Deutschland / TschechienBayerischer Wald / Böhmerwald - Mit dem Rennrad in vier Etappen durch den Böhmerwald

Unbekannt

 · 30.04.2017

Deutschland / Tschechien: Bayerischer Wald / Böhmerwald - Mit dem Rennrad in vier Etappen durch den BöhmerwaldFoto: Jörg Spaniol

Seit der Eiserne Vorhang gefallen ist, wachsen Bayerischer Wald und Böhmerwald wieder zusammen. Unsere Vier-Tages-Runde vereint Wipfel und Wasser, Knödel und Kulturerbe.

Mannomann, ist das Benzin hier teuer! Nicht, dass wir im Sattel welches bräuchten, aber eine "32" als Literpreis an der Tankstelle, das fällt schon auf. Das hier ist also offensichtlich die Tschechische Republik, und gezahlt wird in Kronen. Wir hätten es wissen können, schließlich standen irgendwo im Wald ein paar Schilder mit hoheitlichen Wappen, mit gelben Sternen auf blauem Grund und dem unverständlichen Hinweis "Pozor! Státní Hranice".
"Pozor! Státní Hranice"? Das heißt "Achtung! Staatsgrenze", und die ist auf der Landstraße zwischen dem bayerischen Lam und dem böhmischen Nýrsko eher eine Randerscheinung. Das, was früher eine waffenstarrende Frontlinie war, ist längst zu diesen paar bunten Schildern verkümmert. Nicht mal die Asphaltqualität ändert sich zwischen Ost und West spürbar. Ein trostloses Gebäude mit verrammelten Fenstern dürfte einst Grenzsoldaten beherbergt haben. Die Fichten davor und dahinter waren schon immer Weltbürger.

Der Grenzübergang liegt auf der zweiten Etappe unserer Vier-Tages-Runde durch einen riesigen grünen Fleck am Rand der Deutschlandkarte. Unten rechts, in Bayern, wo Tschechien der Deutschland-Silhouette eine Taille verpasst, teilen sich beide Länder (und ein klein wenig auch Österreich) ein lang gezogenes Mittelgebirge ohne größere Städte. Auf beiden Seiten der Grenze umschließen breite Linien einen Nationalpark, in Bayern den Nationalpark Bayerischer Wald, in Böhmen den Nationalpark Böhmerwald. Zwei Bundesstraßen überqueren diesen Grünstreifen auf kürzestem Wege, doch die sind schon wegen des Autoverkehrs uninteressant. Statt den bayerisch-böhmischen Gebirgskamm schnell zu queren, soll unsere Runde ihm parallel folgen, auf fragilen weißen Linien der Nebensträßchen. Werden sie asphaltiert sein? Was passiert, wenn sich die in der Karte weiß eingezeichnete Nebenstraße zu einer schwarzen, dünnen Linie verjüngt? Ist das dann ein Saumpfad? Und bekommt man dort etwas zu essen? Etliche Satellitenbilder, Internetseiten und Telefonate später ist klar, dass diese Sorgen unbegründet sind. Wir haben trotzdem dickere Reifen aufgezogen und die größten Ritzel aufgesteckt, die das Schaltwerk verträgt. Sicher ist sicher.

Unberührte Natur: Ein Fahrrad- und Anliegersträßchen führt am dritten Tag durch den Nationalpark Šumava (Böhmerwald).
Foto: Jörg Spaniol

Den gesamten Artikel und die GPS-Daten zu diesen Etappen finden Sie unten im Download-Bereich:

• Tag 1: Passau – Großer Arber (100 Kilometer, 1.900 Höhenmeter, max. 12 % Steigung)
• Tag 2: Brennes – Modrava (101 Kilometer, 1.600 Höhenmeter, max. 10 % Steigung)
• Tag 3: Modrava – ČeskÝ Krumlov (100 Kilometer, 900 Höhenmeter, max. 13 % Steigung)
• Tag 4: ČeskÝ Krumlov – Passau (120 Kilometer, 1.100 Höhenmeter, max. 9 % Steigung)

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