaard im Training, mutmaßlich war ein Fan beteiligt. Sein Team appellierte danach an alle Hobbyfahrer, Abstand zu halten. Recht haben sie. Höchste Zeit, Grenzen klarzumachen.

Berichten zufolge ist Jonas Vingegaard im Training gestürzt, mutmaßlich war ein Fan involviert. Das Team appellierte: „Zum Wohle Ihrer eigenen Gesundheit und der Gesundheit anderer bitten wir Sie, denen, die trainieren, so viel Platz und Ruhe wie möglich zu lassen.“ Recht haben sie.

Mir fallen gleich eigene Erfahrungen ein, Berichte auf Social Media und Berichte von Freundinnen. Es ist immer das gleiche Muster. Du fährst, einfach so, oder folgst deinem Trainingsplan. Plötzlich hörst du ein leises Surren dicht hinter dir. Oder du siehst im Augenwinkel etwas Verdächtiges. Ein Blick über die Schulter bestätigt das Bauchgefühl: Da klebt einer. Kein Gruß, keine Frage, keine Absprache. Der Arsch des Vordermanns - oder der Vorderfrau - ist immer genau da, wo die Augen entspannt hinkommen. Und genau so fühlt es sich an: übergriffig. Schluss damit!



Frag, bevor du lutschst

Windschatten lutschen ist kein Grundrecht, ein Hinterrad keine Einladung; genauso wie ein kurzer Rock keine ist. Zustimmung ist keine Nebensache, sie ist Voraussetzung. Punkt. Bevor du in den Windschatten einer anderen Person fährst, solltest du fragen, ob das okay ist.

Grund 1: Gefahr eindämmen

Ohne Absprache fehlt das gemeinsame Sicherheitsnetz. Wer vorne fährt und nichts von dir weiß, kann Gefahren nicht anzeigen. Ein kurzer Bremser, ein Schlenker ums Schlagloch und schon kracht ihr beide auf den Asphalt. Willst du das? Wohl kaum. Also: Mund auf, fragen, ob’s okay ist, wenn du dich ans Hinterrad klemmst.

Grund 2: Grenzen respektieren

Nicht jede oder jeder will Gesellschaft. Manche trainieren Intervalle, manche sammeln Höhenmeter, manche möchten einfach ihre Ruhe. Ungefragtes Dranhängen kann Unbehagen, Unsicherheit oder gar Panik auslösen. Respekt ist kein Nice-to-have, sondern die Grundlage des Miteinanders.

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Windschatten nur mit Konsens

  • Erst Abstand, dann Ansprache: Halte ein bis zwei Radlängen Abstand und frage freundlich, ob du im Windschatten fahren darfst.
  • Rolle übernehmen: Wenn’s passt, biete einen Wechsel der Führungsarbeit an.
  • Akzeptiere ein Nein: Spiele nicht die beleidigte Leberwurst, wenn du ein Nein als Antwort erhältst. Fahr dein Ding und halte Abstand.
Wenn alle einverstanden sind, dann ist Windschattenfahren okay. Wer weiß, vielleicht entstehen sogar neue Rennrad-Freundschaften?Foto: Wolfgang PappWenn alle einverstanden sind, dann ist Windschattenfahren okay. Wer weiß, vielleicht entstehen sogar neue Rennrad-Freundschaften?

Respekt auch für Profis

Was für Amateursportlerinnen und Sportler gilt, gilt auch für Profis. Auch sie sind nicht unverwundbar - und auch sie haben ein Recht auf Privatsphäre. Wer auf der Ausfahrt einem Radprofi oder einem Team begegnet, schuldet ihnen Respekt. Hinterherhecheln, um das eigene Ego zu polieren, weil man ein paar Sekunden dranbleiben konnte, ist nicht cool. Das ist gefährlich.

Spätestens wenn dabei das Smartphone gezückt wird, kippt es komplett. Profis sagen seit Jahren, wie sehr sie das nervt. Ich sage: zu Recht. Filmen ohne zu fragen verletzt das Recht am eigenen Bild. Wer während der Fahrt Clips für Strava, Insta oder TikTok produziert, fährt rücksichtslos und erhöht die Gefahr für sich und alle anderen auf der Straße. Training ist kein Content-Set, Profis keine Statisten.

​Unser Sport lebt von Nähe und Gemeinschaft. Aber Nähe ohne Zustimmung ist respektlos und risikoreich. Und Gemeinschaft ohne Respekt ist nur Ego auf zwei Rädern.

Don'tDo
Ungefragt ans Hinterrad hängenErst Abstand halten und fragen, dann in den Windschatten fahren
Ein Nein diskutierenEin Nein akzeptieren
Wechsel verweigernWechsel der Führungsarbeit anbieten

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