Bikepacking-Tour im Taunus - 4 Tage, 8 Portraits

Sandra Schuberth

 · 03.09.2022

Bikepacking-Tour im Taunus - 4 Tage, 8 PortraitsFoto: Pia Nowak

Komoot und das Radkollektiv The Women All Ride haben gemeinsam eine mehrtägige Bikepacking-Tour im Taunus organisiert. 25 Startplätze waren zu vergeben, mitfahren durften alle, einzige Voraussetzung: weiblich oder divers - und ein Gravelbike. Die Gruppe war bunt gemixt - 8 Teilnehmerinnen im Portrait und Statements, warum es auch Events ohne Männer braucht.

Über die Bikepacking-Tour im Taunus

Das Radkollektiv The Women All Ride hat gemeinsam mit Komoot die Taunus Teaser Edition von Komoots Women’s Weekender-Serie organisiert. Einen Eindruck vom Event und der Strecke gibt’s hier.

Wer fährt mit? 8 Portraits

Radfahren ist bunt, das hat die Gruppe von 28 Bikepackerinnen im Taunus noch einmal erfolgreich bewiesen. Frauen von 20 bis 52 Jahren waren am Start, mit MTB, Gravelbikes oder anderen Rädern, mit Zelt, Hängematte oder Biwaksack, mit oder ohne Bikepacking-Erfahrung. Am Ende der Bikepacking-Tour im Taunus waren alle Teilnehmenden um vieles reicher: Erfahrungen, Austausch und unvergessliche gemeinsam erlebte Momente.

Anja - Hilfe, welches Rad?

Oberrohrtasche: Snacks und ein Notfall-Energygel
Framebag: Trinksystem, Flick-/Wekzeug (mit Einmalhandschuhen), Waschtäschchen (Zahnbürste, Zahnpasta, Creme), Handtuch (was ich auf dem ersten Campingplatz vergessen habe), Powerbank, Kabel und Akku für GoPro und Handy, Geld, AirTag
Arschrakete: Wechselradklamotten, Schlafshirt, kurze Sporthose, Regenjacke, Isomatte, Schlafsack, Armlinge, Beinlinge.Foto: Pia Nowak
Oberrohrtasche: Snacks und ein Notfall-Energygel Framebag: Trinksystem, Flick-/Wekzeug (mit Einmalhandschuhen), Waschtäschchen (Zahnbürste, Zahnpasta, Creme), Handtuch (was ich auf dem ersten Campingplatz vergessen habe), Powerbank, Kabel und Akku für GoPro und Handy, Geld, AirTag Arschrakete: Wechselradklamotten, Schlafshirt, kurze Sporthose, Regenjacke, Isomatte, Schlafsack, Armlinge, Beinlinge.

Anja hat mit 12/13 Jahren mit dem Laufen angefangen, 2009 bestritt sie ihren ersten Triathlon. “Seit meinem ersten Ironman (2019) in Frankfurt durchlaufe ich sportlich eher eine Talfahrt. Nun bin ich auf der Suche nach etwas Neuem" berichtet sie ihr aktuelles Empfinden. Dazu trägt auch der Nachwuchs bei, der vor 1,5 Jahren in das Leben der 34-jahrigen und ihrer Frau trat. Sportlich ambitioniertes Radfahren neben einem Vollzeitjob und mit Kind ist nicht leicht. “Wir sind beide sportlich und haben uns über den Sport kennengelernt. Beim Radfahren müssen wir uns jetzt abwechseln, denn das geht mit Anhänger nicht so gut. Beim Laufen ist das einfacher" erzählt Anja. Absprachen und auch Mal einen Gang runterschalten, nur so funktioniert es.

In Vorbereitung auf die Bikepacking-Tour im Taunus bin ich zwei bis drei Mal kürzere Strecken mit dem MTB gefahren, um mich zu entscheiden, ob ich mit dem Schweren MTB oder mit dem Rennrad mit einer viel zu harten Übersetzung fahre.

Als Fazit gab Anja nach der Tour zu verstehen, dass das MTB eigentlich doch die einzig mögliche Wahl war. Alles andere hätte keinen Sinn ergeben.

Lea - die Bikepacking-Tour durch den Taunus wird Urlaub von meiner Radreise

Frontrolle: Kleiderbeutel mit Leggins, Hoodie, T-Shirt & Socken, Hygiene Artikel (Festeseife, Zahnbürste, Mini-Zahnpasta, Creme), Erste Hilfe-Set, Kaffeepulver, Haferflocken 
Satteltasche: Campingkocher, Werkzeug, Schlafsack; Oben drauf: Matte, Banane 
Bauchtasche: Geld, Handy, RiegelFoto: Pia Nowak
Frontrolle: Kleiderbeutel mit Leggins, Hoodie, T-Shirt & Socken, Hygiene Artikel (Festeseife, Zahnbürste, Mini-Zahnpasta, Creme), Erste Hilfe-Set, Kaffeepulver, Haferflocken Satteltasche: Campingkocher, Werkzeug, Schlafsack; Oben drauf: Matte, Banane Bauchtasche: Geld, Handy, Riegel

Lea ist ganz neu im Bikepacking und gleichzeitig erfahrene Radreisende. Gemeinsam mit ihrem fünfjährigen Sohn wollte sie eine große Reise machen. Sie hat sich dazu ein Second Hand Bike gekauft, um erst einmal herauszufinden, ob es ihr überhaupt taugt. “Wir waren jetzt ein Jahr lang unterwegs mit dem Rad und einem follow-me-Tandem plus Whoom-Bike. Mir gibt das Radfahren gerade als alleinerziehende Frau sehr viel Kraft und viele Möglichkeiten. Es haben sich so viele Türen durch das Radfahren für mich geöffnet.” - als Lea berichtet, sieht man das Gesicht vor Freude strahlen. Sie merkte, dass es eine Community gibt, die ihr zusätzlichen Mut und Freude bereitet. “Genau genommen sind wir noch immer auf Reise, ich mache jetzt aber Urlaub davon und will mal was für mich alleine machen”, erklärt Lea auf die Frage, warum sie jetzt mit Komoot und The Women All Ride im Taunus unterwegs ist.

Wir haben zwei Wochen vor dem Event zum ersten Mal miteinander gesprochen, zu dem Zeitpunkt stand bereits fest, was in die Bikepacking-Taschen am Gravelbike soll, die Taschen selbst gab es aber noch nicht.

Ich wusste genau, was ich einpacken werde, die Taschen fehlten aber noch. Über ein Second Hand-Portal habe ich kurzfristig passende Taschen gefunden. Mein Rad habe ich auch gebraucht gekauft und musste es noch anpassen.

Im Ziel, am Campingplatz The Eppstein Project, angekommen schwärmt Lea von der Kraft, die ihr die Gruppe gab. “Radfahren hat wieder eine neue Tür für mich geöffnet. Bewegung in Verbindung mit einem sozialen Event wie diesem, das wird mich noch lange begleiten.”

Und bald geht es für Lea und ihren Sohn wieder auf Reisen: Iran und Oman sind als nächstes dran.

Hanne - das erste Mal Bikepacking

Zelt, Isomatte, Schlafsack und einiges mehr war in Hannes Gepäck zu finden.Foto: Pia Nowak
Zelt, Isomatte, Schlafsack und einiges mehr war in Hannes Gepäck zu finden.

Hanne lebt in München, der Women’s Bikepacking Weekender Taunus Teaser Edition war ihre erste Bikepacking-Tour. Sie hat aber vorher schon einige Mehrtagestouren unternommen - mit anderen Taschen und einem Reiserad. Den Tailfin-Gepäckträger plus Tasche konnte sie sich ausleihen, so war ihr Gepäck sicher verstaut.

Zu Hause fährt Hanne meist allein, an Wochenenden tourt sie auch mit ihrem Mann durch die Gegend. Gruppenausfahrten haben ihr bisher keine Freude bereitet “man fällt schnell hinten raus und oft fühlte es sich wie ein Wettkampf und nicht wie eine gemeinsame Ausfahrt an” beschreibt sie erlebte Situationen.

Noch am Abend vor dem Start war sie unsicher, welcher Schlafsack es werden soll. Sie hatte zwei im Gepäck für unterschiedliche Temperaturbereiche. In der Nacht bevor das Bikepacking-Abenteuer losging, probierte sie aus und fällte ihre Entscheidung.

Hanna ist begeistert von ihrem geliehenen Tailfin-Gepäckträger plus Tasche. Nichts wackelt und es lässt sich gut packen.

Meine wichtigste Vorbereitung war der Post-Covid-Check, denn ich hatte erst Anfang Juli Corona.

Anne - Mittlerweile liebe ich es, mit Rucksack und Trinkblase zu fahren

Frontrolle: Isomatte & Schlafsack
Hinten: Leggings, Hoodie, T-Shirt, Birkenstock, Biwi, Regenjacke, Windweste
Framebag: Flickzeug, Schlauch, Erste-Hilfe, Kosmetikkram aka Hygiene, Riegel, Powerbank & Ladekabel
Zusätzlich: Trinkrucksack mit ein paar RiegelnFoto: Pia Nowak
Frontrolle: Isomatte & Schlafsack Hinten: Leggings, Hoodie, T-Shirt, Birkenstock, Biwi, Regenjacke, Windweste Framebag: Flickzeug, Schlauch, Erste-Hilfe, Kosmetikkram aka Hygiene, Riegel, Powerbank & Ladekabel Zusätzlich: Trinkrucksack mit ein paar Riegeln

Anne ist vor vier Jahren durch ihren Vater zum Radfahren gekommen. Im letzten Jahr durfte ein Gravelrad einziehen, seit dem konnten Fahrerin und Rad schon ein paar Bikepacking-Erfahrungen sammeln. Es ging zum Beispiel einmal zur Nordsee, wobei die Höhenmeter auf ein Minimum reduziert wurden. Eine längere Tour gab es in diesem Jahr, als sie in 18 Tagen von Stuttgart nach Valencia radelte. Was das Gepäck angeht, versucht sie möglichst leicht zu packen. An ihr Specialized Diverge werden Ortlieb-Taschen montiert: üblich sind eine Lenkerrolle, eine Rahmentasche und eine Arschrakete. Im Winter kommen Gabeltaschen hinzu.

“Ich Versuche möglichst alle Wege mit dem Rad und wenn es nicht anders geht, mit der Bahn zurückzulegen”, berichtet Anne im Gespräch vor dem viertägigen Bikepacking-Trip durch den Taunus. Diese Tour soll ihre erste werden, in der sie nur in Schutzhütten unterkommen möchte. Für Anne ist das Schönste am Bikepacking, dass man spontan sein kann, flexibel ist und sich selbst besser kennenlernen kann.

Ich habe mich eigentlich nicht vorbereitet.

Laura - forscht im Bereich Fahrradmobilität

Frontrolle: Zelt, Luftmatratze, Handtuch und die extra Garnitur Radklamotten.
Rahmentasche: Flickzeug, Powerbank, Snacks, Erste Hilfe-Set, Kochset, Kosmetikbeutel und Kleinkram. Food-Pouch am Lenker und Oberrohrtasche: Snacks
Arschrakete:  Schlafsack, Inlet, Regenjacke und Klamotten für abendsFoto: Pia Nowak
Frontrolle: Zelt, Luftmatratze, Handtuch und die extra Garnitur Radklamotten. Rahmentasche: Flickzeug, Powerbank, Snacks, Erste Hilfe-Set, Kochset, Kosmetikbeutel und Kleinkram. Food-Pouch am Lenker und Oberrohrtasche: Snacks Arschrakete: Schlafsack, Inlet, Regenjacke und Klamotten für abends

Laura ist, wie eigentlich alle hier, generell fahrradbegeistert. Sie forscht aktuell für ihre Abschlussarbeit im Bereich Fahrradmobilität. Dabei steht der soziologische Zugang im Vordergrund. Was haben einzelne Verkehrsmittel für eine Bedeutung für die Nutzenden? Radwege bauen ist aus soziologischer Sicht nicht alles. So sei der Status ein entscheidender Punkt, der für oder gegen das Radfahren spricht. Für Menschen mit einem hohen Bildungsabschluss ist das Fahrrad mittlerweile vielmals ein Statussymbol, gibt sie zu verstehen. Auf der anderen Seite kann Radfahren symbolisieren “ich kann mir kein Auto leisten”, dann ist ein eigenes Auto oft ein großes Ziel das sagt “ich habe etwas erreicht”.

Und nun zu Lauras Bikepacking- und Radfahrleben. Seit 2,5 Jahren unternimmt sie Bikepacking-Touren, bisher waren es überwiegend Zweitagestouren. Solche “Overnighter mit einer Übernachtung im Zelt und morgens Kaffee unter freiem Himmel sind für mich ein Kurzurlaub vom Alltag”, schwärmt sie. Sie war aber auch schon länger unterwegs, dabei erkundete sie die Vogesen, radelte zur Ostsee oder im Jura-Gebirge. Immer konnte sie viel über sich selbst lernen. Im Frühjahr fuhr sie ihr erstes Event: Den Steppenwolf.

Ich habe mich nicht speziell vorbereitet, ich fahre sowieso so viel wie ich kann. Mindestens einmal pro Woche fahre ich im Taunus meine Höhenmeter - die kann man da schnell sammeln. Mein Setup verbessert sich stetig. Nur eine Sache: Ich besorge mir noch ein Ersatzschaltauge, das habe ich schon lange vor.

Jennifer - Ich weiß nicht, ob ich es kann, aber ich will es tun!

Gabeltasche I: Fahrradklamotten, Elektronik, Armlinge, Mückenschutz,  Sonnencreme, Mütze und Halstuch. Gabeltasche II: Isomatte, Windjacke, Weste, Regenjacke, Faltschüssel, Tasse (Wenn nicht außen an Arschrakete), Reparatur-Set.
Arschrakete: Daunenjacke, Schlafsack, Inlet für Schlafsack, Off-Bike Klamotten, Waschtasche 
Lenkerrolle: Badelatschen, Zelt (Hülle) 
Oberrohrtasche: Zeltstangen, Heringe, Warnweste, Musette, GöffelFoto: Pia Nowak
Gabeltasche I: Fahrradklamotten, Elektronik, Armlinge, Mückenschutz, Sonnencreme, Mütze und Halstuch. Gabeltasche II: Isomatte, Windjacke, Weste, Regenjacke, Faltschüssel, Tasse (Wenn nicht außen an Arschrakete), Reparatur-Set. Arschrakete: Daunenjacke, Schlafsack, Inlet für Schlafsack, Off-Bike Klamotten, Waschtasche Lenkerrolle: Badelatschen, Zelt (Hülle) Oberrohrtasche: Zeltstangen, Heringe, Warnweste, Musette, Göffel

Jennifer kam zum Radfahren als sie ihren jetzigen Mann kennengelernt hat. Er zeigte ihr Fotos von Radreisen, Jenni selbst fühlte sich zu dem Zeitpunkt eher unsportlich und erwiderte: “Ich weiß nicht, ob ich das kann, aber ich will es tun!”. Und bald folgte die erste Reise von Budapest nach Dresden. “Ich habe gemerkt, dass ich es kann”, erklärt sie. Seit dem ist sie angefixt, seit dem gibt es jährlich eine Radreise. Dabei wurden die Strecken immer länger; auch über die Alpen ging es schon. Mit den Reisen kamen auch Ambitionen hinzu, doch schneller zu sein. Schließlich wurde ein Gravelbike gekauft, Rapha Women’s 100 abgehakt und auch Festive500 stand schon auf ihrem Programm.

2022 ist Jennifer erstmals allein losgezogen und begab sich auf eine viertätige Solo-Tour. Ihre Route führte sie durch Dänemark, die Nächte verbrachte sie in Sheltern am Wegesrand. “Das war aufregend. Allein ist das doch nochmal ganz anders. Es war spannend zu erfahren, wie es ist, wenn niemand dabei ist”, berichtet sie mit leuchtenden Augen.

Im Vorfeld habe ich mal eine Runde gedreht und dabei so viele Höhenmeter gesammelt wie möglich. Ich bin auch mit vollbepacktem Rad eine Runde gefahren und habe das Zelt einmal auf- und wieder abgebaut; ansonsten war meine Solo-Tour im Mai durch Dänemark natürlich eine gute Vorbereitung.

Petra - Ich glaube ich bin die Älteste bei der Tour

Frontrolle: Schlafsack und kleines Kopfkissen.
Rahmentasche und Oberrohrtasche: Ersatzschlauch, Taschenmesser, Sonnencreme, Desinfektion, Elektrosachen und Essen.
Satteltasche: Zeltstangen, Innenzelt und Schlafklamotten.Gabeltaschen: Außenzelt, Regensachen, eine Wechsel Garnitur und eine leichte Daunenjacke.Foto: Pia Nowak
Frontrolle: Schlafsack und kleines Kopfkissen. Rahmentasche und Oberrohrtasche: Ersatzschlauch, Taschenmesser, Sonnencreme, Desinfektion, Elektrosachen und Essen. Satteltasche: Zeltstangen, Innenzelt und Schlafklamotten.Gabeltaschen: Außenzelt, Regensachen, eine Wechsel Garnitur und eine leichte Daunenjacke.

Petra und ich trafen uns am ersten Tag in einem Café. Dort beschlossen wir, dass sie auch Teil dieses Artikels wird.

Petra ist 52 Jahre alt, wie sie vom Women’s Weekender von The Women all Ride und Komoot erfuhr, weiß sie nicht mehr genau. Entweder hörte sie im Podcast “Die wundersame Fahrradwelt” davon oder sah es bei Instagram. Zwei Tage später war Anmeldestart. Ihre Bikepacking-Erfahrungen belaufen sich überwiegend auf Radreisen mit der Familie und gebuchten Unterkünften. Außerdem ist sie in diesem Jahr den Main-Franken-Graveller mitgefahren. Bei dem Event hat sie 2 Nächte auf Zeltplätzen verbracht und zwei in festen Unterkünften.

Am Abend vor dem Start habe ich bei allen Campingplätzen angerufen, die an den Etappenzielen lagen und habe nachgefragt, ob Plätze verfügbar sind. Leider hat der erste Campingplatz am Ende doch keinen Platz gehabt. Vielleicht war unsere Gruppe ihnen suspekt, weil wir nicht als Gruppe sondern vereinzelt ankamen. Wir mussten uns dann anderweitig nach Schlafplätzen umschauen.

Brini - entschied am Abend vorher spontan, mitzufahren

Brinis Packliste beim Taunus Bikepacking: Schlafsack, Isomatte, Kissen, Inlett, Zeltplane sowie Biwak-Sack, Regenbekleidung (Jacke, Hose, Gamaschen, Regen-Handschuhe), Warme Jacke, Raddress, Wechselklamotten für den Abend/Nacht, Kocher mit Tasse, Besteck, Hygiene Beutel, Erste Hilfe Set, Reparatur Kit fürs Fahrrad, Luftpumpe, Smartphone, Powerbank, Sonnenbrille
Foto: Pia Nowak
Brinis Packliste beim Taunus Bikepacking: Schlafsack, Isomatte, Kissen, Inlett, Zeltplane sowie Biwak-Sack, Regenbekleidung (Jacke, Hose, Gamaschen, Regen-Handschuhe), Warme Jacke, Raddress, Wechselklamotten für den Abend/Nacht, Kocher mit Tasse, Besteck, Hygiene Beutel, Erste Hilfe Set, Reparatur Kit fürs Fahrrad, Luftpumpe, Smartphone, Powerbank, Sonnenbrille

Auf ihrer ersten Radtour, mit geliehenem Rad, folgte Brini der Elbe von Dresden nach Hamburg. Im Jahr drauf wurde aller Mut zusammengekratzt und eine Radreise von Portland/Oregon nach San Francisco/Kalifornien an der Westküste unternommen “mit großer Naivität”, wie sie zu verstehen gibt.

Es war ein großes Abenteuer für mich und hat mich total begeistert sowie geprägt für weitere Radreisen.

Natürlich folgten viele weitere Touren in Europa einige klassischen Radwege wie am Rhein entlang, Berlin-Kopenhagen oder auch die holländische Küste. 2019 ging es sogar voll bepackt einmal um die Ostsee.

Bisher war Brini stets mit den klassischen Backroller-Taschen ausgestattet. Je nach Länge der Tour mal zwei oder vier - und obendrauf das Zelt. Im Gepäck ist auf langen Touren immer alles dabei, um autark unterwegs zu sein. Bei ihren Radreisen wird meist auf Zeltplätzen übernachtet. Dies hat mehrere Gründe: Dusche, ein Gefühl von Sicherheit und damit einhergehend erholsamer Schlaf. Dazu kommt die Kommunikation; gerade auf langen Solo-Touren tut es einfach gut, ab und an mit anderen Reisenden ins Gespräch zu kommen.

Wie schläft es sich in Schutzhütten? Das auszuprobieren und zwar nicht ganz allein, war ein Ziel. In der Gemeinschaft ist geteiltes Leid gleich halbes Leid. Und so konnte Brini, wie die anderen auch mit neuen Erfahrungen den Heimweg antreten.

An den vier Tagen hat mich die Gemeinschaft und die Unterstützung der Teilnehmerinnen wahnsinnig begeistert. Die Stimmung war einfach genial ohne irgendwelche kompetitiven Gedanken. Es war ein sehr wohlwollenden Umgang miteinander.

Warum ein Event ohne Männer?

Die Gruppe vor dem StartFoto: Pia Nowak
Die Gruppe vor dem Start

Starten wir mit einer kurzen Erklärung. Das Event von The Women All Ride und Komoot richtete sich an FLINTA, das heißt Frauen, Lesben, intersexuelle Menschen (Personen, die von Geburt an biologisch sowohl weibliche als auch männliche Geschlechtsmerkmale aufweisen), nicht binäre Menschen (Leute, die sich weder mit dem weiblichen noch mit dem männlichen Geschlecht identifizieren), Menschen die Transgender sind und Agender-Personen (Personen, die kein Geschlecht haben). Kurz gesagt richtete sich das Event an alle, die nicht cis-männlich sind. Als cis werden Personen bezeichnet, deren Geschlechtsitentität mit dem Geschlechtseintrag im Geburtenregister übereinstimmt. Dieser Eintrag wird meist anhand von sichtbaren körperlichen Geschlechtsmerkmalen von Neugeborenen vorgenommen.

Doch warum ein Event ohne Männer? Viele Teilnehmerinnen erklärten, dass eine Veranstaltung wie diese einen geschützten Raum biete. Bei den allermeisten Events sind Frauen in der Unterzahl, da ist es meist schwer, in Kontakt zu kommen und sich kennenzulernen. Deshalb ist es schön, wenn es Events gibt, bei denen wir unter uns sind.

Große Ambitionen und ständiger Wettkampf

In Feierabendrunden, die es in vielen großen Städten gibt, Anschluss zu finden, wird teilweise als schwierig beschrieben. Oft sind die Gruppen sehr ambitioniert, auch wenn es vorher vielleicht anders gesagt wurde. “Man wurde nicht so inklusiv willkommen geheißen und fällt eher hinten raus” wird mir berichtet. Resultierend aus Erfahrungen wie diesen, fahren einige lieber allein oder mit dem Lebenspartner oder der Lebenspartnerin. Auch Anne spricht den stets präsenten Wettkampfgedanken an: “Ich brauche keinen ständigen Wettkampf. Ich bin einmal mit einem Mann gefahren, der mich die ganze Zeit angefeuert hat - auf einer 60 Kilometer-Runde, wohlgemerkt. Das muss nicht sein!”.

Foto: Pia Nowak

Keine Urteile über Aussehen, Leistung und Setup

“Das schöne an dem Event ist, dass wir hier die Möglichkeit haben die eigenen Grenzen in einem Safer Space kennenzulernen. Frei vom Wettkampfgedanken. Niemand urteilt darüber, wie man aussieht, über die individuelle Leistung oder das Setup. Was hier zählt ist der Teamgedanke, es geht darum gemeinsam auf dem Rad den Taunus zu erkunden und den Moment zu leben.”

Diskussionen über andere Themen

In einer Gruppe, die überwiegend aus Männern besteht, ist die Hürde, manche Themen anzusprechen viel größer. In einer weiblicheren Gruppe geht das leichter - sei es nur: was mache ich, wenn ich meine Tage bekomme?

Mut und Selbstbewusstsein

Viele meiner Gesprächspartnerinnen trauen sich selbst nicht oder kennen Frauen, die sich nicht trauen, in gemischten Gruppen unterwegs zu sein. Es gibt immer wieder Situationen, die Unwohlsein hervorrufen. Seien es Kommentare über den Körper, das Rad oder die Kleidung. Auch übergriffige Handlungen wie das ungefragte Schieben an einem Berg. Events wie dieses geben Mut und stärken das Selbstbewusstsein.

Neue Erfahrungen

Viel mehr Gewicht als negative Erfahrungen hat für alle aber die Neugier, wie es ist, ganz ohne Männer. “Ich bin gespannt, ob etwas anders ist, was ich sonst vielleicht gar nicht gemerkt habe. Verhalte ich mich anders? Die anderen? Was kann vielleicht noch besser sein?”, gibt eine Teilnehmerin zu verstehen.

Ein Statement einer Teilnehmerin

Die Gründe für die Teilnahme an einem Event ohne cis-Männer waren für mich weniger persönlich als eher strukturell. Ich sehe die Auswirkungen des Patriachats auf so vielen Ebenen, sei es in der gebauten Umwelt, Design von Objekten, der Medizin, Strukturen auf dem Arbeitsmarkt, auch dem Verhalten von Frauen untereinander oder dem Sport. Und das macht mich oft wütend und gibt mir ein Gefühl der Machtlosigkeit. Und ich sehe, wie es sich auf andere FLINTA auswirkt, beziehungsweise ich sehe sie eben nicht! Zum Beispiel bei Fahrradfahrten in größeren Gruppen oder alleine im Wald oder an Startlinien von Events. Und das finde ich super schade. Und deswegen bin ich so begeistert von Angeboten wie diesem jetzt von TWAR und Komoot, weil ich denke, dass es diese Räume für FLINTA braucht, um sich gegenseitig zu ermutigen und zu stärken,
aber auch um einfach mal eine entspannte Zeit zu haben
. Und ich hoffe, dass diese Veranstaltungen auch Männer dazu bewegen, sich zu fragen, weshalb es so etwas braucht und vielleicht ein bisschen über ihr eigenes Verhalten zu reflektieren.

Foto: Pia Nowak

Aber auch aus persönlichen Erfahrungen heraus ist eine Veranstaltung in der Form einfach toll, da einem keine cis-Männer mit Geltungszwang z. B. ihre Meinung zu Veranstaltungen aufdrängen können, an denen sie selbst nicht teilgenommen haben, aber deine Andeutungen ignorierend, dass du etwas mehr Ahnung hast, weiter ihre Urteile in die Welt tragen. Diese Wichtigtuerei und gleichzeitige Ignoranz sucht man hier glaube ich vergeblich. Ebenso den typischen “Alpha-Alex”, der aus jedem Anstieg
ein Rennen gegen die Mitfahrenden machen muss. Den Namen habe ich in dem
Kontext so tatsächlich kürzlich in einer rein männlichen Radgruppe gehört. Und er war nicht humoristisch gemeint.

Die Bikepacking-Tour im Taunus - Taunus Teaser-Collection bei Komoot