Manchmal kommt es eben anders als man denkt. In den vergangenen Jahren ragte fast immer ein besonderes Highlight aus meiner persönlichen Radsportsaison heraus. Eine Etappenfahrt mit Freunden zum Mont Ventoux in Frankreich, eine Mehrtagestour durch Österreich, ein verlängertes Wochenende in Südtirol mit einer Fahrt aufs Stilfser Joch. In diesem Jahr zeichnete sich recht früh ab, dass aus beruflichen und privaten Gründen kein besonderer Höhepunkt in der Saison Platz finden würde. Keine guten Aussichten für einen besonderen Rennradmoment des Jahres.
So dümpelte das Radsport-Jahr vor sich hin, Trainingsfahrt reihte sich an Trainingsfahrt und machte mir mal wieder deutlich, dass Rennradfahren ein ziemlich einsamer Sport sein kann. Die meisten von uns kennen das. Radelpartner, mit denen man regelmäßig auf Tour gehen kann, sind eine seltene Spezies. Oft passen Termin und Uhrzeit nicht, von der Chance, mal spontan und gleichzeitig losfahren zu können, ganz abgesehen. Dann ist der eine immer genau die 1,5 km/h zu schnell unterwegs, damit es Spaß macht, der andere 1,5 km/h zu langsam fürs eigene Wohlfühltempo. Und man muss leider zugeben, dass Rennradler nicht selten auch etwas sture oder zumindest unflexible Zeitgenossen sein können. Mit dem Ergebnis, dass sehr viele von ihnen sehr oft alleine unterwegs sind.
Zur Ehrenrettung sei gesagt, dass das nicht immer ein Nachteil sein muss. Gerade, wer in Job oder Familie viel um die Ohren hat, genießt die Zeit allein auf dem Rad, in der man seinen Gedanken nachhängen und die Fahrt genießen kann, ohne dass ständig jemand etwas von einem will.
Trotzdem freute ich mich, als aus dem Freundeskreis die Idee kam, einen Besuch bei mir mit einer Rennradtour im Bodensee-Hinterland zu verbinden. Um den Freunden eine schöne Tour zeigen zu können, grübelte ich ein wenig, klickte mich durch meine Strava-Aufzeichnungen und reihte schließlich meine schönsten Hausrunden- und Trainingsfahrten-Streckenschnipsel aneinander. So starteten wir zu viert an einem schönen Augustmorgen zu einer Runde über schlussendlich 105 Kilometer in die nahe Schweiz, zum Seerhein, nach Stein am Rhein, über den Schienerberg und durch Radolfzell. Es wurde ein wunderbarer Tag auf dem Rad. Viel Gelächter, unbeschwerte Stimmung, eine lockere Fahrt durch eine abwechslungsreiche Ferienlandschaft. Die Tour bleibt mir in schöner Erinnerung - und ist mein Rennradmoment des Jahres 2023.