Auf der diesjährigen Cyclingworld konnten wir das Scott Addict RC SUB5 von Dangerholm bestaunen - ein Rennrad, das die 5-Kilo-Schallmauer durchbricht. Storck kommt mit seinem Aernario.3 Platinum Max Performance auf 5,3 Kilo, produziert das Rad dafür aber in Serie. Die Bedeutung von geringem Gewicht im Rennsport schlägt nun immer mehr auf den Gravel-Sektor über. Im vergangenen Jahr konnten wir gleich mehrere Gravelbikes testen, die die 8-Kilo-Marke knacken.
Das Canyon Grail CFR Di2 wurde im Testzeitraum Januar bis Dezember 2023 mit einem Gewicht von 8150 Gramm zum leichtesten Gravelbike des Testjahres gekürt. Das Gravelbike zeichnet sich durch sein Aero-Cockpit aus, das den Doppellenker der Vorgängers verdrängte und im Test positiv auffiel. Auch der Komfort und die Dämpfung sind hervorzuheben, obwohl die Carbon-Sattelstütze im Tubeless-Setup zum Wippen neigen kann, was schwerere Fahrern bedenken sollten. Das Grail CFR Di2 kombiniert Leichtigkeit, Steifigkeit und aerodynamische Optimierung und bietet Befestigungsmöglichkeiten für Gepäck und Schutzbleche, was in der Race-Kategorie unüblich, jedoch praktisch ist. Besonders die Steifigkeitswerte sind herausragend, am Ende steht die TOUR-Gesamtnote 1,5.
Das Stevens Camino RS Pro AXS ist leichter und agiler als das bisherige Modell Camino, mit einem gewichtssparenden Carbonrahmen ohne Bikepacking-Ausstattung und aerodynamischen Rohrformen. Dadurch eignet sich das Camino RS speziell für Gravelrennen und schnelle Fahrten im Gelände. Es bietet eine ausgewogene Lenkgeometrie, die sowohl Laufruhe als auch Agilität bietet. Das Fahrwerk ist sportlich-straff abgestimmt, die Carbonstütze steckt feine Vibrationen gut weg, wippt aber nicht wie extreme Komfortstützen mancher Adventure-Gravelbikes. Auch die Sitzposition ist trotz der sportlichen Ausrichtung etwas komfortabler. In der Gesamtbewertung erreicht das Gravelbike die TOUR-Note 1,8.
Das Kaius 01 LTD versteht sich als astreine Rennmaschine, die auch auf Asphalt eine schnelle Gangart erlaubt und so manchem Straßenrad davonfährt. Durch das geringe Gewicht von lediglich 7,7 Kilogramm und erstklassigen Steifigkeiten lässt sich das Kaius spielerisch auf Tempo bringen. Passend zum Race-Charakter wird auf schwere Federsysteme verzichtet, wodurch der “Rote Blitz” auf Unebenheiten naturgemäß direkter reagiert. Speziell an der Lenker-Vorbau-Einheit kann es auf Holperpisten ordentlich ruckeln. Für mehr Komfort lassen sich jedoch bis zu 44 Millimeter breite Reifen nachrüsten. Spartanisch ist auch das Rahmen-Set, einzig am Oberrohr lässt sich eine kleine Tasche anschrauben. TOUR-Note: 1,6.
Das Merida Mission 10K knackt die 8-Kilo-Marke noch deutlicher und besticht durch seine rennradähnliche Performance. Das Gravelbike punktet auf Asphalt, lässt jedoch durch die schmalen 40-mm-Reifen und die straffe Übersetzung in rauem Terrain einiges liegen, was es eher für den Wettkampfeinsatz auszeichnet. Befestigungsösen und ein nützliches Staufach sorgen wiederum für die Alltags- und Abenteuertauglichkeit. Hervorzuheben ist die für Gravelbikes unüblich große Bremsscheibenkompatibilität. Während die Reifenfreiheit limitiert ist, erlaubt der Schotterflitzer eine aerodynamische und wendige Fahrt, die von einem kurzen Radstand und tiefem Schwerpunkt profitiert. TOUR-Note: 1,9.
Das Storck Grix.3 30th Edition ist mit 7,4 Kilogramm das zweitleichteste Gravelbike dieser Liste und zeichnet sich durch eine auffällige tiefblaue Lackierung und eine sportliche Ausrichtung aus, die eine rennmäßige Sitzposition und direktes Lenkverhalten bietet. Die Weiterentwicklung des Grix.2 verfügt über moderne Anpassungen wie UDH-fähige Ausfallenden und eine neue Lenker-Vorbau-Einheit. Das Grix.3 kombiniert Rennperformance mit Alltagstauglichkeit, ermöglicht durch Ösen für Gepäcktaschen und die Option, kleinere, breitere Räder zu montieren. Damit eignet es sich sowohl für Wettkämpfe als auch für Touren. Zu den Nachteilen gehört die geringe Fußfreiheit, was zu Berührungen mit dem Vorderrad führen kann. TOUR-Note: 1,8
Das leichteste Gravelbike aus den Tests der letzten drei Jahre kommt von Specialized: Die Luxusversion des Crux basiert auf einem Rahmen-Set, dessen Gewicht nur wenige Straßenräder unterbieten. Mit lediglich 7,1 Kilogramm ist die Top-Version deutlich leichter als das Pendant aus Alu (Crux DSW, 9,6 kg) und zieht einsam seine Kreise. Dank leichter Komponenten wie der SRAM Red XPLR oder den Carbonlaufrädern der Eigenmarke Roval sowie dem exzellenten Sattel mit 3D-gedrucktem Polster fügen sich die einzelnen Puzzleteile zu einem absoluten Spaßmobil zusammen. Aufgrund des erhöhten Schwerpunktes, ist das Rad sehr agil und reagiert direkt auf Lenkbewegungen. Der etwas dürftige Komfort und die mangelnden Nachrüstoptionen unterstreichen die Wettkampforientierung, bevorzugt auf glatten Schotter- und Forstwegen. TOUR-Note: 1,8.

Werkstudent