BikepackingWild campen aber legal und Alternativen

Gitta Beimfohr

 · 27.03.2026

Mitten in der Nacht im stockdunklen Wald den Schlafsack ausrollen: Das ist in Deutschland als "Not-Biwakieren" erlaubt. Nur ein geschlossenes Zelt darf man nicht aufstellen.
Foto: Laurin Lehner

Einfach von der Haustür weg loskurbeln: Mit dem Gravelbike kann der Urlaub sofort beginnen. Schwieriger wird es dagegen mit dem Schlafplatz. Wild campen ist in Deutschland verboten und eine Nacht in der Bett + Bike-Unterkunft kann zu Ferienzeiten überraschend teuer werden.

Richtiges Bikepacking mit Schlaf-Equipment und Kochutensilien in den Gepäcktaschen klingt nach absoluter Unabhängigkeit, Abenteuer und einem Maximum an Freiheit. Bis man als unbedarfter Einsteiger kurz vor Einbruch der Dunkelheit feststellt: Oh, ich muss noch eine flache Wiese finden, die nicht direkt an der Straße oder nahe an einem Wohngebiet liegt. Mit rauschendem Bach oder See, in dem ich mich und später das Geschirr waschen kann. Aber dieser Platz muss auch noch nah an einem Supermarkt liegen, denn für Proviant war in den Packtaschen kein Platz mehr. So jedenfalls war die romantische Vorstellung, als man sich die Gravelbike-Route am Computer zusammengebastelt hat.

Richtig im Wald schlafen muss man erstmal schaffen

Leider ist es in der Realität nicht ganz so einfach, denn: Wildes Campen ist in Deutschland verboten, erlaubt ist nur eine “Notfall-Übernachtung” unter einem Tarp (Zeltplane). Wobei “Notfall” in Orts- oder Dorfnähe schwierig zu erklären ist. Deshalb kauft man erst ein und macht sich dann mit womöglich am Lenker schlankernder Einkaufstüte wieder auf in die “Wildnis”, wo ein Notfall-Biwak glaubhaft zu verteten ist. Doch kaum hat man einen einigermaßen ruhigen und nicht abschüssigen Liegeplatz gefunden, wird es bald richtig dunkel, die Mücken sirenen ins Ohr, es raschelt in der Nähe - Einschlafen in freier Natur ist gar nicht so einfach.

Meistgelesene Artikel

1

2

3

Sehr verknittert packt man sehr früh morgens seine sieben Sachen wieder zusammen, das Kochgeschirr womöglich klebrig und unabgespült, Tarp und Schlafsack noch feucht. Wahrscheinlich ist es fast mittags bis man wieder on the road ist und das erste Café ansteuert. Klar, das ist auch eine Erfahrung, aber wer sich eine längere Route vorgenommen hat, wird irgendwann bei der Schlafplatz-Romantik Abstriche machen. Aber es gibt ja noch andere Möglichkeiten:

Wie gefällt Ihnen dieser Artikel?

1. Beim Bauern in der Scheune schlafen

Schlafsack im Stroh ausrollen, ein sicheres Dach überm Kopf und morgens vielleicht sogar ein frisches Glas Milch - klingt auch noch romantisch. Scheitert der Erfahrung nach aber an: “In meiner Scheune?! Na, ganz sicher ned.” Erfahrene Europa-Graveler berichten, dass die Gastfreundlichkeit der Bauern spürbar zunimmt, sobald man die deutsche Grenze hinter sich gelassen hat...

2. Trekking-Camps und offizielle Biwakplätze

Es gibt sie mittlerweile im Schwarzwald, im Pfälzerwald, im Hunsrück-Hochwald, Frankenwald, Steigerwald und Spessart: “Geheime” Schlafplätze irgendwo im Wald. Mit Feuerstelle, Holzplateaus, auf welchen man das Zelt stellen kann und Plumpsklo. Man bucht diese Plätze (von Mai bis Oktober) über eine App und bekommt gegen eine kleine Gebühr die GPS-Daten zu diesen Orten mitten im Wald zugeschickt. Problem: Diese Plätze werden immer häufiger genutzt und sind in der Hauptsaison schnell vergeben. Außerdem werden sie nicht immer entlang der eigentlich geplanten Route liegen. Und Achtung: Wasser zum Waschen und Kochen gibt es dort nicht. Info: trekkingtrails.de

3. Bett+Bike-Unterkünfte

Gefühlt gibt es dieses Label schon seit der Erfindung des Fahrrads: Jeder zweite Landgasthof hat solch ein Schild an der Tür hängen. Allerdings nimmt man diese bewusst erst wahr, wenn man einen sehr sehr anstrengenden Tag im Sattel hatte, die Sonne bereits untergegangen ist und booking.com auch nicht weiterhelfen konnte. So ging es mir jedenfalls an einem Samstag im Mai 2025, irgendwo in Bayern in der Nähe des Ammerradwegs. “Ja, ein Zimmer haben wir noch!” Da wird nicht lange überlegt oder nach dem Preis gefragt. Hauptsache duschen, im Biergarten gerade noch was zu essen bekommen und dann ab ins bereits recht durchgelegene Bett.

Dafür wird es schon nicht so teuer sein - denkt man noch beim Blick in den vergilbten Alibert-Spiegelschrank im Bad. Doch es kommt natürlich anders: Zum normalen Zimmerpreis von 60 Euro kommt ein “Nur eine Nacht”-Zuschlag von 10 Euro, laut Homepage. Zu Ferienzeiten müsse der Zuschlag leider verdoppelt werden und wir hatten natürlich zufällig den letzten Samstag der Pfingstferien erwischt. Okay, also 80 Euro? Nein! 140 Euro.

Ursprünglich sollte das Label Bett+Bike Radfahrern signalisieren: Hier bist du auch für eine Nacht willkommen und bekommst dazu einen sicheren Unterstellplatz für dein Rad. Aber so mancher Wirt scheint gelernt zu haben: Je später und fertiger der Radfahrer reinschneit, desto mehr Zuschläge wird er bereit sein zu zahlen.

Fazit

Ob man nun als vollbepackter Selbstversorger oder als unbeschwerter “Kreditkarten”-Graveler loszieht: In Deutschland sollte man sich schon bei der Etappenplanung Gedanken über die Übernachtung machen. Ein Zimmer bucht man besser schon vorab (spätestens am gleichen Tag morgens), dann steht man abends nicht vor vollen Betten und bucht zu einem transparenten Preis.

Doch auch für die Tarp-Variante lassen sich vorab in der topografischen Karte schon mal gute Wiesengelände an kleinen Bächen, Campingplätze oder 1Nitetent-Adressen (gratis zelten im Garten von Privatpersonen 1nitetent.com) auskundschaften.


Gitta Beimfohr

Gitta Beimfohr

Redakteurin

Gitta Beimfohr stieg während ihres Tourismus-Studiums ins BIKE-Reiseressort ein, als die Strada delle 52 Gallerie am Pasubio gerade für Mountainbiker gesperrt wurde. Seit Gitta die Alpen zwei Mal im Renntempo überquerte, mag sie am liebsten Mehrtagestouren – mit dem MTB in den Alpen oder per Gravelbike durch deutsche Mittelgebirge.

Meistgelesen in der Rubrik Touren