Trondheim-Oslo 2026 abgesagtSteht die Styrkeprøven vor dem Aus?

Kristian Bauer

 · 16.05.2026

Trondheim-Oslo 2026 abgesagt: Steht die Styrkeprøven vor dem Aus?Foto: KI-generiert
Absage Trondheim-Oslo 2026
​Styrkeprøven - der traditionsreichste Radmarathon Norwegens wird im kommenden Jahr nicht stattfinden. Die Veranstalter haben Trondheim-Oslo 2026 abgesagt, nachdem die norwegische Straßenverkehrsbehörde den Genehmigungsantrag überraschend abgelehnt hat. Trondheim-Oslo ist eines der ältesten Langstreckenradrennen in Europa. Die Zukunft des Radmarathons steht auf dem Spiel.

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​Wie die Veranstalter von Trondheim-Oslo mitteilten, wurde der Antrag bereits im Dezember 2025 eingereicht und erst am 6. Mai abgelehnt. Kurz zuvor hatte die norwegische Straßenverkehrsbehörde ein neues Bewertungsdokument für Langstrecken-Radrennen erarbeitet, datiert vom 29. April, das als Grundlage für die Ablehnung diente. Die Veranstalter kritisieren dabei sowohl das Verfahren als auch den Inhalt des Berichts – insbesondere, da sie keine Möglichkeit hatten, vorab Stellung zu nehmen. Wollten die Behörden die Absage auf diese Weise bewusst erzwingen?

„Es wäre unverantwortlich, noch länger auf eine Lösung zu warten, die wir nicht kommen sehen", erklärten die Veranstalter. Bereits in den vergangenen Jahren seien die Anforderungen stetig gestiegen: höhere Polizeikosten, umfangreichere Sicherheitsauflagen als bei vergleichbaren Veranstaltungen sowie verstärkte Kontroll- und Begleitmaßnahmen während des Rennens hätten die Durchführung zunehmend erschwert. Alle bereits gezahlten Teilnahmegebühren werden vollständig erstattet.

Styrkeproven fürchtet um Existenz

Trondheim-Oslo blickt auf eine 59-jährige Geschichte zurück und gilt als Herzstück des norwegischen Radsports. Es wird von sechs Sportvereinen getragen und ausschließlich von Ehrenamtlichen organisiert. „Wir sind stolz auf das, was der Styrkeprøven für den norwegischen Radsport und die öffentliche Gesundheit über 59 Jahre bedeutet hat", so die Veranstalter in ihrer Pressemitteilung. Man werde weiterhin für den Erhalt des Radmarathons kämpfen. Auch international war Trondheim-Oslo seit Jahrzehnten ein Aushängeschild – traditionell starteten viele Teilnehmer aus Deutschland.

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Ein neu geschaffenes Regelwerk für eine Veranstaltung, die über Jahrzehnte reibungslos funktioniert hat – das sorgt in der Radszene für Kopfschütteln und lässt böses ahnen für die Zukunft. Die Veranstalter fürchten um ein Ende der langen Radsport-Tradition: „Wir sind Ehrenamtliche und können nicht Vollzeit arbeiten, um Lösungen zu finden. Hier muss der Norwegische Radsportverband aktiv werden, wenn er die Kraftprobe und andere Radveranstaltungen in Zukunft durchführen will“, erklärt Thomas Svane Jacobsen vom Organisationsclub Rye SK gegenüber dem norwegischen TV-Sender NRK.

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Geschichte Trondheim-Oslo

„Den Store Styrkeprøven Trondheim-Oslo“ (Die große Kraftprobe Trondheim-Oslo), lautet der vollständige Name des Radmarathons mit Start in Trondheim und Ziel in Oslo. Er wurde erstmals 1967 mit 121 Teilnehmern organisiert. Die Schnellsten erreichten bei der Premiere nach 16:38:28 Stunden das Ziel. In den folgenden Jahren wurde Trondheim-Oslo jedes Jahr organisiert und 1979 zog das Event zum ersten Mal über 1.000 Teilnehmer an. Bis einschließlich 2013 war Oslo Cyklekrets der Organisator, während 2014 Styrkeprøven als eigenständige Gesellschaft mit acht Sportvereinen aus Oslo und Umgebung als Anteilseigner gegründet wurde. Styrkeprøven AS hat auch andere Radrennen in der Region organisiert, wie Oslo – Mysen und Oslo – Lærdal. Die Strecke wurde in den letzten Jahren leicht verändert, um Sicherheitsbedenken der Behörden zu entkräften. Sie war je nach gewählter Variante zwischen 520 und 540 Kilometer lang und bot rund 3600 Höhenmeter. Es wurden auch kürzere Distanzen angeboten. Zeitweise nahmen bis zu 9600 Starter teil. An der Spitze fuhren in den letzten Jahren Teams im Stile eines Mannschaftszeitfahrens und kamen nach rund 13 bis 14 Stunden ins Ziel.

Axel Fehlau und Trondheim-Oslo

Untrennbar verbunden mit der großen Kraftprobe ist der Deutsche Axel Fehlau. Er nahm die Strecke 32-mal in Angriff und kam 30-mal ins Ziel. 2025 erklärte er seinen Abschied von der legendären Veranstaltung. In den 30 Jahren war er mit dem Tandem, Triplet, Liegerad und vor allem in starken, straff organisierten Teams von Trondheim nach Oslo gefahren. Teilweise übernahm er die Organisation eigener Mannschaften für den Start bei Trondheim-Oslo. 2012 und 2015 gewann er mit seinem Team das Langstreckenrennen.


Kristian Bauer

Kristian Bauer

Redakteur

Kristian Bauer ist gebürtiger Münchner und liebt Ausdauersport – besonders wenn es in die Berge geht. Er ist ein Fan der Tour de France und bevorzugt solide Rennradtechnik. Er führt für TOUR Interviews, berichtet von Events im Hobbyradsport und schreibt Artikel über die Fahrradbranche sowie Trends im Rennradsport.

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