| Gewicht | 7.79 kg |
| Schaltung | SRAM Force AXS |
| Bremse vorne | SRAM Force |
| Laufradsatz | Reserve 40/44 |
| Reifen vorne | Vittoria Corsa N.EXT Graphene TR 700 x 30c |
Die Marke Cervélo ist Radsport-Fans vor allem als Ausrüster der Mannschaft Visma-Lease a Bike um die prominenten Athleten Jonas Vingegaard und Wout van Aert ein Begriff. Das markante Aero-Rennrad S5 gehört zu den schnellsten Boliden im Peloton, mit dem R5 bauen die Kanadier einen der leichtesten Rennradrahmen auf dem Markt. Weniger präsent sind die nicht so extremen Modelle der Caledonia-Reihe, die mit viel Komfort Langstreckenradlerinnen, Allwetterfahrer und Granfondo-Enthusiasten abholen sollen. Nachdem der Fahrradbauer die exklusivere Version des Endurance-Straßenrenners, das Caledonia-5, schon 2024 erneuert hat, ist nun auch das „normale“ Caledonia an der Reihe. Die Version ohne „-5“ soll dabei etwas einfacheren Ansprüchen genügen, dafür aber deutlich günstiger sein als der hochwertige Langstreckenrenner von Cervélo. Der ist mit mindestens 5.500 Euro kein Schnäppchen, zumal zum Einstiegsreis die einfache elektronische SRAM-Rival-Gruppe und preiswerte Aluminiumlaufräder verbaut sind. Mit Top-Ausstattung kann das Caledonia-5 gar fünfstellige Beträge kosten, so viel wie ein Profirenner. Dagegen klingt das Angebot des „einfachen“ Caledonia fast verlockend: Bis zu 1.500 Euro kostet es bei vergleichbarer Ausstattung weniger.
Unser Testrad mit SRAM Force AXS – gleichzeitig die teuerste Version in dieser Modellreihe – kostet exakt 1.000 Euro weniger als das Caledonia-5 mit vergleichbarer Spezifikation. Auf den ersten Blick kommt das Rad sehr hochwertig daher; mit den markentypischen Aero-Formen, toll verarbeitet und mit edler Matallic-Lackierung wird es dem Premium-Anspruch der Marke gerecht. Gegenüber dem Caledonia-5 muss das Rad aber auf so manches Feature verzichten, das in der Fertigung Geld kostet: So fehlt dem Caledonia das integrierte Staufach im Unterrohr, das Platz für eine Tasche mit Ersatzschlauch und Werkzeug bietet. Statt der speziellen Komfortstütze mit D-förmigem Querschnitt ist eine runde Standardstütze montiert. Auch die Bremsleitungen sind nicht so aufwendig integriert, sie laufen unter dem Vorbau entlang in die Steuersatzkappe. Selbst Befestigungsösen für eine Oberrohrtasche wurden eingespart, die das Vorgängermodell noch hatte.
Pragmatiker dürften sich lediglich am fehlenden Staufach stören, denn die klassische Stütze und die teilintegrierten Leitungen bedeuten umgekehrt, dass sich der Aufwand bei Einstellarbeiten in Grenzen hält. Immerhin verfügt auch das günstige Caledonia über die cleveren Befestigungsmöglichkeiten für Schutzbleche, die mit speziellen Kleinteilen und einer Brücke für die Sitzstreben fest installiert werden können. Einen weiteren Unterschied zum Caledonia-5 markiert die Sitzposition: Während die teurere Variante zu den eher sportlich ausgelegten Vertretern des Genres gehört, fällt unser Testrad deutlich komfortabler aus. Zwar sind die Rahmenmaße beider Varianten bis auf den Millimeter identisch. Doch die andere Steuersatzkappe, die für die Leitungsführung zwingend notwendig ist, positioniert den Lenker des günstigeren Caledonia fast zwei Zentimeter höher. Von der aufrechteren Sitzposition abgesehen fühlen wir uns in Fahrt aber stark an das teurere Modell erinnert, das wir vor genau einem Jahr im Test hatten.
Das Rad folgt unaufgeregt und souverän der Spur; die Lenkung wirkt gut abgestimmt, das Caledonia läuft solide geradeaus. Der beim Vorgängermodell bemängelte geringe Komfort am Sattel hat sich nur leicht verbessert; das Einstiegsmodell, das mit einer Alu-Stütze ausgestattet ist, dürfte sich noch deutlich härter fahren. Der Rahmen lässt Reifen bis zu 36 Millimeter Breite zu, womit sich das Rad komfortabler abstimmen ließe. Unser Testrad kommt mit 30 Millimeter breiten Vittoria Corsa N.ext, die ordentlich laufen, aber nicht ganz so geschmeidig wie Top-Pneus. Interessanterweise gibt es beim Gewicht kaum einen Unterschied, das Caledonia-5 mit Ultegra-Gruppe wog fast punktgenau so viel wie das aktuelle Testrad mit vergleichbar schwerer Force-Gruppe. Auch in den anderen Disziplinen ist die günstige Variante weder besser noch schlechter, womit das Rad die gleiche Endnote einheimst. Das klingt nach einem Schnapper, gilt aber nur, wenn man die „weichen“ Kriterien unterschlägt, die das Caledonia-5 noch etwas hochwertiger wirken lassen: Der angenehm zu greifende Carbonlenker etwa, das bereits angesprochene Staufach oder die im Detail noch etwas cleanere Optik. Wer darauf verzichten kann, aber Wert auf den stolzen Schriftzug einer Premiummarke legt, findet im Caledonia einen zuverlässigen Begleiter ohne technische Schwächen zum konkurrenzfähigen Preis. Die günstigste Variante schaltet mit mechanischer 105 für 2.999 Euro, mit elektronischer Schaltung von Shimano (105 Di2) oder SRAM (Rival AXS) werden ebenfalls faire 3.999 Euro fällig.

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