In dritter GenerationDas neue Basso Palta im TOUR-Test

Jens Klötzer

 · 10.02.2026

Das neue Palta III von Basso will Rennambitionen mit Abenteuertauglichkeit vereinen. TOUR hat das Gravelbike der Italiener bereits getestet.
Foto: Basso Bikes
​Die dritte Auflage des Basso Palta will Rennambitionen mit Abenteuertauglichkeit verbinden. Wie sich der Mix aus zwei aktuellen Gravelbike-Trends bewährt, klärt unser Test. Die Neuheit kostet zwischen 4299 und 8499 Euro.

Wer viel Geld in ein hochwertiges Gravelbike investiert, muss sich bei vielen namhaften Herstellern inzwischen entscheiden: puristisches und sportlich geschnittenes Renngerät oder komfortables Abenteuerbike mit viel Platz für Packtaschen und dicke Reifen. Diese beiden recht unterschiedlichen Charaktere haben sich in den vergangenen Jahren herausgebildet und manifestieren sich mitunter in Extremen, die nicht jedem zusagen. Die ursprüngliche Idee des Gravelbikes, Geländefahrten und Reiseabenteuer mit dem sportlichen Fahrgefühl eines Rennrades zu verbinden, spielt bei vielen Marken, insbesondere bei den Top-Modellen, kaum noch eine Rolle.



Der italienische Hersteller Basso indes glaubt, dass die meisten Kunden die Entscheidung zwischen Rennfeile und Tourenbike gar nicht wirklich treffen wollen. Leonardo Basso, der gemeinsam mit seinem Bruder Alessandro die Geschicke des 1977 vom Vater gegründeten Familienunternehmens leitet, sagt: „Viele Kunden von High-End-Gravelbikes wechseln zwischen Racing-Events und Langstrecken-Abenteuern. Dafür wollen sie aber nicht unbedingt zwei unterschiedliche Bikes besitzen. Wenn sie sich entscheiden müssen, entsteht immer das Gefühl, Potenzial liegen zu lassen: Entweder im Rennen oder auf der Langstrecke.“

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Rennfeile oder Tourenbike? Das Palta der dritten Generation will beide Anforderungen erfüllen.Foto: Basso BikesRennfeile oder Tourenbike? Das Palta der dritten Generation will beide Anforderungen erfüllen.

Als Beleg für seine These führt Basso an, dass gesponserte Athleten bei prominenten Rennveranstaltungen mitunter das offensichtlich „falsche“ Rad wählen: Allein wegen der größeren Reifenfreiheit nutzen sie das Adventurebike statt des sportlichen Gravel-Derivats ihres Ausrüsters und nähmen dafür Nachteile bei Sitzposition und Fahrverhalten in Kauf. Sein Ansatz mit der dritten Auflage des Gravelbikes Palta sei es deshalb, die sportliche Ausrichtung mit viel Geländetauglichkeit zu verbinden. Das Rad soll für Renneinsätze ebenso ideal sein wie für abenteuerliche Langstreckenfahrten mit Gepäck.

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Optik wie ein Rennrad

Den angestrebten Mittelweg begannen die Italiener in der Konzeption mit einem ausgesprochen sportlichen Erscheinungsbild: Das neue Palta zeichnet mit strömungsgünstigen Abrisskanten und der filigranen Gabel die Silhouette des aerodynamisch designten Straßenrenners SV nach. Sportlich präsentiert sich auch die vorgegebene Sitzposition. Obwohl der Lenker gegenüber dem Vorgängermodell um einen halben Zentimeter angehoben wurde, ist die Geometrie des Palta im Vergleich mit Wettbewerbern immer noch rennmäßig gestreckt. Es sortiert sich damit in der Riege typischer Race-Gravelbikes wie Cervélo Áspero, Rose Backroad FF oder Canyon Grail ein.

Beim neuen Palta hat man unter anderem die Wahl zwischen drei Cockpit-Varianten.Foto: Basso BikesBeim neuen Palta hat man unter anderem die Wahl zwischen drei Cockpit-Varianten.

Zur individuellen Anpassung bietet Basso beim Kauf des Palta verschiedene Optionen für die Komponenten an: Man kann aus drei Cockpit-Varianten wählen – zwei unterschiedlich designten Lenkereinheiten in verschiedenen Abmessungen oder einem klassischen, geklemmten Lenker – sowie zwischen zwei Sattelstützen mit 15 Millimeter oder ohne Versatz. Das erlaubt zwar viel Spielraum, eine „echte“ Komfortgeometrie bekommt man damit aber auch nicht hin. Das Palta bleibt ein Sportler.

Bei der von uns getesteten Variante, die 6699 Euro kostet, unterstreicht die erlesene Ausstattung den Renncharakter. Die SRAM Force XPLR mit 13 Gängen ist sozusagen state-of-the-art für sportlich abgestimmte Gravelbike-Antriebe; das gilt auch für die breiten Aero-Felgen von Zipp. Auch beim Gesamtgewicht ist das Basso konkurrenzfähig: Die 8,5-Kilo-Marke unterbietet das Rad relativ locker.

Sportliche Sitzposition

Auf dem Trail wirkt das Set-up ziemlich handlich, die kompakte Position ermöglicht ordentlich Druck auf dem Pedal. Das Lenkverhalten ist dabei sehr ausgewogen: Spritzig, aber nicht verspielt, bei hohem Tempo hält das Bike auch auf ruppigem Untergrund zuverlässig die Spur. Dabei wirkt das Fahrwerk gut abgestimmt. Vorne wie hinten sehr komfortabel, aber nicht übertrieben weich und mit ausreichend Rückmeldung vom Untergrund. Das ist auch ein Verdienst der geschmeidigen Pirelli-Reifen, die sich, nominell 45 Millimeter breit, auf den breiten Felgen auf fast 50 Millimeter wölben. Ihre ausgeprägten Stollen bieten zudem guten Grip auch auf weichen Böden. Wer mit der sportlichen Sitzposition auch auf langen Strecken klarkommt, findet im Palta einen zuverlässigen Begleiter für größere Touren.

Für den Abenteuertrip bringt das Palta typische Merkmale mit, die bei rennorientierten Gravelbikes aus Gewichtsgründen meist fehlen. Ein großes Staufach im Unterrohr, das durch eine Klappe mit cleverem und gut bedienbarem Fidlock-Magnetverschluss zugänglich wird, beherbergt zwei wasserdichte Taschen für Werkzeug und wichtige Ersatzteile. Auf Halteösen an der Gabel und eine Vorbereitung für Schutzbleche verzichtet der Carbonrahmen, insgesamt drei Flaschenhalterpositionen dürften aber den meisten auch für längere Touren ausreichen.

Zusammen mit dem britischen Spezialisten Apidura entwickelte Basso für das Palta passgenaue Rahmen- und Oberrohrtaschen, die an Schraubösen befestigt werden und sich nahtlos in das Design einfügen.Foto: Basso BikesZusammen mit dem britischen Spezialisten Apidura entwickelte Basso für das Palta passgenaue Rahmen- und Oberrohrtaschen, die an Schraubösen befestigt werden und sich nahtlos in das Design einfügen.

Zusammen mit dem britischen Spezialisten Apidura entwickelte Basso für das Palta passgenaue Rahmen- und Oberrohrtaschen, die an Schraubösen befestigt werden und sich nahtlos in das Design einfügen. Eine robuste Gummi-Abdeckung – eine Kooperation mit dem italienischen Hersteller Vibram, der vor allem für dämpfende Schuhsohlen bekannt ist – schützt das Unterrohr und den Tretlagerbereich zudem vor Steinschlägen.


Basso Palta III: TOUR-Note und Testergebnisse

  • ​​Preis: 6699 Euro
  • Gewicht Komplettrad: 8,4 Kilogramm
  • Info: www.bassobikes.com
  • Rahmengrößen: XS, S, M, L, XL, XXL (Testgröße gefettet)
Basso Palta IIIFoto: Basso BikesBasso Palta III

Geometrie

  • Sitz-/Ober-/Steuerrohr: 520/569/165 Millimeter
  • Stack/Reach/STR: 591/381 Millimeter/1,55
  • Stack+/Reach+/STR+: 635/571 Millimeter/1,11
  • Radstand/Nachlauf: 1037/64 Millimeter

Ausstattung

  • Antrieb/Schaltung: SRAM Force AXS XPLR (1x13, 40, 10-46 Z.) | Note: 1,5
  • Bremsen: SRAM Force AXS (160/160 mm) | Note: 1,0
  • Reifen: Pirelli Cinturato Gravel (45 mm) | Note: 2,0
  • Laufräder: Zipp 303 XPLR S
  • Laufradgewichte: 1600/2141 Gramm (v./h.)

Messwerte

  • Gewicht Komplettrad: 8,4 Kilogramm | Note: 2,3
  • Fahrstabilität: 7,3 N/mm | Note: 2,3
  • Komfort Heck: 155 N/mm | Note: 2,3
  • Komfort Front: 88 N/mm | Note: 2,3
  • Antritt/Tretlagersteifigkeit: 46 N/mm | Note: 3,3

Vorteile

  • f​unktionale Staufächer
  • hochwertig ausgestattet
  • viele Anpassungsoptionen

Nachteile

  • relativ teuer
Stärken und Schwächen des Basso Palta IIIFoto: TOUR Magazin

Basso Palta: Ausstattungen und Preise

Basso bietet das Palta zum Marktstart ab 4299 Euro an, dann kommt das Rad mit mechanischer Shimano GRX 1x12 und einfachen Aluminium-Laufrädern von Microtech. Auch Varianten mit Zweifach-Kurbel sind im Angebot, mit elektrischer GRX Di2 kostet das Rad 4999 Euro. Noch etwas mehr Spritzigkeit als unser Testrad verspricht eine exquisite Variante mit SRAM Red AXS, die jedoch satte 8499 Euro kostet. Eine Variante mit Campagnolos 1x13-Schaltung soll im Frühjahr folgen; es wäre dann ein Gravelbike komplett aus europäischer Fertigung. Wie alle Basso-Carbonrahmen wird auch das neue Palta in der eigenen Fertigungsstätte in Italien produziert. In der Folge eine Übersicht über mögliche Konfigurationen des neuen Basso.

Palta III GRX 1x12

  • Antrieb/Schaltung: Shimano GRX (1x12; 42, 10-51 Z.)
  • Reifen: Continental Terra Trail (45 mm)
  • Laufräder: Microtech MX25 (Alu)
  • Preis: 4299 Euro

​Palta III GRX 2x12

  • ​​Antrieb/Schaltung: Shimano GRX (2x12; 48/31, 11-34 Z.)
  • Reifen: Continental Terra Trail (45 mm)
  • Laufräder: Microtech MX25 (Alu)
  • Preis: 4399 Euro

Palta III GRX 1x12

  • Antrieb/Schaltung: Shimano GRX (1x12; 42, 10-51 Z.)
  • Reifen: Continental Terra Trail (45 mm)
  • Laufräder: Microtech Grecale (Carbon)
  • Preis: 4999 Euro

Palta III GRX 2x12 Di2

  • Antrieb/Schaltung: Shimano GRX Di2 (2x12; 48/31, 11-34 Z.)
  • Reifen: Continental Terra Trail (45 mm)
  • Laufräder: Microtech MX25 (Alu)
  • Preis: 4999 Euro

Palta III GRX 2x12

  • ​​Antrieb/Schaltung: Shimano GRX (2x12; 48/31, 11-34 Z.)
  • Reifen: Continental Terra Trail (45 mm)
  • Laufräder: Microtech Grecale (Carbon)
  • Preis: 5099 Euro

Palta III Force XPLR 1x13

  • Antrieb/Schaltung: SRAM Force XPLR AXS (1x13; 40, 10-46 Z.)
  • Reifen: Continental Terra Trail (45 mm)
  • Laufräder: Microtech MX25 (Carbon)
  • Preis: 5399 Euro

Palta III GRX 2x12 Di2

  • Antrieb/Schaltung: Shimano GRX Di2 (2x12; 48/31, 11-34 Z.)
  • Reifen: Continental Terra Trail (45 mm)
  • Laufräder: Fulcrum Soniq (Carbon)
  • Preis: 6199 Euro

Palta III Force XPLR 1x13

  • Antrieb/Schaltung: SRAM Force XPLR AXS (1x13; 40, 10-46 Z.)
  • Reifen: Pirelli Cinturato M (45 mm)
  • Laufräder: Zipp 303 XPLR S (Carbon)
  • Preis: 6699 Euro

Palta III Red XPLR 1x13

  • Antrieb/Schaltung: SRAM Red XPLR AXS (1x13; 40, 10-46 Z.)
  • Reifen: Pirelli Cinturato M (45 mm)
  • Laufräder: Zipp 303 XPLR SW (Carbon)
  • Preis: 8499 Euro
Jens Klötzer

Jens Klötzer

Testleiter

Jens Klötzer ist gelernter Wirtschaftsingenieur und bei TOUR der Experte für Komponenten aller Art: Bremsen, Schaltungen, Laufräder oder Reifen – alles testet Jens auf Herz und Nieren. Er sammelt historische Rennräder, besitzt sowohl ein modernes Zeitfahrrad wie ein Gravel-Reise-Rennrad aus Titan. Auf Reisen erkundet er gern unbekannte Straßen in Osteuropa – auf breiten, aber schnellen Reifen.

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