1000 Kilometer-TestRose Backroad FF - Liebe auf den ersten Blick

Dimitri Lehner

 · 19.02.2026

Kunstwerk vor Kunstwerk: Carbon vor Acryl. Das Race Gravelbike Rose Backroad FF gibt es bereits ab 3650 € in bis zu fünf Farben. Diese Farbe nennt sich: Dirty Lemon.
Foto: Lehner Brothers

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“Ab ans Meer”, dachte sich Dimitri Lehner – und fuhr los: 1000 Kilometer von München bis an die Ostsee. Mit dabei: das Rose Backroad FF, eine Liebe auf den ersten Blick. Die Frage ist nur: Hält sie auch über 1000 Kilometer? Kurzes Fazit: Für lange Bike-Packing-Missionen empfiehlt sich der Flitzer weniger. Was zu erwarten war. Die Liebe ist aber noch da.

„Und welches Rad nimmst du?“, fragte mein Bruder.
„Das Rose Backroad FF“, sagte ich. Wie aus der Pistole geschossen!
Als Redakteur für Radsportmagazine hat man Zugriff auf fast alle Räder, die man sich denken kann und ich wählte das Backroad FF des Bocholter Versenders. Ich war das Rad bereits auf kurzen Touren gefahren und hatte mich verliebt. Blitzliebe! Vor allem die äußere Schönheit hatte es mir angetan, wie das in der Liebe auf den ersten Blick meist der Fall ist.

Die Optik des Backroad FF begeistert: schnell, elegant, markant-kantig, clean. Das Cockpit gefiel mir besonders gut: aus Carbon, einteilig, mit integrierter Zugverlegung, abgeflacht, geschwungen und ausgestellt wie Adlerschwingen. Sexy! Schon deshalb musste ich diesen Flitzer haben. Dass das Rad zur Kategorie der Race-Gravelbikes zählt, konnte mich nicht abschrecken, dabei hatte ich überhaupt nicht vor, die 1000 Kilometer zum Ostseebad Binz im Renn-Modus zu fahren.

Daher die berechtigte Frage: Hatte ich mir den richtigen „Partner“ für meine Mission ausgesucht?

Die Geometrie

„Eins der sportlichsten Gravelbikes, das es derzeit zu kaufen gibt“, urteilte die TOUR-Testredaktion in einem früheren Test. Das Kürzel FF im Namen sagt alles. Es bedeutet Fast Forward. Die Bike-Konstrukteure trimmten das Backroad FF auf Vortrieb und verpassten dem Gravelbike eine sehr race-orientierte Geometrie, die eher an das Straßenrad Xlite angelehnt ist als an den Klassiker Backroad. Die racigen Geo-Werte gepaart mit einer tiefen Front strecken den Fahrer und verteilen viel Druck auf die Handgelenke. Kurzum: Ob dieses Marathon-Rennrad für eine Bike-Packing-Tour geeignet sein würde? Vermutlich nein.

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Bei einer Körpergröße 178 cm wählte ich Größe M, was sich als passend herausstellte. M/L hätte die Fahrposition noch raciger gemacht. Nein, danke!

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​Geometrie

MM/LLXL
Sitzrohrlänge in mm505525550585
Sitzrohrlänge in mm546564582603
Steuerrohrlänge in mm134153171195
Steuerrohrwinkelin °7272,2572,572,5
Sitzwinkel in °7574,574,574,5
BB-Drop in mm75727272
Kettenstreben in mm420420420420
Radstand in mm1016103010461067
Max. Sitzhöhe in mm (Stütze 360 mm)795815845875
Reach in mm396405418432
Reach+ in mm576585608622
Stack in mm558574592616
Stack+ in mm643659677701
Überstandshöhe in mm (100 mm vor BB)796817837868
Stack/Reach-Ratio in mm1,411,421,421,43
Stack/Reach-Ratio+ in mm1,121,131,111,13
Gabelvorlauf (Offset) in mm48484848
Laufrad Durchmesser in Zoll700C700C700C700C
Max. Reifenbreite in mm45454545
Gabellänge in mm390390390390
Lenkerbreite in mm400400400400
Kurbelarmlänge in mm172,5172,5175175
Vorbaulänge in mm100100110110
Größen Empfehlung in cm174–181179–186183–193191–200
Systemgewicht in kg120120120120

Dreckige Zitrone

Hier sieht man die neue Lack-Option im Close-Up: Dirty Lemon. Wem das zu progressiv ist, kriegt das Bike auch in schickem Weiß. Lila und Pistazie sind auch zu haben. Für ein Modell die sehr eigenwillige Farbe Rotten Candy. Das Einstiegsmodell Rival XPLR AXS ist mit der 1x13 Rival-Funkschaltung von Sram ausgerüstet. Damit kam ich wunderbar zurecht. Mein Bruder litt unter Akku-Angst und lud die Schaltwerksbatterien alle zwei Tage auf. Da hat er etwas überreagiert. Dennoch: ein Auge sollte man drauf haben, will man nicht im Singlespeed durch die Gegend fahren, was mir bereits mehrfach passiert ist – allerdings nicht auf dieser Tour. Also Auge drauf: Eine LED am Schaltwerk zeigt den Akkustand an. Grün = voll/gut, Rot = gering, Rot blinkend = fast leer.

Dieses marmorierte Gelb/beige nennt Rose: Dirty Lemon. 
Anfangs dachte ich: geht so! Am Ende fand ich’s schön.Foto: Laurin LehnerDieses marmorierte Gelb/beige nennt Rose: Dirty Lemon. Anfangs dachte ich: geht so! Am Ende fand ich’s schön.

​Ausstattungen und Preise

Das Rose Backroad FF ist in vier verschiedenen Ausstattungsvarianten bei Rosebikes zu haben. Die Unterschiede bestehen in der Schaltgruppe, Bremsen und Kurbel. Mein Testbike war mit Sram Rival ausgerüstet. Die Modelle drüber gibt es mit Shimano GRX (zweifach Kettenblatt), Sram Force und Sram Red als Topmodell für 7000 Euro >> hier erhältlich. Außer dem Einstiegsmodell rollen alle auf Carbonfelgen. Bis zu fünf Farben stehen zur Auswahl: Sweet Plum (lila, Dirty Lemon (beige/gelb marmoriert), Supersonic Gray (weiß), Pistachio (lindgrün), Rotten Candy (Rosa mit schwarzen Haaren).
Gewichte: von 8,6 bis 7, kg beim Topmodell.

Von München an die Ostsee - was jetzt?

Hände ausschütteln. Beim FF lastet so viel Druck auf den Handgelenken wie bei einer Kawasaki ZXR 750. Sprich: für lange Touren gibt es komfortablere Bikes.
Foto: Laurin Lehner

Keep Rolling!

Grundsätzlich bin ich ein Fan von beschleunigungsstarken Carbon-Laufrädern. Das Backroad FF Rival ist allerdings als einziges FF-Modell mit Alufelgen ausgestattet. Darauf: 40er Schwalbe G-One R Performance mit dezentem, leicht rollendem Profil als Schlauchreifen. Die Kombi funktionierte gut und lieferte in dem recht sanften Gelände ausreichend Grip.

In der Zahnleiste des FF Rival stecken kleine Zähnchen: der Schwalbe G-One R mit dezentem Profil für schnelles Rollen.Foto: Laurin LehnerIn der Zahnleiste des FF Rival stecken kleine Zähnchen: der Schwalbe G-One R mit dezentem Profil für schnelles Rollen.

Taschen-Setup

Da wird sich der Race-Graveller Backroad FF gewundert haben, als ich ihn mit Taschen behängte. Zweckentfremdung, könnte man sagen. Ich wählte Sattel-, Rahmen- und Oberrohrtasche von Cyclite aus Oberbayern, die sich auf hochwertige Bikepacking-Taschen spezialisiert haben. Hochpreisig, doch dafür auch sehr hochwertig. Ich war voll zufrieden.

Hochwertig, leicht zu bedienen, leicht zu montieren: Taschen von Cyclite aus Oberbayern.Foto: Laurin LehnerHochwertig, leicht zu bedienen, leicht zu montieren: Taschen von Cyclite aus Oberbayern.

Das Testbike

  • Modell: Rose Backroad FF Rival XPLR Axs
  • Preis: 3700 Euro >> hier erhältlich
  • Einsatzbereich: Racegravel
  • Rahmen: Carbon, Gr. M
  • ​Lenker-Vorbau: Rose one piece cockpit Gravel, 100mm/40cm
  • Schaltwerk: Sram Rival XPLR AXS E1
  • Laufräder: Rose G30 Light Alu-Felgen mit Newmen-Naben und Spaim-Speichen
  • Bremsen: Sram Paceline, schwarz Ø160mm
  • Reifen: Schwalbe G-ONE R Performance, 700x40c, schwarz 40-622
  • Gewicht Komplettbike: 8,6 Kilo
  • Anzahl Flaschenhalteraufnahmen: 2

Mein Fazit

Das Backroad FF Rival XPLR AXS ab 3650 Euro ist ein tolles Gravelbike. Punkt. Zu einem anderen Ergebnis kann man kaum kommen. Das Preis-Leistungsverhältnis ist beeindruckend – eine Stärke des Versenders Rose. Das Rad muss sich vor niemanden verstecken, auch nicht vor der imagebeladenen Italo-Konkurrenz. Die Fahrposition ist gestreckt-sportlich, wie man es von einem Race-Gravelbike erwartet. Für lange Bike-Packing-Missionen empfiehlt sich der Flitzer weniger (was zu erwarten war), dafür fehlt der Komfort. Mir schmerzten am Ende des Tages die Handgelenke. Selbst schuld kann man da sagen. Dafür wurde ich belohnt mit viel Vortrieb, einem spitzigen Handling, schneller Beschleunigung und einer sehr schicken Optik. Wie heißt es so treffend: für Schönheit muss man bereits sein, ein bisschen zu leiden.

Dimitri Lehner, 1,78 Meter, BIKE- & TOUR-Tester

Dimitri Lehner war Fallschirmjäger-Offizier, ist diplomierter Sportwissenschaftler und studierte an der renommierten Deutschen Sporthochschule Köln. Ihn fasziniert fast jede Disziplin des Funsports – Bewegung und Abenteuer prägen sein Leben. Seine neueste Leidenschaft: das Gravelbike. Damit fuhr er kürzlich von München an die Ostsee – und fand es herrlich. Und anstrengend. Herrlich anstrengend.

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