Eltern mit sportbegeisterten Kindern kommen an der Marke Vpace kaum vorbei. Zumindest im Süden Deutschlands sind die Bikes aus Ravensburg bei Geländerennen und in Bikeparks vielfach anzutreffen. Vpace dürfte dort sogar führender Anbieter sein, weit vor bekannten Marken, obwohl die Bikes vergleichsweise teuer sind. Das hat handfeste Gründe. Das Team um Sören Zieher hat sich früh darauf spezialisiert, kindgerechte Geometrien und Anbauteile zu sportlichen Rädern zu komplettieren – wie so oft aus der Motivation heraus, die eigenen Kinder auf vernünftige Räder setzen zu wollen. Das Programm umfasst inzwischen alle erdenklichen Gelände-Spielarten, vom Dirtbike bis zu vollgefederten Enduro- und Downhillbikes ab 20 Zoll, mit denen die Steppkes schon im Vorschulalter wie Profis durch den Dreck pflügen können. Der Erfolg gibt den Machern Recht. Große Hersteller schaffen es nicht, bei Kinderrädern vergleichbar konsequent vorzugehen.
Weil Frontmann Zieher insgeheim auch ein Fan von Rennrädern ist, führt Vpace neben den vielen MTB-Modellen auch das Gravelbike Michl. Das gibt es wahlweise mit straßen- oder geländetauglicher Ausstattung und in zwei Größen, die sich auch in der Laufradgröße unterscheiden: Die kleinere, hier gezeigte Version rollt auf 27,5-Zoll-Laufrädern; die größere auf klassischen 28 Zoll. Der Flitzer wird ab 135 Zentimetern Körpergröße empfohlen und präsentiert sich als Alleskönner. Mit Gewinden für Schutzbleche ließe er sich sogar als Alltagsrad für den Schulweg aufrüsten. Auf den ersten Blick verspricht das Michl viel Spaß: Mit unter neun Kilo ist es deutlich leichter als typische Mountainbikes, die Kinder dieser Größe normalerweise vorfinden. Der Einsatzbereich lässt sich über die Reifenwahl einstellen, mit den am Testrad verbauten grobstolligen 40-Millimeter-Pneus trauen sich Kinder auch lose Untergründe zu. Trotzdem rollt es auf der Straße sehr viel leichter als ein Mountainbike.
Das Testrad kommt mit Shimanos GRX1x11-Antrieb mit großer Übersetzungsbandbreite. Im kleinsten Gang stellt die 11-42-Kassette eine ordentliche Untersetzung bereit, die auch das Erklimmen steiler Rampen ermöglicht. In der Straßenversion ist eine 11-34-Kassette mit einem 28er-Kettenblatt montiert, die den Einsatz in Straßenrennen der Altersklasse U13 erlaubt. Der Verzicht auf den Umwerfer soll die Bedienung erleichtern, was sich bei Kinderrädern trotz größerer Gangsprünge bewährt hat.
Neben den kleineren Laufrädern sollen 145 Millimeter kurze Kurbeln und ein schmaler Lenker das Bike für Kids handlich machen. Das klappt im Test nur eingeschränkt. Die Rahmengeometrie, die eine sehr aufrechte Sitzposition vorgibt, und der zwar schmale, aber doch für Erwachsene gemachte Lenker führen dazu, dass das Rad für die empfohlene Einstiegsgröße noch sehr hoch und lang ausfällt. Zumindest für Kinder unter 1,40 Metern fühlt es sich nach anfänglicher Euphorie noch „irgendwie zu groß“ an. Das Umgreifen in den Unterlenker erfordert für die Rennradneulinge viel Konzentration, weil der Abstand groß erscheint.
Noch mehr Probleme bereitet aber das Bremsen und Schalten. Mangels Alternativen sind am Michl die Schalthebel der mechanischen GRX von Shimano montiert, die für Kinderhände geradezu riesig wirken. Die Griffkörper lassen sich nicht umgreifen und geben deshalb wenig Halt. Mit der Griffweiteneinstellung lassen sich die Bremshebel zwar noch ausreichend nahe an den Unterlenker bringen; aus der Griffhaltung von oben aber bleibt die Bremskraft mau. Auch die Gangwechsel während der Fahrt gestalten sich schwierig, weil die Finger für eine komfortable Bedienung von oben noch zu kurz sind.
An ein intuitives Handling im Gelände ist kaum zu denken, zumindest erfordert es einiges an Übung. Auf einem kindgerechten Mountainbike fühlen sich Kinder sicherer. Das Rad dürfte natürlich handlicher werden, je mehr die Kids hineinwachsen. Ab 140 Zentimetern sitzen Kids auf dem kleinen Michl gut, auch Lenkerbreite und Kurbellänge passen dann besser. Allerdings ist die Überlegung angebracht, ob man dann nicht noch etwas zuwartet und gleich auf die 28-Zoll-Variante steigt, die ab zirka 1,45 Metern Körpergröße passabel funktioniert, wie unser Test der Variante im vergangenen Jahr zeigte.