Jan Timmermann
· 30.06.2026
Das Gravelbike ist aktuell so beliebt, weil es die Vielseitigkeit eines Fahrrads wie kaum ein anderes vereint. Es eignet sich sowohl für den Alltag und längere Touren auf der Straße als auch für Fahrten auf Schotterwegen, Waldpfaden und leichtem Gelände.
Gleichzeitig bietet es zahlreiche Möglichkeiten zur Ausstattung mit Gepäck für Bikepacking-Abenteuer. In einer Zeit, in der viele Menschen flexibel, unabhängig und sportlich unterwegs sein möchten, trifft das Gravelbike damit genau den Zeitgeist. Hier kommen die spannendsten Geschichten rund ums Gravelbike frisch von der Eurobike 2026.
Mit dem Atlas zeigte Faction Bike Studio nach dem Mountainbike-Prototypen Big Ben auch ein Gravelbike auf Basis von 32-Zoll-Laufrädern. Das Konzept-Bike gab es auf der Eurobike am Stand von TRP zu bestaunen. Es dient aktuell als Entwicklungsplattform, um die Auswirkungen der übergroßen Räder auf Fahrverhalten, Geometrie und Integration zu untersuchen.
Um die größere Bauhöhe der Laufräder auszugleichen, setzt Faction unter anderem auf einen extremen -35-Grad-Vorbau, während der Rahmen trotz Platz für 2,1 Zoll breite Reifen kurze 435 Millimeter lange Kettenstreben ermöglicht. Die in Eigenregie entwickelte Rahmenkonstruktion kombiniert Carbonrohre mit Aluminium-Muffen.
Ausgestattet ist das Showbike mit hochwertigen Komponenten wie einem TRP-Classified Vistar Powershift-Antriebsmix, Easton-32-Zoll-Carbonlaufrädern und Schwalbe G-One RX Pro-Reifen ausgestattet. Das Atlas ist nicht für die Serienproduktion vorgesehen, sondern soll als Technologieträger für die Entwicklungsarbeit von Faction Bike Studio dienen.
Beim Traka 2026 wurde über den Prototypen des Canyon x DT Swiss All-Terrain Racing Teams noch gemunkelt, nun stand exakt dieses Bike als Showbike auf der Eurobike-Messe. Beim bislang unveröffentlichten Race-Gravelbike handelt es sich um ein neuartiges Canyon Grail CFR.
Laut den Informationen am Messestand will der Prototyp die Erkenntnisse des World Tour Teams hinsichtlich der Aerodynamik aufgreifen. Auffällig sind große Rohrdurchmesser und eine Reifenfreiheit für 29 x 2,1 Zoll breite Schwalbe Gravelreifen trotz aerodynamischem Sitzrohr. Beim Ausstellungsstück handelt es sich um das Racebike des Deutschen Juri Hollmann. Gewicht und Preis hält Canyon bislang unter Verschluss.
Das TOOT Racing X23 wurde als hochmodernes Bahnrad für den olympischen Spitzensport entwickelt und kombiniert additive Fertigung, Aerodynamik und individuelle Fahreranpassung. Rahmen und Gabel werden aus Scalmalloy gefertigt, einer hochfesten Aluminium-Magnesium-Scandium-Legierung.
Mithilfe von 3D-Drucktechnologien wird die Geometrie präzise auf die Anatomie und Leistungscharakteristik der athletischen Kundschaft abgestimmt. Durch die Verbindung von 3D-Scans, Simulationen und Windkanaltests entsteht ein Fahrrad, bei dem Fahrer und Maschine als aerodynamisches Gesamtsystem betrachtet werden. Das X23 ist von der UCI zugelassen und wurde für den Einsatz auf höchstem internationalen Niveau entwickelt.
Mit dem Corsa Strasbourg Ti zeigt Eddy Merckx ein hochwertiges Titanbike, das sportliche Fahreigenschaften mit hoher Langstreckentauglichkeit verbinden will. Der aus Titan gefertigte Rahmen soll die für das Material typische Kombination aus geringem Gewicht, hoher Korrosionsbeständigkeit und angenehmem Fahrkomfort bieten. Das Rad richtet sich an ambitionierte Gravelbiker, die sowohl schnelle Touren als auch ausgedehnte Bikepacking-Abenteuer im Blick haben.
Moderne Geometrie, großzügige Reifenfreiheit, zahlreiche Montagemöglichkeiten für Taschen und Zubehör sowie eine saubere Integration von Leitungen und Komponenten machen das Corsa Strasbourg Ti zu einem vielseitigen Begleiter für unterschiedlichstes Terrain. Das Modell verbindet die klassische Ästhetik eines Titanrahmens mit zeitgemäßer Gravel-Technik und unterstreicht den Premium-Anspruch der belgischen Traditionsmarke.
Eine weitere spannende Story kommt vom Canyon x DT Swiss All-Terrain Racing Team. Diesmal vom Briten Alex McCormack. Er raste auf seiner super aerodynamischen Canyon Speedmax CFR Zeitfahr-Maschine zu einem neuen Guiness Weltrekord für die meisten gefahrenen Kilometer in sieben Tagen.
In nur einer Woche legte McCormack sage und schreibe 3826,47 Kilometer zurück und übertraf den bestehenden Rekord um hauchdünne 13 Kilometer. Bei sehr kalten und nassen Bedingungen verbrannte der Ausnahmesportler dabeirund 75.000 Kalorien. Die Einkaufsliste für die Versorgung weist Kosten in Höhe von 671,90 Euro aus.
Um Unterkühlung vorzubeugen, musste ihn sein Team mit vorgewärmten Trinkflaschen und einer extragroßen Wärmflasche versorgen. Als McCormack seinen Kopf nicht mehr heben konnte, da die Nackenmuskeln versagten, wurde ein elastisches Band am Helm befestigt, damit er die Straße noch sehen konnte.
Das Ridley Kanzo Fast 2.0 setzt den aktuellen Trend zu aerodynamischen Race-Gravelbikes mit großer Reifenfreiheit konsequent fort und richtet sich kompromisslos an sportlich orientierte Fahrer. Der Carbon-Rahmen kombiniert markante Aero-Formen, ein vollständig integriertes Cockpit und Platz für bis zu 58 Millimeter breite Reifen, um Aerodynamik, Rollwiderstand und Kontrolle gleichermaßen zu optimieren.
Neben einem Gewicht von rund 8,1 Kilogramm und einem geplanten Preis von 7500 Euro wirbt das neue Topmodell mit praxisnahen Details wie einem integrierten Rahmenstaufach, einer anschraubbaren Oberrohrtasche, der Vorbereitung für ein Stromversorgungssystem mit Nabendynamo sowie speziell entwickelten Aero-Taschen.
Der bereits bei Gravel-Rennen erprobte Prototyp soll ab September erhältlich sein und unterstreicht Ridleys Anspruch, die nächste Generation schneller Gravel-Rennräder mitzugestalten.
Auf der Eurobike präsentiert Raymon erstmals das neue Race-Gravelbike Kenthii Ultimate. Das Carbon-Modell setzt auf eine sportliche Aero-Optik und verzichtet weitgehend auf externe Montagepunkte. Stattdessen verfügt es über ein integriertes Staufach im Unterrohr.
Für die Schaltvorgänge sorgt am Topmodell die Sram Force XPLR AXS, während ein einteiliges Carbon-Cockpit, Fulcrum-Sharq-Carbonlaufräder und 50 Millimeter breite Continental Terra Adventure-Reifen die hochwertige Ausstattung abrunden.
Aufrüsten lässt sich das Bike auf bis zu 55 Millimeter breite Gravel-Reifen. Wie hier gezeigt kostet das Kenthii Ultimate 6499 Euro. Modelle ab 3499 sind geplant. Alle Ausstattungsvarianten sollen über eine elektronische Schaltung verfügen.
Auch wenn die Eurobike 2026 zu großen Teilen von E-Bike-Neuheiten dominiert war, zeigten viele Hersteller auch durchaus interessante Gravelbikes und Rennräder. Vor allem das Gravel-Segment befindet sich aktuell in einer Findungsphase, die besonders spannend ist. Angetrieben wird der Neuheiten-Strom von den immer krasseren Leistungen der Rennszene. - Jan Timmermann, TOUR-Redakteur

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