Nordportugal und GalicienDie 4 schönsten Rennradtouren im Norden Portugals

Sven Bremer

 · 23.10.2023

Besuch in Spanien: Die Kehren am Monte de Santa Trega schrauben sich bis 330 Meter hoch über den Atlantik und gewähren Tiefblick auf die spanische Gemeinde A Guarda.
Foto: Günter Standl
Hinter der Atlantikküste, im dünn besiedelten nördlichsten Zipfel Portugals, führen Sträßchen durch die Bergeinsamkeit der Serra d’Arga und des Nationalparks Peneda-Gerês. Oder über die Grenze ins spanische Galicien. Aber egal, wohin es geht: Steile Straßen mit fantastischen Aussichten warten überall.

Diese Touren finden Sie im Artikel Nordportugal:

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„Paralelo“ ist ein schönes Wort. Es hat einen schönen Klang, so als würde es etwas Klares, etwas Gradliniges und Formschönes beschreiben. Ich rase mit Tempo 65 eine Abfahrt hinunter und bin eigentlich gar nicht in der Lage, noch über irgendetwas nachzudenken. Mir kommt es vor, als würden Großhirn und Kleinhirn und was es da sonst noch so gibt in meinem Kopf, so durcheinandergeschüttelt und -gerüttelt werden, dass dauerhaft nichts mehr an seinem Platz bleibt. Denn die Abfahrt im Nationalpark Peneda-Gerês im Norden Portugals führt über eine Straße mit Kopfsteinpflaster – auf Portugiesisch: Paralelo.

Durchgerüttelt auf dem Kopfsteinpflaster

Ricardo Felgueiras grinst, als ich ihm von meinen Schütteltrauma-Erfahrungen auf den Paralelos erzähle. „Was willst du, das ist doch eine erstklassige Massage“, sagt er. Ricardo ist Ex-Profi und arbeitet inzwischen als Guide im FeelViana Sport Hotel, das an der Atlantikküste im äußers­ten Norden Portugals liegt, direkt südlich der 86.000-Einwohner-Stadt Viana do Castelo. „Ich liebe das Kopfsteinpflaster“, fährt Ricardo fort, „wenn man darüberfährt, kann man sich fast sicher sein, dass man die Straße für sich hat – und meistens ist es dort landschaftlich wunderschön.“ So weit Ricardos Logik, aber in mir vibriert es einige Stunden nach der Tour noch überall. Seine These mag stimmen – und sie stimmt auch nicht.

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Die Kopfsteinpflasterpassagen im Parque Nacional da Peneda-Gerês führen ohne Zweifel durch eine atemberaubend schöne und spektakuläre Berglandschaft: kein Auto weit und breit, fantastische Ausblicke, Wasserfälle links und rechts der Straße, Stauseen, die in der Sonne glitzern. Mal rollte ich durch dichten Zauberwald, dann wieder über karge Hochebenen. Aber es gibt dort zum Glück auch viele fein asphaltierte Straßen, und die Landschaft drum herum bietet ein nicht minder grandioses Naturspektakel als auf den Para­lelos. Und um alle Kopfsteinpflaster-Phobiker zu beruhigen: In Anlehnung an Paris-Roubaix von der „Hölle des Nordens“ in Portugal zu sprechen, wäre dann doch übertrieben. Die Paralelos in Nordportugal sind deutlich besser zu fahren als die im Wald von Arenberg im Norden Frankreichs, und die Passagen machen geschätzt nicht einmal zwei Prozent einer Tour aus.

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Bergeinsamkeit: Schmale Straßen führen durch den Nationalpark Peneda-Gerês, in dem Radler eher auf halbwilde Garrano-Pferde achten müssen als auf Autos.Foto: Günter StandlBergeinsamkeit: Schmale Straßen führen durch den Nationalpark Peneda-Gerês, in dem Radler eher auf halbwilde Garrano-Pferde achten müssen als auf Autos.

300 Millionen Jahre alte Natur

Charakteristisch für die Höhenlagen des einzigen Nationalparks Portugals sind die Granitfelsen, die aus kahlen, oft nur von Heide, Ginster und Wacholderbüschen bewachsenen Hochweiden ragen. Ein einziges Chaos in Granit, wild aufeinandergestapelt, mehr als 300 Millionen Jahre alt. Riesige Felsplatten und Felsbrocken balancieren auf kleineren Steinen und beim Vorbeifahren schielt man das eine oder andere Mal in deren Richtung, um sich zu vergewissern, dass nicht einer von ihnen anfängt, den Hang hinunterzudonnern. Andere Felsen stehen lässig aneinandergelehnt oder gar innig ineinander verschlungen, als wären sie seit Jahrtausenden gute Freunde.

Wollsäcke: Abgerundet verwitterte Blöcke aus Granit (Wollsackverwitterung) sind typisch für die Landschaft des Nationalparks Peneda-Gerês.Foto: Günter StandlWollsäcke: Abgerundet verwitterte Blöcke aus Granit (Wollsackverwitterung) sind typisch für die Landschaft des Nationalparks Peneda-Gerês.

Die Häuser in den wenigen Dörfern hier sind aus eben­jenem Naturstein gebaut. In Germil, einem kleinen Weiler im Nirgendwo, muss ich auf meinem Pflaster-Ritt etwas abbremsen, zu eng sind die Kurven im Ort. Im Vorbeirollen sehe ich ein paar alte Frauen in schwarzen Gewändern, die gespenstergleich durch die Gassen huschen, während die Kirchenglocken mehr scheppern als läuten.

Mit etwas Fantasie kann man in den Felsformationen alle möglichen Tiere erkennen. Löwen, Giraffen und Nas­hörner. Die gibt es natürlich nicht im Nationalpark ­Peneda-Gerês. Aber immerhin: Der Iberische Wolf, Wildkatzen, Wildschweine, Otter und Füchse sind in dieser menschenleeren Berglandschaft zu Hause. Eidechsen flitzen über die Straße, ein Steinadler zieht am Himmel seine Kreise. Nicht selten stehen Kühe auf der Straße – und die Garranos, halbwilde Pferde, die einem gerne mal vors Rad traben. Hübsche Tiere, aber die Idee, sie zu streicheln, hatte mir Ricardo eindrücklich ausgeredet. Könne ich machen, sagte er, wenn ich Lust hätte auf ein veritables Hämatom am Oberschenkel oder eine vom Huf zerschmetterte Schaltung.

Garranos, die halbwilden Pferde, sollte  man lieber nicht streicheln.Foto: Günter StandlGarranos, die halbwilden Pferde, sollte man lieber nicht streicheln.

Der Himalaja Portugals

Weil mir die erste Tour durch den Nationalpark so gut gefallen hat, nehme ich auch am nächsten Tag noch mal die 50 Kilometer lange Autoanfahrt in die Berge in Kauf. Einst wurde diese Gegend als die „Schweiz Nordportugals“ bezeichnet, bis ein Marketingmensch meinte, die Schweiz durch Himalaja steigern zu müssen. Jetzt also: Himalaja Portugals – wegen der grünen, terrassierten Felder, die seit Jahrhunderten ausgeklügelt bewässert werden. Viehwirtschaft wird hier ebenfalls betrieben. Und damit das Vieh in den kalten Wintern etwas zu fressen hatte, bauten die Bauern Mais an. Gelagert wurde das Futtermittel früher in sogenannten Espigueiros. Die Dinger sehen aus wie Grabstätten, waren aber dafür gedacht, das Getreide zu lagern – und zwar so, dass Mäuse und andere Tiere das wertvolle Gut nicht wegfressen konnten. Am Dorfplatz von Sistelo, wo gleich mehrere Espigueiros stehen, nehme ich einen Galão, einen Milchkaffee. Das winzige Dorf liegt an einem Hang oberhalb von grünen Terrassen, ähnlich einem Dorf in den Reisterrassen der Himalaja-Ausläufer.

Rund zehn Kilometer hinter Sistelo ändert sich die Landschaft. Zwischen Merufe und Riba de Mouro geht es stetig auf und ab durch Weinberge, ehe ich die Strecke hinauf zur Kapelle von Santo António in Angriff nehme. An der Straße stehen Schilder – wie an den berühmten Alpenpässen oder am Mont Ventoux –, die die aktuelle Höhe und die kommenden Steigungsprozente zeigen. Wer will das wissen? Die Oberschenkel brennen eh schon, und die Info, dass eine Durchschnittssteigung von zehn Prozent folgt, wirkt nicht gerade motivierend. Oben, am höchsten Punkt auf knapp über 1.000 Meter Höhe, werde ich aber mit einem großartigen Ausblick belohnt: Hier sind es weniger die wild in der Landschaft verteilten Granitsteine, ­sondern eher veritable Felswände, die sich spektakulär auftürmen.

Planschbecken: Die Becken zwischen den Kaskaden von Portela do Homem (Tour 4) sind im Sommer beliebte Badeplätze.Foto: Günter StandlPlanschbecken: Die Becken zwischen den Kaskaden von Portela do Homem (Tour 4) sind im Sommer beliebte Badeplätze.

Abschussrampen in der Serra d’Arga

Ricardo Felgueiras ist Lokalpatriot durch und durch. Er freut sich über meine Begeisterung für die Routen im Nationalpark. Aber ganz besonders am Herzen liegen ihm die Touren rund um Viana do Castelo. Also lasse ich mich von ihm noch einmal beraten. Wir stecken die Köpfe zusammen und scrollen uns durch digitale Karten auf dem Laptop. Plötzlich zeigt Ricardo mit der Hand schräg nach oben. So steil, sagt er, seien die Anstiege auf der Tour in die Serra d’Arga. Dann legt er den Kopf ein wenig schief, kontrolliert noch einmal, was er da angezeigt hat, und korrigiert sich. Dummerweise nicht nach unten, jetzt sieht es aus, als müsse es dort geradezu senkrecht in den Himmel gehen. Ricardo lächelt milde. „Es ist zwar steil, aber nicht allzu lang, und wenn du oben bist, wirst du auch dort mit fantastischen Ausblicken entschädigt.“

Es geht also wieder über die von einem gewissen Gustave Eiffel entworfene Brücke über den Lima, und ein paar Kilometer östlich in die Hügel des Alto Minho, in das leicht gewellte Terrain eines hübschen Bauernlands. Hier rollt es astrein, die meisten kleinen Anstiege bekomme ich sogar auf dem großen Kettenblatt weggedrückt. Am Straßenrand blühen Hortensien in vielen Farben, die Sonne lacht. Ricardos Warnung habe ich längst vergessen, als sich die Straße plötzlich steil aufbäumt: zehn Prozent, 15 Prozent und mehr  ... aber wie das so ist: Oben angekommen, schüttet der Körper ordentlich Glückshormone aus. Und die Kulisse der Serra d’Arga ist ähnlich spektakulär wie die des Nationalparks, da hat Ricardo nicht zu viel versprochen.

Steinbrücke: Die Ponte de Lima, von den Römern erbaut, später erneuert, führt in die gleichnamige Stadt, eine der ältesten Portugals.Foto: Günter StandlSteinbrücke: Die Ponte de Lima, von den Römern erbaut, später erneuert, führt in die gleichnamige Stadt, eine der ältesten Portugals.

In Arga de Baixo, hatte der Ex-Profi erzählt, halte er manchmal an und klopfe an die verschlossene Tür der Taberna do Horacio. „Der Wirt ist schon sehr alt und hat nicht immer geöffnet, aber er freut sich immer, wenn Rennradfahrer kommen. Er macht dir gleich einen Kaffee und schaltet am Fernseher einen Sender ein, in dem garantiert ein Radrennen läuft.“ Nun bin ich gerade zu einer Zeit unterwegs, in der im internationalen Radsport nichts anderes als die Tour of Estonia stattfindet. Also klopfe ich nicht, sondern rausche weiter, rattere in den Ortsdurchfahrten einiger verschlafener Nester über Paralelos und nehme schließlich nach der Tour in der ­Beach-Bar des FeelViana Sport Hotels das verdiente Feier­abendbier. Surfer kehren gerade mit einem beseelten Lächeln aus den Wellen zurück, der Sand in der Bar knirscht unter den nackten Füßen und mir wird schlagartig klar: Ich wohne direkt am Atlantik und habe noch keine Tour am Meer gemacht. Das muss sich ändern!

Küstengleiter

Also breche ich am nächsten Tag auf zu einer Tour, die Wellenrauschen garantiert. Zunächst geht’s allerdings wieder durch die Hügel, dann an den Minho, der die Grenze zwischen Portugal und dem spanischen Galicien markiert. Das Gelände ist flach bis wellig – und es könnte die ganze Runde so bleiben, hätte mir Ricardo nicht den Monte de Santa Trega eingebaut. Der 341 Meter hohe Berg – die Straße führt auf 330 Meter Höhe – war beim World-Tour-Rennen „Gran Camiño“ im Februar 2023 Bergankunft der zweiten Etappe. Die Profis mussten kurz vor dem Gipfel noch auf eine neben der Straße verlaufende mehr als 20 Prozent steile Kopfsteinpflasterpassage. Mir ist der Anstieg auch ohne Paralelo schwer genug. Jonas Vingegaard hat die Etappe damals gewonnen und wahrscheinlich ist er bergauf so schnell gefahren wie ich bergab. Aber die tolle Aussicht auf den Atlantik und über den Minho konnte ich bestimmt mehr genießen als der Jumbo-Visma-Profi.

Trennlinie: Der Rio Minho trennt Spanien – und den Anstieg auf den dort gelegenen Monte de Santa Trega – und Portugal (im Hintergrund).Foto: Günter StandlTrennlinie: Der Rio Minho trennt Spanien – und den Anstieg auf den dort gelegenen Monte de Santa Trega – und Portugal (im Hintergrund).

Zurück nach Viana do Castelo geht’s dann ab Moledo an der Küste entlang, bisweilen auf einem kleinen Sträßchen und sogar auf einem kombinierten Fuß- und Radweg ­direkt am Atlantik. Das ist definitiv schöner als auf der Nationalstraße, allerdings muss man sich den Weg mit den zahlreichen Pilgern teilen, die auf dem portugiesischen Jakobsweg in Richtung Santiago de Compostela wandern. Und das nervt dann doch – also kehre ich auf die Nationalstraße zurück. Die Küste mag für Surfer ein Paradies sein und für Jakobsweg-Pilger eine Alternative zur überlaufenen Hauptroute. Für Radler ist sie eher fade; kein Vergleich zu den abwechslungsreichen Routen im Nationalpark oder in der Serra d’Arga. Die restlichen flachen 20 Kilometer nach Viana do Castelo gebe ich so dermaßen Gas, dass ich so ausgepumpt im Sport Hotel ankomme, als hätte ich versucht, mich mit Vingegaard zu messen. Wie sagte Hape Kerkeling einst, als er sich aufmachte zum Pilgern nach Santiago de Compostela: „Ich bin dann mal weg.“ Nach 120 Tageskilometern und den drei Bergetappen zuvor kann ich nur sagen: „Ich bin dann mal platt.“

Hoch überm Fluss: Lima bewachte einst die Burg von Lindoso die Grenze zu Spanien (Tour 4).Foto: Günter StandlHoch überm Fluss: Lima bewachte einst die Burg von Lindoso die Grenze zu Spanien (Tour 4).

Informationen für einen Rennradurlaub in Nordportugal

Anreise

Auto: Von Frankfurt am Main bis Viana do Castelo sind es rund 2200 Kilometer. Für die Route quer durch Frankreich und durch den Norden Spaniens berechnet ADAC Maps rund 170 Euro Autobahnmaut für die einfache Strecke.

Flug: Die staatliche portugiesische Airline TAP, aber auch Eurowings und Ryanair, fliegen Porto direkt von mehreren deutschen Flughäfen aus an. Wer frühzeitig bucht, fliegt schon für unter 300 Euro hin und zurück. Vom Flughafen in Porto fährt ein Expressbus für kleines Geld ins Zentrum von Viana do Castelo; das FeelViana Sport Hotel bietet für 120 Euro pro Strecke und bis zu vier Personen einen Transfer vom und zum Flughafen an.

Bahn: Umweltfreundlich, aber kompliziert. In der Regel führt die Route über
Paris, ab Hendaye im französischen Baskenland nimmt man den Zug in Richtung Lissabon und steigt entweder in Coimbra oder in der Hauptstadt um in einen Zug nach Porto. Von dort aus geht es mit dem Regionalzug weiter nach Viana do Castelo.

Die Radmitnahme im Zug ist noch komplizierter als die Bahnfahrt selbst; am einfachsten ist es deshalb, das zerlegte Rad in Koffer oder Sack zu transportieren – so darf man auch Schnellzüge nutzen.

Beste Reisezeit

Der Norden Portugals ist deutlich kühler als beispielsweise der Süden mit der bekannten Algarve. Und es regnet dort auch deutlich mehr. Ideal zum Rennradfahren ist es ab Mai bis Ende Juni sowie im September und Oktober. Im Nationalpark Peneda-Gerês, mit über 1500 Meter hohen Bergen, kann es allerdings auch im späten Frühjahr noch kalt sein. Während man im Volksmund sagt, Portugal sei ein Land mit neun Monaten Hölle und drei Monaten Winter, heißt es über den Nationalpark im Norden: „Drei Monate Hölle und neun Monate Winter.“

Essen und Trinken

An der Atlantikküste werden Fisch und Meeresfrüchte serviert, auf Speisekarten findet man meist Arroz de Marisco, ein Reisgericht mit dem Fisch des Tages (peixe do dia), Muscheln, Garnelen und Tintenfisch. Von Viana do Castelo aus fahren die Fischer seit Jahrhunderten hinaus auf die See, um Kabeljau zu fangen. Also ist ein Bacalhau-Gericht mit gesalzenem, luftgetrocknetem Kabeljau ein Muss. Wie in ganz Portugal ist auch im Norden das „Bitoque“ allgegenwärtig, ein bisweilen zähes Rindersteak (bife de vaca) mit einem Spiegelei drauf. Vorweg empfiehlt sich eine Gemüsesuppe (sopa de legumes), beim Nachtisch hat man die Wahl – Desserts und Kuchen können die Portugiesen!

Regionale Produkte: Wolfsbarsch und ein Glas Vinho verde.Foto: Günter StandlRegionale Produkte: Wolfsbarsch und ein Glas Vinho verde.

Beim Wein empfiehlt sich Vinho verde (grüner Wein), dessen Trauben in der Subregion Alto Minho reifen und als die besten ihrer Sorte in Portugal gelten. Der Vinho verde hat einen recht niedrigen Alkoholgehalt und eine leicht prickelnde Kohlensäure und wird „grün“ genannt, weil für ihn junge, nicht voll ausgereifte Trauben geerntet werden; erstaunlicherweise gibt es ihn auch als Rotwein. Und wer zum Schluss noch einen Espresso bestellen möchte, ordert nicht einen „Bica“ wie in Lissabon oder an der Algarve, sondern bestellt einfach einen Café.

TOUR-Restauranttipp

Viana do Castelo: Casa Primavera – Taberna Soares, Telefon 00351/258821807, www.facebook.com/TabernaSoares. In dem traditionellen Restaurant kommen frischer Fisch und Meerestiere auf den Teller, zubereitet ohne viel Chichi. Besonders mittags platzt der Laden aus allen Nähten, wenn Werftarbeiter, Fischer und Nachbarn dort Pause machen. Mittagstisch für 7,50 Euro inklusive Kaffee.

Radservice

Das FeelViana Sport Hotel (siehe Unterkunft) verleiht Rennräder und Gravelbikes inklusive Trinkflaschen, Helm, Reparatur-Set und Pumpe. Hochwertige Modelle kosten pro Tag 70 Euro, drei Tage 180 Euro, sieben Tage 365 Euro; günstige Modelle und Gravelbikes kosten 50/135/255 Euro. FeelViana bietet zudem geführte Touren an, je nach Länge kosten sie zwischen 45 und 60 Euro. Wer zu den Touren im Nationalpark Peneda-Gerês aufbrechen will, kann einen Shuttleservice buchen, ab 20 Euro pro Person, je nach Auslastung des Kleinbusses.

Nicht verpassen: Jedermann-Rennen

Seit 2022 macht “L’Étape ­Portugal by Tour de France” Station in Viana do Castelo. Im Angebot sind drei Strecken: 50, 100 und 147 Kilometer. Infos unter portugal.­letapebytourdefrance.com

Alljährlich Anfang Juni fährt der “Reconco Gerês Granfondo” durch den Nationalpark. Auch dort über drei Distanzen: den Minifondo mit 46 Kilometern und rund 1000 Höhenmetern, den Mediofondo (96 km, 1.872 Hm) und den Granfondo (150 km, 2258 Hm). Infos unter bikeservice.pt/event/geres-granfondo/­granfondo-geres-granfondo

Viana do Castelo

Hinauf zur Citânia de Santa Luzia oberhalb der Stadt fährt man entweder mit dem Rad, geht zu Fuß oder nimmt den historischen Elevador, eine Standseilbahn. Von der Wallfahrtskirche, der die Sacré-Cœur auf dem Pariser Montmartre als Vorbild diente, hat man einen grandiosen Ausblick über die Stadt, wo im Hafen fest vertäut das Museumsschiff „Gil Eannes“ liegt, 1955 als schwimmendes Krankenhaus in Dienst gestellt, um die Kabeljau-Fischer von Viana do Castelo auf hoher See zu begleiten. Infos unter www.fundacaogileannes.pt

Ponte de Lima

Etwas flussaufwärts von Viana do Castelo liegt Ponte de Lima, eine der ältesten Städte Portugals.

Infos allgemein

www.visitportugal.com/de

Infos vor Ort

Die Touristeninformation in Viana do Castelo (Viana Welcome Center) liegt an der Praça Eixo Atlântico zwischen dem Kulturzentrum am Flussufer und der Altstadt. Telefon 00351/258098414, www.vivexperiencia.pt

Literatur & Karten

Reiseführer „Nordportugal“, Michael Müller Verlag, 2023, 276 Seiten, 19,90 Euro.

Karte Michelin 591, Regional „Portugal Nord“, 1:300.000, 2023, 11,95 Euro.

Unterkunft

Viana do Castelo: FeelViana Sport Hotel, Telefon 00351/258/330330, feelviana.com. Das Sport Hotel liegt zwischen der Praia do Cabedelo, einem breiten, von einem Dünenstreifen und Pinien begrenzten Sandstrand, und dem Minho-Ufer, südlich von Viana do Castelo. Das stilvolle, gemüt­liche 4-Sterne-Superior-Haus ist spezialisiert auf Surfer und Radfahrer. Neben Radverleih und geführten Touren offeriert das FeelViana Yoga- und Surfkurse. Es verfügt über einen Bike- und Surf-Shop, einen Wellnessbereich inklusive Massagen für müde Radler­beine, Innen- und Außenpool. Das exzellente Frühstück wird im Restaurant serviert, den Absacker nach der Tour nimmt man am besten an der Strandbar. Das alles hat seinen Preis: Das Standard-Doppelzimmer kostet ab 180 Euro.

Pousada Viana do Castelo: Telefon 00351/258800370, www.pousadas.pt. Eine Alternative zum FeelViana ist die 180 Meter oberhalb von Viana do Castelo auf dem Monte de Santa Luzia gelegene Pousada. Gediegenes historisches Ambiente, grandiose Aussicht über Stadt, Fluss und Atlantik. Doppelzimmer mit Frühstück ab 140 Euro.

Tourencharakter

So brutal wie bei Paris-Roubaix sind die Kopfsteinpflasterpassagen im Norden Portugals nicht, aber zumindest bei den Ortsdurchfahrten wird man ordentlich durchgeschüttelt, genauso wie auf einigen Abschnitten im Nationalpark Peneda-Gerês. Vielleicht ist es wie mit dem Eintagesklassiker Paris-Roubaix, der „Hölle des Nordens“: Manch einer liebt die Rüttelei, andere hassen sie. Ansonsten findet man im Norden Portugals vielfach feinsten Asphalt. Tipp: Da der Wind meist aus nördlicher Richtung weht, sollte man die Tour zum Monte de Santa Trega so planen, dass man den Rückweg an der Küste Richtung Süden rollt. Auf den beiden Touren von Viana do Castelo aus geht es nicht wirklich hoch hinaus, es stellen sich jedoch insbesondere nordöstlich von Viana do Castelo in der Serra d’Arga einige gemeine Rampen in den Weg. Auf den beiden Touren durch den Nationalpark Peneda-Gerês sammelt man auf gut 90 Kilometern jeweils um die 2000 Höhenmeter, die Anstiege sind jedoch eher moderat.

Orientierung

Viana do Castelo liegt im Norden der an Sandstränden reichen portugiesischen Atlantikküste, an der Mündung des Lima, und zählt in der Region „Norden“ zur Subregion Alto Minho. Nach Norden zur spanischen Grenze sind es gut 30 Kilometer, bis Porto im Süden rund 70. Flussmündung und Küste der Stadt werden geprägt von Werften und einem Fischereihafen. Die Altstadt ist jedoch ein Schmuckstück, und die Praça da República gilt als einer der schönsten Plätze Portugals. Alto Minho ist bekannt für den Anbau erstklassiger Weine, fast ausschließlich Vinho verde wird kultiviert. Der Parque Nacional da Peneda-Gerês, Portugals einziger und bereits 1971 gegründeter Nationalpark, liegt zwischen dem Alto Minho und der historischen Provinz Trás-os-Montes – was wörtlich „hinter den Bergen“ bedeutet. Er grenzt in weiten Teilen an Spanien, seine höchsten Berge ragen rund 1.500 Meter in den Himmel. Von Viana do Castelo aus ist der Nationalpark in einer Dreiviertelstunde mit dem Auto zu erreichen.


Die vier schönsten Touren

Wir stellen unsere vier schönsten Touren in der Region vor.

Die 4 Touren im ÜberblickFoto: A. WinterDie 4 Touren im Überblick

Tour 1: Besuch in Spanien

120 Kilometer | 1400 Höhenmeter | max. 12 % Steigung

Von Viana do Castelo auf der mittelmäßig befahrenen EN 202 Richtung Ponte de Lima. Nach gut sechs Kilometern geht es ab in die Hügel, durch hübsches Bauernland. Links und rechts der Straße wachsen die Trauben für einen erstklassigen Vinho verde, etwas weiter verströmen Eukalyptusbäume ihren Duft, ehe die Route nach knapp 40 Kilometern ans Ufer des Minho führt. Bei Vila Nova de Cerveira überquert man den Grenzfluss zwischen Portugal und Spanien und rollt bis A Guarda, wo der Anstieg auf den 341 Meter hohen Monte de Santa Trega wartet (die Straße liegt wenige Meter unterm Gipfel), von dem man schöne Ausblicke auf die Küste hat. Zurück geht es entlang der Küste südwärts nach Viana do Castelo. Streckenweise kann man auf kleinen Straßen parallel zur N 13 fahren, bisweilen sogar auf einem Radweg.

Tour 1Foto: Anner GrafikTour 1

Tour 2: In die Serra d’Arga

84 Kilometer | 1340 Höhenmeter | max. 18 % Steigung

Von Viana do Castelo aus diesmal knapp 20 Kilometer auf der EN 202, ehe man auf ein kleines Sträßchen abbiegt, das sich kurvenreich durch die Hügel in Richtung der Serra d’Arga windet. Ab Estorãos wird die Straße brutal steil und die Landschaft wild. Die Serra d’Arga präsentiert sich auf rund 600 Meter Höhe karg und einsam: Ziegen, Schafe und Rinder grasen auf den von Ginsterbüschen verzierten Hochweiden zwischen mächtigen Granitfelsen. Nach einer Abfahrt geht es durch teils bewaldete Hügel und verschlafene Dörfer wieder hinunter an den Lima – und auf der Hauptstraße zurück nach Viana do Castelo.

Tour 2Foto: Anner GrafikTour 2

Tour 3: Im Himalaja Portugals

95 Kilometer | 2300 Höhenmeter | max. 14 % Steigung

Nach einer Autoanfahrt von etwas mehr als 50 Kilometern führt ab Giela (bei Arcos de Valdevez) zunächst eine gut ausgebaute Straße durch das grüne Tal des Rio Vez, gerne als das „Himalaja Portugals“ bezeichnet. Hinter dem Vorzeigedorf Sistelo geht es im steten Auf und Ab durch weinbewachsene Hügel, ehe der Anstieg auf den Berg Santo António auf knapp über 1000 Meter beginnt und sich im Osten die Felsplatten der Serra Peneda auftürmen. Am fast zwölf Kilometer langen Anstieg sollte man aber noch ein paar Körner aufsparen, denn auf dem letzten Drittel der Runde durch die grünen Ausläufer des Nationalparks ins Val de Vez warten noch zwei Gegenanstiege.

Tour 3Foto: Anner GrafikTour 3

Tour 4: Nationalpark Peneda-Gerês

93 Kilometer | 2200 Höhenmeter | max. 14 % Steigung

Nach einem Transfer nach Entre Ambos-os-Rios rollt man zunächst auf einer breiten, aber kaum befahrenen Straße entlang des Lima in Richtung Spanien. Hinter dem Kurort Lobios kehrt man zurück nach Portugal in den Nationalpark Pe­neda-Gerês. Wasserfälle rechts und links der Straße prasseln in die Tiefe, während man die Serpentinen in Richtung des namensgebenden Kurorts Gerês hinunterrast. Ab dort geht es wieder hinein in die einsame Berglandschaft. Auf Wegen, die bisweilen nicht breiter sind als ein Handtuch, passiert man Dörfer wie Germil, in denen die Zeit seit Jahrhunderten stehen geblieben zu sein scheint. Auch der Straßenbelag ist noch nicht in der Neuzeit angekommen, dort rattert man für einige Kilometer über Kopfstein­pflaster.

Tour 4Foto: Anner GrafikTour 4

GPS-Daten

Die Touren-Daten zum kostenlosen Download (GPX-Format) finden Sie hier.

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