Alltagsrad, Commuter oder Randonneur: Für Rennräder mit Vollausstattung gibt es viele Bezeichnungen. Einigkeit herrscht in deren ganzheitlichem Ansatz. Dank fest montierter Schutzbleche, dynamobetriebener Lichtanlage und stabiler Gepäckträger sind sie für alltägliche Pendelfahrten und herbstliche Trainingsrunden einsatzbereit. Weil inzwischen die meisten dieser Räder auf Gravelbikes basieren, lassen sich die Untergründe spielerisch wechseln. Ein beliebter Vertreter des Rundum-Sorglos-Pakets für Radler ist das Bulls Daily Grinder, das wir in der Top-Version kurz vor dem kalendarischen Herbstanfang unter die Lupe genommen haben.
Wie bei vergleichbaren Rädern (siehe unten) bildet ein extrem steifer, langlebiger Alu-Rahmen die Basis. Das stark abfallende Oberrohr verschafft dem Bulls eine eigenständige Optik, zudem verspricht die Konstruktion mehr Komfort im Sattel durch die lang ausgezogene Sattelstütze, die dadurch theoretisch mehr flexen kann. Auf dem Prüfstand zeigt sich das nicht zwingend, doch in der Praxis werten die hochwertigen Reifen den Komforteindruck auf. Dank Tubeless-Bauweise lässt sich aus ihnen viel Federweg herauskitzeln, auch der Lenker liegt dank der geschmeidigen Gummis besser in der Hand, als es das unterdurchschnittliche Messergebnis ausdrückt. Breitere Pneus als die Serienreifen lassen die Schutzbleche nicht zu.
Dafür kommen die Schmutzfänger ihrem eigentlichen Auftrag exzellent nach und bleiben auch auf Holperpisten an Ort und Stelle. Das über einen Nabendynamo gespeiste Frontlicht der Eigenmarke Fuxon ist für Pendelfahrten ausreichend, auf düsteren Waldwegen könnte es allerdings etwas heller sein. Die Scheinwerfer mit Standlichtfunktion lassen sich entweder per Schaltknopf am vorderen Strahler aktivieren oder springen dank eines integrierten Tageslichtsensors automatisch an.
Dass ein vollausgestattetes Gravelbike, an das sogar eine Klingel geschraubt ist, kein Rad für Geschwindigkeitsrekorde darstellt, führt einem das zwölf Kilo schwere Bulls bei jeder Kurbelumdrehung vor Augen. Dafür punktet es mit solidem Geradeauslauf und extrem aufrechter, stadtverkehrstauglicher Sitzposition. Die große MTB-Kassette stellt ausreichend Berggänge zur Verfügung, die Sprünge zwischen den Gängen fallen jedoch groß aus. Abzüge gibt es für die einfachen Discs, die das Potenzial der Shimano-Bremsen nicht voll ausschöpfen können.
Neben der Top-Version bietet Bulls zwei Varianten mit einfacherer Ausstattung für 1.399 und 1.999 Euro an. Das Basismodell gibt es zudem als Tiefeinsteiger. Im Testzeitraum waren sowohl Räder aus dem aktuellen wie dem vergangenen Modelljahr verfügbar.
Gleich vier alltags- und geländetaugliche Ausstattungsvarianten finden sich im Sortiment des Hamburger Fahrradbauers. Die Top-Version (3.599 Euro) basiert auf einem Carbonrahmen, die übrigen Varianten (1.399 bis 2.299 Euro >> z. B. hier erhältlich) kommen mit robustem Alu-Chassis. Alle Modelle teilen sich eine eher aufrechte Sitzposition. Unter die stabilen Schutzbleche passen bis zu 45 Millimeter breite Stollenreifen.
Das voll ausgestattete Atlas ist mit geradem (1.699 Euro) oder Rennlenker (2.199 Euro) erhältlich. Basis ist ein robuster Alu-Rahmen mit wartungsfreundlicher 2x10-Schaltung. Laut Geometriedaten sitzt man recht neutral im Sattel. Alleinstellungsmerkmal ist der breite Mountainbike-Hinterbau. Das erhöht die Fahrstabilität, schränkt aber die Nachrüstoptionen ein. Ein Seitenständer rundet den Allround-Charakter ab.
Der Versandhändler bietet sein Gravelbike auch in zwei Full-Equipment-Varianten (1.599 und 1.799 Euro) an. Die Rahmengeometrie bringt den Fahrer in eine betont aufrechte Sitzposition. Im Vergleich zu aktuellen Schaltgruppen stehen ein bzw. zwei Ritzel weniger zur Verfügung. Klingel und Seitenständer zählen zum Lieferumfang, Schutzbleche und Gepäckträger stammen von der Cube-Eigenmarke Acid.
Das voll ausgestattete Backroad gibt es künftig nur noch als Alu-Version. Das Mehrgewicht von rund 800 Gramm gegenüber dem Carbonmodell basiert fast ausschließlich auf dem robusteren Rahmen, dessen Geometrie zudem komfortabler ausfällt. Ansonsten sind die Anbauteile fast identisch. Unter die Schutzbleche passen maximal 40-Millimeter-Pneus. Obwohl das Rose mit 2.499 Euro zu den teureren Commutern zählt, war es im Sommer komplett vergriffen. Das Rose Backroad AL EQ ist hier erhältlich.
Mit einer recht gestreckten Sitzposition spricht das Alltagsrad sportliche Fahrer an. Die Top-Variante (2.099 Euro) zeichnet sich durch einen leistungsstarken Frontscheinwerfer und eine LED-Sattelstütze aus. Zudem spart sie dank einer Carbongabel rund 300 Gramm gegenüber dem Basismodell (1.699 Euro). Beide Varianten kommen mit moderner Zwölffach-GRX und 40 Millimeter breiten Gravelreifen. Schutzbleche lassen sich nachrüsten.