SlowenienVier Rennrad-Touren in der Untersteiermark

Matthias Rotter

 · 14.03.2023

Herrlich unbekannt: Der Paulitschsattel in den Steiner Alpen verbindet Österreich mit Slowenien
Foto: Matthias Rotter
Fotos: Matthias Rotter
Die Untersteiermark klingt nach Österreich, gehört aber zu Slowenien. Rennradlern stellt die Region dennoch eine Kletterpartie nach der anderen vor den Lenker, Gletschertäler und Hügellandschaften lassen dem Höhenmeterzähler keine Pause. TOUR stellt die schönsten Routen vor.

Slowenien - Lachendes und weinendes Auge

Quizfrage: Woher könnte die Redewendung „Mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ stammen? Richtig, aus Slowenien, und zwar erfunden am vorletzten Tag der Tour de France 2020. Damals wurde der bis dato führende Slowene Primož Roglič beim Bergzeitfahren auf den Planche des Belles Filles von seinem Landsmann Tadej Pogačar um den Gesamtsieg gebracht – quasi in letzter Minute.

Zugegeben, das mit der slowenischen Erfindung ist natürlich Quatsch. Aber man kann sich kaum eine Situation vorstellen, zu der dieses abgewandelte Zitat aus Shakespeares „Hamlet“ besser passt. „Es herrschte eine ganz merkwürdige Stimmung im Land“, erzählt mir Matic Gobec, Fahrradguide in einem Sporthotel im Norden Sloweniens. „Die Leute wussten wirklich nicht, ob sie lachen oder weinen sollten.“

Einerseits freute sich die ganze Nation, dass Pogačar als erster Slowene das größte Radrennen der Welt gewann. Mindestens genauso groß aber war das Mitleid mit dem Verlierer Roglič. Auch Matic fühlt sich noch heute hin- und hergerissen: „Wer weiß, ob Roglič jemals wieder diese Chance bekommt.“

Slowenien - Heuharfen und Fördertürme

Matic begleitet mich auf einer Tour in den Bergen rund um Trbovlje, der Geburtsstadt von Primož Roglič, die rund 80 Kilometer südlich der Grenze zum österreichischen Bundesland Steiermark liegt. Wir fahren durch die Untersteiermark (slowenisch: Spodnja Štajerska), eine der fünf historischen Landschaften Sloweniens. Es geht über grüne, bewaldete Wellen, durchsetzt von Almwiesen – eine Art Allgäu, harmlos anmutend, aber gespickt mit bösen Steigungen.

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In eine davon biegt Matic so plötzlich links ab, dass ich es gerade noch schaffe, die Kette aufs Rettungsritzel zu drücken. Von null auf 18 Prozent in fünf Sekunden! Klar, der Local, an dessen Hinterrad ich hänge, will mich ein bisschen piesacken.

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Rogličs Geburtsstadt

Nachdem mein Schnaufen wieder nachlässt, erzählt mir Matic, der im kleinen Ort Čeplje die Bike-Abteilung im Sporthotel Grof betreut, dass er dort hauptsächlich mit Mountainbikern unterwegs sei, denn die meisten Hotelgäste, die mit dem Rennrad kämen, würden ihre Touren inzwischen eigenständig mit GPS-Navigation fahren. Aber für mich macht er heute eine Ausnahme. Es soll nach Süden gehen, zu Rogličs Geburtsstadt, verrät er.

Typischer Anstieg im Savinja-Tal, dem einstigen Tourenrevier von Primož RogličFoto: Matthias RotterTypischer Anstieg im Savinja-Tal, dem einstigen Tourenrevier von Primož Roglič

Die Berge südlich unseres Ausgangsortes Čeplje zählen streng genommen nicht mehr zu den Alpen, sondern zum Hügelland der Region Posavina, das sich entlang des Flusses Save Richtung Osten zieht und schon bald übergeht in den Karst des Balkans mit seinen zahlreichen Tropfsteinhöhlen. Die kleine Straße, die Matic dorthin ausgewählt hat, schlängelt sich am Hang entlang durch verschlafene Dörfer und vorbei an einsamen Bauernhöfen. Typisch für diese Region sind sogenannte Heuharfen, an denen das frisch gemähte Gras getrocknet wird.

Wir passieren die Gestelle aus Holz, ausgeführt in verschiedenen Bauarten: mal mit aufgesetztem Heuschober, mal kombiniert als Unterstand für Landmaschinen, mal stehen sie einfach wie überdimensionale Zäune mitten in den Wiesen. Es gibt sogar ein Freiluftmuseum im Süden des Landes, das sich der Geschichte der Heuharfen widmet. Für uns endet aber die Beschaulichkeit schlagartig im Städtchen Zagorje. Wir schwimmen im Verkehr auf einer breiten Landstraße durchs enge Tal der Medija, in dem stillgelegte Fördertürme und Industrieanlagen von den Zeiten des Kohlebergbaus zeugen.

Typisch Untersteiermark: Holzgerüste zum Trocknen von frisch gemähtem GrasFoto: Matthias RotterTypisch Untersteiermark: Holzgerüste zum Trocknen von frisch gemähtem Gras

Slowenien - Stippvisite bei Roglič

Ein paar Kilometer weiter machen wir schließlich am Abzweig zu Primož Rogličs Elternhaus halt. Auf einer Palette mit Bausteinen thront der blecherne Aufsteller eines spanischen Stiers, dekoriert mit den Jahreszahlen von Rogličs Vuelta-Siegen. Das Brücklein über die Medija erstrahlt im Gelbton der Tour de France, flankiert von den olympischen Ringen und einem etwas unbeholfen wirkenden Riesenmodell eines Rennrads.

Fast könnte man die an einen Baum genagelten Ski übersehen, die an Rogličs vorausgegangene Karriere als Skispringer erinnern sollen. „Du kannst dir nicht vorstellen, was für ein rauschender Empfang ihm hier nach der Rückkehr von der Tour bereitet wurde“, kommentiert Matic die Kulisse. „Und das bereits 2018, als er als Vierter das Podium sogar knapp verpasst hatte.“ Ohne Zweifel sind die Slowenen sehr stolz auf ihr Land und ihre beiden Radsporthelden Roglič und Pogačar. Man sagt sogar, dass gerade die abwechslungsreiche Topografie auf kleinem Raum ein Grund für die starken Allrounder-Qualitäten der beiden sei.

Jezerski Vrh

Nach der Stippvisite bei Rogla, wie Roglič-Fans ihr Idol nennen, arbeiten wir uns wieder im kleinen Gang aus dem Tal heraus. An Höhenmetern mangelt es hier nicht – und die schweren Anstiege in den slowenischen Alpen warten ja noch auf mich. Bergstraßen, von denen man außerhalb des Landes noch wenig gehört hat. Es sei denn, man hat die Etappenpläne der Slowenien-Rundfahrt im Detail studiert – und ein Faible für Zungenbrecher. Denn Namen wie Volovljek oder Črnivec gehen nicht gerade leicht über die Lippen. Immerhin haben die Übergänge nach Österreich auch etwas bekanntere deutsche Namen. So wie der Seebergsattel, der in Slowenien Jezerski Vrh heißt.

Die Fassadenmalerei zeigt die bäuerliche Verbundenheit der RegionFoto: Matthias RotterDie Fassadenmalerei zeigt die bäuerliche Verbundenheit der Region

Zu den großen Unbekannten, zumindest außerhalb Sloweniens, gehören zum Beispiel auch die Straßen in die Skigebiete Golte und Krvavec. Beide Anstiege brauchen in puncto Härte internationale Vergleiche nicht zu scheuen. Das ist auch der Grund, warum ich am nächsten Tag lieber am Abzweig, der ins Skigebiet Krvavec hinaufführt, vorbeirausche. Denn meine Mission, die große Runde um die Steiner Alpen, verlangt mit 3000 Höhenmetern schon genug Kletterkunst.

Deshalb lasse ich auch den Abstecher nach Klanec aus, dem Heimatort des Gesamtsiegers der Tour de France 2020 und 2021: Tadej Pogačar. Eigentlich schade. Ich hätte wirklich gerne den neuen Tour-de-France-gelben Kreisverkehr vor dem Gemeindeamt bestaunt. Und vielleicht finden sich dort ebenfalls ein paar kuriose Installationen von slowenischen Fans? Ich tröste mich für heute mit der Vorstellung, auf denselben Straßen unterwegs zu sein, wie einst die slowenischen Champions, bevor sie ihre Wohnsitze nach Monaco verlegten. Vielleicht wirkt sich der psychologische Effekt ja an den kommenden Rampen auf die Beine aus?

Schimmernder Bergsee im Talkessel

Auf dem Weg zum Seebergsattel begegnen mir immer wieder Rennradler, manche als Einzelkämpfer, dann Zweierteams bis hin zu kleinen Pelotons in einheitlicher Vereinskleidung. Matic hatte gestern bereits erwähnt, dass die sportlichen Erfolge von Rogla und Pogi in den vergangenen Jahren einen kleinen Radsport­-Boom im Land ausgelöst hätten. Die Slowenen feiern seit 2020 im September sogar einen neu geschaffenen Nationalfeiertag: den Tag des Sports.

Mittlerweile habe ich gut die Hälfte des Anstiegs zum Seebergsattel geschafft und rolle durch Zgornje Jezersko. War die Fahrt durchs bewaldete Tal bisher fast ein bisschen langweilig, so wirkt das sich kurz nach dem Ort öffnende Panorama umso prachtvoller. Wie in einem Amphitheater liegt ein schimmernder Bergsee im Talkessel, dahinter ragen die senkrechten Wände der Steiner Alpen in den Himmel.

Slowenien - Die Kulisse lenkt ab

Die kalkweißen Felszinnen gipfeln am 2558 Meter hohen Grintovec. Am Ufer lockt ein Gasthaus mit herrlichem Freisitz, aber zu üppig will ich meine Rast lieber nicht ausdehnen, denn laut Matic würde jetzt der härteste Abschnitt dieser Runde beginnen. Und ja, die Steigung zieht sofort merklich an – und so langsam machen sich auch die 80 bergigen Kilometer bemerkbar, die ich bereits in den Beinen habe.

Ab der Passhöhe verlaufen die nächsten Kilometer auf österreichischem Gebiet, was ich ohne die verwaiste Grenzstation gar nicht bemerkt hätte. Bergab gleichen die weiten Serpentinen einer Super-G-Abfahrt. Eine gute Gelegenheit, nochmals Kräfte zu sammeln für den Anstieg zum Paulitschsattel, der vom Start weg unbarmherzig steil zum Sattel steigt. Wie können 550 Höhenmeter nur so wehtun? Und wo bitte bleibt die positive Energieübertragung von Roglič und Pogačar? Zum Glück lenkt die Kulisse ab.

Nach Seeberg- und Paulitschsattel folgt auf Tour 1 ein Abstecher ins schöne Logarska-TalFoto: Matthias RotterNach Seeberg- und Paulitschsattel folgt auf Tour 1 ein Abstecher ins schöne Logarska-Tal

Ganz großes Kino! Während des gesamten Anstiegs steht die Felsbastion der Grintovec-Gruppe unmittelbar vis-à-vis. Und nach der Abfahrt vom Paulitschsattel folgt noch der Abstecher ins einmalig schöne Logarska-Tal, das mitten ins Herz dieses wundervollen Gebirges führt. Für mich steht bereits jetzt fest: Ich werde die Untersteiermark mit zwei weinenden Augen verlassen – oder mit zwei lachenden in Erinnerung behalten.

Slowenien - Informationen

Anreise

Bahn

Der Bahnhof der Kleinstadt Celje, gelegen an der großen Bahnlinie Spielfeld–Straß–Triest, ist 25 Kilometer entfernt von unserem Standort Čeplje. Verbindungen laufen über Salzburg, Graz und Maribor oder über Salzburg, Villach und Ljubljana. Die Fahrt mit vier bis sechs Umstiegen dauert ab München acht bis zehn Stunden. Der grenzüberschreitende Rad­transport ist reservierungspflichtig, das Ticket kostet neun Euro – zu buchen in DB-Reisezentren, DB-Agenturen oder telefonisch unter 030/2970.

Auto

Von Frankfurt am Main nach Čeplje sind es 850 Kilometer: über München Salzburg, Tauern-, Katschberg- und Karawankentunnel (hin und zurück zusammen 42,60 Euro Maut), Ljubljana; oder über Passau, Wels (Bosruck- und Gleinalmtunnel kosten hin und zurück zusammen 31 Euro Maut), Graz, Maribor. Hinzu kommen Österreich- und Slowenien-Autobahn-Vignette für Pkw: für sieben Tage 9,90 Euro beziehungsweise 15 Euro.

Beste Reisezeit

Auch wenn es selbst an Paulitsch- und Seebergsattel keine offiziellen Wintersperren gibt, ergeben Touren durch die Steiner Alpen vor Anfang bis Mitte Mai kaum Sinn. Denn Kälteeinbrüche sind auch in den Südalpen stets möglich. Ab Juni kann sich die Radsaison dann aber bis in den Oktober hineinziehen. Lieber meiden: Besonders das obere Savinja-Tal ist in den Ferienmonaten Juli und August ein touristischer Hotspot (Logarska Dolina).

Nicht verpassen!

Altstadt von Celje

Die mit rund 50.000 Einwohnern drittgrößte Stadt Sloweniens war im Mittelalter auch eine der wichtigsten, dank einer der im 14. Jahrhundert einflussreichsten Adels­familien Europas: der Grafen von Cilli. Ein Besuch ihrer Burg gehört zum Pflichtprogramm, schon wegen des tollen Überblicks über Stadt und Tal. Alternativ zum Studium historischer Bauwerke kann man aber auch einfach durch die Altstadt flanieren und das ein oder andere nette Straßencafé genießen.

Hoch über der Stadt Celje thront die mittelalterliche Burg der Grafen von Cilli - die größte Burg SloweniensFoto: AdobeStockHoch über der Stadt Celje thront die mittelalterliche Burg der Grafen von Cilli - die größte Burg Sloweniens

Tropfsteinhöhle Jama Pekel

Sloweniens Karstgebirge ist berühmt für seine zahlreichen Höhlen, allen voran das riesige Höhlensystem von Postojna im Süden des Landes (Adelsberger Grotte). Die Jama Pekel (18 Kilometer nordöstlich von Čeplje) ist zwar eine vergleichsweise kleine Tropfsteinhöhle, ihr unterirdischer Wasserfall und die fast schon intime Stimmung lohnen aber einen Besuch. Auf dem Anfahrtsweg zur Höhle kann man in Šempeter v Savinjski dolini die Ausgrabungen eines alten römischen Friedhofs bewundern. Die Grabanlagen waren viele Jahrhunderte lang vom Schlamm eines Hochwassers verschüttet.

Infos: www.td-sempeter.si (englisch)

Radmarathon

Am 2. Juli 2023 startet in Kamnik die sechzehnte Ausgabe des Maraton Alpe. Die mit rund 2000 Höhenmetern gespickte 130-Kilometer-Runde führt über die Pässe Seebergsattel, Paulitschsattel und Črnivec.

Infos: www.maraton-alpe.si (englisch)

Essen & Trinken

Fleisch, Wurst und Fisch: Die slowenische Küche ist herzhaft-deftig. Aber es gibt viele leckere Beilagen, die auch als vegetarische oder zumindest fleischarme Hauptspeise funktionieren. Zum Beispiel Žlikrofi (Teigtaschen) oder Štruklji (gekochter Strudelteig). Auch Matevž, eines der Nationalgerichte, kann man auf Wunsch ohne Fleisch bekommen – die Zutaten sind Kartoffeln, Bohnen, Zwiebeln und gedünstete Rüben. Sehr beliebt sind auch Suppen und Eintöpfe, von denen es unzählige Varianten gibt.

Krainer Wurst: Die Herstellung ist immaterielles KulturerbeFoto: Matthias RotterKrainer Wurst: Die Herstellung ist immaterielles Kulturerbe

Neben Matevž ist wohl Krainer Wurst (Kranjska Klobasa) das berühmteste slowenische Gericht. Aber bitte ohne Käse! Denn die Variante „Käsekrainer“ ist eine österreichische Erfindung. Da das Tourenrevier mitten in der Hopfenzentrale des Landes liegt, kommt das abendliche Bier direkt aus einer der zahlreichen Kleinbrauereien. Für eine Bierprobe gibt es im Nachbarort Žalec eine kuriose Gelegenheit: In einem kleinen Park wurde jüngst ein Bierbrunnen eröffnet, von dem man beim Kauf eines speziellen Glases sechs verschiedene Biersorten zapfen darf.

Restaurant-Tipps

Čeplje, Grof-Restaurant, Telefon 00386/(0)59233785, grof.eu/de/grof-restaurant

Das zum Hotel Grof gehörende Restaurant genießt einen hervorragenden Ruf und serviert eine große Auswahl von regionaler bis internationaler Küche.

Ljubno-Juvanje (23 Kilometer nordwestlich von Čeplje), Šport Center Prodnik, Telefon 00386/(0)3/8381030, www.prodnik.com

Das Gasthaus liegt am Flussufer im Savinja-Tal, am Tor zu den Steiner Alpen. Mitten im Tourenrevier ist es mit überdachter Terrasse immer gut für eine Einkehr. Serviert wird viel einheimische Küche, alles hausgemacht.

Unterkunft

Čeplje (Vransko), Hotel Grof, Telefon 00386/(0)3/7055550, www.grof.eu

Das Hotel mit sehr gutem Restaurant (siehe Essen & Trinken) ist Mitglied bei „Roadbike Holidays“, einer Gruppe von Hotels, die sich auf die Bedürfnisse von Rennradfahrern spezialisiert haben, und bietet maßgeschneiderte Routen mit GPS-Tracks, eine hauseigene Werkstatt und Radverleih. Wer im Grof übernachtet, kann für 30 Euro am Tag ein Gravelbike mieten (sonst 40 Euro). Doppelzimmer mit Frühstück ab 170 Euro.

>> Weitere „Roadbike Holidays“-Hotels unter www.roadbike-holidays.com

Radservice

Griže (18 km östlich von Čeplje), Factory Store d.o.o., Telefon 00386/(0)3/7103686, www.factorystore.si

Karten

Für Touren 1 und 2 „Julische und Steiner Alpen“ (2801), 1:75.000, Kompass-Karte 2012, 12 Euro.

Alle Touren

„Slowenien“ (freytag & bernth), 1:150.000, Freytag & Bernth 2020, 13 Euro.

Slowenien - Allgemeine Infos

Slowenien Tourismus, Telefon +386/(0)1/5898550, www.slovenia.info

Orientierung & Routen

Slowenien liegt im Südosten des auslaufenden Alpenbogens. Unser Ausgangsort, die kleine Gemeinde Čeplje, liegt ziemlich genau in der Mitte zwischen den beiden slowenischen Großstädten Ljubljana und Maribor, direkt an der Autobahn 1. Östlich von Čeplje weitet sich das Tal des Bergflusses Savinja und bildet einen riesigen Kessel, in dem, 20 Kilometer entfernt, Celje liegt, die drittgrößte Stadt Sloweniens (38000 Einwohner).

Orientierung der TOUR-RoutenFoto: Tour MagazinOrientierung der TOUR-Routen

Die große Fläche des Talbodens ist geprägt von Landwirtschaft, vor allem dem Anbau von Hopfen. Die Region rund um das obere Savinja-Tal hat sowohl Anteile an den hohen Kalkalpen als auch am Hügelland der Posavina, wo die Gipfel rund 1.000 Meter Höhe erreichen. Unsere Tourenregion gehörte im Mittelalter zum Herzogtum Steiermark, sie wird deshalb als Untersteiermark (slowenisch: Spodnja Štajerska) bezeichnet.

Tourencharakter

Höchster Pass des Tourenreviers ist der 1338 Meter hohe Paulitschsattel in den Steiner Alpen, die zugleich eine natürliche Grenze zu Österreich bilden, quasi als östliche Verlängerung der ungleich bekannteren Karawanken. Die Steiner Alpen erreichen am schroffen Gipfel des Grintovec mit 2558 Metern ihren höchsten Punkt. Für Kletterer gibt es mit dem Rennrad viel Neuland zu entdecken, denn die Berg­straßen erlangen, wenn überhaupt, nur im Rahmen der Slowenien-Rundfahrt eine gewisse Popularität. So wie beispielsweise die Bergankünfte auf Golte und Krvavec, beide Straßen sind Zubringer in Skigebiete. Rennradler müssen stets auf Überraschungen gefasst sein, sei es in Form steiler Rampen um 18 Prozent oder ruppiger Schlaglochpisten. Ein GPS-Gerät hilft bei der Orientierung auf kaum (oder in kryptischen Worten) beschilderten Nebenstrecken.

Tour 1 - Rund um die Steiner Alpen

143 Kilometer | 2900 Höhenmeter | max. 13 % Steigung

Das Höhenprofil der Tour 1Foto: Anner GrafikDas Höhenprofil der Tour 1

In puncto Höhenmeter und Härte braucht unsere Königsetappe internationale Vergleiche nicht scheuen. Damit die Runde nicht noch schwerer wird, haben wir den Start von Čeplje nach Ljubno ob Savinji verlegt (falls dort im Zentrum kein Parkplatz frei ist, findet man einen am Sportplatz am Ortsrand, 600 Meter entfernt). Den Auftakt macht das liebliche Dreta-Tal, das auf dem Črnivec-Sattel (902 Meter) kulminiert. Hinter der Passage über schöne Bergdörfer warten zwei lange Anstiege: 25 Kilometer zum Seebergsattel (1216 Meter) und gleich danach fünf Kilometer und 500 Höhenmeter zum Paulitschsattel (1338 m). Nach diesen Anstiegen könnte man den folgenden Abstecher ins Logarska-Tal auslassen und 250 Höhenmeter sparen – aber man würde eines der schönsten Gletschertäler der Alpen verpassen.


Tour 2 - Zwei Täler, zwei Pässe

98 Kilometer | 1800 Höhenmeter | max. 12 % Steigung

Das Höhenprofil der Tour 2Foto: Anner GrafikDas Höhenprofil der Tour 2

Einrollen: Die Hauptstraße nach Kamnik ist zwar seit der Autobahn im Nachbartal ruhiger geworden, aber nicht verkehrsarm – es gibt aber keine Alternative. Die lang gezogene Stadt Kamnik streift man an ihrem nördlichen Ende, bevor es in die Serpentinen zum Volovljek-Pass geht. Tipp: Wer kürzer fahren will, kann auf dem 900 Meter hohen „Vorpass“ Črnivec geradeaus Richtung Gornji Grad fahren. Kurz hinter dem Ort rechts abbiegen, dann trifft man in Šmartno ob Dreti wieder auf die Originalstrecke. Es lohnt sich aber, den wunderschönen Volovljek-Pass mitzunehmen! Die Abfahrt mündet im Dorf Luče, das im dort noch sehr engen Savinja-Tal kauert. Danach herrscht für rund 15 Kilometer wieder etwas mehr Verkehr. Das Finale über den kleinen, aber feinen Lipa-Pass geht nochmals in die Beine.


Tour 3 - Bergpreis Golte

97 Kilometer | 2200 Höhenmeter | max. 17 % Steigung

Das Höhenprofil der Tour 3Foto: Anner GrafikDas Höhenprofil der Tour 3

Wechselbad der Gefühle, denn neben einsamen Wirtschaftswegen zeigt die Runde entlang des riesigen Kohlekraftwerks in Šoštanj auch das industrielle Gesicht der Region. Highlight, zumindest für Kletterer, ist der knapp 14 Kilometer lange Anstieg zum Hochplateau Golte, wo auf den letzten zwei Kilometern die steilsten Rampen warten; an dem kleinen Skigebiet endete schon eine Etappe der Slowenien-Rundfahrt. Danach hat man das Tagespensum aber noch längst nicht geschafft. Es folgt eine herrliche Passage durch die Hügel nördlich des Städtchens Mozirje. Auf dem kurzen Flachstück entlang des Kohlekraftwerks heißt es: Kräfte sammeln. Abenteuerlich geht es nämlich über Wellen zurück ins Tal der Savinja. Achtung: Ohne unseren GPS-Track ist die Orientierung im unbeschilderten Straßengewirr kaum möglich.


Tour 4 - Rogličs Rampen

59 Kilometer | 1270 Höhenmeter | max. 18 % Steigung

Das Höhenprofil der Tour 4Foto: Anner GrafikDas Höhenprofil der Tour 4

Mit dem Aufstieg von Primož Roglič zum Radsport-Idol des Landes erlangte auch seine Heimatregion rund um die Kleinstadt Trbovlje Aufmerksamkeit. Schließlich sammelte er in diesen Bergen seine ersten Radsport-Erfahrungen. Unsere Route verläuft oberhalb des industriell geprägten Medija-Tals, wo auf der Gegenseite, in der Nähe des Ortes Izlake, Rogličs Elternhaus steht. Auch wenn die Region eher nach Mittelgebirge als nach Alpen aussieht, warten dort zahlreiche hochprozentige Rampen, welche die am Hang liegenden Dörfer verbinden – ein ständiges Auf und Ab auf teilweise ruppigem Asphalt. Aber das gehört in Slowenien dazu, genauso wie auf halber Strecke die verkehrsreiche Durchquerung von Trbovlje. Umso schöner ist dann das Finale auf einem neu asphaltierten Panorama-Bergsträßchen.

Slowenien - die Touren zum Downloaden

Download der vier Rennradtouren in Slowenien

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