Rennradtouren im ElsassAuf den Spuren von Thibaut Pinot

Andreas Haslauer

 · 14.02.2026

Felsen, Wälder, Hochweiden: Der ­V­ogesen-Hauptkamm im Elsass lockt mit abwechslungsreichen Strecken und fantastischen Ausblicken
Foto: Haslauer
Thibaut Pinot ist einer der beliebtesten französischen Radrennfahrer aller Zeiten und trotz Ruhm und Erfolgen nach wie vor auf einem Bauernhof am Rand der Vogesen zu Hause. Auf die Frage nach der Lieblingsrunde in seiner Heimatregion antwortet er: „Alle.“ Wir folgen seinen Spuren und müssen einräumen: Der Mann hat recht

​„Das ist absolutes Thibaut-Land!“, schrie der Eurosport-­Kommentator, als Thibaut Pinot bei der 17. Etappe der Tour de France 2023 Richtung Gipfel fuhr. Besser gesagt: flog. Links und rechts standen die Menschen in dichten Reihen, reckten Schilder in die Höhe, schrien ihren Liebling bei seiner letzten Tour de France den Berg hinauf, Richtung Petit Ballon, dann weiter auf den legendären Le Markstein. Am Schluss ging dem Lieblings-Pédaleur der Franzosen jedoch die Kraft aus und hinter den Stars Poga­čar und Vingegaard belegte er an jenem Tag Rang sieben.

Vielleicht ist es das, warum die Menschen den Mann aus Mélisey so lieben. Dass er gekämpft hat, gewonnen, verloren, und auch nach schweren Rückschlägen immer wieder aufgestanden ist. Pinot war nie der aalglatte Profi, der seine Trainingspläne akribisch abarbeitet. Pinot verkörperte das Leben. Andere erfolgreiche Radprofis ziehen ins mondäne Monaco, Thibaut blieb stets in seinem bodenständigen Mélisey in den Vogesen und frönte seinem Hobby Fußball. Denn wenn er mal keine Rennen fahren musste, bolzte er mit Rumpelfüßlern auf Rumpelplätzen gegen andere Rumpelfüßler. Thibaut ist für die Menschen dort kein Mann aus dem Fernsehen, er ist einfach einer von ihnen.

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Lieblingsstrecke Route des Crêtes

„Die Route des Crêtes ist meine Lieblingsstrecke“, sagte er nach der Etappe in Le Markstein. „Es ist ein Moment, der für immer in meinem Kopf bleiben wird.“ Der ehemalige Profi und Eurosport-­Co-Kommentator Bernhard Eisel urteilte: „So einen Abschied bei der Tour hat noch kein Fahrer bekommen, nicht einmal Richard Virenque.“ Die „Süddeutsche Zeitung“ verneigte sich in dem Artikel „Der Flummi des Pelotons“ ebenfalls vor ihm. „Nie gewann er die Tour – aber sein beständiges Scheitern hat ihn in der Nation umso beliebter gemacht“, schrieb die SZ.

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Was also bleibt? Pinots Siege in L’Alpe d’Huez, auf dem Tourmalet. Vor allem aber der letzte Anstieg im Elsass, als Zigtausende ihm zujubelten. Beim Fußball sagt man, dass Fans der zwölfte Mann sein können. Hier waren es 12.000 Mann, die Pinot anfeuerten, der auf dem Arm „Solo la vittoria e bella“ tätowiert hat, zu Deutsch „Nur der Sieg ist schön“. Nach der Etappe redete ausnahmsweise mal niemand über den Sieger Tadej Pogačar, sondern über Thibaut Pinot und seine Fans, so die SZ. Ein letztes Mal hatte er aufopferungsvoll gekämpt, fuhr lange an der Spitze, aber der Sieg blieb ihm verwehrt. Nicht grundlos heißt die Biografie über Pinot „Le dernier des romantiques“, der letzte Romantiker.

Heute lebt Thibaut zusammen mit seiner Freundin Charlotte Patat in Mélisey. Streng genommen gehört das schon zur Region Haute-Saône, aber das Elsass liegt quasi vor Pinots Haus - und der Hütte für seine vielen Ziegen. Thibaut liebt sie. „Sie stellen Unfug an, laufen weg, büxen aus, fressen Bäume“, sagte er neulich der Tageszeitung „Ouest-France“. Ziegen? Warum Ziegen? Er liebe die Psychologie der Tiere, sagte er. Anlässlich meiner Recherchereise ins Elsass nehme ich Kontakt zu ihm auf und frage ihn, ob er vielleicht eine Runde mit mir Radfahren wolle. Das wolle er gerne, sagt er, auf dem Bauernhof sei gerade nur so viel los. Welche Runde er im Elsass denn bevorzuge, will ich wissen. Alle, sagt er. Einfach alle.

Zwischen Rheinebene und Vogesen

Also fahre ich dann doch alleine in die Region im Nordosten Frankreichs, die im Westen vom Vogesen-Hauptkamm begrenzt wird, die Rheinebene umfasst, im Osten an Deutschland grenzt und im Süden an die Schweiz. Radsportler finden in der Region perfekte Voraussetzungen für abwechslungsreiche Touren. In der von mildem Klima geprägten Rheinebene lassen sich fast ganzjährig Grundlagenkilometer sammeln, während sich die nahen Vogesen auf knapp über tausend Meter Höhe aufschwingen und ebenso aussichtsreiche wie anspruchsvolle Routen bereithalten.

Kein Wunder, dass die Tour de France immer wieder Anstiege wie den Grand Ballon, Col du Wettstein oder Le Markstein ansteuert, wenn vor oder nach den ­Alpen noch Höhenmeter benötigt werden bzw. Etappen, die im Gesamtklassement einen Unterschied machen können. Zudem schreibt sich das Elsass das Thema Nachhaltigkeit im Tourismus groß auf die Fahnen. Die klimaneutrale Fortbewegung, umweltfreundliche Unterkünfte und grüne Unternehmungen stünden im Mittelpunkt, so Tourismusdirektor Marc Lévy – womit wir als Rennradler ja gut ins Konzept passen dürften. Rund 2.500 Kilometer Radwege durchziehen das Elsass, allein 600 davon entfallen auf Straßburg, die fahrradfreundlichste Stadt Frankreichs. „Setzen Sie auf Muskelkraft, das ist gesund und gut für die Umwelt!“, so Lévy.

Das muss er uns nicht zweimal sagen. Als erste Anlaufstation wähle ich das „Domaine de Haslach“ aus, rund 20 Kilometer von Colmar entfernt gelegen in den Höhen des Munstertals. Besitzer Christian Hagenstein ist eine Sportskanone durch und durch, hat sich dem Laufen verschrieben. Er hat schon am „Ultra Mont Blanc“ teilgenommen, einem Ultramarathon, der rund um den Mont Blanc führt. 170 Kilometer und 10.000 Höhenmeter. Den „Marathon des Sables“ hat er ebenfalls absolviert, einmal durch die Sahara. 2018 verkaufte er seine Holzfabrik und setzte alles auf die Karte Tourismus. Das Ergebnis ist die Domaine de Haslach: Ein ehemaliges Lungen-­Sanatorium, gebaut und eröffnet in den 1920er-Jahren, das inzwischen Appartements, Öko-Lodges und Baumhäuser für naturverbundene Feriengäste beherbergt. „Einen schöneren Rückzugsort als hier im Wald gibt es nicht“, so Christian Hagenstein.

Über Grand Ballon und Le Markstein

Den verlasse ich nun, schließlich habe ich am heutigen Tag noch einiges vor, auf den Spuren von Thibaut Pinot. Heute ist es jedoch so kalt, dass Christian mir empfiehlt, meine Trinkflaschen gleich im Baumhaus zu lassen. „Mach lieber mehrere Pausen und trinke Tee“, rät er mir. Die Fahrt runter von seinem Gelände fühlt sich arktisch an, aber als es dann hochgeht, wird mir schnell warm – die Anstiege im Elsass sind zwar echt knackig, dafür aber nicht ganz so lang wie das Stilfserjoch oder Timmelsjoch. Ich kurbele zuerst Richtung Grand Ballon rüber, dann zu Le Markstein – dorthin, wo Thibaut Pinot seine Radsport-Karriere im Jubel der Zuschauer beendete. Die Aussicht ist ein Traum, ringsherum glühen die Berge, der Blick reicht bis in die Alpen.

Dann geht es auf der anderen Seite wieder runter. Erst die Serpentinen, dann durch das wunderschöne Tal, in dem sich der späte Herbst und frühe Winter von der schönsten Seite zeigen. Es ist ein braun-rotes Farbenspiel. Das Schöne am nächsten Pass: Der Blick über die offene Landschaft, die Felder, die Wiesen, die Dörfer. Noch ein paar Kehren, dann habe ich auch diesen Gipfel geschafft, schließlich bin ich oben am Col du Wettstein. Einerseits freue ich mich. Andererseits wirkt dieser Ort auf knapp 900 Metern Höhe auch bedrückend. Denn hier sind 3.538 gefallene französische Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg begraben. Am Ende des Militär-Friedhofs ragt ein 13 Meter hohes Kreuz aus Granit auf. Es soll an die Leiden und Schmerzen der Gefallenen erinnern. Ich mache halt, gedenke der Opfer. 17 Millionen Menschen starben im Ersten Weltkrieg.

Wieder in der Domaine de Haslach angekommen, lese ich mich in die Geschichte des Elsass ein, die ursprünglich erst keltisch, dann römisch war und anschließend an germanische Stämme überging. Nach einer Phase als Teil des Deutschen Reiches wurde es 1918 wieder französisch, wechselte dann im Zweiten Weltkrieg erneut den Besitzer, bevor es seit 1945 endlich dauerhaft zu Frankreich gehört. Manche kommen noch heute durcheinander: Der Fernsehsender CNN verortete mal in einem Beitrag Straßburg in Deutschland. Waschechte Franzosen hingegen, so schilderte es die Autorin Sabine Klüber einst im „Arte“-­Magazin, hätten gelegentlich Probleme, Ortsnamen wie Ichtratzheim oder Oberschaeffolsheim richtig auszusprechen. Was so unfranzösisch klingt, meinen vielleicht viele, könne unmöglich zur Grande Nation gehören. „Elsass, meine Liebe“, hieß eine Sendung der TV-Autorin Klüber. Untertitel: „Typisch Frankreich: So französisch, so deutsch – und doch so eigen.“

Am nächsten Tag fahre ich ins Bruche-Tal, wo die Menschen besonders respektvoll mit der Natur und auch mit anderen Menschen umgehen. Ganz außerordentlich ist das „Hel’eau la Bruche“-Netzwerk, ein regionales Ge­mein­schaftsprojekt auf Initiative des Tourismusbüros imBruche-Tal. Um das Aufkommen von Plastikmüll zu reduzieren und damit Touristen keine Plastikflaschen kaufen müssen, haben viele Geschäfte und Einwohner einen „Halte Gourde“-Aufkleber (sinngemäß: Wasserstelle) an Fenstern oder Türen. Damit wissen alle Rennradfahrer: Hier können Flaschen kostenlos mit Wasser aufgefüllt werden. Rathäuser, Geschäfte, Unterkünfte, Restaurants, Museen und auch viele private Haushalte haben sich dem Netzwerk angeschlossen. Man klingelt, bekommt frisches Wasser. „Wo gibt es so etwas auf der Welt?“, fragt Tourismus-Managerin Simone Leininger, die ich bei meiner Tour durchs Bruche-Tal treffe.

Wir verabreden uns mit Nadège Monna und Antoine Huguenin. Das junge Paar betreibt in Waldersbach das Restaurant „Huna“. Weite Wege haben die Produkte, die sie verarbeiten, nicht zurückgelegt. Pflanzten die beiden einst alles auf ihrem nur sechs Quadratmeter großen Balkon an, haben sie nun 13 Ar zur Verfügung. Alles, was gerade draußen wächst, verwertet Antoine in der Küche –mit Erfolg: Er hat bereits einen grünen Michelin-Stern verliehen bekommen. Was er gerade nicht verwenden kann, wird fermentiert: Obst, Gemüse, Pflanzen. Das Lamm, Rind und Kalb kommen von Antoines Vater, das Wild stammt aus dem Bruche-Tal. Was gibt es heute Abend zu essen? „Sage ich nicht“, antwortet Nadège lachend. Das 7-Gänge-Menü sei ein Abend voller Überraschungen. Es gibt keine Karte. Antoine verrät: „Jeder Teller erzählt eine Geschichte: Die Geschichte einer lebendigen Küche, die die Zeit und das Terroir des Bruch-Tals respektiert.“ Es deutet sich schon an: Worauf ich bei der Elsass-Tour – trotz vieler kerniger Anstiege – aufpassen muss, ist mein Kalorienüberschuss und dass er nicht ins Unermessliche steigt.

Nadège und Antoine präsentieren ein paar Kost­proben von den Sachen, die heute Abend auf den Tisch kommen sollen. Was soll ich sagen? Ich fühle mich wie Gott in Frankreich. Dann frage ich mich: Woher kommt eigentlich der Ausdruck? Der Ursprung der Redewendung sei nicht eindeutig geklärt, schreibt das „Geo“-Magazin. Fest stehe allerdings, dass sie etwa zur Zeit der Französischen Revolution, also im ausgehenden 18. Jahrhundert, entstanden ist. Lange Zeit gab es in Frankreich die Ständeordnung. Sie teilte die Menschen in drei Klassen ein: Geistliche bildeten den ersten Stand, Adlige den zweiten, alle übrigen Bürger den dritten. Der erste Stand genoss viele Privilegien, seine Mitglieder zahlten keine Steuern und lebten in großem Wohlstand. Der Volksmund entwickelte dieses süße Leben in Frankreich deswegen zum geflügelten Wort für Gelassenheit, bei dem Gott stellvertretend für die gesamte Geistlichkeit genannt wurde. Weiß ich das ­also endlich auch mal.

Am letzten Tag entscheide ich mich für die Tour über den Col des Pandours. Ich starte in Straßburg, fahre ein paar kleine und knackige Pässe im mittleren Teil der Vogesen, bevor es in die hügeligen Nordvogesen geht. Es ist wie die Tage zuvor wunderschön, als ich wieder durch mein ­geliebtes Bruche-Tal über das Haseltal weiter nach Wangenbourg-Engenthal nach Col de Valsberg pedaliere. Als ich nach knapp 100 Kilometern und knapp 1.000 Höhenmetern wieder zurück nach Straßburg komme, knurrt mir der Magen. Ich beschließe, mir diesen im „Kooma“ – eine Genossenschaft mit 50 Mitgliedern – vollzuschlagen. Das Besondere: Der Verbund verkauft ausschließlich biologische Lebensmittel im Geschäft, ebenso wird im Restaurant nur bio gekocht. Dabei ist die Brasserie das pulsierende Herzstück der „Manufaktur-Insel“. Die Produzenten kommen wie „Ferme du Kikiriki“ oder „Ferme de la Coccinelle“ aus der Nachbarschaft. Der einzige Weg, den die Köche gehen müssen, ist aus der Küche schnell rüber in den Laden. Schneller und nachhaltiger geht es nicht.

Schnell will ich heute noch zu Martine Becker flitzen, Chefin des Weinguts Jean Becker. Bereits 1999 hat Martine ihr Weingut auf Bio umgestellt. Das bedeutet: keine Pestizide, keine Chemie. Warum sie das gemacht hat? Martine holt aus. Aus zehn Gründen: Vor allem aus Respekt vor dem natürlichen Gleichgewicht zwischen dem Boden, den Pflanzen und Tieren, sagt sie. Es sei auch kein Zufall, so Martine, dass ihre Vorfahren beschlossen haben, ihren Weinberg hier anzulegen, angescichts des geologischem Reichtums. Die Parzellen seien mal kalkhaltig, mal tonig, mal sandig oder sogar granitisch. Dadurch entsteht ein Mikroklima, das für die Sonneneinstrahlung auf ihren Parzellen ideal sei. Und das schmeckt man.

Beim Blick auf die elsässische Kulturlandschaft, vielerorts geprägt von Winzern und Landwirten, schließt sich der Kreis zu Thibaut Pinot: Der Elsässer ist nach seiner Karriere als erfolgreicher Radprofi in ein neues Leben gewechselt. In einem Interview des französischen Podcasts „Entre la selle et la pédale“ gab der inzwischen 35-Jährige jüngst Einblicke in seinen neuen Alltag als Landwirt. Für eine seiner Ziegen, die ihm besonders am Herzen liegen, hat er sogar einmal ein Instagram-Profil erstellt. Inzwischen bewirtschaftet er eine Farm mit derzeit 50 Rindern und 80 Schafen und scheint in seinem neuen Leben fernab des Profiradsports seine Erfüllung gefunden zu haben. Der Übergang vom Profisport zum Leben als Landwirt scheint Pinot leichtgefallen zu sein. „Ich vermisse nicht viel aus meiner Zeit als Profi“, erklärte der ehemalige Kletterer im Interview. Er fahre noch regelmäßig Fahrrad, aber ohne Leistungsdruck und rein zum Vergnügen. Die Freiheit, ohne Trainingsplan und Wattmesser unterwegs zu sein, genieße er besonders. Da fühle ich mich ihm doch direkt verbunden. Ich hatte im Elsass unfassbar schöne Tage auf dem Rennrad. Gegessen habe ich wie ein König. Mein vielleicht größter Sieg war, dass ich nicht zugenommen habe.



Touren- und Reise-Info Elsass

Zur Orientierung

​Das Elsass ist eine Kulturlandschaft im Osten Frankreichs, die sich über den südwestlichen Teil der Oberrheinischen Tiefebene erstreckt. Im Norden und Osten grenzt es an Deutschland, im Süden an die Schweiz. Straßburg ist mit rund 295.000 Einwohner die größte und die Hauptstadt des Elsass. Die politischen Grenzen der Regions haben sich im Laufe der Geschichte mehrfach geändert, die Zugehörigkeit wechselte mehrfach zwischen Deutschland und Frankreich. Dass das Elsass deutschsprachig war und es heute noch teilweise ist, zeigt sich unter anderem in vielen deutsch klingenden Ortsnamen. Im Osten wird das Elsass durch den Rhein begrenzt, im Westen auf weiten Strecken durch den Hauptkamm der Vogesen, der von den breiten Tälern der Illzuflüsse durchzogen wird. Weite Hochweideflächen wechseln sich mit dichten Wäldern ab. Die Gipfel der Vogesen ragen knapp über 1.000 Meter hoch, der Grand Ballon (Große Belchen) ist mit 1.424 Metern der höchste Berg im Elsass und in den Vogesen. Neben den vorgestellten Routen ist vor allem die 77 Kilometer lange Vogesenkammstraße (Route des Crêtes) zwischen dem Col du Bonhomme im Norden und Cernay im Süden eine attraktive und beliebte Route – allerdings auch bei Motorradfahrern und Auto-Ausflüglern.

​Anreise

Mit dem Zug 14 Regionalbahnlinien mit 161 Haltestellen – das bedeutet: Das Elsass verfügt über ein exzellentes Eisenbahnnetz. Auf die Zugfahrpläne abgestimmte Busverbindungen der SNCF gewährleisten die unkomplizierte Weiterreise in viele elsässische Städte und Dörfer. Fahrräder können – außer zu Stoßzeiten auf der Strecke zwischen Straßburg und Basel – kostenlos in den Zügen mitgenommen werden. Und: Der auf der Achse Basel–Mulhouse–Straßburg fahrende Schnellzug TGV erschließt weitere Zugverbindungen.

Mit dem Auto

Auf der Autobahn A35 kann man die Region in weniger als zwei Stunden von Norden nach Süden durchqueren. Entfernungen: Frankfurt – Colmar ca. 280 Kilometer, München – Colmar ca. 440 Kilometer Vignetten-Pflicht Die gesamte Stadt Straßburg ist eine Umwelt­zone, in der Fahrverbote für ältere und umweltschädliche Fahrzeuge gelten. Benötigt wird zwingend die französische Crit’Air-Umwelt­plakette. Informationen und Online-Kauf auf www.certificat-air.gouv.fr.

Beste Reisezeit

Mai bis Oktober. Das Klima im Elsass ist im Frühjahr schon recht mild, insbesondere in der Rheinebene. Die Region gilt grundsätzlich als relativ trocken, gelegentliche Regenschauer und Kälteeinbrüche gehören aber im März dazu. In den Gipfellagen des Vogesenhauptkamms kann schon im Spätherbst und weit ins Frühjahr hinein noch Schnee liegen. Der Sommer im Elsass ist in der Regel warm und trocken, Temperaturen um und über 30 Grad schon im Juni und bis in den September sind keine Seltenheit. Auf den Vogesen bleibt es hingegen immer frisch. An sonnigen Wochenenden locken die Vogesen auch zahlreiche Motorradfahrer und Auto-Ausflügler an.

Sehenswert

Straßburg ist nicht nur Sitz des Europäischen Parlaments, sondern beherbergt auch zahlreiche andere europäische Einrichtungen. Die Stadt beeindruckt mit vielen Sehenswürdigkeiten, darunter das Münster und die Stadtteile Petite France und Neustadt (UNESCO-Weltkulturerbe).

Colmar gilt als Hauptstadt der Elsässer Weine und ­beeindruckt durch die Schönheit seines historischen Zentrums. Bekannte Sehenswürdigkeiten sind die Freiheitsstatue von Bartholdi, das Stadtviertel La Petite Venise. Das Museum ­Unterlinden beherbergt mit dem Isenheimer Altar von Matthias Grünewald und Nicolas de Haguenau eines der bedeutendsten Meisterwerke der Renaissance.

Natur & Kultur

Zwei regionale Naturparks umfasst das Elsass: den Naturpark Vosges du Nord (Nordvogesen) und den Naturpark Ballons des Vosges (Vogesenbelchen). Zudem weist die Region über ­20 Naturschutzgebiete aus, sieben prämierte Fernwander­wege, 18.000 km markierter Wanderwege, zehn Naturschutzzentren (CINE) sowie 76 Seen und Wasserflächen. Daneben ist das Elsass eine berühmte Weinbauregion: Es gibt 119 Weinbaugemeinden, 51 Grands-Crus-Lagen und 50 Weinlehrpfade. Das Elsass ist das einzige französische Weinbaugebiet, das in seiner Gesamtheit mit dem Prädikat „Vignobles & Découvertes“ ausgezeichnet ist.

Übernachten, ­Essen & Trinken

Domaine de Haslach Der Chef Christian Hagenstein hat eine frühere Lungenheilanstalt aus den 1920er-Jahren in ein wunderschönes, ökologisch geprägtes Ferien-­Ressort umgestaltet mit Appartements, sieben Öko-Lodges und fünf stilvollen Baumhäusern. Die Domaine liegt inmitten einer fünf Hektar großen Naturlandschaft 20 Kilometer von Colmar entfernt und eignet sich ideal als Ausgangsbasis für Touren ins Rheintal und in die Vogesen. www.domaine-haslach.com/

Mont Champ du feu Das stilvolle Hotel-Restaurant liegt inmitten des gleichnamigen Naturschutzgebiets nahe dem Ort Belmont in den Vogesen, jeweils rund 60 Kilometer von Colmar bzw. Straßburg entfernt. Das Schloss Haut-­Koenigsbourg, eine der populärsten Sehenswürdigkeiten der Region, liegt ebenso in Reichweite wie der Col du Bonhomme als Einstiegspunkt zur Route des Crêtes. https://montchampdufeu.com/de/

huna Mitten im Bruchetal, nur zehn Minuten von Schirmeck entfernt im Dorf Waldersbach, offeriert das Restaurant Huna regionale und saisonale Küche. Die jungen Betreiber, Nadège Monna und Antoine Huguenin,stammen beide aus dem Elsass bzw. den Vogesen. Eine Speisekarte existiert bei den beiden nicht. – es gibt, was es gibt. https://huna-le-restaurant.fr/

Weingut Jean Becker Seit 1999 wollen die Beckers von Chemie nichts mehr wissen, seither gibt es nur noch Bio. Das bedeutet: Der Familienbetrieb verwendet keine Pestizide, keine Chemie. Die Parzellen sind mal kalkhaltig, mal tonig, mal sandig oder sogar mal granitisch. Dadurch entsteht ein Mikroklima, das für die Sonneneinstrahlung auf ihren Parzellen ideal ist. www.vinsbecker.com

Wassernetzwerk Hel’eau la Bruche ist das erste Netzwerk von Trinkwasseranbietern im Elsass. Um Umwelt und Natur vor der Belastung durch Plastikmüll zu schützen, hat das Tourismusbüro Einwohner, Geschäfte, Rathäuser und touristische Einrichtungen im Bruchetal mobilisiert und gemeinsam ein Netzwerk mit mehr als 100 Trinkwasserstellen geschaffen. Wanderer und Radfahrer können dort während der Öffnungszeiten öffentlicher Einrichtungen oder – je nach Verfügbarkeit – auch bei Privatpersonen kostenlos ihre Wasserflaschen auffüllen. Auf einer interaktiven Karte im Internet kann man sich die nächstgelegenen Wasserstellen per Geo-Lokalisierung anzeigen lassen; QR-Codes an den Briefkästen der Netzwerkmitglieder leiten zum nächstgelegenen Wasserpunkt. www.rando-bruche.fr/

Infos

  • Elsass-Tourismus: www.visit.alsace/de/
  • Radfahren im Elsass: https://www.radfahrenimelsass.de/
  • Bruche-Tal: https://www.valleedelabruche.fr/
  • Straßburg-Tourismus: https://www.visitstrasbourg.fr/de/willkommen-in-strasbourg/
  • Colmar-Tourismus: https://www.tourisme-colmar.com/de/

Literatur & Karten

Reiseführer Dumont Reise-Taschenbuch Elsass, Neuauflage November 2025, 19,90 Euro Karte Bikeline-Radkarte Elsass Nord bzw. Elass Süd, 1:75.000, Verlag Esterbauer, je 8,90 Euro

Die GPS-Tracks zum Nachfahren

tour/elsass-karte-mit_a11e01450ba7f7a49714d4a7d2bbdf02Foto: Printmaps.net /OSM

TOUR 1 - Zum Grand Ballon und Le Markstein, 125 km | 2640 Hm

tour/reise-elsass-tag-1_2662020653d3ff9385c158bcad3bc540Foto: Printmaps.net /OSM

​Die anspruchsvolle Tour startet an der Domaine de Haslach und führt ab Soultzbach-les-Bains Richtung Süden, am Vogesen-Hauptkamm entlang über Soultzmatt, Issenheim und Wattweiler. Es folgt der lange Anstieg zum Grand Ballon (Gipfelhöhe 1424 Meter), dann führt die Route über die Höhen der Vogesen zum Le Markstein, Col de la Schlucht und Col du Wettstein. Nach dem letzten Anstieg zum Col du Linge (Lingekopf, 987 Meter) wird wieder der Ausgangspunkt an der Domaine erreicht.

TOUR 2 - Durchs Bruche-Tal aufs Champ du Feu, 70 km | 1650 Hm

tour/reise-elsass-tag-2_2396f6ff26fa95f278241028d41b0c41Foto: Profil: Printmaps.net /OSM

​Die Tour beginnt in Schirmeck und folgt zunächst sanft ansteigend dem wunderschönen Bruche-Tal bis Urbach (Fouday), wo die Route Richtung Waldersbach auf die Route du Champs du Feu (D57) einbiegt und zügig die Vogesenhänge erklimmt. An der Auberge de la Charbonnière wird nach knapp 17 Kilometern der erste Höhepunkt erreicht. Danach geht es in stetem Auf und Ab über Le Hohwald und de Col du Kienberg (712 m) nach Vorbruck, wo der tiefste Punkt der Strecke erreicht wird und die Route wieder nach Westen dreht. Nach der Überfahrt im Wald geht’s steil hinunter ins Tal der Magel, bevor über Grendelbruch und Schwarzbach wieder das Bruche-Tal und der Ausgangspunkt erreicht wird.

TOUR 3 - Straßburg, Col de Pandours und zurück, 100 km | 800 Hm

tour/reise-elsass-tag-3_beecfac715526d1ac242be773cc99aa2Foto: Printmaps.net /OSM

Kontrastprogramm zu den Touren durch die meist menschenleeren Vogesen. Von Straßburg führt die Tour ohne nennenswerte Steigungen Richtung Westen und folgt ab Hangenbieten für einige Zeit dem Bruche-Kanal, weiter nach Emolsheim-Bruche ud Molsheim. Kurz vor Urmatt zweigt die Strecke rechts ab und klettert gleichmäßig über Niederhaslach, Oberhaslach und Gensbourg. Nach rund der Hälfte der Strecke geht’s über den Col de Pandours, der trotz seiner bescheidenen Passhöhe auf 662 Metern auch schon von der Tour de France besucht wurde. Über Wolfsthal und Engenthal le Haut geht es weiter in nördlicher Richtung, bevor die Route bei Steigenbach wieder Kurs auf Straßburg nimmt, das über Cosswiller und an Wasselonne vorbei erreicht wird.

TOUR 4 - Domaine de Haslach, Petit Ballon, Le Markstein, Grand Ballon und zurück, 115 km | 2900 Hm

tour/reise-elsass-tag-4_53c525fe64f5606010c2c831c724e808Foto: Printmaps.net /OSM

Die Tour kann man getrost auch als Vogesen-Rundfahrt bezeichnen, zumal sie mit dem Grand Ballon und Le Markstein über den Col de Haag Streckenpunkte aufgreift, die auch Teil der 14. Etappe der Tour de France 2026 sein werden. Ausgangspunkt ist ein weiteres Mal die Domaine de Haslach. Bei Luttenbach schwingt sich die Route in die Vogesen hinauf, der Petit Ballon markiert einen ersten Höhepunkt. Beo Sondernach geht’s links Richtung Nonselkopf und Breitfirst zum Le Markstein. Die Abfahrt führt oberhalb des Lac de Kruth-Wildenstein vorbei und folgt dem Tal der Thur bis Moosbach. Via Geishorn geht es dann zum Grand Ballon und zum zweiten Mal nach Le Markstein. Über Sondernach und Metzeral erreicht die Tour durch Tal der Fecht wieder Munster.

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