Alkoholfreies Bier im Test8 Trendgetränke für Radsportler im Vergleich

Matthias Borchers

 · 01.05.2026

Alkoholfreies Bier ist vor und nach dem Sport gut für Radsportler
Foto: Wolfgang Papp
Immer mehr Menschen verzichten auf Alkohol. Um geschmacklich auf seine Kosten zu kommen, bietet sich alkoholfreies Bier an. Wir haben vier Helle und vier Weißbiere getestet. Das sind unsere Favoriten.

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Der Artikel erschien erstmals 2024 und wurde am 01. Mai 2026 aktualisiert.

Wer es möchte, kann sogar schon vor dem Training ein Bier trinken! Diese Empfehlung kommt nicht von Brägel, der Hauptfigur unserer satirischen Rubrik “Radschlag” und Fan von Hefe hell, sondern von Uwe Schröder, Experte für Sporternährung vom Deutschen Institut für Sporternährung e. V. Und der studierte Ökotrophologe sowie Hobbyradsportler meint das ganz ernst. Bier – solange es alkoholfrei ist – ist nämlich auch für Rennradfahrer mehr als nur ein Durstlöscher. Dank seiner Inhaltsstoffe eignet es sich hervorragend als Alternative zu herkömmlichen Saftschorlen oder speziellen Sportgetränken.

Wirkung von alkoholfreiem Bier

Als Regenerationsgetränk nach dem Sport kann alkoholfreies Bier wichtige Funktionen erfüllen: Es gleicht den Wasserhaushalt aus, stabilisiert durch seine Kohlenhydrate den Blutzuckerspiegel, hilft, die entleerten Muskelenergiespeicher schnell zu füllen und unterstützt mit seinem Mineralstoff Kalium dabei, diese Energie in den Muskeln zu speichern. Eine anerkannte Empfehlung besagt, direkt nach dem Sport etwa ein Gramm Kohlenhydrate pro Kilogramm Körpergewicht zur effektiven Regeneration und Wiederauffüllung der Glykogenspeicher zu verzehren. Mit kohlenhydrathaltigen Getränken wie alkoholfreiem Bier kann man dieser Empfehlung leicht nachkommen. Da pro Gramm Kohlenhydrate ca. 19 mg Kalium in die Muskelzelle eingelagert werden, sind kaliumreiche Getränke für die Regeneration nach intensiven Aktivitäten besonders gut geeignet. Ein Beispiel: In einem Liter Bitburger 0,0 sind 78 Gramm Kohlenhydrate enthalten, womit sich ein 80-Kilo-Sprinter empfehlungsgerecht auftanken ließe.

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Manche Biere tragen sogar das Siegel “isotonisch”. Das bedeutet, dass zwei Flüssigkeiten – in diesem Fall das Bier in der Flasche und das Blut im Körper – die gleiche Konzentration an gelösten Teilchen aufweisen. Dadurch kann das Getränk mit seinen Inhaltsstoffen besonders schnell verdaut werden. “Die Eigenschaft ‘isotonisch’ ist jedoch kein alleiniger Gradmesser für die Qualität eines Sportgetränks”, ergänzt der Ökotrophologe Uwe Schröder. Wer bei kühlen Temperaturen wenig schwitzt, ist mit einem leicht hypertonen Getränk, das eine höhere Konzentration an Kohlehydraten aufweist als das Blut, möglicherweise besser bedient.

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Alkoholfrei ist nicht gleich alkoholfrei

Viele alkoholfreie Biere enthalten tatsächlich noch geringe Mengen Alkohol. Sie dürfen jedoch mit einem Restalkoholgehalt von bis zu 0,5 Prozent als alkoholfrei bezeichnet werden. Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist dieser Restalkohol meist unproblematisch; auch unser Blut ist nie völlig alkoholfrei, da unser Körper selbst Ethanol produziert und sogar Roggenbrot oder Bananen können Alkohol enthalten, was viele nicht wissen. Das Deutsche Institut für Sporternährung e. V. empfiehlt leistungsorientierten Sportlern jedoch alkoholfreie Biere, die tatsächlich keinen Restalkohol aufweisen; diese werden von den Brauereien meist mit dem Zusatz “0,0” gekennzeichnet. Sie haben den Vorteil, keine alkoholbedingte entwässernde Wirkung zu haben, was zum Ausgleich der im Ausdauersport typischen großen Schweißverluste wichtig ist. Auch der geringe Alkoholgehalt in “nur” alkoholfreiem Bier kann leicht entwässernd wirken und die Rehydrierung nach dem Sport beeinträchtigen.

Kommt es auf eine schnelle Regeneration an, etwa im Trainingslager, bei mehrtägigen Etappenfahrten oder bei zweimaligem Training am Tag, kann der völlige Verzicht auf Alkohol die Muskelregeneration und Erholung fördern. Denn Alkohol hemmt die Proteinsynthese. Dadurch verzögern sich der Muskelaufbau und die -reparatur nach intensiver Belastung.

Da Bier hauptsächlich aus Gerste oder Weizen besteht, eignet es sich nicht für Menschen mit Glutenunverträglichkeit. Allerdings gibt es mittlerweile sogar glutenfreie Biere wie das Neumarkter Lammsbräu Alkoholfrei.

Eine Frage des Geschmacks

Alkoholfreie Biere schmecken nicht! Dieses Vorurteil haftete dem nullprozentigen Hopfengetränk seit jeher an und war schwer loszuwerden. Den Gegenbeweis lieferte 2001 das alkoholfreie Erdinger Weißbier, das von Anfang an als isotonisches Erholungsgetränk vermarktet wurde und zu den Marktführern zählt. In der Folge wurden auch alkoholfreie Weißbiere vieler anderer Brauereien beliebte Durstlöscher und Sommergetränke.

Die Herausforderung bleibt bestehen, alkoholfreiem Bier den typischen Biergeschmack zu verleihen, denn: “Alkohol ist ein Geschmacksträger!”, erklärt Bier-Experte und Sommelier Simon Rossmann. Während der Alkoholgärung entstehen viele Aromaverbindungen, deren Wechselwirkungen noch nicht vollständig erforscht sind, schwärmt der Brau-Ingenieur, der beim Doemens-Beratungsinstitut für Brau-, Getränke- und Lebensmittelindustrie in München lehrt.

Um alkoholfreie Biere herzustellen, gibt es verschiedene Verfahren: Bei der gestoppten Gärung wird verhindert, dass mehr als 0,5 Prozent Alkohol entstehen. Diese Methode wird seit Jahrzehnten genutzt. Relativ neu ist die Verwendung neuer Hefen. Bestimmte Hefestämme produzieren keinen Alkohol und bringen interessante Aromen ins Bier. Diese Methode ist besonders für kleine Brauereien interessant, die nicht so viel Geld haben. Neue Hefen und bessere Filteranlagen fördern die Kreativität der Brauer, weshalb viele neue alkoholfreie Biere – oft Helle statt Weißbiere – in verschiedenen Geschmacksrichtungen auf den Markt kommen. Der dritte Weg zum alkoholfreien Bier führt über Entalkoholisierungsanlagen, die dem Vollbier den Alkohol entziehen; diese Anlagen sind jedoch aufwendig und teuer und daher nur für finanzstarke Brauereien geeignet.

Verkostung um 11

Für den Geschmackstest unserer acht Biere hat Sommelier Simon Rossmann die sensorische Bewertung vorgenommen; sieben Kolleginnen und Kollegen aus der Redaktion haben im Rahmen einer Blindverkostung ihre Favoriten gewählt. Beide Tests fanden jeweils um elf Uhr morgens statt, da dies laut Bier-Experte Rossmann wegen der zu dieser Uhrzeit sehr sensiblen Geschmacksknospen der ideale Zeitpunkt sei. Und mangels Alkohol bestand auch keine Gefahr, dass der weitere Arbeitstag aus dem Rhythmus geraten könnte...

Alkoholfreies Helles/Pils

Helles/PilsAndechsBitburgerGiesingerSimsseer
MarkeAndechser Hell0,0 PilsFreiheitVolle Pulle
Preis pro Flasche*2,10 Euro (0,5 l)0,78 Euro (0,33 l)1,59 Euro (0,5 l)1,45 Euro (0,5 l)
Energiegehalt**108 kj (25 kcal)138 kj (33 kcal)112 kj (27 kcal)112 kj (26 kcal)
Kohlenhydrate / Zucker5,3 Gramm / 1,5 Gramm7,8 Gramm / 4,4 Gramm5,6 Gramm / 2,8 Gramm5,9 Gramm / 5,9 Gramm
Protein0,75 Gramm0,5 Gramm< 0,5 Gramm0,0 Gramm
Fett< 0,5 Gramm0,0 Gramm< 0,5 Gramm0,0 Gramm
Alkohol< 0,5 % vol.0,0 % vol.< 0,5 % vol.< 0,5 % vol.
SensorikSahniger, feinporiger Schaum, gold-gelbe Farbe; malzige Note, etwas Honig, schlank im Antrunk, die Kohlensäure ist gut eingebunden, leichte Bitter- und Biskuit-Note; insgesamt ein harmonisches GetränkSatter, weicher und dichter Schaum, strohgelbe Farbe, glanzfrei und blank; würzige Aromen, getreidige Noten, deutlich süß im Antrunk, lediglich etwas bitter im Abgang mit prickelnder KohlensäureWeißer und kräftiger Schaum, helles Gelb, leichte und gleichmäßige Trübung (opal); Noten von Koreandersamen, Orangenschale, leichte Süße im Antrunk, leicht bittere Note im Abtrunk; sehr schlankes BierGrobporiger Schaum, steht schlecht, goldgelbe bis orange Farbe; ausgeprägtes Hopfenaroma, Noten von Mango, Ananas und Orange; leicht süß im Antrunk, im Nachtrunk bitter und hopfig, wenig Kohlensäure
Gesamtbewertung3 von 54,5 von 52,5 von 53,5 von 5
Fazit *teils starke Preisunterschiede **pro 100 MilliliterZwei Kollegen und unserem Sommelier mundete das Hell aus der Klosterbrauerei Andechs, den übrigen war´s zu bitter; hat wenig Energie, dafür mehr Eiweiß, relativ teuerDas 0,0-Bitburger in der 0,33-Flasche hat eine hohe Energiedichte und liefert viele Kohlenhydrate. Es schmeckt leicht süßlich und kam beim Geschmackstest am besten anTrinkt sich leicht, erreicht beim Geschmackstest einen mittleren Platz; durchschnittlich bei den InhaltsstoffenGeteiltes Urteil: Für einen Teil der Gruppe der Geschmacks- favorit, den anderen schmeckte es zu sehr hopfenbetont; die Inhaltsstoffe erreichen durchschnittliche Werte

Alkoholfreies Weissbier

WeissbierErdingerFranziskanerLammsbräuPaulaner
MarkeWeißbräuNaturtrübes WeißbierWeiße (Bioland)Weißbier 0,0
Preis pro Flasche*1,00 Euro (0,5 l)1,10 Euro (0,5 l)1,38 Euro (0,5 l)1,25 Euro (0,5 l)
Energiegehalt**107 kj (25 kcal)88 kj (21 kcal)113 kj (27 kcal)145 kj (33 kcal)
Kohlenhydrate / Zucker5,3 Gramm / 3,6 Gramm4,4 Gramm / 1,8 Gramm6,1 Gramm / 2,8 Gramm5,3 Gramm / 3,6 Gramm
Proteinkeine Angabe0,6 Gramm< 0,5 Gramm0,7 Gramm
Fettkeine Angabe0,0 Gramm< 0,5 Gramm0,0 Gramm
Alkohol< 0,5 % vol.< 0,5 % vol.< 0,5 % vol.0,0 % vol.
SensorikFester, stabiler und dichter Schaum, goldgelbe Farbe mit leichter Trübung; Karamell- und Honignoten: im Antrunk leichte Süße, nussige Note, prickelnd; im Nachtrunk leicht bitter, jedoch bleibt die Süße immer im VordergrundCremiger und stabiler Schaum, bernsteinfarbenes Bier; fruchtige, karamellige Note, deutliche Süße im Antrunk, fast toffeeartiger, lediglich im Nachtrunk leichte BitternoteDichter, stabiler, feinporiger Schaum, goldgelbe Farbe mit kräftiger Trübung; getreidige, nussige und buiskuitartige Aromen; malzig-süß im Antrunk, spritzige Kohlensäure, Bitternoten bleiben im Hintergrund; sehr cremiges MundgefühlDichter, feiner und fester Schaum, Orange-Farbton, leichte Trübung; sehr fruchtige und malzige Aromen, nussig-karamellig, deutlich süß im Antrunk, prickelnde Kohlensäure auf der Zunge, cremiges Mundgefühl, schön weich, kaum Bitternoten
Gesamtbewertung3 von 52,5 von 54,5 von 52,5 von 5
Fazit *teils starke Preisunterschiede **pro 100 MilliliterBeim Erdinger dominiert ein süßer Geschmack, was lediglich der Hälfte der Verkoster schmeckte; es liefert relativ wenig Energie; günstigDas Franziskaner liefert die geringste Menge Kohlenhydrate und ist gleichzeitig sehr zuckerarm, dafür hat es mehr Proteine; den Geschmack bewerten die Tester durchschnittlichDer Geschmackssieger unter den Weizenbieren, die cremig-spritzige Note kam sehr gut an; gleichzeitig liefert es viele Kohlenhydrate bei wenig ZuckerDas Paulaner liefert viele Kohlenhydrate bei mittlerem Zuckergehalt; geschmacklich belegt es einen mittleren Rang

Matthias Borchers ist im Test-Ressort von TOUR, Experte für Bekleidung und Zubehör. Als Hobbyradsportler hat er die TOUR-Transalp und die TOUR-Trans Austria absolviert. Prägend sind zudem Reportage-Reisen von San Francisco bis Sakai sowie 17 Trips zur Tour de France mit rund 30.000 Wohnmobilkilometern.

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