Mountainbike mit RennlenkerGraveln deluxe - sinnvoller Trend oder Unsinn?

Jan Timmermann

 · 30.11.2025

Extrembiker Ulrich "Uba" Bartholmoes gewann auf einem umgebauten BMC Twostroke 2025 die legendäre Tour Divide.
Foto: Ulrich Bartholmoes
Auf Extrem-Rennen sieht man sie schon länger. Jetzt setzen sich Gravelbikes mit Federung und anderen Mountainbike-Anleihen auch bei Freizeit-Bikern und Tunern immer mehr durch. Ist das ein guter Trend? Oder eher Unsinn? Ein Redakteur ordnet ein.

Mountainbikes punkten mit Fahrsicherheit und Komfort auch auf schwerem Terrain. Gravel-Bikes bieten die bessere Aerodynamik. Für die Kombination setzen Profi-Biker bei Extrem-Rennen wie der Tour-Divide mittlerweile häufig auf eine Mischung aus Gravel- und Mountainbike.

Und auch Gravel-Hersteller haben reagiert und stellen immer mehr Schotter-Renner mit Mountainbike-Anleihen wie breiten Reifen oder laufruhiger Geometrie in die Shops. Selbst Tuner wie Dangerholm haben das Konzept schon für sich erkannt. Die Kategorien verwischen immer mehr. Eine Analyse.

Getuned mit Rennlenker ist das BMC Twostroke fit für die Langstrecke.Foto: Ulrich BartholmoesGetuned mit Rennlenker ist das BMC Twostroke fit für die Langstrecke.

Mountainbikes im Gravel-Wahn: Leser fragt nach

​Eine Lesermail ans BIKE Magazin neulich gab den Anstoß: ”Sehr geehrte BIKE-Redaktion, es gab Zeiten, als Biker im Anflug von Modernisierungswahn Einfach-Schaltungen an ihr 26-Zoll-MTB geschraubt haben. Sie fanden es cool, wunderten sich aber, dass sie links von Omas mit Rollator überholt wurden. Neuerdings fällt mir auf, dass aus ähnlichen Erwägungen einige Biker Gravel-Lenker an ihr Hardtail schrauben!

Hat so ein ‘Zwitter’ überhaupt irgendwelche erwähnenswerten Fahreigenschaften?

Ein Anblick zum Fremdschämen. Schon rein optisch kann der Lenker nicht zur Rahmengeometrie passen. Hat so ein “Zwitter” überhaupt irgendwelche erwähnenswerten Fahreigenschaften? Ansonsten das Bike besser lassen, wie es ist. Das MTB ist schon perfekt! Mit freundlichen Grüßen, André N., Bernau”

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Einschätzung von BIKE-Redakteur Jan Timmermann

​Hallo André, vielen Dank für deine Nachricht. Ich bin ein großer Fan klassischer Mountainbikes, muss aber zugeben, dass ich selbst vor zehn Jahren einen Gravel-Lenker an mein Hardtail gebaut und das ganze “Monster-Gravel” genannt habe.

Technisch gesehen macht das auf Schotter und einfachen Waldwegen aber nur Sinn, wenn ein extrem kurzer, flacher Vorbau im Spiel ist. Dieser kann den im Vergleich zum Gravelbike größeren Reach sowie das kürzere Steuerrohr etwas kompensieren und aerodynamische Vorteile bringen (z. B. Salsa Guide Stem 60 mm / +25°). Je steiler die Abfahrt, desto mehr ist jedoch der konventionelle MTB-Lenker im Vorteil.

...macht nur Sinn, wenn ein extrem kurzer, flacher Vorbau im Spiel ist

In meinen Augen sind Mountainbikes mit Gravel-Lenkern eine Modeerscheinung, die die Defizite von Gravelbikes sowie den “mäßigen Coolness-Faktor” von Hardtails umgehen will. Einen speziellen Artikel dazu haben wir derzeit nicht in Planung, wir empfehlen dir aber unseren dreiteiligen Konzeptvergleich Gravel vs. Hardtail aus BIKE 10/25. Viele Grüße - Jan, Redakteur Test & Technik beim BIKE Magazin

Jan Timmermann ist Redakteur bei BIKE für Test & Technik.Foto: Georg GrieshaberJan Timmermann ist Redakteur bei BIKE für Test & Technik.

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