Julian Schultz
· 16.01.2026
Kreuzungen aus Gravelbike und Mountainbike scheinen in der Fahrradwelt ein neuer Trend zu werden. Nachdem Trek mit dem Checkout oder Scott mit Scale Gravel RC bereits namhafte Hersteller vorgelegt haben, präsentiert nun mit Pinarello eine weitere High-End-Marke einen solchen Zwitter. Obwohl das Grevil MX in der Nomenklatur an die rennmäßige Gravel-Plattform der Italiener angelehnt ist, ähnelt es vielmehr einem klassischen Hardtail-Mountainbike. Das Gesamtgewicht gibt die Luxusmarke mit neun Kilogramm (Größe M) an.
Die Basis bildet der vom Dogma XC bekannte Carbonrahmen mitsamt asymmetrischem Hinterbau. Für ein Gravelbike fällt der Lenkwinkel (67,75 Grad) dadurch extrem flach aus. In Kombination mit dem extremen Nachlauf (101 Millimeter) dürfte das Pinarello wie eine Eins auf der Schotterpiste liegen, für schnelle Kurvenwechsel aber entsprechend viel Lenkarbeit benötigen. Durch den langen Rahmen fällt die Sitzposition dafür extrem sportlich aus. Nach dem Test des Dogma XC urteilten die Kollegen unseres Schwestermagazins BIKE, dass das Bike “definitiv ein erfahrenes Händchen am Lenker” benötige.
Apropos: Bei der Steuereinheit bedient sich Pinarello im Road-Bereich und verbaut einen Lenkbügel der Eigenmarke Most, das Carbon-Cockpit kommt auch beim Endurance-Modell Dogma X zum Einsatz. Mit den Schalt-Brems-Hebeln der SRAM Force AXS und Stollenreifen von Schwalbe sind weitere Teile mit Bezug zum Straßenrad- bzw. Gravel-Sport montiert. Beim Schaltwerk dagegen greift Pinarello mit der XX SL Eagle AXS von SRAM erneut in die MTB-Kiste. Durch die Übersetzung mit 38er Kettenblatt und einer Kassette in 10-52-Abstufung spielt der Antrieb seine Stärken in schwierigem und steilem Gelände aus. Ein Hingucker ist dabei das in Violett gehaltene Aero-Kettenblatt des polnischen Tuning-Spezialisten Garbaruk.
Im “Monster Gravel”, wie Zwitter aus Mountainbike und Gravelbike auch bezeichnet werden können, steckt außerdem eine Federgabel von Fox. Mit einem maximalen Hub von 100 Millimetern nimmt diese auch verblockten Trails den Schrecken. Das Dogma XC beispielsweise bietet denselben Federweg. Die maximale Reifenfreiheit von 50 Millimetern wird bereits ab Werk ausgereizt. Die Stollenreifen von Schwalbe sind auf Cross-Country-Laufrädern aus Carbon von DT Swiss montiert. Mit einer versenkbaren 30,9-Sattelstütze und einem Flatbar von Most könne das Grevil MX noch offroad-tauglicher abgestimmt werden, so Pinarello.
Dass Pinarello auf der Velofollies in Kortrijk/Belgien nur eine Ausstattungsvariante der Weltöffentlichkeit präsentierte, deutet daraufhin, dass sich die Italiener hinsichtlich der Marktchancen des neuen Exoten selbst noch ein Bild machen wollen. Zur Auswahl stehen vier Rahmengrößen. Die Lackierung erinnert an die neuen Arbeitsgeräte des zweitklassigen Q36.5-Teams um Superstar Tom Pidcock. Der Preis liegt bei 8500 Euro. Zum Vergleich: Das günstigste Dogma XC kostet 7000 Euro, das günstigste Grevil F mit Funkschaltung von SRAM (Rival AXS) und Carbonlaufrädern von Most liegt bei 5600 Euro.