Tubeless Schritt für SchrittReifen wechseln am Gravelbike

Sandra Schuberth

 · 21.04.2026

Reifen von der Felge bekommen. Bei guter Vorbereitung reicht oft ein Reifenheber aus.
Foto: Nick Rotter

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Die Reifen sind hinüber oder du willst auf ein anderes Modell oder breitere Schlappen wechseln? Hier ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Außerdem: Tipps, die helfen, falls du den Reifen nicht auf die Felge bekommst, wenn der Reifen nicht in die Felge ploppt oder wenn die Luft nicht im Reifen bleibt.

Themen in diesem Artikel

Irgendwann hat ein Reifen die besten Tage hinter sich. Entweder läutet ein großer Defekt von jetzt auf gleich das Lebensende ein, oder Kilometer um Kilometer haben das Profil Stück für Stück abgetragen. Manchmal merkt man auch, dass Zeit für einen neuen Reifen wird, wenn man ständig Platten hat.

Ich habe in meinem Leben schon wegen so manchem Reifen geflucht. Innerlich. Der schlimmste war mal ein Rennradreifen, der sich beim besten Willen und unter Anwendung aller Tricks nicht montieren ließ. Schließlich habe ich es doch geschafft. Wie? Es war Hochsommer und die Sonne knallte auf meinen Balkon. Ich dachte “Wärme macht geschmeidig” und tatsächlich. Die in der Sonne aufgeheizten Reifen konnte ich dann doch montieren. Aber ich habe sie bald wieder getauscht, denn auf jeder Tour fuhr die Befürchtung mit “Was, wenn ich einen Platten habe und ein Schlauch rein muss, ich aber den Reifen nicht runterbekomme?

Das brauchst du, um deine Reifen zu wechseln. Ausgangssituation: Die Reifen sind Tubeless montiert und die neuen Reifen sollen wieder ohne Schlauch montiert werden

Schritt 1: Luft raus und alten Reifen runter

Wir fangen bei den Basics an, denn wer das erstes Mal ein Presta-Ventil vor sich hat, wundert sich erst einmal: “Wie bekomme ich die Luft raus?”

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1. Lass die Luft aus dem Reifen

​Um den Reifen von der Felge zu bekommen, musst du als erstes die Luft rauslassen. Wenn vorhanden, schraube den Ventildeckel ab.

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Ventildeckel abschraubenFoto: Sandra SchuberthVentildeckel abschrauben

Danach schraubst du das Ventil auf. Dazu musst du an der kleinen Rändelmutter, die auf der “Spitze” vom Ventil sitzt, drehen.

Ventil aufschrauben: Die meisten Gravelbikes sind mit Presta-Ventile verbaut. An denen ist vorn eine kleine Rändelmutter. Um die Luft rauszulassen, muss diese aufgeschraubt werden.Foto: Sandra SchuberthVentil aufschrauben: Die meisten Gravelbikes sind mit Presta-Ventile verbaut. An denen ist vorn eine kleine Rändelmutter. Um die Luft rauszulassen, muss diese aufgeschraubt werden.

Ventil offen? Dann drücke den sogenannten Stößel in das Ventil. Dann hörst und fühlst du, wie die Luft durch das Ventil aus dem Reifen strömt.

Schritt drei beim Luftablassen ist: Stößel ins Ventil drücken. Dabei strömt die Luft raus.Foto: Sandra SchuberthSchritt drei beim Luftablassen ist: Stößel ins Ventil drücken. Dabei strömt die Luft raus.

2. Drücke den Reifen in die Mitte der Felge

Reifen sitzen meist fest in der Felge. Das soll so sein, denn gerade bei Tubeless-Setup soll der Reifen auch bei Luftverlust in seiner Position bleiben. Nur dann ist es möglich, einen Tubeless-Flicken in das Loch im Reifen zu stopfen und dann auch mit einer Mini-Pumpe wieder den passenden Reifendruck aufzubauen. Aber in der Position bekommen wir den Reifen nicht abmontiert. Die Reifenwulst muss in die Mitte der Felge gedrückt werden - egal ob du Tubeless oder mit Schlauch fährst, das macht es leichter.

Ich greife dafür den Reifen mit beiden Händen, platziere die Daumen nah beieinander und nah an der Felge auf dem Reifen. Dann baue ich Druck auf. Irgendwann rutscht der Reifen dann an der Stelle in die Mitte. Mit den Händen arbeite ich dann einmal rundherum, so dass die eine Seite vom Reifen komplett in der Mitte der Felge sitzt.

Drücke unten an derFoto: Nick RotterDrücke unten an der

3. Reifen von der Felge hebeln

tour/nic00339_7c0be32e44110e05b82a0687f40271b3Foto: Nick Rotter

​Jetzt kommt der Teil, für den du Reifenheber brauchst. Am besten nimmst du zwei Stück. Setze den ersten Reifenheber zwischen Reifenwulst und Felgenhorn an, hebele die Wulst nach außen über den Felgenrand und hake den Heber in einer Speiche ein. Dann setzt du den zweiten Heber ein paar Zentimeter daneben an und arbeitest dich entlang der Felge. Irgendwann läuft der Reifen wie von selbst. Bei Tubeless-Reifen kann das etwas mehr Kraft kosten, weil der Wulst fester sitzt. Ein Video kann helfen, den Reifenheber-Einsatz besser nachvollziehen und nachmachen zu können.

Hast du eine Seite draußen, kannst du den Reifen komplett von der Felge nehmen. Wenn du mit Schlauch fährst, ziehe den Schlauch jetzt raus und pass auf, dass du das Ventil nicht verbiegst.

Übrigens: Ich nutze meistens nur einen Reifenheber.

Schritt 2: Sauber machen

Alte Dichtmilch lässt sich mit einem alten Lappen aus der Felge wischen. Überprüfe dabei, ob dein Felgenband, wenn deine Laufräder Felgenband benötigen, noch gut und unbeschädigt ist. Am alten Reifen, kannst du sie trocknen lassen, wenn dieser für den Müll bestimmt ist. Damit die alten Reifen bestmöglich recycelt werden können, kannst du sie dem Reifen-Recycling von Schwalbe zuführen. Suche Recycling-Partner und gib deine Reifen dort ab.

Sind die Reifen noch gut und du willst sie irgendwann wieder montieren, wische auch hier die alte Dichtmilch raus. Aber Achtung: Es kann sein, dass Dornen oder andere spitze Gegenstände drin stecken. Ich habe mir daran schonmal den Daumen aufgeschlitzt. Besser Handschuhe anziehen.

tour/nic00344_d41274f10fbbe4eb1a439c7546887036Foto: Nick Rotter

Schritt 3: Neuer Reifen auf die Felge

1. Erste Seite drauf

​Bevor du den neuen Reifen montierst, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Laufrichtung. Die meisten Reifen haben eine Pfeilmarkierung auf der Seitenwand. Beim Gravelbike zeigt der Pfeil – von der Antriebsseite aus betrachtet – nach vorne. Vorder- und Hinterrad können unterschiedliche Laufrichtungen haben, also check beide kurz.

​Fang damit an, eine Seite des Reifens auf die Felge zu legen. Das geht meistens noch komplett ohne Werkzeug: Reifenwulst mit den Händen in die Felge drücken, rundherum arbeiten. Kein Kraftakt nötig.

tour/nic00391_d41274f10fbbe4eb1a439c7546887036Foto: Nick Rotter

​2. Dichtmilch rein

Beim Tubeless-Setup kommt jetzt die Dichtmilch rein, bevor du die zweite Seite draufziehst. Ausnahme: Du füllst die Dichtmilch übers Ventil in den Reifen - so mache ich das.

Fülle die Milch direkt durch die offene Reifenseite ein. Du kannst auch erst den Reifen in die Felge ploppen lassen und die Dichtmilch nach Schritt 4 durch das Ventil einfüllen. Ich bevorzuge das Einfüllen durch das Ventil, weil ich dann schon weiß, dass der Reifen in der Felge sitzt.

3. Zweite Seite drauf

​Das ist die Seite, an der es meistens zwickt. Fang gegenüber vom Ventil an und arbeite dich mit beiden Händen gleichzeitig zum Ventil vor. Die letzten paar Zentimeter am Ventil sind oft am härtesten – das ist der Moment, in dem viele zur Gewalt neigen. Besser: Reifen nochmal komplett in die Mitte der Felge drücken (wie in Schritt 1 beschrieben), damit du überall so viel Spiel wie möglich hast. Dann den letzten Abschnitt mit dem Reifenheber über den Felgenrand hebeln – vorsichtig, damit du den Wulst nicht beschädigst.

Noch einmal kontrollieren, dass der Wulst ringsum gleichmäßig in der Felge sitzt und nirgendwo eingeklemmt ist.

tour/nic00394_7c0be32e44110e05b82a0687f40271b3Foto: Nick Rotter

Schritt 4: Pumpen bis zum Plop

​Jetzt kommt der Moment, auf den alles hinausläuft – und der manchmal etwas Geduld braucht.

1. Ventil öffnen

Schraube den Ventileinsatz heraus oder öffne das Ventil, damit Luft möglichst schnell einströmen kann. Beim Aufpumpen ohne Einsatz geht mehr Luft auf einmal rein, was hilft, dass der Reifen in die richtige Position ploppt.

2. Pumpen

Beim Tubeless-Setup ist eine normale Standpumpe manchmal nicht schnell genug – der Reifen braucht einen kurzen, kräftigen Luftstoß, damit sich der Wulst gleichzeitig auf beiden Seiten gegen das Felgenhorn drückt. Wenn du eine Tubeless-Luftpumpe (Booster) hast, nutz sie. Die funktioniert wie ein Kompressor im Kleinen: erst die Kammer füllen, dann mit einem Schlag in den Reifen blasen.

Hast du keinen Booster, probiere es zunächst mit der Standpumpe. Pumpe zügig und mit Nachdruck. Seifenwasser oder Schwalbe Easy Fit Montageflüssigkeit können helfen.

3. Der Plop

Wenn der Wulst auf einer Seite einrastet, hörst du ein deutliches Ploppen. Manchmal ploppen beide Seiten fast gleichzeitig, manchmal nacheinander. Nach dem zweiten Plop sitzt der Reifen. Kontrolliere ringsum, ob der Wulst gleichmäßig über dem Felgenhorn liegt – auf der Seitenwand ist oft eine dünne Linie aufgedruckt, die dir dabei hilft.

4. Druck aufbauen und Dichtmilch verteilen

Wenn du den Ventilkern rausgeschraubt hast, dann zischt die Luft aus dem Reifen, sobald du die Pumpe löst. Der Reifen sollte aber in seiner Position in der Felge bleiben. Solltest du die Dichtmilch durch das Ventil einfüllen wollen, ist jetzt der Richtige Zeitpunkt.

Schraube den Ventileinsatz wieder rein und pumpe den Reifen auf, achte auf den maximalen Druck, den Felge und Reifen vertragen. Schwenke das Laufrad hin und her, so verteilt sich die Dichtmilch im Reifen und verschließt eventuelle kleine Poren im Wulstbereich. Jetzt musst du nur noch den Druck auf deinen gewünschten Bereich anpassen und die Laufräder wieder in dein Fahrrad einbauen.


​Häufige Probleme und Lösungen

Problem 1: Der Reifen geht nicht auf die Felge

​Manche Reifen-Felgen-Kombinationen sind eng toleriert – das ist Absicht, sorgt aber für Frust bei der Montage. Ein paar Dinge helfen:

Drücke den Wulst der bereits montierten Seite komplett in die Mitte der Felge, bevor du an der schwierigen Stelle ansetzt – das gibt dir etwas mehr Spielraum. Arbeite den Reifen außerdem in Richtung der Stelle, die noch drauf muss: Je mehr Reifenwulst du dort gesammelt hast, desto leichter geht das letzte Stück.

Klappt gar nichts? Wärme macht Gummi geschmeidiger. Leg den Reifen vor der Montage kurz in die Sonne – das war bei mir einmal genau der Millimeter, der noch gefehlt hatte.

Problem 2: Der Reifen ploppt nicht ein

Wenn du pumpst und pumpst, aber nichts passiert, liegt es meistens daran, dass die Luft nicht schnell genug in den Reifen kommt – oder dass die Luft einfach am Wulst vorbeiströmt.

Hast du den Ventilkern eingeschraubt? Nimm ihn raus. Ohne Kern kann die Luft deutlich schneller einströmen und den Wulst besser gegen das Felgenhorn drücken. Hilft das nicht, ist ein Tubeless-Booster das Mittel der Wahl: Kammer füllen, dann mit einem Schlag in den Reifen blasen. Tubeless-Montagefluid auf den Wulst aufgetragen kann außerdem helfen, dass der Reifen leichter in die richtige Position rutscht.

Wenn das alles nicht hilft, bleibt noch ein letzter Trick: Zieh einen Schlauch rein und pump den Reifen auf, bis er in der Felge sitzt. Dann eine Seite wieder abmontieren (aber Vorsicht, dass die zweite Reifenseite sitzen bleibt), Schlauch raus, Tubeless-Ventil rein – und nochmal versuchen. Jetzt sitzt der Reifen auf einer Seite bereits sauber in der Felge und nur noch die zweite Seite muss einploppen. Das hat bei mir bislang immer geklappt.

Problem 3: Die Luft hält nicht

Ein paar Blasen Dichtmilch an der Reifenwand beim ersten Aufpumpen sind normal – die Milch arbeitet. Wenn der Reifen aber innerhalb weniger Minuten wieder weich wird, stimmt etwas nicht. Diese Stellen sind es, die du der Reihe nach prüfen solltest:

  • Ventil: Undicht oder nicht richtig eingeschraubt – das ist die häufigste Ursache. Einfacher Test: Spucke oder Seifenwasser aufs Ventil geben und schauen, ob es blubbert.
  • Wulst: Ist der Reifenwulst irgendwo nicht richtig eingerastet, entweicht die Luft am Felgenhorn. Kontrolliere ringsum, ob der Wulst gleichmäßig sitzt.
  • Felgenband und Tubeless-Ventil: Wenn du das Felgenband neu geklebt oder das Tubeless-Ventil neu eingebaut hast, können auch diese Stellen undicht sein. In dem Fall musst du den Reifen nochmal abmontieren und beides prüfen.

Und noch ein Hinweis für später: Dichtmilch trocknet mit der Zeit aus. Nach drei bis sechs Monaten lohnt es sich, die Milch zu erneuern – auch wenn der Reifen gerade keine Probleme macht.

Sandra Schuberth

Sandra Schuberth

Redakteurin

Sandra Schuberth, mal Feierabendrunde, mal Trainingsride, mal unsupported Bikepacking-Challenge. Hauptsache sie und ihr Gravelbike – abseits vom Verkehr. Seven Serpents, Badlands oder Bright Midnight: Sie hat anspruchsvolle Bikepacking-Rennen gefinisht. Gravel und Bikepacking sind ihre Herzensthemen, ihr Anspruch an Equipment ist hoch. Was sie fährt, nutzt und empfiehlt, muss draußen bestehen: nicht im Marketing, sondern im echten Leben.

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