Portugal: Rennrad - Portugal: Madeira

EuropaPortugal: Rennrad - Portugal: Madeira

Unbekannt

 2/6/2003, Lesezeit: 3 Minuten

Die Atlantik-Insel Madeira mit ihrer üppigen Flora und den schroffen Bergen ist bei Engländern und Deutschen ein beliebtes Winter- und Wanderziel. Doch wer mit dem Rennrad kommt, darf nicht nur auf Erholung hoffen.

Auf Madeira radeln nur Irre und Touristen“, lautet ein beliebtes Insel-Sprichwort. Kai, Sozialpädagoge aus Heidelberg, scheint es zu bestätigen. Seit zehn Tagen fährt er mit einem viel zu kleinen Miet-Mountainbike und 20 Kilo Gepäck über die Insel und musste sich den Spruch schon öfter anhören; und am eigenen Leib erfahren, warum er vielleicht sogar stimmt: „Madeira, jedenfalls die Nordseite und die Berge, ist ein Traum“, sagt er. „Aber die Anstiege – brutal. Ich muss dauernd an Bölts’ Ausspruch ‚Quäl dich, du Sau’ denken.“
Wir stehen am Aussichtspunkt am Ende der sechs Kilometer langen Zehn-Prozent-Rampe von Porto da Cruz zum Paso de Portela, schnaufen und schwitzen. „Ab der Hälfte hab ich vor jeder Serpentine gehofft, jetzt kommt die Passhöhe“, erzählt Kai. „Irgendwann hab ich dann geschoben“; und ich ihn mit dem Rennrad überholt. Aber jetzt erst mal Jacke an und her mit der Trinkflasche. Und nachdem auch der Hunger mit köstlich aromatischen Insel-Bananen gestillt ist, wird’s Zeit, den Rundumblick an der Nordwestküste zu genießen: die Steilküste östlich von Porto da Cruz, der dunkelgrüne Adlerfelsen westlich der kleinen Hafenstadt, auf dem Fischadler nisten, die Terrassen-Hänge im Hinterland von Faial, das zerklüftete, bewaldete Machico-Tal, die bis 1.300 Meter hohen Vorberge und das mehr als 1.800 Meter hohe Zentralmassiv.
Wie ist Kai eigentlich auf Madeira gekommen? „War der billigste Flug von Frankfurt – 135 Euro“, sagt er. Und im Reiseführer hätten die Berge nicht so dramatisch ausgesehen. „Aber hier vor Ort, mit Zelt, Schlafsack, Klamotten, Proviant ist das echt heftig.“ Doch die Ausblicke entschädigen für alles. Kurz hinter der Passhöhe trennen sich unsere Wege. Kai will zur Landzunge Ponta de São Lourenço ganz im Osten. Da war ich gestern: eine karge Ebene mit wenig Bäumen und dramatischer Steilküste. Heute bin ich schon drei Stunden unterwegs und muss noch 40 Kilometer durch die Berge zurück zum Hotel. Immerhin ohne Gepäck. Da fällt der Anstieg nach Santo da Serra viel leichter, und die Botanik lenkt ab: Knallrot leuchten Weihnachtssterne an meterhohen Büschen am Straßenrand, daneben Esskastanien und Gummibäume, so groß wie Einfamilienhäuser, Kakteen, Palmen, Pinien; dazwischen blühen Rosen, Hibiskus, Oleander und Hortensien. Nur die gelegentlichen Regenschauer stören das Idyll. Aber irgendwoher muss die grüne Pracht ja kommen, und immerhin dauern sie selten länger als zehn Minuten.
Bis Camacha geht es dann eher flach dahin, mit Blick auf den bewegten Atlantik, die drei Ilhas Desertas und die Bucht der Hauptstadt Funchal. Gleich hinter dem Kirchplatz führt die Straße steil hinunter nach Caniço und in den Villen- und Hotel-Vorort Caniço de Baixa – ein fünf Kilometer langer Bremsen-Test. Als ich das Rad in den Fahrradraum des Hotels tragen will, brandmarke ich mich fast selbst, als die heiße Felge des Vorderrads an meinen Oberschenkel stößt. Im Radkeller zieht Hotelchef Rainer Waschkewitz gerade einen Mantel auf seine Spezial-Madeira-Renn- Konstruktion: ein Hinterrad mit einem 30er Kranz als größtem Ritzel. „Den kannst du haben“, bietet er mir an, „mit deinem 25er wirst du hier nicht glücklich. Aber hiermit macht Madeira gleich viel mehr Spaß“, verspricht Rainer.

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(Text: Wolfgang Press)

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