Marathonbike / Endurance RennradEinzeltest: Focus Izalco Max Team AG2R

Unbekannt

 · 16.10.2013

Einzeltest: Focus Izalco Max Team AG2RFoto: Markus Greber

Focus knüpft hohe Erwartungen an den neuen Izalco Max. Der superleichte High-End-Rahmen soll die Marke bei Technik und Image aufs höchste Niveau heben. Wir haben den Newcomer in Labor und Praxis gründlich durchleuchtet.

Als Christophe Riblon, Radprofi im AG2R-Team, am viertletzten Tag der diesjährigen Tour de France die Königsetappe nach Alpe d’Huez gewann, knallten nicht nur in Frankreich die Champagner-Korken. Auch im niedersächsischen Cloppenburg, am Sitz des Radherstellers Focus, löste der Sieg des Franzosen überschäumende Freude aus. Lange hatte die Marke, seit Anfang 2013 Ausrüster von AG2R, auf einen Erfolg dieses Kalibers warten müssen. Die bisher von Focus gesponserten Teams – Milram, Katjuscha und Aqua & Sapone – waren sportlich eher hinter den Erwartungen geblieben. Doch mit AG2R scheint es in dieser Saison endlich zu passen. Zudem hätte das Timing von Riblons Triumph kaum besser sein können.

Fast zeitgleich mit dem Überraschungserfolg enthüllte Focus, mit welchen Modellen die Marke 2014 durchstarten will. Große Hoffnungen ruhen dabei auf dem neuen Izalco Max. Das 2009 vorgestellte Vorgängermodell war der erste Versuch, im High-End-Segment Fuß zu fassen. Trotz angenehmer Fahreigenschaften blieb ein durchschlagender Erfolg des Rades jedoch aus. Im Vergleich mit den Top-Modellen der Konkurrenz war der Rahmen deutlich zu schwer. Im Lastenheft für den Izalco Max stand daher zu allererst, das Gewicht deutlich zu reduzieren. Das Team um Chef-Entwickler Thomas Trapp hat dabei ganze Arbeit geleistet. Mit gewogenen 789 Gramm in Größe 56 zählt der neue Rahmen auf Anhieb zum exklusiven Kreis von Rahmen unter 800 Gramm.

Dass Focus künftig in einem Atemzug mit Namen wie Cervélo, Cannondale und Trek genannt werden muss, ist für sich gesehen schon eine Nachricht. Damit nicht genug: Auch in den anderen messbaren Kategorien lässt der Izalco Max nichts liegen. Mit 103 Newtonmetern pro Grad ist der Rahmen im Lenkkopf ebenso überragend steif wie mit 62 Newton pro Millimeter im Tretlager. Bei den Komfortwerten gibt es noch etwas Luft nach oben, wobei der Rahmen dennoch keineswegs enttäuscht.

KEIN MODISCHER SCHNICKSCHNACK

Die Focus-Konstrukteure verliehen ihrem Flaggschiff eine zurückhaltende Linie. Das vergleichsweise waagerechte Oberrohr sowie die außenliegenden Brems- und Schaltzüge unterstreichen den Charakter eines reinen Renngerätes ohne jeden modischen Schnickschnack. Die außerordentlich leichte Gabel (300 Gramm) wurde speziell für den Rahmen entwickelt; unter einem massiven Kopf verjüngen sich die Scheiden stark, ihre Durchmesser sind filigran wie bei einer Stahlgabel. Was man dem Rahmen nicht ansieht: Jede Größe wurde eigens konstruiert. Die Rohrdurchmesser und dementsprechend die Steifigkeitswerte variieren mit der Rahmengröße. Große Rahmen sind steifer, kleinere etwas weniger steif; da kleine Rahmen in der Regel eher leichte Fahrer oder Fahrerinnen tragen, ist das absolut plausibel. Im Sattel springt der Funke sofort über.

Das Testrad, ein 7.000 Euro teures Replica-Modell des AG2R-Teamrades mit mechanischer Super-Record-Gruppe von Campagnolo, gefällt mit hoher Laufruhe, dämpft angenehm und lässt sich wendig lenken. Wegen des geringen Gewichts von 6,0 Kilo fährt sich das Rad ausgesprochen antritts- und kletterfreudig. Entsprechend viel Laune machte die ausgedehnte Proberunde beim Arber-Radmarathon, auf der auch die Ausstattung einen prima Eindruck hinterließ. Die Kombination aus Super-Record-Bremsen und Schlauchreifen-Laufrädern der Campa-Tochtermarke Fulcrum zeigt sich stark verbessert. Eine neue Oberflächenbehandlung der Bremsflanken sowie neue, auf Carbon abgestimmte Bremsbeläge (mit roter Färbung) erhöhen deutlich die Bremskraft. Dabei bleiben die Bremsen gut dosierbar, der Belag verschleißt normal.

Focus startet das Izalco-Max-Programm zunächst mit fünf Ausstattungsvarianten. Der Einstieg beginnt mit der Variante 3.0 mit der SRAM-Red-Gruppe für 5.000 Euro. Am oberen Ende der Palette rangiert das 5,4 Kilo leichte Izalco Max 0.0 mit Tuning-Teilen von THM und ultraleichten Laufrädern von DT Swiss. Es steht sinnbildlich für das neue Denken bei Focus. Bescheidenheit war gestern, heute strebt die Marke nach Höherem. Das Izalco Max macht da einen vielversprechenden Anfang.

Preis Komplettrad 6.999 Euro
Gewicht 6,0 Kilo
Erhältlich im Fachhandel

Rahmengrößen*** 48, 50 , 52, 54, 56, 58, 61cm
Sitz-/Lenkwinkel 73,5°/74°
Sitz-/Ober-/Steuerrohr 565/565/161mm plus 19mm Steuersatzkappe
Radstand/Nachlauf 990/50mm
Stack/Reach/STR**** 566/400mm/1,42

AUSSTATTUNG
Lenklager Acros, oben 1-1/8, unten 1-1/4 Zoll
Bremsen/Schaltung/Tretlager Campagnolo Super Record (53/39 Z., Press-Fit 30)
Laufräder/Reifen Fulcrum Racing Light XLR/Schwalbe Ultremon HT (Schlauchreifen)
Lenker/Vorbau Fizik Cyrano R3/Fizik Cyrano R3
Sattel/-stütze Fizik Arione/Fizik R1 (27 ,2 mm)

MESSWERTE & EINZELNOTEN
Gewicht Komplettrad 6,0kg (o. Pedale)
Gewicht Rahmen/Gabel/Steuerlager**** 789/298/69g
Normiertes Gewicht Rahmen-Set***** 1.176g: 1,0
Lenkkopfsteifigkeit 103 Nm/°: 1,0
Seitensteifigkeit Gabel 55 N/mm: 1,0
Tretlagersteifigkeit 62 N/mm: 1,0
Komfort Rahmen 130 N/mm: 1,7
Komfort Gabel 87 N/mm: 4,0

  Focus Izalco Max Team AG2R 2014Foto: Philipp Schieder
Focus Izalco Max Team AG2R 2014
Foto: TOUR Magazin
Foto: TOUR Magazin

* In die Gesamtnote gehen das Rahmen-Set mit 40 Prozent, die Ausstattung mit 60 Prozent ein. In diese Bewertung fließen Einzelnoten ein, die wir aus Platzgründen nur zum Teil abdrucken. Die Noten werden bis zur Endnote mit allen Nachkommastellen gerechnet; zur besseren Übersichtlichkeit geben wir aber alle Noten mit gerundeter Nachkommastelle an.
** Herstellerangaben; Testgröße fett.
*** Stack/Reach: projiziertes senkrechtes/waagerechtes Maß von Mitte Tretlager bis Oberkante Steuerrohr; STR (Stack to Reach): 1,36 bedeutet eine sehr gestreckte, 1,60 eine aufrechte Sitzposition.
**** Gewogene Gewichte.
***** Bereinigtes Gewicht für Rahmengröße 57 cm und Gabelschaftlänge 225 mm.