Legendäre RadrennenRennrad gegen Dampflok bei Iron Horse Bicycle Classic

Kristian Bauer

 · 28.06.2026

Radrennen Mensch-Maschine
Foto: Iron Horse Bicycle Classic
​Wer ist schneller: eine Eisenbahn oder ein Radfahrer? Zwei Brüder traten 1971 zum Vergleich an und legten damit die Grundlage für ein legendäres Radrennen in den USA. Bis heute findet der Vergleich Mensch gegen Maschine beim Iron Horse Bicycle Classic statt. Zwei schwere Pässe bremsen die Radfahrer.

​Die Geschichte des Iron Horse Bicycle Classic begann mit einer einfachen Wette zwischen zwei Brüdern. Im Jahr 1971 lebte Tom Mayer in Durango, Colorado, und war leidenschaftlicher Radfahrer. Regelmäßig absolvierte er an Wochenenden lange Trainingsfahrten und begleitete dabei häufig den berühmten Zug nach Silverton – nicht zuletzt, weil sein Bruder Jim als Bremser auf dem Zug arbeitete. Als Tom wieder einmal ankündigte, nach Silverton zu radeln, entbrannte eine freundschaftliche Wette: Jim zweifelte daran, dass sein Bruder den Zug schlagen könnte, schließlich war die Strecke der Schiene fünf Meilen kürzer und deutlich flacher, während Tom auf den 76 Kilometern zwei Pässe überqueren musste. Der Einsatz: ein Schokoriegel.

Grundstein für Radrennen

Tom gewann die Wette. Er kam weit vor dem Zug in Silverton an und wartete dort auf seinen ungläubigen Bruder. Dieser konnte kaum glauben, dass Tom die gesamte Strecke in so kurzer Zeit mit dem Fahrrad zurückgelegt hatte. Schließlich hat es die Strecke in sich: auf den 76 Kilometern müssen zwei Pässe überquert werden, die auf rund 3000 m liegen. Insgesamt müssen rund 1.800 Höhenmeter in sauerstoffarmer Höhe überwunden werden. Ein Jahr später, 1972, hatte Tom Mayer die Idee, aus seiner Lieblingsroute ein offizielles Rennen zu machen. Der Weg dahin war jedoch alles andere als einfach: Die Straßenpolizei in Durango lehnte seinen Plan zunächst kategorisch ab und hielt ein Rennen auf dem Highway nach Silverton für viel zu gefährlich. Erst durch die Vermittlung des Managers eines bekannten Outdoor-Geschäfts, konnte die Behörde von den Vorteilen für die Region überzeugt werden.

Tom organisierte Preise, indem er in Silverton von Geschäft zu Geschäft zog und um Spenden bat. Neben Schmuck und kleinen Souvenirs stellte Rick Scarborough vom Iron Horse Chuckwagon ein besonderes Angebot bereit: Jeder, der den Zug schlug, erhielt ein kostenloses Mittagessen. Über sein Netzwerk in Albuquerque, Phoenix, Tucson, Denver und Salt Lake City sprach sich das Rennen schnell herum. Am Ende nahmen im ersten Jahr 36 Fahrer teil – und nur fünf von ihnen schlugen den Zug. Was einst als spontane Wette um einen Schokoriegel begann, entwickelte sich zu einem der bekanntesten Radrennen der USA, das heute Tausende von Fahrern aus dem ganzen Land und der Welt anzieht. Das Rennen hat auch die MTB-Tradition beflügelt. Im Windschatten des Straßenrennens entstand ein MTB-Boom, der 1990 die UCI MTB WM nach Durango brachte.

Iron Horse Bicycle Classic heute

Auch 2026 fand das Radrennen wieder statt -inklusive eigener Rennen für Gravel- und Mountainbikes. Das Straßenrennen Iron Horse Bicycle Classic wurde vom einheimischen Kai Lokey in 2:14:44 gewonnen. Bei den Frauen gewann Lucy Harris in 2:40:33. Beides starke Leistungen, bedenkt man, dass der Coal Bank Pass und der Molas Pass auf ca. 3.000 m Höhe liegen. Bis heute ist die Struktur des Rennens unverändert geblieben: Am Start werden eine Dampflok mit Waggons und die Radfahrer gleichzeitig auf die Strecke geschickt. Nach dem Start fahren sie wenige Minuten sogar fast parallel.

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Kristian Bauer

Kristian Bauer

Redakteur

Kristian Bauer ist gebürtiger Münchner und liebt Ausdauersport – besonders wenn es in die Berge geht. Er ist ein Fan der Tour de France und bevorzugt solide Rennradtechnik. Er führt für TOUR Interviews, berichtet von Events im Hobbyradsport und schreibt Artikel über die Fahrradbranche sowie Trends im Rennradsport.

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