| Gewicht | 8.75 kg |
| Schaltung | SRAM Rival AXS |
| Bremse vorne | SRAM Rival |
| Laufradsatz | DT-Swiss E 1800 |
| Reifen vorne | Vittoria Rubino Pro Graphene 2.0 28-622 |
Cannondale und Aluminium waren lange untrennbar verbunden. Die US-Marke, die seit 2021 zum niederländischen Branchenriesen Pon (u.a. auch Cervélo, Focus, Santa Cruz) gehört, gilt als Pionier des Aluminium-Rahmenbaus: Die Konstruktionsgeschichte mit dem Material reicht bis ins Jahr 1983 zurück. In den 90er-Jahren wurde der markante Schriftzug mit hochwertigen Alu-Rahmen vor allem mit Mountainbikes berühmt, die in den USA von Hand geschweißten Modelle zu begehrten Kultobjekten erhoben. Im Straßensport konnte Cannondale mit besonders leichten und steifen Exemplaren selbst noch in den Nuller-Jahren Akzente setzen, als der Großteil des Pelotons bereits auf Carbonrahmen fuhr. Den letzten Profisieg auf einem Aluminiumrahmen fuhr Damiano Cunego 2004 auf einer Etappe des Giro d’Italia ein, mit einem Cannondale CAAD8. Der Ruf des sportlichen, robusten und preiswerten Underdogs erhielt auch den späteren Modellen eine zwar zunehmend überschaubare, aber besonders treue Fan-Gemeinde – selbst dann noch, als 2010 mit dem CAAD10 die Produktion kostensparend nach Asien verlagert wurde.
Mit dem neuen CAAD14 will Cannondale nun zumindest diese kleine Klientel wieder abholen. Denn dass Aluminium heute noch eine ernstzunehmende technische Konkurrenz zu Carbon darstellt, das würden selbst stoische Carbon-Verweigerer nicht mehr behaupten. Längst basiert ja auch das Cannondale-Sortiment überwiegend auf Kohlefaserrahmen. Um die CAAD-Rahmen – CAAD steht für Cannondale Advanced Aluminium Design – war es in den vergangenen Jahren auch immer ruhiger geworden. Das zuletzt 2019 erneuerte CAAD13 griff die Silhouette des Carbonmodells SuperSix auf, mit Aero-Formen, fließenden Rohrübergängen und tief angesetzten Sitzstreben. Auch war es nur mit relativ preiswerten Ausstattungen zu haben, was die Kompletträder vergleichsweise schwer und unattraktiv machte.
Insofern wirkt die jetzige Neuvorstellung wie eine Rückbesinnung auf alte Werte: Das CAAD14 hebt sich mit der klassisch gehaltenen Geometrie – mit waagerechtem Oberrohr und Sitzstreben, die am Sattelknoten ansetzen – wieder sichtbar vom Carbon-Einerlei ab. Auch die modernen aerodynamischen Formen sucht man vergebens. Das armdicke Unterrohr signalisiert maximale Steifigkeit bei wenig Gewicht, einst die wesentlichen Tugenden der CAAD-Modelle. Die Verarbeitung wirkt top: Unsichtbare, weil penibel verschliffene Schweißnähte an den Rohrknoten zeugen vom hohen Qualitätsanspruch.
In seinen besten Zeiten konnte ein CAAD-Renner unter 7,5 Kilogramm wiegen, das Rahmengewicht des CAAD12 lag unter 1.200 Gramm. Unser aktuelles Testrad kann da leider nicht mehr mithalten. Das hat zum einen mit dem Stand der Technik zu tun: Breitere Reifen, Scheibenbremsen und integrierte Leitungen fordern ihren Tribut und machen das Rad im Vergleich zu früher schwerer. Unser Mittelklasse-Exemplar mit elektronischer SRAM Rival AXS muss zudem mit schweren Anbauteilen auskommen, was den Vergleich zu leichter ausgestatteten früheren Exemplaren schwierig macht. Allein an den Laufrädern ließe sich bis zu einem Kilogramm sparen. Beim Alu-Rahmen können wir keinen technologischen Sprung feststellen: Cannondale selbst gibt das Gewicht mit gut 1.400 Gramm an, was deutlich über dem Fabelwert eines CAAD12 Disc liegt. Das ist für einen Alu-Rahmen immer noch leicht; die meisten heutigen Exemplare der Mitbewerber sind eher billig gemacht und deutlich schwerer gebaut.
Das hohe Gesamtgewicht von knapp neun Kilogramm schlägt sich auch im Fahrverhalten nieder. Das Rad beschleunigt träge und wirkt in Kurven schwerfällig, was wir in erster Linie den schweren Laufrädern zuschreiben. So recht wollen die vergleichsweise lang gestreckte Sitzposition und das eher gemütliche Fahrverhalten nicht zusammenpassen. Testweise mit einem Satz leichter Carbonfelgen ausgestattet, wird das Rad etwas lebendiger, ist aber noch immer spürbar behäbiger als moderne Carbonrenner. Beruhigend steif ist das Chassis, die Fuhre liegt bei hohem Tempo ausnehmend stabil auf der Straße, auch wenn der Belag uneben wird. Der Komfort allerdings ist mäßig, mit einer Alu-Stütze und ihrem aufgrund der Rahmenform recht kurzem Auszug sind eben keine Wunder drin. Breitere Reifen als die verbauten 28er wären eine Maßnahme, bringen aber noch mehr rotierende Masse mit sich.
Zwar schaltet und bremst das Rad hervorragend und die Kontaktpunkte wie Lenker und Sattel sind bequem, wirklich nörgeln können wir über die Ausstattung nicht. Aber wir müssen konstatieren, dass sich das CAAD14, von der komfortablen Schaltung und den viel besseren Bremsen abgesehen, beinahe fährt wie ein Rennrad vor 15 Jahren. Während sich Carbon in vielen Belangen weiterentwickelt hat – die Rahmen sind deutlich leichter, spürbar komfortabler und messbar aerodynamischer geworden – hat bei Aluminium die technische Entwicklung vor ungefähr zehn Jahren angehalten. Daran kann auch die neue Auflage einer Legende nichts ändern.
Der Preisunterschied zu vergleichbar ausgestatteten Carbonrädern ist, wohl aufgrund der geringen Stückzahlen, zudem nicht mehr sehr groß. Es bleiben das simple wie wartungsfreundliche Design und die robuste Basis als Kaufargumente; selbst Stürze können Alu-Rahmen erfahrungsgemäß wenig anhaben. Dazu gesellt sich das Understatement-Gefühl, etwas anderes als das Carbon-Einerlei zu fahren. Den größten Fahrspaß verspricht die Top-Version CAAD14 1, deren Rahmen ohne farbige Lackierung immerhin 130 Gramm leichter sein soll. Mit einer Lenkereinheit und Laufrädern aus Carbon soll sie weniger als acht Kilogramm wiegen. Mit einem SRAM Force 1x13-Antrieb ist sie allerdings recht speziell ausgestattet, 50-Zähne-Kettenblatt und 10-46-Kassette erfordern in die Bergen stramme Waden. Mit knapp 7.500 Euro ist sie auch nicht wesentlich günstiger als vergleichbar ausgestattete Bikes mit Carbonrahmen. Für das Einstiegsmodell mit mechanischer 105 werden 2.499 Euro aufgerufen. Wer mit einer Profi-Ausstattung liebäugelt, um dem CAAD14 wieder mehr Rennfeeling zu verpassen, kann ein Rahmen-Set für 1.799 Euro zum Selbstaufbau kaufen. Für viele, die leichte Top-Komponenten vorrätig haben, dürfte das die attraktivste Variante sein, damit ließe sich das Gewicht auch wieder auf 7,5 Kilogramm drücken.

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