Auch Gravelbikes können sich dem 32-Zoll-Trend nicht entziehen. Die Carbon-Experten von Bike Ahead Composites präsentierten bereits im Herbst 2025 einen fahrbaren Mountainbike-Prototypen mit 32 Zoll-Laufrädern. Die Testfahrten mit den extragroßen Sechs-Speichen-Laufrädern und Maxxis Aspen 32 x 2,4-Reifen führten zum Projekt „Size Matters". Das Gravelbike entstand als Dream Build für die Cycling World Messe in Düsseldorf in Kooperation mit dem Bikeshop Räderei Bautzen. Ziel war es mit dem neuen Standard zu experimentieren und gleichzeitig Handwerkskunst sowie Technik-Leidenschaft in einem Gravelbike-Einzelstück abzubilden. Wir haben alle Infos zum neuen Gravel 32er.
Die Leipziger Custom-Schmiede Rotor fertigte den Rahmen des Bike Ahead Projekt Size Matters Gravelbikes. Inhaber Johannes Hundhammer schweißte zunächst einen kompletten Rahmen aus Columbus Zona-Rohren. Anschließend wurden die Hauptrohre herausgetrennt und durch Carbon-Segmente ersetzt. Der Chemnitzer Carbon-Spezialist Ingo Barthel fertigte die Segmente mit speziellem Forged Carbon-Look und Marmor-Effekt. Die Konstruktion ist eine Hommage an die Neunzigerjahre, als Firmen wie Specialized Rahmen aus Stahlmuffen und Carbon-Rohren bauten. Beim gefrästen UDH-Ausfallende handelt es sich um eine Spezialanfertigung.
Der Rahmen des 32 Zoll Gravelbikes Bike Ahead Projekt Size Matters besitzt eine interne Zugführung. An der Gabel bewegt man sich in gewohnten Bahnen, denn die Columbus Futura Adventure Gabel wurde eigentlich für 29 Zoll-Bikes konzipiert. Sie bietet jedoch auch die passende Einbauhöhe und genug Platz für die 32 Zoll großen Reifen. Der Künstler Johnny Steinert von XS Design Chemnitz lackierte Rahmen, Laufräder, Sattelstütze und Sattel mit transparenter Oberfläche. Farbpartikel im Lack erzeugen einen Tiefeneffekt. Die Oberfläche schimmert je nach Lichteinfall unterschiedlich.
32 Zoll ist spannend. Die Idee für das Gravel-Projekt kam sofort, als ich den Maxxis-Reifen das erste Mal gesehen habe. Es erinnert mich ein bisschen an die Anfangszeit des Mountainbike-Sports, als eine grenzenlose Lust am Experimentieren und Ausprobieren das Fundament für die Evolution des Bikes bildete. - Max Noak, Projektleitung bei Räderei Bautzen
Die Bike Ahead Biturbo X 32” werden in der Würzburger Manufaktur aus einem Stück gefertigt. Die Monocoque-Bauweise bietet Vorteile bei großen Laufrädern. Anders als bei klassischen Laufrädern üben die Speichen keine Spannung auf die Felgen aus. Das soll eine 20 Prozent leichtere Felgenkonstruktion ermöglichen. Die Laufräder wiegen laut Hersteller 1495 Gramm und sollen keine Kompromisse bei Seitensteifigkeit und Stabilität eingehen. Der Maxxis Aspen 32 x 2,4” WT MaxxSpeed TR Exo Reifen ist nahezu identisch mit der 29-Zoll-Version. Die kleinere Ausführung wird seit Jahren bei Worldcups eingesetzt. Der Reifen wurde für breite Felgen optimiert, kommt in der schnellen MaxxSpeed-Mischung und bietet mit EXO Protection Schutz vor Schnitten und Stichen. Projekt-Partner Maxxis geht davon aus, dass der 32-Zoll-Reifen in der Saison 2026 öfter im Worldcup zum Einsatz kommt.
Das Gravel-Cockpit von Bike Ahead können Kunden ganz unabhängig vom 32-Zoll-Projekt Size Matters mit Wunsch-Geometrie bestellen. Ein Formwerkzeug ermöglicht bei Bike Ahead die freie Kombination von Vorbaulängen und Lenkerbreiten. Zwei verschiedene Drop-Varianten stehen zur Auswahl. Das Bike Ahead The Cockpit wiegt lediglich 299 Gramm, wird ebenfalls in Monocoque-Bauweise gefertigt und verfügt über vollintegrierte Kabelführung. Es ist bis 110 Kilogramm Systemgewicht freigegeben. Der Bike Ahead The Hypersaddle wiegt laut Hersteller nur 75 Gramm. Die extra flexible Sitzfläche soll laut Bike Ahead funktionellen Leichtbau und Komfort verbinden. Auch die Sattelstütze stammt aus Würzburg. Die Bike Ahead The Straight ist eine Extraanfertigung von Ingo Barthel, der auch die Carbon-Segmente des Rahmens fertigte.
Kurbel, Kassette und Schaltwerk stammen aus der Shimano XTR 920-Serie. Die Integration der japanischen High-End Mountainbike-Komponenten in das 32 Zoll Gravelbike soll eine große Übersetzungsbandbreite für abwechslungsreiche Gravel-Touren bereitstellen ohne das Gewicht zu stark nach oben zu treiben. Ein Aero-Kettenblatt von Alugear fügt sich optisch clean in den Custom-Aufbau. Die GRX-Brems-Schalteinheit kommt aus dem Gravel-Sortiment von Shimano.
Das Bike Ahead Projekt Size Matters 32 Zoll Gravelbike wird am Stand von Maxxis auf der Cycling World Messe ausgestellt. Die Cycling World findet vom 20. bis 22. März in Düsseldorf statt. Maxxis zeigte die 32-Zoll-Version des Race-Modells Aspen erstmals auf der Eurobike 2025. Seitdem wird über die neue Laufradgröße diskutiert. Die Debatte erinnert an den Übergang von 26 zu 29 Zoll. Große Laufräder versprechen besseres Überrollverhalten, mehr Grip durch größere Aufstandsfläche und höheren Komfort. Das höhere Laufrad-Gewicht steht dem gegenüber. Die Integration in den Gravelbike-Bereich dürfte nur eine Frage der Zeit sein.
Auch wenn viele Radfahrer noch skeptisch sind: Ich bin mir sicher, dass 32 Zoll früher oder später den breiten Markt erreichen wird - auch im Gravelbike-Segment. Das Bike Ahead Projekt Size Matters ist ein einzigartiges Cutom-Schmuckstück, das beweist, dass sich 32 Zöller ästhetisch in ein Gravelbike integrieren lassen. Vielleicht ist es auch ein Blick in die nicht allzu ferne Zukunft. Ich schaue es mir in Düsseldorf definitiv live an. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur