Sandra Schuberth
· 26.03.2026
Den richtigen Abstand zum Rad vor dir zu finden ist eine der wichtigsten Fähigkeiten im Peloton. Zu weit hinten bedeutet: Du verlierst den Windschatten und kämpfst unnötig gegen den Wind. Zu nah dran bedeutet: Bei einer Vollbremsung ist die Reaktionszeit weg. Als Faustregel gilt etwa ein halbes bis ein Rad Abstand - genug für Kontrolle, nah genug für den Vorteil. Mit der Zeit entwickelst du ein Gespür dafür.
Wer neu ist, fährt instinktiv ans Ende der Gruppe - um nicht aufzufallen, um Druck rauszunehmen. Paradoxerweise ist das aber die anstrengendste Position, zusammen mit der ersten Reihe. Am Ende der Gruppe schaukelt sich jeder kleine Tempowechsel auf: Was vorne ein sanftes Rollen ist, wird hinten zum ständigen Antreten und Abbremsen. Weiter vorne läuft das Tempo gleichmäßiger, der Rhythmus ist leichter zu halten. Trau dich, ein paar Plätze nach vorne zu rücken.
Im Windschatten reagiert jede Bremsung wie ein Dominoeffekt nach hinten. Wer abrupt bremst, riskiert einen Auffahrunfall - und den Respekt der Gruppe. Vorausschauend fahren ist das Stichwort: Blick nicht nur auf das Hinterrad vor dir, sondern drei, vier Räder weiter vorne. So erkennst du Tempowechsel früh und kannst gleichmäßig rollen lassen, statt in die Eisen zu steigen.
Handzeichen funktionieren nur, wenn sie die ganze Kette durchlaufen. Auch wenn die Person hinter dir das Hindernis noch nicht sehen kann, muss das Zeichen trotzdem weitergegeben werden. Ausnahme ist, wenn es zu unsicher ist, eine Hand vom Lenker zu nehmen. Dann vielleicht besser rufen “Achtung!”.
Der Anstieg beginnt, die Gruppe zieht an und du folgst, koste es was es wolle. Klassischer Anfängerfehler. Am Berg fährt jede Person ihr eigenes Tempo, die Stärkeren warten oben. Wer sich am Fuß des Anstiegs übernimmt, kommt oben an und hat für den Rest der Ausfahrt nichts mehr in den Beinen. Lieber konstant und kontrolliert als heroisch und leer.
Okay, es gibt auch Ausfahrten, bei denen nicht gewartet wird. Such dir für den Anfang besser keinen sogenannten Dropride aus, sondern eine Ausfahrt mit Social Pace.
Eine Gruppe funktioniert nur, wenn sie miteinander spricht. Panne? Laut ansagen. Musst du kurz raus aus der Gruppe? Kurz Bescheid geben. Bist du am Limit? Sag es, bevor du abreißt - nicht danach. Wer schweigt, lässt die anderen im Unklaren und macht aus einer Kleinigkeit schnell ein Problem. Kommunikation ist das Schmiermittel jeder guten Gruppenausfahrt.
Die Führungsarbeit in der Gruppe kostet deutlich mehr Kraft als das Fahren im Windschatten. Wer als Neuling zu lange vorne fährt, weil er oder sie nicht weiß, wann Ablösen angesagt ist, zahlt das später mit dem Einbruch. Kurze, gleichmäßige Führungspassagen sind besser als eine lange heroische. Und: Wenn du nicht weißt, wie das in der Gruppe gehandhabt wird, einfach vorher fragen.
Auf dem Rad verbrennt man schneller als man merkt. Wer erst trinkt, wenn der Durst kommt, oder erst isst, wenn der Hunger da ist, ist bereits im Rückstand. Die Regel lautet: alle 20 Minuten trinken, alle 45 bis 60 Minuten essen. Auch wenn sich der Körper noch gut anfühlt. Ein Hungerast in der Gruppe ist unangenehm für alle. Vorsorgen ist hier die halbe Miete.
Eine Gruppe mit dem falschen Tempo zu wählen ist der häufigste Grund, warum der erste Group Ride auch der letzte bleibt. Zu schnell und du bist direkt abgehängt. Auch zu langsam geht, das kommt auf dein Ziel drauf an. Willst du Leute kennenlernen, ist das Nebensache. Willst du Trainingseffekt, muss das Tempo passen. Viele Gruppen haben Leistungsklassen oder kommunizieren das angestrebte Durchschnittstempo vorab. Nutz das. Lieber eine Klasse tiefer einsteigen und stark ankommen als eine zu hoch und um Anschluss kämpfen.
Klingt nach einer Kleinigkeit — ist es aber nicht. Wer aus dem Sattel geht, ohne es anzukündigen, schiebt das Rad für einen kurzen Moment nach hinten. Für die Person direkt dahinter kann das bedeuten: Vorderrad trifft Hinterrad, Sturz. Ein kurzes “Ich stehe auf” oder eine Armbewegung reicht. Das Handzeichen dafür ist ein “Flattern” mit den Ellenbogen, die Hände bleiben dabei am Lenker. Diese eine Sekunde Vorwarnung kann eine ganze Kettenreaktion verhindern.
Jede Gruppe hat ihre eigene Kultur - und die ist nicht immer aufgeschrieben. Wie wird am Berg gefahren? Wartet man nach Anstiegen? Welche Handzeichen werden verwendet? Oft werden die nochmal erklärt, bevor es losgeht. Wenn nicht, frag lieber einmal nach, dieses kurze Gespräch vor dem Start spart Missverständnisse unterwegs.
Jede erfahrene Radsportlerin, jeder erfahrene Radsportler hat diese Fehler irgendwann selbst gemacht. Der Unterschied liegt nicht darin, sie zu vermeiden, sondern darin, sie zu kennen, daraus zu lernen und beim nächsten Mal einen Tick besser in die Gruppe zu passen. Der erste Group Ride ist selten perfekt. Aber er ist der Beginn von etwas, das süchtig macht.

Redakteurin