Die “Allroadisierung” des Marathonrads macht auch vor der Roadmachine nicht halt. Von der Rahmengeometrie über die Reifenfreiheit bis hin zum Staufach für ein Pannenset: Die neue Version des langstreckentauglichen Modells greift typische Merkmale der noch jungen Rennrad-Gattung auf und verwässert die Trennlinie zum Gravelbike. Die dritte Generation der Roadmachine, dessen Urahn das 2012 präsentierte Granfondo ist, deckt qua Ausstattungsvariante ein breites Spektrum ab und soll ein Rad für Alles sein. Entgegen der Modellbezeichnung nimmt das BMC nicht nur asphaltierte Wege unter die Reifen, sondern fühlt sich auch auf Schotterwegen heimisch.
Zwar konnte TOUR das neue Modell vor der offiziellen Vorstellung noch nicht ausführlich in Labor und Praxis testen, doch allein die riesige Reifenfreiheit deutet daraufhin, welche Richtung die Roadmachine einschlägt. Bis zu 40 Millimeter breite Schlappen passen durch Gabel und Rahmen - die Gummis an aktuellen Gravelbikes sind nicht viel breiter. Das BMC ist damit für Geländefahrten gewappnet oder nimmt Offroad-Pisten bereits ab Werk unter die Reifen. Denn neben den klassischen Straßenversionen - Roadmachine 01 und Roadmachine rollen auf 30-Millimeter-Pneus - bietet der Fahrradbauer aus Grenchen wie bislang auch Geländevarianten an. Die mit einem X im Modellnamen gekennzeichneten Bikes kommen serienmäßig mit 34 Millimeter breiten Profilreifen. Beim Vorgänger beschränkte BMC die maximale Reifenfreiheit noch auf 33 Millimeter.
Bei der Rahmengeometrie setzt die Entwicklungsabteilung um Chefingenieur Stefan Christ auf eine etwas entspanntere Sitzposition als bislang: Bei fast allen Rahmengrößen ist der Stack (tatsächliche Rahmenhöhe) um knapp zehn Millimeter größer, der Reach (tatsächliche Rahmenlänge) nimmt dagegen etwas ab. Dadurch sitzt der Fahrer aufrechter, wobei die Roadmachine mit einem STR-Quotienten von 1,53 (Größe 56) weiter zu den sportlicheren Modellen im Segment der Marathon- bzw. Allroad-Bikes zählt. Vergleichbare Räder wie das Canyon Endurace (1,58), Giant Defy (1,57) oder Specialized Roubaix (1,56) bieten eine aufrechtere Sitzposition. Der lange Radstand und etwas längere Kettenstreben sprechen für einen guten Geradeauslauf, mit breiteren Reifen verstärkt sich dieser Effekt und das Fahrverhalten kann für ein nominelles Straßenrad etwas träge werden.
Die Top-Modelle (Roadmachine 01) profitieren beim Gewicht neben der Ausstattung von einer hochwertigeren Carbonqualität und bringen laut Herstellerangabe in Rahmengröße 54 zwischen 7,2 und 7,8 Kilogramm auf die Waage. Der sogenannte Premium-Carbon-Rahmen wiegt weniger als 1000 Gramm, die Gabel liegt bei knapp 450 Gramm. Die Basisversionen (Roadmachine) wiegen über 8,0 Kilogramm, für die geländetauglichen Varianten (Roadmachine 01 X, Roadmachine X) nennt BMC Komplettradgewichte zwischen 8,0 und 8,9 Kilogramm. Die sogenannten AMP-Modelle mit Motor von TQ starten bei 12,4 Kilogramm.
Zum Federkomfort machen die Schweizer, die in der aktuellen Saison nicht mehr in der World Tour vertreten sind, keine konkreten Angaben. Weil BMC aber auch bei der Sattelstütze auf unterschiedliche Carbonqualitäten setzt und nur bei den High-End-Straßenrädern Cockpits bzw. Lenker aus Kohlefaser verbaut sind, dürfte die Roadmachine 01 etwas geschmeidiger über Holperpisten rollen.
Montagepunkte für Schutzbleche und eine Oberrohrtasche zählen im Segment der Marathonräder schon länger zum guten Ton und zeichnen auch die Roadmachine aus. Das ins Unterrohr integrierte Staufach ist dagegen noch vergleichsweise selten in dieser Kategorie. Ein passendes LED-Rücklicht, das an der Sattelstütze befestigt und per USB geladen werden kann, rundet den Charakter als “Vielseitigkeitsrad” ab. Zudem bietet BMC als Zubehör ein kleines Schutzblech an, das wie die bekannten Modelle von Ass Saver unter dem Sattel befestigt werden kann.
Kleines Manko: Nicht alle Ausstattungsvarianten im etwas unübersichtlichen Portfolio bieten den vollen Zusatznutzen. Feste Schutzbleche lassen sich nur an der Roadmachine und Roadmachine X montieren, das Rücklicht ist serienmäßig lediglich bei der Roadmachine 01 und Roadmachine 01 X an Bord. Bei der motorisierten Roadmachine 01 AMP und Roadmachine 01 AMP X ist aufgrund des integrierten Akkus kein Platz für ein Staufach, auch die maximale Reifenfreiheit ist mit 38 Millimetern etwas kleiner.
Insgesamt 13 Ausstattungsvarianten in sechs Rahmengrößen bringt BMC auf die Straße, wobei die Top-Modelle erst Anfang Mai verfügbar sein sollen. Fast alle Räder schalten per Knopfdruck mit Antrieben von Shimano oder SRAM, einzig die Roadmachine Five kommt mit mechanischer Schaltung. In den einsteigerfreundlichen Modellen stecken robuste Alu-Laufräder. Alle anderen Varianten kommen mit Carbon-Laufradsätzen.
Bis auf das Top-Modell (Roadmachine 01 Two) setzen die Schweizer auf geklemmte Lenker-Vorbau-Kombis mit teilintegrierten Leitungen. Wartung und Positionsanpassung bleiben dadurch relativ unkompliziert. Die geländetauglichen Maschinen zeichnet ein gefederter Vorbau aus: Die Co-Produktion von BMC und US-Komponentenspezialist Redshift soll bis zu 20 Millimeter Federweg bieten. Die Das System kommt bereits bei ausgewählten Modellen des Gravelbikes Urs zum Einsatz und führt zu einer noch etwas aufrechteren Sitzposition als bei den Konstruktionen mit herkömmlichen Vorbauten.
Die Basismodelle kosten zwischen 3299 und 5699 Euro. Für die 01-Varianten werden zwischen 7999 und 12999 Euro fällig. Die motorisierten Bikes liegen zwischen 7999 und 8999 Euro.

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