Neues Canyon Endurace CFR 2026Allroad-Wettkampf-Rennrad für Paris-Roubaix

Jens Klötzer

 · 09.04.2026

Bereits im Vorfeld der Präsentation wurde das neue Endurace CFR unter anderem von Matthieu van der Poel bei den belgischen Klassiker-Rennen gefahren
Foto: Canyon
Canyon stellt wenige Tage vor dem wohl härtesten Radsport-Monument ein neues Endurace CFR vor, das in Zusammenarbeit mit Alpecin-Premier Tech speziell für den Einsatz bei Paris-Roubaix entwickelt wurde. Das profimäßig ausgestattete 9000-Euro-Rad soll die Renntauglichkeit eines Aeroad mit den Komfortansprüchen der Endurance-Kategorie verbinden. Günstigere und komfortabler ausgelegte Varianten sollen erst im Mai folgen.

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Schon in den vergangenen Wochen hatten die Rennfahrer um Matthieu van der Poel bei den Vorbereitungsrennen in Belgien das neue Endurance-Modell im Einsatz. Die nun offiziellen Herstellerinformationen bestätigen, was die ersten Bilder bereits vermuten ließen: Das neue Endurace von Canyon ist eine Abkehr vom Anspruch, eine Modellreihe allein auf die Bedürfnisse von Freizeitfahrern zuzuschneiden. Eine sehr aufrechte Sitzposition und extrem viel Fahrkomfort hatten das Modell bislang ausgezeichnet. Canyon entwickelte das neue Endurace CFR nun als Wettkampf-Rennrad für die härtesten Klassiker-Rennen, mit aerodynamischen Rahmenformen und aggressiver Sitzposition.

Rahmen und Konstruktion

Der neue Endurace CFR Rahmen verwendet ein Steuerrohrprofil, das aerodynamisch dem Aeroad CFR entspricht. Auch die Sattelstütze, das Unterrohr, die Gabel und der Hinterbau liegen optisch näher am aerodynamischen Wettkampfmodell als am zurückhaltenden Vorgänger. Canyon Design-Ingenieur Chris Senn erklärt, dass Rahmen und Geometrie des Endurace CFR aerodynamisch nahezu identisch mit dem Aeroad sind. Die breiteren Reifen und der erhöhte Komfort sollen aber die Ermüdung reduzieren.

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Eine sichtbare Änderung ist die Verjüngung im unteren Teil des Sitzrohres, die zum einen mehr Reifenfreiheit bringt, zum anderen wohl zum Federvermögen des Rahmens etwas beitragen soll. Die Reifenfreiheit des CFR beträgt 35 Millimeter am Rahmen und an der Gabel. Die erweiterte Reifenfreiheit ermöglicht den Einsatz moderner, breiter Reifen für mehr Volumen, Komfort und Grip auf rauen Oberflächen.

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Zusätzlich soll das Carbon-Layup gegenüber dem Aeroad verstärkt worden sein. Dadurch soll das Endurace CFR steifer ausfallen als das Aeroad und außerdem den Belastungen bei Kopfsteinpflaster-Rennen besser standhalten, was mit einer Vielzahl von Tests validiert wurde.

Erster Ausblick auf günstigere Varianten

Das Endurace CFR übernimmt auch die sportliche Geometrie von Aeroad und Ultimate. Die teuerste Variante ist damit deutlich als Wettkampf-Modell positioniert. Die CF SLX und CF Modelle, deren Details erst im Mai präsentiert werden, behalten dagegen eine aufrechtere Geometrie bei, wie sie vom bisherigen Endurace bekannt ist. Dabei soll das CF SLX ersten Informationen ebenfalls einen neuen Rahmen bekommen, während das CF auf der Rahmenform des Vorgängers basiert.

Die noch größere Reifenfreiheit von 38 Millimetern beim CF SLX erfordert außerdem einen längeren Radstand und eine längeren Vorderbau - auch, um Kontakt zwischen Reifen und Fußspitze zu vermeiden. Die effektiven Stack- und Reach-Werte bleiben dennoch nahezu identisch für die gleiche Sitzposition, was mit kompakten Lenkern mit 10 Millimeter kürzerem Reach erreicht werden soll. Das neue Endurace CF SLX in Größe M hat 418-Millimeter-Kettenstreben und einen Radstand von 1009 Millimetern, verglichen mit 415 und 993 Millimetern beim Vorgänger. Damit dürfte sich die neue Version etwas spurstabiler geben als bisher. Nach ersten Informationen soll das neue Endurace CF SLX auch mit Schutzblechen kompatibel sein und über ein integriertes Staufach im Rahmen verfügen.

Aerodynamik und Windkanal-Tests

Doch zurück zum Van-der-Poel-Boliden: Canyon testete das Endurace CFR im GST Windkanal in Immenstaad, den auch TOUR für seine Aerodynamik-Tests nutzt. Bei 45 km/h erreicht das Endurace CFR laut Canyon einen durchschnittlichen Systemwiderstand von 205 Watt, nur ein Watt über dem Aeroad CFR, das bei 204 Watt liegt. Der Testaufbau beinhaltete zwei 600-ml-Flaschen mit Haltern, DT Swiss ARC 1100 Laufräder mit 65 mm Felgenhöhe, einen Continental Aero 111 Reifen mit 29 mm vorne und einen Continental 5000 S TR mit 30 mm hinten.

Komfort-Plus durch VCLS Aero Sattelstütze

Canyon entwickelte mit der SP0093 VCLS Aero nach eigener Aussage die erste Aero-Sattelstütze, die Geschwindigkeit mit Komfort verbindet. Form und Carbon-Layup sind so optimiert, dass die Sattelstütze 25 Prozent mehr vertikale Nachgiebigkeit bietet als ein starres Äquivalent. Das Scott Foil oder das Merida Reacto nutzten aber bereits vergleichbare Konstruktionen. Die Konstruktion stellt sicher, dass die Sattelstütze unabhängig vom Auszug die gleiche Auslenkung bietet, was allen Fahrern konsistenten Komfort garantiert. Die Auslenkung der Canyon-Stütze beträgt 125 N/mm. Damit wäre das Fahrwerk deutlich straffer abgestimmt als bisher, das vorherige Endurace lieferte in unseren Tests Messwerte deutlich unter 100 N/mm.

Positionsanpassung über neue Cockpits

Das Endurace CFR nutzt standardmäßig den CP0048 PACE Bar mit klassischem Unterlenker. Die patentierte Technologie ist bereits von anderen Modellen bekannt und ermöglicht einfache Positionsanpassungen, indem sich Lenkerbreite und -höhe relativ schnell mit einem Minitool verstellen lassen. Gabelschaft-Kürzungen, übermäßige Spacertürme oder das Entlüften der Bremsen entfallen dabei. Mit 50 mm Breitenvariabilität und 20 mm Höhenverstellung bietet ein Cockpit 15 verschiedene Fit-Konfigurationen. 2026 wird PACE zu einem Ökosystem mit drei verschiedenen Unterlenker-Formen erweitert, um Fit und Fahrgefühl individuell anzupassen.

Der neue CP0053 RACE Bar debütiert mit dem Endurace CFR als Anpassungsoption im MyCanyon Individualisierungsprogramm. Es ist eine einteilige, nicht verstellbare Konstruktion und der Lenker, den auch die Profis im Renneinsatz fahren. Er lässt sich auch an allen bisherigen Aeroad-, Ultimate- und Endurace-Modellen nachrüsten. Das V-förmige Design bringt den Fahrer in eine deutlich gestrecktere Sitzposition: 20 Millimeter niedriger und zehn Millimeter länger wird die Position für die Hände.

Der RACE Bar ist zudem leichter und aerodynamischer: Er wiegt 350 Gramm und damit 120 Gramm weniger als der PACE Bar. Im Windkanal spart er 2 Watt bei 45 km/h gegenüber dem PACE Bar auf dem gleichen Rahmen. Der RACE Bar ist in Vorbaulängen von 80 mm bis 140 mm verfügbar, mit Breitenoptionen von 350 mm und 375 mm. Der Drop beträgt 116 mm, der Flare 14°.

Ausstattung und Komponenten

Das Endurace CFR ist zum Marktstart in zwei Ausstattungsvarianten erhältlich, die sich nur in der Schaltgruppe unterscheiden: Mit Shimano Dura-Ace oder SRAM Red AXS kostet es jeweils 8999 Euro. Beide Modelle rollen auf DT Swiss ARC 1100 Laufrädern mit 65 Millimeter Felgenhöhe und Pirelli P Zero RS Reifen in 35 Millimeter Breite. Beide Versionen sind in sechs Größen von 2XS bis XL verfügbar und wiegen jeweils 7,5 kg bei einem Preis von 8.999 Euro. Günstigere Varianten der Endurace-Reihe sollen im Mai auf den Markt kommen.



Jens Klötzer

Jens Klötzer

Redakteur

Jens Klötzer ist gelernter Wirtschaftsingenieur und bei TOUR der Experte für Komponenten aller Art: Bremsen, Schaltungen, Laufräder oder Reifen – alles testet Jens auf Herz und Nieren. Er sammelt historische Rennräder, besitzt sowohl ein modernes Zeitfahrrad wie ein Gravel-Reise-Rennrad aus Titan. Auf Reisen erkundet er gern unbekannte Straßen in Osteuropa – auf breiten, aber schnellen Reifen.

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